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NORDSPANIEN


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CamperDogs - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 10.12.2021

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Bildquelle: CamperDogs, Ausgabe 4/2021

Oder einfach: zur richtigen Zeit am richtigen Ort – das ist ja grundlegend wichtig, sei es nun, weil man es selbst so entschieden hat oder weil der Zufall es so wollte oder sich keine andere Möglichkeit bot. Die hätte sich schon geboten, als wir damals in der Vorweihnachtszeit über Reisezeiten in der Zukunft nachdachten. Bisher eher Hochsommer- Urlaube in Ferienzeiten gewohnt, schien der kommende »Wonnemonat« Januar als Reisezeit zunächst so gar nicht verlockend.

Allerdings bot er, gerade weil er unklassisch war, ziemlich viel Reizvolles: Freiheiten für die Hunde und uns, kaum Tourismus, nichts Überlaufenes, Frühlingssonne und Wärme und alles, was so dazu gehört - eine herrliche Vorstellung, blauer Himmel, blaues Meer, toll wärs, laues Lüftchen, ein paar Blüten, und das im Januar, Hauptsache südlich und trocken.

Ziemlich blitzartig vertiefte sich der Januar- Reise-Gedanke in uns, wurde ...

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... interessanter, verfestigte sich quasi derart lockend und rasant, dass sich plötzlich alles nur noch um das »Wohin« drehte und das »Ob überhaupt« gar keine Frage mehr war. Mit großer Hoffnung und wild entschlossen – Winterjacken und Hundemäntel im Gepäck, man weiß ja nie –, wollen wir es ergründen. Und zwar mit unserem Wohnmobil mit Ziel: Nordspanien – Atlantik / Kantabrien – Asturien – Galicien. Hier, so hört man, kann es im Winter recht nett sein, ja, sogar Badehosen können mit viel Glück zum Einsatz kommen. Wir werden es erfahren.

Die »Mühen« der Anreise

Aber zunächst kommt dieser lange Weg in den Süden. Und der kann im Winter, wir starten an Neujahr, bis weit hinunter nach Spanien grau und kalt sein und sich ziehen wie ein Kaugummi. Da sind schon mal Etappen von 700 km an der Tagesordnung, die außer kurzen Gassi-Stopps nahtlos »abgerissen« werden müssen, weil man keine Lust hat, sich unterwegs etwas anzuschauen in nebelgrauer Kälte.

Bazou zieht glücklicherweise gut mit und übersteht alles klaglos. Allerdings ist er auch von Welpenalter an reiseerprobt und campingtauglich, kennt das Fahren und Leben im beengteren Raum eines Wohnmobils und kommt mit ständig wechselnden Örtlichkeiten gut zurecht. Vermutlich ist aber auch so ein Ridgeback mit seinem hohen Wärmebedürfnis und der totalen Unlust, bei Schmuddelwetter auch nur eine Pfote nach draußen zu setzen, perfekt für winterliche Wohnmobil-Langstrecken geeignet.

Sand ist immer toll, besonders wenn er unerwartet kommt

So wundert es Bazou im Moment sicher sehr, nach verhältnismäßig kurzer Fahrstrecke schon eine längere Pause einlegen zu dürfen, und das sogar an einem echten Highlight: der größten Wanderdüne Europas, der Dune du Pilat, an der französischen Atlantikküste. Ein riesiger »Sandspielplatz« der Extra-Klasse türmt sich über 100 m hoch und 500 m breit auf. Wir erklimmen den goldenen Gebirgszug, der zum Atlantik hin steil abfällt und sich fast 3 km an der Brandung entlang zieht. Den sehen wir nun in diesem Urlaub erstmals, beim Anstieg hört man das Wellengetose schon enorm brausen. Kraftmaxe Bazou, unser wildes Tier, strahlt über alle vier Backen, hat Spaß im Sand, ist unermüdlich und happy. Es ist windstill, fast menschenleer, 13 Grad, kein bisschen kalt, alles in ein pastelliges Licht getaucht. Das Wetter meint es recht gut mit uns. Mit blauem Himmel wäre der Kontrast sicher toll. Aber wir sind froh, dass jetzt gerade kein Regen fällt und beobachten, wie die Sonnenstrahlen sich mühen, um sich durch die Wolkendecke zu schieben.

