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Norev: Alpine A106 Coach 1956: Süßes Früchtchen


Caramini - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 02.01.2020

Klein, süß, putzig, dabei ein wenig sinnlich rund, leichtfüßig und leichtgewichtig: Die A106 war die erste Alpine und basiert auf dem Renault 4CV. Sie stand stets etwas im Schatten ihrer legendären Nachfolgerin, aber Norev erinnert an die Alpine A106, in sonnigem Gelb.


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Sonnige Farbe, wonniges Modell: Die Alpine A106 ist die Kombination aus der Großserientechnik des Renault 4CV, auf Wunsch mit gehörig gepfeffertem Motor, mit einer schnuckeligen Polyesterkarosserie. Und Norev hat daraus ein rundum sympathisches Modell geschaffen.


Fotos: Alexander F. Storz

Die Alpine A110, die Echte, die Originale, ist ja ...

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... wirklich ein niedliches Fahrzeug – vor allem im Vergleich zu ihrem aktuellen Klon, der unter derselben Flagge segelt. Aber noch niedlicher, noch putziger, fast schon rührend, ist die Keimzelle aller Alpines, die Alpine A106. In all dem Alpine-Gedöns, das derzeit gemacht wird, hat der Neue seinen großen Auftritt, die „echte“ A110 wird dadurch wieder ins Gedächtnis (auch in das Modellautogedächtnis) gerufen, weil sich der neue Wagen auf sie beruft. Und die Alpine A310 hat auch wieder ein wenig historisches Oberwasser bekommen, weil momentan alles Alpinige einfach nur très chic ist. Nur an die alte Alpine, die Ur-Alpine, da will sich niemand mehr erinnern. Obgleich mit ihr alles los ging, die ganze Alpine-Erfolgsstory. Norev erinnert sich und uns nun an die Alpine A106. Und das begrüßen wir sehr.

„I have a dream“, mag sich Alpine-Gründer Jean Rédélé gedacht haben und wagte sich mit seinem handgebauten Prototyp 1954 auf die New York Autoshow. Dort standen chromblitzende Cadillac und fast schon phantastische Dream Cars, dazwischen ein kleiner französischer Sportwagen mit Renault-Technik, für den sich Rédélé den schönen Namen „The Marquis“ ausgedacht hatte. Das musste natürlich schief gehen, außer Spesen nichts gewesen. Den frustrierten Rédélé baute sein Schwiegervater auf und motivierte ihn zum Weitermachen. Zusammen mit den Gebrüdern Chappe aus Brie-Comte-Robert, den Inhabern des auf Kunststoffaufbauten spezialiserten Karosseriewerkes C.G., entwickelte er eine ebenso putzige wie sportliche Polyesterkarosserie, die mit der Mechanik des kleinen Renault 4CV kombinierbar war. 1955, noch bevor seine Marke Alpine gegründet wurde, stellte Jean Rédélé den Renault-Verantwortlichen drei Prototypen vor. Die Herren waren angetan und versprachen, Rédélé mit Großserienteilen zu beliefern. Im gleichen Jahr gründete er in Dieppe, wo er bereits eine Renault-Vertretung inne hatte, die Marke Alpine, und sein Auto hörte fortan auf den Namen Alpine A106 Coach. Sein Schwiegervater Charles Escoffier, seinerseits Inhaber einer Pariser Renault-Vertretung, übernahm den Vertrieb. Großer Erfolg! So groß, dass sich sofort ein Belgier meldete und um eine Lizenz bat. Gillet d’Herstal produzierte fortan die A106 in Lüttich für den dortigen Markt.

Die Kombination von putzig und potent, ein heißes Sportgerät auf Basis des lieben Cremeschnittchens, ist die Alpine A106. Vorbildfotos: Archiv Renault (3)


Technikspender der A106 war der Renault 4CV mit Heckmotor, und Rédélé offerierte den Serienmotor (747 cm³, 21 PS) für die Straßen- und eine getunte Version (904 cm³, 59 PS) für die Rennsportversion. C.G. produzierte die Karosserie, die stark gebogene Windschutzscheibe kam als Heckscheibe der Renault Frégate zur Welt, und in Dieppe wurde alles zusammengefügt und Motortuning sowie Rennsportvorbereitung betrieben – das Fahrzeug entstand in Handarbeit, Kundenwünsche wurden berücksichtigt, kaum ein Exemplar gleicht dem anderen. Die A106 Coach schlug sich wacker, Klassensieg bei der Mille Miglia, aber der richtige Motorsportdurchbruch gelang Rédélé erst mit der Nachfolgerin, der legendären Alpine A110.

