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NORDISCHE KOMBI


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Audio - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 07.10.2022

Digitalquelle › CD-PLAYER

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Bildquelle: Audio, Ausgabe 11/2022

W enn es einen Wettbewerb unter ewigen Geheimtipps gäbe, würde Electrocompaniet aus einer der vorderen Reihen starten. Die Norweger konstruieren und fertigen ihren CD- Player EMC seit 1998. Dabei gilt die Marke eigentlich als Spezialist für Verstärkertechnik. Doch ihr auf 200 Pracht- Exemplare limitierter CD-Player EMC 1 MKV SE kann neben den audiophilen Weihen des technischen Direktors Volker Hunger auf dem Typenschild auch mit den Sekundärtugenden eines Vollverstärkers aufwarten. Stramme 18 Kilogramm bringt der schwarze Schönling auf die Waage. Trotzdem muss der Player nach dem Auspacken erst mal einen Flip vollführen. Hier sollte man eine weiche Decke als Unterlage bereithalten, damit die hochwertigen Metallflächen des extrem soliden Gehäuses nicht schon vor der ersten Benutzung durch Kratzer verunstaltet werden.

Wozu diese Akrobatik-Einlage zum Einstand dient, ...

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... erschließt sich aus der Bedienungsanleitung, über die man zwangsläufig beim Stöbern in den Beipack-Schachteln stößt. Interessant dabei ist der Gegenstand der Suche: Es geht um ein kleines, aber entscheidendes Werkzeug, ohne dass beim EMC 1 nichts läuft. Wie von skandinavischen Möbeln als eine Art Willkommens-Ritual in den eigenen vier Wänden bekannt, braucht man nämlich einen Inbusschlüssel zum Aufbau. Die Notwendigkeit dieses kleinen Werkzeugs erkennen auch notorische Lesemuffel wie der Autor, der den Blick in die Bedienungsanleitung gewöhnlich meidet. Man muss auch kein großes Technik-Verständnis mitbringen, um sehr schnell festzustellen, dass die in Schienen laufende Ladeluke von einem grobschlächtigen, unlackierten Stahlblech versperrt wird. Das gehört da nicht hin – schon rein aus ästhetischen Gründen.

Dass Electrocompaniet gleich zwei verschiedene Größen von Inbusschlüsseln beilegt, legt dann zum Glück ganz schnell den Blick in die Bedienungsanleitung nahe. Denn die anderen vier Transportsicherungen sieht man nicht, wenn man nicht weiß, wo sie sich befinden. Bei einer braucht man den größeren Inbus, der kunstvoll durch ein Loch in der Oberseite zu einer Transportsicherung für das über „Mechanical Cancellation“ – verschweißte Stahlpatten wie bei erdbebensicheren Hochhäusern – gelagerterte Laufwerk auf der Bodenplatte führt. Dazu kommen dann noch drei Flügelmuttern auf der Unterseite, die mit dem initialen Flip zuerst gelöst werden müssen. Apropos Flip: Wer den gleichnamigen Bluetooth-Lautsprecher oder ähnliche Convenience-Produkte in Betrieb nimmt, dürfte unken: Hörst du schon, oder schraubst du noch?

Doch anders als bei Möbeln handelt es sich bei diesem Handanlegen an den Edel-Player mit seinen drei getrennten Kammern für Laufwerk, Digital-Teil und Analog-Sektion nicht um eine Sparmaßnahme, sondern um eine Art Vorspiel zur audiophilen Luststeigerung. Wenn sich dann endlich die Luke öffnet, guckt man zwar rein und nicht raus, dürfte sich aber ähnlich fühlen wie die Besatzung der Nautilus nach dem Auftauchen nach langer Fahrt. Man blickt auf eine offenliegende Antriebsspindel, wie man sie von einigen epochemachenden Konstruktionen von Micromega, Burmester oder Naim kennt. Der Special Edition liegt der gewöhnlich aufpreispflichtige Disc-Stabilisator namens Spider Mk V für 320 Euro bei. Der Autor muss gestehen: Er ist kein Freund von einer Erhöhung der bewegten Massen bei einem auf stetige Drehzahlkorrekturen basierendem Abtast-System wie der Compact Disc. Vielleicht wird man im Alter aber etwas milder. Irgendwie hat es geradezu etwas Aristokratisches, bei diesem Player eine CD aufzulegen.

Das Gefühl, die Silberscheiben aufzulegen und nicht wie üblich per mehr oder weniger satt surrendem Schlitten oder Schlitz einzuführen, kennt der Autor zwar von seinem Naim-CDS-Oldtimer. Dieser muss, im Gegensatz zum EMC 1, aber oben auf dem Regal stehen. Doch mit dem aus dem Vollen gefrästen Stabilisator und der schweren, satt laufenden Abdeckplatte wird das Ritual beim EMC 1 MKV SE noch einmal haptisch aufgewertet. In Zeiten, in denen man nahezu überall streamen kann, fühlt man sich dabei beinahe wie der Chauffeur eines Oldtimers mit satt rastender Handschaltung. Das hochwertige, reine CD-Laufwerk stammt von Stream Unlimited aus Österreich. In Kooperation mit den nordischen Ingenieuren wurde es von Schubladen- auf Toplader-Betrieb umkonstruiert. Auch die zusätzliche Last durch den CD-Spider wurde in Abstimmung mit dem Lieferanten aus der Alpenrepublik auf das Limit der insgesamt rund 8 Kilo schweren Antriebseinheit angepasst.