Solche Pausen kommen auf der Anreise natürlich sehr gelegen und entspannen ungemein. Man legt den Schalter um auf »Urlaub«, und die folgenden Etappen lassen sich gestärkt angehen. Da macht es auch nichts, dass über unserem nächsten Übernachtungsplatz in Capbreton eine dicke atlantische Nebeldecke liegt, denn die spanische Grenze ist nah, und damit das ersehnte Blau quasi schon in Sichtweite.

Ist das schon der Frühling?

Herrlich ist es, wenn die ersten Sonnenstrahlen durch die Dachluke fallen, sich blitzeblaue Ansichten auf das Meer auftun, bunte Boote schaukeln und die farbenfrohen Häuschen in der Grenzregion zwischen Bayonne und San Sebastian einen so richtig fröhlich stimmen. Hat man dann noch in einer Boulangerie knusprig-blättrige Croissants und Rosinenschnecken ergattern können, über die man sofort genüsslich herfällt, noch ehe sich der verlockende Duft komplett im Mobil ausbreiten kann, ja dann atmet das Leben.

Die fette Beute kaum verschlungen, und schon hat Espagna uns und überrascht uns sehr mit einer wunderschönen hügeligen Wiesenlandschaft mit schneebedeckten Bergen im Hinterland und immer wieder tollen Ausblicken auf den Atlantik, auf schroffe Felsformationen, Bilderbuchbuchten und Strände.

Autofrei auf Kopfsteinpflaster

Die Sonne scheint, vortreffliches Wetter also für den lohnenswerten Bummel durch Santillana del Mar, das schönste mittelalterliche Örtchen der Region, wie man sagt, mit einer in Spanien einzigartigen Altstadt. »Que bello« wird ersetzt durch »que bonito«, »chien« und »cane« durch »perro«. So kommen schon mal dank Bazou ein paar spanische Brocken in unser Hirn und gesellen sich zu unserem französischen und italienischen »Wortschatz«. Von den wenigen Menschen, die zu dieser Zeit unterwegs sind, können wir schnell lernen.

Sehr entspannt lässt es sich unter den vielen Holzbalkonen durch die gepflasterten Gassen vorbei an prächtigen Palästen, Kirchen, kleinen Plätzen und Hauseingängen mit eindrucksvollen Wappen der Familien aus früherer Zeit schlendern. Überall finden sich Weihnachtsdekorationen an Häusern und Fenstern. Lebensgroße Engel stehen auf den Dächern und lächeln gütig herab. Rote Weihnachtssterne wuchern üppig in den Blumenkästen bei mittlerweile sonnigen 16 Grad. An der Kirche trifft man Vorbereitungen für ein Krippenspiel.

Solche zeigen sich auch wenig später in Comillas, das wir ebenfalls besuchen, weil wir einen Gaudi-Bau bestaunen wollen, der allerdings in dieser Zeit geschlossen ist. In der touristischen Hochsaison wird es hier überquellen. Überall wird mit Weihnachtsmusik beschallt, aufgestellte Drängelgitter vor einer leeren Groß-Krippe sollen wohl Besucherscharen lenken, das Jesuskind liegt noch in einer kleinen Krippe in der Kirche vor dem Altar, und auf den Gassen flitzen Menschen mit sehr leckeren Sachen herum. Alles ist bunt und glimmer-kitschig, aber sicher wird es ein freudiges, großes Fest mit viel Tradition.

