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NORMA „BOND STRIKE“ Traumfigur


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 05.03.2020

Tolle Kurven, keine Kanten und das üppige Gewicht gut verteilt an den richtigen Stellen – das neue Norma „Bond Strike“ hat außenballistische Topmaße. Ob das Weitschussprojektil auch im Revier und auf der Schießbahn überzeugt, haben Claudia Elbing und Michael Schmid geprüft.


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Foto: Claudia Elbing

Fotos: Claudia Elbing

Streukreise, die überzeugen (v. l.): 22 mm auf 100 m, 33 mm auf 200 m und 81 mm auf 300 m über ein Harris-Zweibein.

Aerodynamisch ideal: Keine Pressrillen oder Einschnürungen stören die Windschnittigkeit.


Die erste Wahl bei Distanzschüsse ist bislang meistens ein leichter, schneller Flitzer. ...

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Die erste Wahl bei Distanzschüsse ist bislang meistens ein leichter, schneller Flitzer. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Fliegengewichte lassen sich auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigen und bieten, zumindest am Anfang, eine gestreckte Flugbahn. Damit erübrigen sich Flugbahnkorrekturen mit einer auf GEE eingeschossenen Büchse (4 cm hoch/100 m) bis auf Entfernungen von ca. 200 m. Einfach Fleck anhalten und schießen. Was sich auf den ersten Blick komfortabel und praktisch anhört, ist mit vielen Nachteilen verbunden.

Leichte Projektile verlieren sehr schnell an Energie, sind windanfällig und verursachen oft erhebliche Wildbretverluste. Zudem ist ihre sichere Wildwirkung meist auf einen engen Entfernungsbereich beschränkt. Mit dem auf der IWA 2019 vorgestellten „Bond Strike“ konzipieren die Schweden das jagdliche Weitschussprojektil kompromisslos neu. Sie ersetzen das Prinzip „geringe Masse und hohe Anfangsgeschwindigkeit mit schnellem Leistungsabbau“ durch das Prinzip „große Masse und moderate Anfangsgeschwindigkeit mit maximalem Leistungserhalt“. Davon versprechen sie sich, bei ähnlich gestreckter Flugbahn, eine langanhaltend wirksame, wildbretschonende Zielballistik.

Um den Geschwindigkeits- und Energieabbau so gering wie möglich zu halten, greifen die Norma-Konstrukteure tief in die ballistische Trickkiste. Sie optimieren sowohl die Stromlinienform als auch die Querschnittsbelastung des „Bond Strike“. Aus den beiden Faktoren errechnet sich der Ballistische Koeffizient (BC). Dieser vergleicht ein Projektil mit einem genormten Idealgeschoss (Faktor 1,0). Als Faustformel gilt: Je höher der BC, umso weniger wird ein Geschoss durch den Luftwiderstand abgebremst und umso besser sind die Weitschusseigenschaften. Das derzeit im Kaliber .30 verfügbare „Bond Strike“ erreicht den sensationellen Wert von 0,615.

Entscheidenden Anteil daran hat das konsequent auf Aerodynamik getrimmte Geschoss. Keine Kanten, Absätze, Pressrillen, Führungsbänder oder gar ein Scharfrand stören die Stromlinienform. Die jagdlich erforderliche Hohlspitze verdeckt ein pfeilförmiger Kunststoffeinsatz. Die sich anschließende, sanft geschwungene Ogive geht ansatzlos in den großen, zylindrischen Führungsteil über. Das nach innen gezogene Bootsheck (Boattail) reduziert Luftwirbel und verbessert die Flugruhe.

Für ausreichende Wucht hinter der Stirnfläche sorgt das für ein Weitschussprojektil hohe Gewicht von 11,7 g. Um diesen Wert zu erzielen, nutzt Norma die klassischen Baukomponenten Bleikern und Tombakmantel. „Bleifrei“ ließe sich die Masse aufgrund der geringen spezifischen Dichte nicht in einem stromlinienförmigen .30er-Geschosskörper unterbringen, ohne die maximal stabilisierbare Länge (circa 5-faches Kaliber) zu überschreiten. Die so erzielte Querschnittsbelastung von 0,244 g/mm2 (Geschossgewicht/Geschossquerschnitt) garantiert hohen Energieerhalt.