FREIWILLIGE SELBSTBESCHRÄNKUNG

Was die Wandlung betrifft, vertraut Electrocompaniet auf den CS4398-DAC von Cirrus Logic. Der schafft 24 Bit / 192 kHz, was heute für den Stammtisch eher als Gähn-Technik gilt. Zumal sich die Norweger – auf Basis von Hörtests – beim Upsampling für besonders satte Bässe auf 96 kHz beschränken, statt die volle Leistung des rein nach klanglichen Aspekten ausgewählten Wandlers bis zum Anschlag auszunutzen.

Doch hier offenbart sich die Entwicklungsphilosophie von Electrocompaniet: Die Technik bleibt nur Mittel zum Zweck, der Klang entscheidet letztlich über den eingeschlagenen Weg. Um ein Optimum zu erreichen, ist die Klangfraktion, intern die „goldenen Ohren“ genannt, im Schmiede zu betrachten. Electrocompaniet spart sich so Kompromisse mit der Auslegung des für CD-Belange optimierten DACs und dessen Taktgebung. Man kann die Wandlung allerdings vom EMC 1 MKV SE auf einen Außenborder verlagern, wenn man sich davon mehr Klang als mit Bordmitteln verspricht. Dafür ste- ständigen Austausch mit den Technikern. Diese müssen das Ganze dann umsetzen. Man kann diesen DAC hingegen nicht für andere Digital-Quellen verwenden. Auch für diese Trend-Abweichung lassen sich gewisse Argumente finden. Besonders dann, wenn man versucht, es aus der Sicht der norwegischen HiFihen ein optischer und ein koaxialer S/ PDIF-Ausgang bereit.

Ja, auf der Digital-Seite gibt es formal relativ wenig Spektakuläres zu berichten. Man merkt der ebenso soliden wie eigenwilligen Kreation an, dass bei Electrocompaniet die klassischen Tugenden des audiophilen Klang-Tunings gelten. Augenfälligstes Merkmal der Sonder- Edition: Ein XXL-Netzkabel EVO3 Elite von Isotek aus hochreinem Kupfer mit Fluorinated Ethylene Propylene (FEP) als Dielektrikum zur Isolation.

Wer da nicht schon im Geiste die Scheine für den Aufpreis zum normalen EMC 1 MKV zückt, aus dem wird sicher nie mehr ein echter Highender. Ursprünglich entstand die Special Edition auf Wunsch des chinesischen Importeuers. Dass es den Edel-CD-Player überhaupt außerhalb des fernöstlichen Landes zu kaufen gibt, liegt am guten Draht, den der deutsche Importeur Matthias Roth nach eigenem Bekunden zum Kollegen im Reich der Mitte hat. Und das ist gut so, denn sonst würden wir wirklich etwas versäumen. Der EMC 1 MKV SE klingt in sich außerordentlich stimmig. Zu seinem wohligen analogen Touch mit satten Klangfarben trägt auch gerade die extrem plastische Abbildung bei. Die hohe Obertonauflösung kommt ohne Nebenwirkungen wie Schärfe oder Aufdringlichkeit aus. Hier bleibt auch bei Streichern alles seidig und elegant. Ganz besonders überzeugt die Basswiedergabe. Hier verbinden sich Tiefgang und Kontur zu einer überzeugenden Mischung. Mit der Special Edition verspürt man das erhabene Gefühl, der Seele der Musik auf den Grund gehen zu können.

FAZIT

Es gibt CD-Player, die zackiger, dynamischer erscheinen und die jede Aufnahme zu sezieren scheinen. Dieser deutschen Spezialität setzt die nordische Komposition eine sagenhafte Entspanntheit und seidige Luftigkeit entgegen. Das macht Laune.

MESSLABOR

Perfekt linearer Frequenzgang, mit Pre-Emphasis-codierten CDs minimaler Pegeleinbruch ab 3 kHz von 1 dB (blau). Bei Wiedergabe eines vollausgesteuerten 1-KHz-Tons (0 dBFS) liefert der Player ein Audiospektrum mit durchgängig niedrigem Störgrund (-125 dB), ohne Netzbrumm und nur wenigen Oberwellenresten (K2, K3, K5 bei jeweils -100 dB). Es ergibt sich ein Gesamtklirrfaktor (THD+N) von nur 0,002%. Das rechte Diagramm zeigt das Spektrum bei der Wiedergabe eines stillen Signals: Der linke und rechte Kanal (Pink) verhalten sich identisch, der Störgrund liegt sehr tief (-140 dB). Nur minimaler Netzbrumm, aber hochfrequente, wenn auch sehr leise Störspitzen (maximal -110 dB im Hörbereich). Das Abschalten oder Ändern der Display-Helligkeit änderte das Spektrum nicht. Durchgängig gute Rauschwerte: RCA L/R je 105 dB; XLR L/R 108/101 dB, mit leisestem Nutzsignal messen wir 97 dB. Relativ hohe, fixe Ausgangsspannung: RCA/ XLR 2,3/4,5 V (1 kHz, 0 dBFS). Ausgangswiderstand RCA/ XLR 150/290 Ω (normal). Kritikwürdig ist der Stromverbrauch im Standby (8,5 W), der sich bei 40 ct/ kWh aufs Jahr gesehen zu 30 Euro aufsummiert.