Es grünt so grün …

Nach einer Nacht auf einem Parkplatz am Meer tut sich die Morgensonne etwas schwer, aber von Kälte keine Spur. Unterwegs auf der Weiterfahrt hellt alles auf. Die Landschaft strahlt frisch sattgrün mit einem Hauch Allgäu, trägt den Namen »Costa Verde« nicht umsonst. Sehr gepflegt wirkt alles, viele neue Häuser sehen wir, wirklich auffallend. Hohe Gebirgsketten ragen ganz küstennah in den Himmel, und immer wieder saugen wir die fantasti-schen Ausblicke auf die raue Atlantikküste und das blaue Meer auf, als gäbe es kein Morgen.

Vielfach fallen uns die Horreos auf, traditionelle Getreidespeicher für Feldfrüchte, die heute kaum noch in Gebrauch sind, aber von der Bevölkerung als wichtiges Kulturgut gehegt und gepflegt werden. In Asturien, wo es noch an die 18.000 solcher Speicher geben soll, wurden sie eher quadratisch gebaut, in Galicien lang gestreckt rechteckig. Zweck der auf hohen steinernen Pfeilern ruhenden Holzkonstruktionen mit schmalen Lüftungsschlitzen, häufig mit Kreuzen oder steinernen Obelisken auf den Dächern zur Abwehr böser Geister, ist aber gleich: Hier im Norden fällt sehr viel Regen, daher müssen die oft reich verzierten Speicher, die häufig von mehreren Familien genutzt werden, durch viele Schlitze gut durchlüftet sein, damit das darin gelagerte hohe Gut nicht verrottet; andererseits dürfen durch die Schlitze aber keine Schädlinge wie Mäuse, Ratten oder Vögel eindringen können. Daher wird der Holzspeicher auf überhängenden Steinplatten auf den Pfeilern aufgesetzt, eine Konstruktion, die von am Boden lebenden Nagern kaum zu überwinden ist. Unser erstes Ziel heute, das Cabo de Peñas, lädt zu einer kurzen Wanderung über die schroffen, bis 100 m hohen Klippen ein, und nebenbei auch zu einer leckeren Fischsuppe und einem Gläschen Vino Blanco – ein Stückchen Luxus bei lauen 18 Grad.

Einreisebestimmungen

• EU-Heimtierausweis

• Kennzeichnung durch Mikrochip (bzw. lesbare Tätowierung bis vor 03.07.2011)

• Regelkonforme Tollwut-Schutzimpfung. Erstimpfung muss 21 Tage zurückliegen. Für Welpen bedeutet das: sie dürfen erst nach der 15. Lebenswoche einreisen (Mindestalter Schutzimpfung 12 Wochen + Entwicklung Impfschutz 21 Tage)

• Die Zahl der einreisenden Hunde ist auf 5 begrenzt

• Grundsätzlich dürfen Hunde aller Rassen einreisen. Allerdings werden Verbote und Beschränkungen regional geregelt. So kann für Hunde bestimmter Rassen eine Leinen- und/ oder Maulkorbpflicht bestehen. Die regionalen Tourismus-Informationen und die Spanische Botschaft geben verlässliche Auskünfte.

»Kleingedrucktes«

Wie für jedes Reiseland, so muss man auch für Spanien bestimmte Regeln beachten und Voraussetzungen erfüllen. Diese sind recht klar formuliert, allerdings werden einige in der Nebensaison oder gar im Winter weniger streng ausgelegt. Da lässt einen der Restaurantbesitzer auf freundliche Nachfrage schon mal mit Hund im Lokal Platz nehmen oder der Schaffner erlaubt augenzwinkernd das Einsteigen mit Hund in den Zug nach Barcelona, wohingegen der Fahrer des Sightseeing-Busses trotz Bedauern ein Zusteigen in den völlig leeren Bus nicht zulassen kann/darf. Die Strände, an denen in der Saison sehr oft Hundeverbot gilt, sind menschenleer, beliebte Wanderrouten oder Sehenswürdigkeiten erheblich weniger besucht. Freiraum für »die Freiheit mit Hund« tut sich auf. Bei entsprechendem Benehmen wird er freundlich gewährt und der Hund geduldet, häufig ganz im Gegensatz zu Saisonzeiten. Es hängt eben von einigem ab, aber eindeutig entschärfen die generell vorhandene Hundefreundlichkeit der spanischen Bevölkerung, ein normales Benehmen des Hundes und die Winterreisezeit die Regeln – und Spanien ist Genuss pur.

