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NILE: VORSCHLAG HAMMER Abscheuliche Riten


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 13.11.2019

Im Rahmen der kürzlich absolvierten Europatournee von NILE nahm sich Gitarrist, Sänger und Band-Kopf KARL SANDERS (r.) Zeit, um mit METAL HAMMER über das Leben auf Tour sowie auch das neue Album VILE NILOTIC RITES zu sprechen.


Artikelbild für den Artikel "NILE: VORSCHLAG HAMMER Abscheuliche Riten" aus der Ausgabe 12/2019 von Metal Hammer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 12/2019

Der Soundcheck im Mannheimer MS Connexion- Club ist bereits erledigt, Karl sitzt backstage und wirkt entspannt. Warten ist nun angesagt, bis die Show beginnt und es auf die Bühne gehen kann. Gelegenheit also, auf die bereits absolvierten Konzerte zurückzublicken. „Die Tour läuft gut bislang, es gibt nichts zu bemängeln. Bis auf die Hitze. Bislang war es heiß, sehr heiß. Jeden Tag, ...

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... jede Nacht“, stöhnt Karl. „Im Tour-Bus war an Schlaf kaum zu denken. Und auf der Bühne ist es nach ein paar Minuten manchmal nicht mehr auszuhalten.“ Aber auch das Billing dieser Tournee ist gewissermaßen heiß, denn als Support sind Hate Eternal, Vitriol und Omophagia mit an Bord. „Das ist eine fantastische Zusammenstellung, ohne Frage. Wir kommen super miteinander aus, die Crew ist routiniert, und das Publikum spitze.“ Was nicht immer der Fall war. Kein Wunder, denn Nile können mittlerweile auf eine große Anzahl von absolvierten Tourneen zurückblicken. „Ich kann nicht einmal mehr sagen, wie viele es letztlich waren. Wir fahren seit über zwanzig Jahren Tourneen, das ist quasi lebenslänglich. Wahnsinn.“ Und relativ ungewöhnlich, dass eine amerikanische Band den Weg nach Europa geht, bevor das neue Album überhaupt erhältlich ist – das Veröffentlichungsdatum fällt auf den Start des nachfolgenden nordamerikanischen Abschnitts. „Zugegeben, das ist etwas unglücklich. Aber wir werden auf alle Fälle wieder mit dem Album im Gepäck vorbeikommen. Die ersten Sommer-Festivals sind bereits geplant, und für den Herbst werden wir eine zweite Tour anvisieren.“ Wer die aktuelle Konzertreise verpasst hat, wird sich somit etwas in Geduld üben müssen.

Sex, Drugs & Rock’n’Roll

So wie Musiker auf Tour, denn exzessives Rockstar- Leben ist meist eher ein Mythos und lässt sich zumeist auf eines reduzieren: Warten auf den abendlichen Gig. „Ja, der Alltag auf Tour ist nicht so glamourös, wie es die Medien gerne verkaufen“, lacht der blonde Gitarrist. „Meine Party findet hier statt – dort drüben steht mein Übungsverstärker. Ich spiele jeden Tag mehrere Stunden. Und versuche, clean zu bleiben… Was eben nötig ist, um eine Tournee am Laufen zu halten.“ Am Abend einer Show sind die Vorbereitungen, die bei Nile durchaus zeitintensiv sind, nicht sichtbar. „Die Fans sehen uns eine Stunde auf der Bühne, aber wir haben uns einen Monat lang intensiv darauf vorbereitet und viermal pro Woche das Set einstudiert.“ Dazu kam natürlich auch Schlagzeuger George Kollias aus seiner Heimat Griechenland angereist. Abseits von Tourneen finden derlei Treffen eher selten statt, doch dank Internet lässt es sich gut über Tausende Kilometer Entfernung hinweg arbeiten. „In manchen Dingen mag der technische Fortschritt ein Fluch sein, aber in vielen eben auch ein Segen. Wir können heutzutage ganz einfach Song-Ideen über große Distanzen austauschen. Meist schicken wir George ein Demo, dann arbeitet er an seinen Parts und wir besprechen den Stand der Dinge. Oft geht ein Song etliche Male hin und her, bis alle Details stimmen.“ Notenblätter oder Tabulaturen spielen bei solchen Aktivitäten allerdings keine Rolle, denn Karl ist niedergeschriebene Musik nicht wichtig. In einem Interview war zu lesen, dass ihm der Eifer mancher Fans, die Songs in Tabulaturen zu pressen, teilweise etwas auf die Nerven geht. „Ja, ich sagte einmal, dass sie alle falsch sind, aber ich keine Zeit habe, sie zu korrigieren“, relativiert Karl, und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Nein, ich notiere mir meine Songs nicht. Metal-Musik schreibt man nicht auf, sie wird einfach aufgenommen. Okay, manche Leute schreiben sie vielleicht nieder. Aber, hey, das ist eine Menge Zeug, was festgehalten werden müsste, vor allem für eine Band wie uns, im extremen Metal.“