Die Alpine A106 von Norev ist eine Farbneuheit. Es gab schon etliche Farbversionen, die meisten in unterschiedlichen Blautönen, denn französische Sportler sind ganz einfach in der nationalen Rennsportfarbe Blau lackiert, aber auch ein rotes und weißen Modell gab es bereits, auch einen Teilnehmer an der Tour de France d’Automobile 1958. Nun also Gelb, sonnig, fröhlich, optimistisch – und ungewöhnlich für die A106. Aber die helle Farbe bringt die fließende Linienführung gut zur Geltung, und obgleich das Modell schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, gibt es nichts daran auszusetzen. Bei einer Neuentwicklung wären wohl die Türgriffe separate Formteile, aber ansonsten würde dieses Auto mit Formenbau 2019 auch nicht anders aussehen – was auch daran liegt, dass an einer Alpine A106 nicht allzu viel dran ist. Die Form ist gut getroffen, die Lufteinlässe schwarz und mit einem Chromgitter bedruckt, Rückleuchten und Blinker sind separaten Bauteile (die Scheinwerfer sowieso!). Obgleich schwarz, wirkt der Innenraum freundlich, denn die Oberseiten der Türinnenverkleidungen sind ebenso in Wagenfarbe lackiert wie das Armaturenbrett, dazu ein elfenbeinfarbenes Lenkrad. Einfach ein süßes Früchtchen, die erste Alpine von Norev.
£ 517822 Alpine A106 Coach 1956. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:43. UVP 35 €.

Bunte Alpines: Präsentation der ersten drei Prototypen im RenaultWerk in BoulogneBillancourt 1955, im Hintergrund eine Renault Frégate.


Testfahrt auf der Rennstrecke in Montlhéry im Januar 1956, auf der Wiese parkt ein schwarzes Simca 8 Sport Coupé mit FacelKarosserie von 1951.


LESENSWERTES

Colani GT – Ein VW mit Berliner Schnauze

Alexander Diego Fritz, Purkersdorf (Hollinek) 2018. 304 Seiten. ISBN 9783851103756. Preis 49 €.

Colani GT – was ist das? Natürlich ein Auto. Aber ist es ein VW Käfer mit Spezialkarosserie, ein Kit Car, eine Art Buggy oder gar eine Skulptur des extravaganten, selbstdarstellerischen Designers Luigi Colani, der jüngst im September 2019 verstarb? Darüber ist sich niemand so ganz einig. Colani, Schöpfer bimorpher Formen, war ebenso genial wie streitsüchtig, für die einen ein begnadeter Künstler, für andere ein szenebekanntes, konfrontatives Rumpelstilzchen. Der Colani GT auf VWBasis wurde als Bausatz zwischen 1964 und 1968 bei der Berliner Firma Canadur geschaffen, ein „lustiges“ Fahrzeug, und ein solches kaufte sich Alexander Diego Fritz. Als Fritz recherchierte, lebte Colani noch und wurde von ihm nicht nur interviewt, sondern auch miteinbezogen, und so sehr sich Colani selbst inszenierte, so fleißig tut es ihm Fritz nach: Wir zählen im Buch zwölf Aufnahmen, auf denen der bezopfte Autor freundlich in die Kamera lacht. Davon abgesehen: Umfassender kann man sich einem Auto wie dem Colani GT nicht näheren: Kontakt zum Schöpfer Luigi Colani, Kontakt zu Eigentümern von Colani GT und Bericht derer automobiler ColaniErfahrungen, die umfassende Restaurierungsgeschichte inklusive Insidertipps des „hauseigenen“ Colani GT. Auch Colani selbst kommt ausgiebig zu Wort und berichtet aus seinem automobilschöpferischen Leben, sehr viele Zeitzeugnisse werden reproduziert aus der Ära, als der GT aktuell war und durch die Presse geisterte, der Leser erfährt viel über PolyesterKarosseriebau und die unterschiedlichen ColaniVertriebswege, und Fritz vergisst kein Detail des Colani GT, das er in den Fokus rücken kann. Das lockert das Ganze auf, das durchaus ernsthaft ist bis hin zu Stückzahlen und Reproduktion von TÜVGutachten – eine fröhliche, typisch österreichische Melange aus journalistischer Unterhaltung im FeuilletonStil, SchnöselSchmäh und fundierter Information, garniert eben mit einer guten Portion Selbstdarstellung. Aber was will man machen, wenn man persönlich mit Luigi Colani zu tun hat? Das steckt einfach an, das ist wie ein Virus. afs