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NORBERT HAUSLOHNER: Notarzt auf hoher See


Modellwerft - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 12.02.2020

Das Rettungsschiff »Halden«

Artikelbild für den Artikel "NORBERT HAUSLOHNER: Notarzt auf hoher See" aus der Ausgabe 3/2020 von Modellwerft. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Modellwerft, Ausgabe 3/2020

Der neue Süllrand hat es in sich…


Decksfixierung der besonderen Art


Keine Kompromisse

Es gibt auch bei Schiffstypen sowas wie „Liebe auf den ersten Blick“. Und eine dieser Liebeleien begann bei mir in Cuxhaven an der Zollkaje. Dort lag das aktuelle Fischereiaufsichtsboot Narwal. Als langjähriger Fan von Seenotkreuzern war ich von dieser abgeänderten SRK-Form so fasziniert, dass ich den entsprechenden Modellbausatz im Maßstab 1:25 bestellte. Nach dem mittlerweile dritten Besuch auf der Narwal holte ich ihn dann beim Hersteller selbst ab.

Nach Sichtung des qualitativ guten ...

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... Bausatzes wollte ich maximal originalgetreu bauen. Da zu dieser Zeit meine Frau einen längeren Klinikaufenthalt absolvieren musste, konnte ich daheim nun auch das Wohnzimmer für entsprechende Recherche und Detailfertigungen umbauen. Vergrößerung der Soundanlage, großer Planständer für DIN-A1, Laptop, Skizzen und das Mobilar voller einzelner Bauteile, der tagelange Recherchewahnsinn konnte beginnen. Das Studium von Originalbildern, gewisse Forumseinträge und Tests mit Details bzw. Baugruppen brachten meine Planungen ins Wanken. Denn drei für mich entscheidende konstruktive Unterschiede zum Original konnte ich letztendlich nicht entsprechend ändern. Es war mir schon klar, dass im Modellbau bei der Kon struktion bzw. Entstehung, ob seitens des Herstellers oder des Modellbauers selber, hin und wieder Kompromisse eingegangen werden müssen. Aber genau das wollte ich bei diesem Projekt auf Grund meiner Kenntnisse des Originals dann doch nicht. Also verhökerte ich den angefangenen Bausatz an einen Vereinskollegen.

Ehemalige Spielzeugkisten, jetzt Behältnisse für den Notfall


Die Halden in der Lackierstube


Schwimmende Krankenstation

Messing pur: Kran-Rohbau


Irgendwie ließ mich aber der Gedanke an diesen Schiffstyp nicht los. Da der neue Besitzer mittlerweile etwas Anderes plante, reifte nach längerer Zeit der Entschluss, den Bausatz - wenn möglich - wieder zurückzuholen, was nach einigem Handeln dann auch gelang. Wie bei allen meinen Unikaten sollte die Silhouette analog zum Vorbild grundsätzlich so bleiben, aber ich wollte neue Ideen umsetzen. Das nicht vorhandene Vorbild wäre eine Art „Notarzt auf hoher See“, auffallend und schnell, mit mobiler Notfallausrüstung und einem speziellen Raum für kleine Operationen. Ebenso seien längere Krankentransporte möglich, wenn bei Schlechtwetter ein Hubschraubereinsatz nicht durchführbar ist, sowie Unterstützung anderer Notfall- bzw. SAR-Einheiten. Dadurch entstand die Bezeichnung „Rescue and Ambulance“ und der Onkel Doktor könnte mit seiner schwimmenden Praxis ausrücken. Zuerst wurde der Rumpf etwas modifiziert. Um einen passenden Rumpfüberstand von 2 mm zum Deck realisieren zu können, fertigte ich aus Vierkantholz einen Rahmen entsprechend des Decksumfanges. Somit konnte ich das mit Unterzügen verstärkte Deck entsprechend tiefer einpassen. Der schon vorhandene, aus meiner Sicht mickrige, Süllrand wurde in der Höhe schlicht vervierfacht. Darauf würde der Decksaufbau dann „streng fluchten“, was sich bei einem späteren Modelleinsatz noch bewähren sollte. Außerdem verstärkte ich das gesamte Aufbaugehäuse mittels Holzleisten. Das Schanzkleid bekam einen 3 mm starken Messingrahmen als Abschluss. Auf die üblichen, notwendigen Arbeiten „schleifen, kleben, löten, fluchen, weil wieder Teile suchen“ usw. will ich nicht weiter eingehen, sondern nur interessante Änderungen beschreiben. Diese ergaben sich aus dem neuen Aufgabenbereich. Neben dem nun auffallend eingefärbten Beiboot platzierte ich zwei Kisten aus meinem Playmobil-Fundus, sie beinhalten mobiles Notfall-Equipment. Der Ambulanzraum bekam einen für Krankentransport vergrößerten Zugang, welcher durch eine ebenfalls in Leuchtrot lackierte, spezielle Tür verschlossen wird. Seenotfall heißt gegebenenfalls mal löschen, also spendierte ich dem Modell auch ein „Spritzerl“, sorry, einen Löschmonitor. Für den Reparaturfall sind, wie bei mir üblich, fast alle Details überwiegend demontierbar ausgeführt. Die Beleuchtung war fast komplett, halt, ein Suchscheinwerfer fehlte. Nun kam der Zeitpunkt, für dieses Modell noch was Besonderes zu konstruieren. Eine ganze Scheinwerfer-Batterie, das wäre es. Zuerst montierte ich eine querliegende Achse auf der Dachfront, welche ich anschließend mit vier (!) Scheinwerfergehäusen bestückte. Per Servogestänge können diese dann vertikal geschwenkt werden. In der doppelt ausgeführten Dachkonstruktion befinden sich vier auf jeweils 3,1 V eingestellte Spannungsregler, welche die speziellen LEDs versorgen. Die Leuchtkraft von 4×110 Lumen ist Wahnsinn! Bei Nachtfahrten sollte der Einsatz dieser Suchscheinwerfer zeitlich begrenzt eingesetzt werden, denn mit der Blendwirkung schlägt der „Aber hallo-Effekt“ dann bei manchen Modellbaukollegen nebenan auch mal in Unmut um. Die weitere Technik wurde bewusst relativ einfach gehalten, um einen problemlosen Alltagseinsatz zu gewährleisten.