Allgemeine Bestimmungen

• In Spanien sind in vielen Regionen Zecken weit verbreitet. Da diese gefährliche Krankheiten übertragen können, empfehlen sich dringend ein angemessener Zeckenschutz sowie entsprechende Impfungen gegen bestimmte Mittelmeerkrankheiten wie Leishmaniose, Babesiose, Ehrlichiose und Herzwurmerkrankungen. Bezüglich Risiko und Prophylaxe sollte unbedingt früh genug vor Reiseantritt ein Tierarzt konsultiert werden.

• Es besteht die Pflicht zum Mitführen von Tütchen zum Aufnehmen der Hinterlassenschaften zur Vermeidung hoher Geldstrafen.

• Es ist ratsam, besonders für einen größeren Hund immer einen Maulkorb mitzuführen, um ihn im Zweifel anlegen zu können.

• Es besteht allgemeine Gurtpflicht für Hunde im Auto.

• In Restaurants sind Hunde in der Regel unerwünscht oder ganz verboten.

• In öffentlichen Verkehrsmitteln dürfen Hunde oft nicht mitfahren, in der Bahn sind sie teils in einer Box im Gepäckwagen zugelassen.

• Zu öffentlichen Gebäuden und Behörden haben Hunde keinen Zutritt.

Und der Haifisch, der hat keine Zähne

Unser Nachtquartier im Hafen von Cudillero erreichen wir nach einer steilen Abfahrt über Serpentinen von den Klippen hinab. Zwei Wohnmobile stehen schon dort. Ansonsten sind wir bisher gefühlt allein unterwegs. Das urige Dörfchen wirkt in dieser sehr schmalen Bucht wie ein Piratennest, die bunten Häuschen kleben förmlich am Hang. Hoch hinaus geht es und sehr eng alles. Man kann sich gut vorstellen, wie die Fischerfamilien früher hier hantiert haben. Es war gewiss sehr mühsam. Einige Menschen sind im Örtchen unterwegs. Zwei feine, ältere Spanierinnen führen ihre Miniatur-Hunde aus. Einer – wohl mit einer Wahrnehmungsstörung – macht auf »dicke Hose« und bellt Bazou forsch an. Frauchen nennt daraufhin ihren kleinen Möpp gespielt empört und augenzwinkernd in unsere Richtung »Scandaloso«, und wir alle lachen, während »Scandaloso« weiter aufgeplustert an der Leine zerrt.

Es gibt viele Lokale, hier isst man Fisch. Wim hat direkt am Hafen eine kleine Kaschemme gesehen. Wir lieben eher die leicht ramponierte Location, lieber urig, authentisch und nicht perfekt. Die bessere Bude ist geöffnet, es duftet, die Küche ist noch nicht kalt, hervorragend, Bazou darf mit, wir speisen. Es gibt Calamares und Chipi-irgendwas frittiert. Eine Flasche Vino Tinto und Brot und hinterher einen 43er, köstlich! Ein schöner Tag!

Früh morgens weckt uns ein rundherum emsiges Fischereigewerkele. Scheinbar werden Fischerboote mit Fang im Hafen erwartet. Viele Männer haben sich auf der Kaimauer mit Karren mit Kühlbehältern versammelt, schwatzen miteinander, man kennt sich. Bazou interessiert sich aber eher für das an den Lagerhauswänden Baumelnde, den Curadillo, ein luftgetrockneter Haifisch, bis er eine der vielen herumlungernden Katzen entdeckt und sich mit dieser einen Hochgeschwindigkeitssprint mit Hürdeneinlage um die Hafenhäuschen herum liefert. Thema »Abruf«, ach vergiss es. Das Liebchen hat auch Ferien.