Zielballistisch hat sich Norma für den Typ „massestabiles Deformationsgeschoss“ entschieden. Die Kunststoffspitze leitet in Verbindung mit der abgestuften Expansionskaverne den Verformungsprozess ein. Als Deformationsstopp dient die nach hinten zunehmende Mantelwandstärke. Splitter und nennenswerte Masseverluste soll ausschließlich die chemisch-thermische Verbundkerntechnik verhindern. Also nicht mechanisch durch Pressrillen oder Einschnürungen und die damit verbundenen aerodynamischen Störungen.

Verladen wird das „Bond Strike“ aktuell in den Kalibern .308 Win., .30-06 Spr., .300 Win. Mag., .300 WSM und .300 Rem. Ultra Mag. Dabei finden fein abgestimmte Hochleistungspulver Verwendung. In puncto Mündungsenergie (E0) markieren die „Bond Strike“-Laborierungen den oberen Bereich des jeweiligen Kalibers. Die Mündungsgeschwindigkeiten (V0) dagegen sind im Mittelfeld angesiedelt. Beeindruckend an allen Werksschusstafeln ist der enorm hohe Tempound Energieerhalt auf weite Distanzen.

Als Testkaliber wählten wir die aktuell besonders populäre .308 Win. (76 €/20 Stck.). Vor der Reviererprobung durchlief die „Bond Strike“ ein intensives Prüfprogramm auf einer Long-Range-Schießbahn. Mit zwei gepflegten, exakt schießenden Testwaffen (Tikka „T3 TAC“ [LL: 51 cm], Heym „SR 21 Precision“ [LL: 60 cm]) ermittelten wir die V0 sowie die Präzision, den Geschossabfall und die zielballistische Wirkung auf unterschiedliche Distanzen. Dabei kamen als Wildkörpersimulation tropfnasse Telefonbücher und ballistische Gelatine zum Einsatz. Im Anschluss überprüften wir die Werksdaten durch computergestützte Schusstafelberechnung.

Die V0 der Versuchslaborierung (LL: 60 cm) lag mit 774 m/s geringfügig (3 %) unter den Werksdaten (800 m/s, LL: 66 cm). Die daraus berechnete GEE beträgt 164 m. Erstaunlich: bei der kurzläufigen Büchse (LL: 51 cm) fielen die Werte sogar noch etwas besser aus (V0: 775 m/s, GEE: 165 m). Damit empfiehlt sich der Einsatz der „Bond Strike“ auch für kompakte, schallgedämpfte Büchsen.

Kaum ein Unterschied: Das „Bond Strike“ pilzte zuverlässig bei (v. l.) 100, 200 und 300 m bis zum 2,5-fachen des Geschossdurchmessers auf. Dadurch gibt es selbst in weiten Entfernungen genug Energie an den Wildkörper ab.

Mit den GEE-Werten ergeben sich auf Schalenwild akzeptable, korrekturfreie Schussentfernungen von 189 und 191 m (± 4 cm Flugbahnabweichung zur Visierlinie). Das ist für eine Weitschusspatrone nicht berauschend, in Verbindung mit modernen Absehenschnellverstellungen (ASV) jedoch kein Problem. Ihre Long-Range-Qualitäten entfaltet die „Bond Strike“ im Entfernungsbereich zwischen 200 und 300 m. Hier geht den meisten Konkurrenten die Puste aus. Die Neue dagegen punktet mit V300-Werten von 639 und 640 m/s und einer E300 von 2 387 und 2 394 Joule (J). Das liegt deutlich über dem Niveau einer kräftigen .30-06 Spr.

Uneingeschränkt weitschusstauglich ist die Präzision der „Bond-Strike“. Fünf-Schuss-Streukreise (Tikka) von 22 mm/100m, 33 mm/200 m und 81 mm/300 m lassen jagdlich keine Wünsche offen. Auch mit anderen Büchsen kam die Patrone problemlos zurecht. Erleichtert wird das Treffen auf weite Distanzen durch die geringe Seitenwindanfälligkeit. Bei einem Querwind von 5 m/s beträgt die berechnete Abweichung gerade mal 19 cm/300 m.

Die zum Vergleich herangezogene leichte RWS „Evo- Green“ erfährt auf diese Distanz bereits einen seitlichen Versatz von 31 cm. Bestätigt hat sich auf der Long-Range-Schießbahn der mit dem Computer ermittelte Geschossabfall auf 200 und 300 m (Testwaffen auf GEE eingeschossen). Damit ist der hohe BC der „Bond Strike“ auch in der Praxis belegt.