Klebeband zu viel gespannt, das ging schief


Auffallende Optik

Dieses neuartige Rettungsschiff sollte sich optisch von gängigen Rescue-Einheiten abheben. Ich arbeitete verschiedene Farbgebungen aus und beteiligte meine Vereinskollegen an der Meinungsbildung. Nach einem langen Entscheidungsprozess begann ich mit den Vorarbeiten. Ich habe schon einige Modelle entstehen lassen, aber die Abklebungen und Lackierergebnisse bei diesem Schiff waren eine endlose Geduldsprobe. Es gab auch zwei neue Erfahrungen für mich, denn beim Abkleben des Wasserpasses spannte ich das Band wohl etwas zu stark und konnte es dann daher nicht mehr maximal andrücken. Penibles, zeitraubendes Nachpinseln war die Folge. Das andere spezielle Erlebnis betraf den Unterwasserbereich. Auf meinem Balkon habe ich modellmäßig schon einiges erfolgreich lackiert bzw. gespritzt. Diesmal aber blieb ich beim Durchziehen der Klarlack-Spraydose plötzlich ganz kurz am Balkongeländer hängen. Das war‘s dann mit dem regelmäßigen Lackauftrag. Wieder musste ich aufwendig nacharbeiten. Die Erkenntnis daraus war, dass ich künftig vor dem Spraydoseneinsatz doch wieder den Arbeitsbereich intensiv kontrollieren muss. Das Gesamtergebnis überzeugte mich letztendlich und es konnte abschließend die Namensgebung erfolgen, welche sich bei all meinen Unikaten immer recht seltsam entwickelt. In diesem Fall musste ein kleiner Ort in Südnorwegen herhalten. Als ich, bekennender Skandinavien-Fan, bei einer meiner Frachtschiffreisen in den hohen Norden das erste Mal norwegischen Boden betrat, fühlte ich mich bisschen wie Neil Armstrong auf dem Mond. Und das war im Hafen von Halden. Um diesem für mich beeindruckenden Moment eine „Bleibe“ zu geben, taufte ich mein neues Rettungsschiff auf den Namen Halden.

In der Heckansicht werden die Unterschiede der beiden Modelle deutlich


Die Halden vor der ideengebenden Narwal


Fahrverhalten

Auch während der Bauphase war ich mit diesem Modell mal am See, um das Fahrverhalten zu testen und nötigenfalls Korrekturen vor den Lackierarbeiten vornehmen zu können. Wegen des relativ hohen Schwerpunktes bei diesem Schiffstyp tastete ich mich vorsichtig an höhere (Kurven-)Geschwindigkeiten heran. Schnell wurde klar, mit den zusätzlichen Verstärkungen und dem Kran aus Messing war ich gewichtsmäßig absolut an der Grenze und das Thema „Innenausbau“ damit leider kaum realisierbar. Nach der Fertigstellung kam mir das nächste Schaufahren unseres Vereins sehr gelegen, und ich genoss das flotte Fahrbild dieses doch sehr handlichen Modells. Bei langsamer Fahrt lässt es sich auch mit einem Knüppel steuern, da das sehr gut reagierende Bugstrahlruder das Ruder ersetzen kann. Allerdings wurde ich dann doch wohl etwas zu übermütig und übertrieb es mit zu schneller Kurvenfahrt. Plötzlich bekam das Schiff nicht nur Schlagseite, es lag „auf der Seite“! Und hier bewährte sich der erhöhte Süllrand. Der Decksaufbau klemmte relativ fest und dichtete dadurch soweit ab, dass sich das Modell mit restlicher Schraubenwirkung noch Richtung Ufer bewegte und schließlich ziemlich unbeschadet geborgen werden konnte. Diese Erfahrung zeigte mir deutlich den Unterschied zu meinem zwar baugleichen, aber eine Maßstabsgröße höher angesiedelten Modell der Narwal, welches auch noch eingegossenen Bleiballast in der Bilge hat. Diese fährt immer „wie auf Schienen“, das Fahrverhalten der Halden ist empfindlicher. Doch auch eine Schlechtwetterfahrt bei Rauhwasser auf dem oberbayrischen Kochelsee überstand die Halden unbeschadet

Die Linienführung eines Seenotkreuzers ist klar erkennbar


Einzelstück

Das für mich geniale Ergebnis: Vor dem Hintergrund des „originalen“ Narwal-Modells entstand ein optisch ähnliches Unikat, welches die Bausatzkompromisse egalisierte und ich meine Modellbauphantasien wieder mal ausleben konnte. Außerdem ist es sehr handlich und „rückenschonend“.