Von Monsterwellen und Kathedralen- Balkonen

Und muss auch schon bald wieder einsteigen zur Weiterreise, denn Ziel »Illa Pancha«, eine Landzunge, wartet. Auch hier bieten sich wieder großartige Ausblicke auf Küsten, Meer und Buchten bei strahlendem Sonnenschein. Einfach himmlisch schön. Das Meer brandet gewaltig, obwohl kein starker Wind herrscht. »Big Wave Spot« nennt man diese Ecke, ein waghalsiges Spektakel für Surfer, wenn hier die »Monsterwellen« donnernd gegen die felsige Küste krachen. Für manche auch ein Alptraum, denn auch aufrechtstehende Surfbretter mit Kreuzen und Namen junger Burschen blicken aufs Meer.

Nun wollen wir einen Stellplatz anfahren an der Praia das Catedrais, dem spektakulären Strand der Kathedralen. Auf dem Weg erstürmen wir den ersten spanischen Supermarkt, einen Eroski, ähnlich einem der französischen »Tempel«, gigantisch. Riesige Muscheln wandern in den Einkaufskorb, zwei unbekannte Fische, Serrano-Schinken und Chorizzo müssen mit und ein paar Kleinigkeiten wie z. B. eine Flasche 43er. Alles verschwindet im Wohnmobilbauch, und ab gehts vamos a la Playa. Es gibt allerdings nur einen Parkstreifen an der Straße. Wir beschließen, nachts hier stehen zu bleiben, ein Verbotsschild sehen wir nicht, auch keine Menschenseele.

Wir umwandern bei mittlerweile windstillen 17 Grad die Klippen in dieser atemberaubenden Natur. Über Treppen steigen wir hinunter in die Buchten, bestaunen die gewaltigen Felsentore, von den Wellen ausgehöhlt, und waten barfuß durch das atlantische Wasser, was aber nur jetzt bei Ebbe möglich ist, denn bei Flut strömt das Meer mörderisch und meterhoch bis Oberkante in die Buchten. Bazou freut sich seines Lebens und stöbert lustvoll herum. Das alles wäre in der Hochsaison nicht möglich. Mittlerweile muss man sich für den Besuch der Kathedralen im Internet anmelden. Die Besucherströme waren wohl derart massiv, Corona fordert ebenfalls den Tribut, sodass eine Notbremse gezogen werden musste. Nicht nur Meeresströme höhlen aus, Besucherströme ebenfalls.

Den Abend verbringen wir gemütlich im Wohnmobil mit den spanischen Leckereien, planen den weiteren Reiseverlauf und sehen den hohen Wellen der aufkommenden Flut zu, die unter einem immer glutroter werdenden Abendrot in die Ausbuchtungen der Klippen donnert und unfassbar rasant ansteigt.

Wim kocht die Muscheln und brät die Fische. Die erste Flasche Rioja muss dran glauben. Ein weiterer Genuss an einem fantastisch schönen Urlaubstag in der Gemütlichkeit des Wohnmobils im Januar.

Fußvolk unterwegs

Der nächste Tag bringt uns bei leichtem Regen nach Santiago de Compostela. Auf dem angefahrenen CP steht nur ein weiteres Wohnmobil. Mittlerweile ist das Wetter wieder sonnig, und wir starten zur Besichtigung der Stadt. Wir sitzen zwar auf einem der vielen Hügel, aber von Dom oder Centro historico ist nichts zu sehen. 4 km zu Fuß dorthin, ein Bus geht auch, aber ein »perro« darf nicht mit. Also latschen wir. Vor dem Hintergrund, dass ich Sportskanone tapfer zu kämpfen habe, abends total platt bin und es kräftemäßig nur noch zum Entwickeln von etwas Stolz darauf reicht, nicht total verkackt zu haben, ist das Bewusstmachen, dass unendlich viele Pilger hier schon den Camino gegangen sind, außerordentlich beeindruckend und berührend für mich. Ganz sicher waren viele von ihnen auch am Ende ihrer Kräfte.