Aller Anfang ist schwer…

Beim Einstudieren einer neuen Setlist für eine Tournee geht es ganz pragmatisch zur Sache. „Wenn wir einen alten Song auspacken, muss ich mir das Album wieder anhören und versuchen, mich daran zu erinnern, was ich damals gespielt hatte. Aber ihr werdet überrascht sein – die Hand erinnert sich, selbst wenn es der Kopf nicht mehr tut. Meist klappt dies einfacher als gedacht.“ Nicht ganz so einfach war es vermutlich für die Neuzugänge in der Band, Bassist Brad Parris und Gitarrist Brian Kingsland. Beide mussten sich ihren Platz allerdings erst einmal verdienen. Brad war auf einer vorherigen Tournee quasi Mädchen für alles, kümmerte sich um Kleinigkeiten wie Licht am Merchandise- Stand sowie alle niederen Tätigkeiten, die sonst keiner übernehmen wollte. Aber derart engagiert, dass ihm die Band letztlich eine Chance gab, auch seine Fähigkeiten am Bass unter Beweis zu stellen. Und letztlich schlug Brad auch Brian Kingsland für den vakanten Posten des Gitarristen vor, da dessen Vorgänger Dallas Toler-Wade unter anderem mehr Zeit mit seiner Familie verbringen wollte. Leichtes Spiel hatte Brian nicht: „Er musste wie alle anderen Kandidaten durch die Auditions. Unter anderem gab es die Aufgabe, ‘Call Of Destruction’ zu spielen und dabei zu singen. Die Gitarren-Parts bekommt man verhältnismäßig leicht hin, aber dazu gleichzeitig den Gesang zu übernehmen… Das ist ein ganz anderes Kaliber.“ Letztlich meisterte Brian die Aufgaben und gesetzten Ziele, welche bei Nile stets recht ambitioniert ausfallen. So sagte Karl letztes Jahr: „Ich will nach vorne schauen und Neues machen. Zu viele Leute lutschen am Schwanz der Nostalgie.“ Auf dieses poetische Statement angesprochen, lacht Karl herzhaft. „Das stimmt auch! Lasst das andere machen. Ich will mit Nile nicht in ausgetretenen Pfaden laufen. Es war mir … es war uns wichtig, dass sich VILE NILOTIC RITES nicht altbekannt anhört.“ Inspiration zieht der Band-Kopf aus allen möglichen Quellen, insbesondere dem Internet. „Manchmal gehe ich auf YouTube und sehe etwas Erstaunliches, einen mir bislang unbekannten Gitarristen oder eine außergewöhnliche Band. Wir können froh sein, im Zeitalter des Internet zu leben. Alles ist erreichbar, von jedem Ort des Planeten. Ein ganzes Universum voller Informationen, bereit auf Knopfdruck. Als wir anfingen, lief noch alles über Tapetrading und die Post. Manchmal wartete man Wochen auf neue Kassetten. Und heute öffnet man einfach seinen Browser.“ Karl senkt den Blick, schaut wieder auf, und setzt etwas nachdenklicher fort: „Es hat vielleicht auch Nachteile, wenn alles direkt verfügbar ist. Vielleicht leidet die Wertigkeit darunter, manches wird leichter austauschbar. Aber umso wichtiger ist es, Qualität zu liefern.“

… und am Anfang war das Wort

Bei Nile hat sich bereits ein bewährter Prozess etabliert, um das Niveau auf hohem Level zu halten – die Texte müssen am Anfang stehen. „Es ist meistens so, dass ich die Texte schreibe, wenn ich mich durch etwas inspiriert fühle. Es muss nicht bedeuten, dass ich mich dann direkt an die Musik setze. Da vergeht mitunter etwas Zeit, aber die Texte führen die Musik und leiten sie in die richtige Bahn.“ Was auch eine einfache Erklärung für die sehr variablen Spielzeiten des Albums sein kann. Auf der einen Seite stehen Songs wie ‘Snake Pit Mating Frenzy’ mit unter drei Minuten Länge, auf der anderen Titel wie ‘Seven Horns Of War’, welche über neun Minuten dauern. „Wir wollten das Album möglichst abwechslungsreich gestalten. Jeder Song sollte sich vom anderen unterscheiden, für sich allein stehen können. Auf keinen Fall durfte es langweilig werden, also haben wir versucht, in moderatem Maß verschiedene Stile und Einflüsse zu vermischen.“ Apropos Einflüsse: Natürlich machen ägyptische Themen wieder einen Großteil der Texte aus. Manche Song-Titel sind erneut recht episch ausgefallen, beispielsweise ‘The Oxford Handbook Of Savage Genocidal Warfare’. „Ha, auf diesen Titel kam ich, als ich eine Dokumentation über antike Kriegsführung in Völkermorden sah. Das machte mich neugierig. Ich las viel über alte Eroberer und stieß schließlich auf ein Buch namens ‘The Oxford Handbook Of Genocide Studies’. Mann, das lieferte mir so viel Input für den Song, es war perfekt. Ein krasser Zufall! Wenn man über solch ein passendes Buch stolpert, muss man einfach einen Song darüber machen, da gibt es kein Nein!“ Beim Titelstück war es eine ähnlich spontane Eingebung, welche durch eine Episode der von HBO produzierten Serie ‘Rom’ ausgelöst wurde. „Als Octavian in den Krieg gegen Markus Antonius ziehen wollte, sollte ein Ausrufer Propaganda gegen Markus betreiben und rief zum Volk:,Er verehrt Hunde und Reptilien und tanzt und spielt das Becken in abscheulichen Riten‘ (im Original:,He dances and plays the cymbals in vile nilotic rites‘). Und dann dachte ich mir, ‘Vile Nilotic Rites’, verdammt gut! Daraus muss ich einen Song machen!“ In musikalischer Hinsicht zählt der namengebende Titel zu den eingängigsten des Albums. „Ja, aber er ist dennoch sehr variabel im Tempo. Mal heavy, mal schleppend, aber es gibt auch Blastbeats. Gesanglich haben Brian und Brad ganze Arbeit geleistet, und auch George hat lange an den Drums gefeilt.“ Was das Publikum an diesem Abend nur wenige Stunden später zweifelsfrei bezeugen kann.


Foto: F. Desmaele (PR)