Beeindruckend auf alle jagdlichen Entfernungen ist die gleichbleibende zielballistische Funktion des Projektils. Egal ob auf 100, 200 oder 300 m, die aus den Telefonbüchern oder der Gelatine geborgenen Geschossreste sind fast identisch. In allen Fällen sprach das Projektil nach praxisorientierten 3 bis 4 cm Anlaufstrecke an und pilzte zuverlässig auf den 2,5- (100 m) bis 2,3-fachen (300 m) Kaliberdurchmesser auf. Die Gewichtsverluste waren akzeptabel und lagen bei circa 7 %. Dabei handelt es sich vorwiegend um Bleiabrieb. Splitter und Abrisse von Mantelfahnen wurden nicht festgestellt. Richtungsstabile Eindringtiefen von 35 (100 m) bis 40 cm (300 m) lassen auf heimisches Schalenwild einen sicheren Ausschuss erwarten. Damit geht das auf Homogenität setzende „Bond-Strike“-Konzept auch zielballistisch auf.

Bei einer Schussdistanz von 100 Metern drang das Projektil 35 Zentimeter tief in die tropfnassen Telefonbücher ein.


Auf 200 Meter legte das Geschoss 38 Zentimeter richtungsstabil im Zielmedium zurück.


Nach einer Anlaufstrecke von drei bis vier Zentimetern (von rechts) ist das „Bond Strike“ vollständig aufgepilzt.


Fotos: Claudia Elbing

Auf 224 Meter wirkte die „Bond Strike“ bei diesem Überläufer sofort tödlich.


Bei Rehwild lieferte die Norma im Testzeitraum immer sehr gute Pirschzeichen am Anschuss.


In der Revierpraxis führte ein Team aus erfahrenen Jägern die Test-Laborierung. Auf der Jagd kamen 32 Stück Schalenwild zur Strecke. Die meisten Stücke wurden in Feldrevieren mit naturgemäß hohen Schussdistanzen gestreckt. Die höchste Entfernung betrug 224 m (Überläufer, 42 kg), die kürzeste 60 m (Bockkitz, 12 kg). Das Wild wurde größtenteils selbst zerwirkt, zumindest jedoch Decke oder Schwarte im Ein- und Ausschussbereich aufgeschärft. Die Tester dokumentierten Jagdart, Gewicht, Schussentfernung, Fluchtstrecke und gegebenenfalls die Nachsuche.

Mit Kammerschüssen lagen Zweidrittel der Rehe am Platz oder verendeten im Umkreis von weniger als 30 m. Der Rest legte Fluchten von bis zu 80 m zurück. Mit guten Schüssen erlegtes Hochwild (8 Sauen, 2 Damschmaltiere) verendete im Test ausnahmslos im Feuer oder nach kurzen Totfluchten (max. 30 m). Alle Stücke hatten Ausschuss, die Durchmesser lagen bei Hochwild zwischen 3 und 5, bei Rehwild zwischen 3 und 6 cm. Bei Rehen liefert das „Bond Strike“ sehr gute, bei Hochwild gute bis mäßige Pirschzeichen. Die meisten Totfluchten ließen sich problemlos ohne Hund ausgehen. Auch zwei Waidwundschüsse auf starkes Rehwild erbrachten gute Schweißfährten. Von vereinzelt etwas stärkerer Hämatombildung (Schussdistanzen unter 100 m) abgesehen, blieb die Wildbretentwertung gering.

Fazit: Mit dem „Bond Strike“ ist Norma ein Quantensprung in der jagdlichen Munitionstechnik gelungen. Die Schweden verknüpfen die aufgrund der Einführung bleifreier Geschosse gemachten, aerodynamischen Fortschritte mit den Gewichtsvorteilen bleihaltiger Mantelkonstruktionen. Dabei beeindruckt die Laborierung durch lang anhaltend hohe Leistung und ausgewogene Zielballistik (s. Tabelle S. 71). Schade, dass der Einsatz des massestabilen und dadurch wildbrethygienisch unbedenklichen Bleigeschosses auf nur noch wenige Bundesländer und das Ausland beschränkt ist.

Trotz zum Teil großer Ausschüsse hielt sich die Hämatombildung und die Wildbretentwertung in Grenzen.


Flüchteten Stücke, konnte die Schweißfährte meist problemlos ohne Hund ausgegangen werden.