Im Gehweg ist in Abständen immer wieder die Pilger-Muschel aus goldglänzendem Messing eingelassen, sie weist den Weg. Über sie hinweg wurden von unzähligen Pilgern auf müden, wunden Füßen Erschöpfung und Erleichterung getragen, Herzen und Seelen, die ganz gewiss Befreiung spürten. Und dann stehen wir vor der Porto de Camino und um ein paar Ecken auch vor dem Dom. Innen ist er sehr eindrucksvoll mit gigantischen Orgeln beidseitig mit waagerechten Pfeifen, sehr schön geschnitzten Bänken, einem Altargang und vielen Nebenkapellen. Wie viele hier schon gebetet haben.

Draußen spricht uns ein Mann auf Bazou an in sehr gutem Deutsch. Während er anerkennend und ohne Scheu den Hund streichelt, erzählt er freudestrahlend, er habe 7 Monate in Heidelberg eine Schule besucht, kenne Köln und den Dom. Er schwärmt richtig, man sieht am Leuchten in seinen Augen, wie froh er gerade in seinem Erinnerungsschatz kramt, eine sehr schöne Begegnung, auch für uns.

Wir schlendern zeitvergessen durch die alten Gassen und kehren noch kurz in einer Bar auf einen Kaffee ein, auf dem alle Hoffnung auf neue Impulse für die Muskeln ruht. Der Rückweg ist lang. Abends speisen wir im Restaurant des CP wirklich leckeren gebackenen Käse aus Galicien mit Nüssen. Natürlich gab es noch etwas drum herum, Pilgern zehrt mächtig. Bazou ist platt und streckt schnarchend alle Viere von sich nach diesem erlebnisreichen Tag.

Mystisch gebannt in den Ringen der Kelten

Unsere Reise setzen wir fort, nachdem wir in der Nacht wie Steine geschlafen haben. Irgendwie geht es pilgernd weiter, denn anstrengend wird sie, die Reise, und Stoßgebete werden auch fällig.

Nach einem Spaziergang über die Promenade im Hafenstädtchen Porto do Son, das leider etwas im Nebel und unter bedecktem Himmel liegt, die bunten Boote und die emsigen Fischer aber trotzdem schön anzusehen sind, erreichen wir die Castro de Baroña, eine 23.000 m 2 große Ausgrabungsstätte einer keltischen Höhlensiedlung aus der Eisenzeit auf einer kleinen Halbinsel direkt am Meer, ein geschütztes Kulturerbe, 1933 entdeckt und 1984 ausgegraben. Ja, und tatsächlich stammt Fidel Castros Nachname von hier, denn seine Vorfahren stammen aus Galicien. Was man so alles nebenbei erfährt …

An einem verlassen wirkenden Lokal parken wir am Straßenrand, werden schon von einem hochbeinigen weißen Schäferhund beobachtet, der letztlich friedlich ist, nachdem er Bazou sofort behöckelt, von Bazou aber beim wiederholten Versuch den Marsch geblasen bekommt. Wir wandern durch einen lichten Wald über einen uralten holprigen Weg über riesige flache Felsen. Und aus einer Lichtung heraus erblicken wir die runden Steinfundamente der ehemaligen Siedlung, die Reste der etwa 20 Rundhäuser mit beinah identischem Durchmesser, ohne jeden freien Platz dazwischen, hoch oben auf einem Klippenzug, von Wellen umtost. Einfach grandios und sehr spektakulär gelegen. Damals glaubte man, die hoch gelegenen Gebiete würden den Kontakt zum Himmel und zum Jenseits erleichtern. Irgendwie alles sehr magisch und mystisch, nicht nur, weil das Licht so fahl ist, der Nebel wabert und die atlantischen Wellen mit unbändiger Kraft hoch aufgetürmt schäumen und donnern. Ein wunderbar eindrucksvoller Ort. Wir erkunden alles, es macht sehr viel Spaß. Bazou schleicht interessiert herum, inspiziert die Steinwälle und tobt in den fast goldfarbenen Sandbuchten. Glück pur, wenn die »freie Wildbahn« eine so hervorragende Möglichkeit eröffnet und ein Hund flitzen darf.

Menschliches Versagen mit Absacker

Die Weiterfahrt steht an hier in Grenznähe zu Portugal. Wir wollen einen Schlafplatz in der Nähe von Vigo in Ponte Sampayo anfahren, der an einer uralten Römerbrücke liegt, die man aber auf keinen Fall mit »schwerem Gerät« befahren sollte.

Wie das dann so manchmal ist: Erst ist man noch gelassen locker flockig unterwegs, dann verschärft es sich leicht, die Zeit rinnt einem davon, man möchte an einem Nachtplatz ankommen, trudelt aber etwas, das Navi auch, nie kann man sich auf dieses Ding wirklich verlassen, schon mal gar nicht, wenn’s drauf ankommt, es findet nichts, streikt, wir suchen, fahren, zicken uns an, suchen, fahren, Nerven liegen zunehmend blank, Straßen werden eng und enger … und schwupp müssen wir an einer Gabelung am Fluss, weil außer Notwassern absolut nichts anderes mehr möglich ist, über die gepflasterte, schmale und steinalte Römerbrücke. Toll!

Hatte ich vorher noch Witze darüber gemacht? Hatte ich vorher noch großkotzig posaunt, dass es wohl welche gibt, die orientierungslos einfach durch die Gegend gurken? Die Warnungen einfach ignorieren? Ach ja? Hatte ich das? Ich? Eva an Himmel > Stoßgebet – Himmel an Eva > erhört.

Tatsächlich kommen wir nach diesem »Augen-zu-und-durch-Moment« am gegenüber liegenden Ufer an, ohne Staubwolke, unter uns bröckelt nichts, hinter uns zerfällt nichts. Schockiert am Rande des Traumas halten wir im Ort am Straßenrand an, um erst mal auszuatmen, danach aufzuatmen. Ein Schnaps wäre fällig. Das Verlangen wird ausgebremst, ein klarer Kopf muss her.

So sitzen wir da und glotzen vor uns hin. Bazou leckt mir die Hand, ansonsten Stimmung auf null, bis ein Auto neben uns hupt, der Fahrer winkt, aussteigt und auf uns zukommt. In recht gutem Deutsch, er war 5 Jahre in Stuttgart, plaudert der ältere Mann drauf los und bietet uns seine Hilfe an, da wir ja offensichtlich nicht wüssten, wo wir hinwollten. Meine Güte, wie müssen wir aussehen?! Er würde uns führen, es sei verzwickt hier, er kenne einen guten Platz für die Nacht. So gelangen wir über eine weitere – zeitgemäß unromantische – Brücke auf einen tollen großen Platz direkt am Rand einer Promenade an einem riesigen Flussmündungsdelta. Was will man mehr! Erstklassig!

Der Mann verabschiedet sich so unauffällig, wie er gekommen ist, und unser Leben hat uns wieder – mit normalisiertem Blutdruck. Wim schwärmt aus zur Brotsuche, ich streune mit Bazou am Uferrand entlang, bevor der Wohnmobilherd gefeuert wird. Bei geöffneten Luken und im warmen Abendwind gibts zu Steaks aus Frankreich einen Salat aus Asturien und Rösti aus Deutschland, natürlich ein Schnäpschen, vielleicht auch zwei, und einen himmlischen Sonnenuntergang. Gott sei Dank. Und verlasse uns nicht, wenn’s morgen endlich nach Portugal geht.

Ach ... hatte jemand geunkt, Reisen im Januar wären öde?