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» Notarzt ohne Pilot? Der Luftrettungs-MULTIKOPTER «


ROTORBLATT - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 05.02.2019

Die ADAC Luftrettung wird das Volocopter-Konzept auf die Einsatzmöglichkeiten im Rettungsdienst prüfen. Die Stiftung des Automobilclubs aus München wird dafür 500.000 Euro bereitstellen. Dem Vernehmen nach geht es nicht nur um Kosteneffi zienz, sondern auch um ein möglicherweise ganz neues Zubringersystem für den Notarzt zur Einsatzstelle.


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Bildquelle: ROTORBLATT, Ausgabe 1/2019

Dass Volocopter von Anfang an die Idee verfolgt, Passagiere in einem autonomen Multicopter als eine Art Luft taxi zu transportieren, ist bekannt. Dass sich Luft fahrtbehörden auf der ganzen Welt mit diesem Ansatz noch schwer tun, auch.

In diesem Faktenkontext sorgte die ...

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... Nachricht, dass sich die deutsche ADAC Luft rettung, immerhin in Europa unter den Luft rettungsorganisationen eine echte Größe mit 36 Standorten, ernsthaft mit dem Volocopter für den Einsatz im Rettungsbetrieb auseinandersetzen möchte, für einiges Aufsehen. Das gemeinsame Projekt wird von der ADAC Stift ung mit einer halben Million Euro fi nanziell unterstützt – die eigenständige gemeinnützige ADAC Luft rettung wiederum bringt ihr gesamtes Wissen aus bald 50 Jahren Erfahrung im täglichen Rettungsdienst mit dem Hubschrauber ein.

NUR NOCH DER NOTARZT AN BORD?

Seit dem Jahr 1970 betreibt der ADAC Rettungshubschrauber in Deutschland und leistet damit den sogenannten Notarzt-Zubringerdienst, wenn die jeweilige Leitstelle kein bodengebundenes Notarztfahrzeug schneller zum Einsatzort alarmieren kann. Begleitet wird der Notarzt an Bord von einem Rettungsassistenten, der über weitere Zusatzqualifi kationen verfügt und als HEMS TC dem Piloten im Cockpit assistiert, bevor er an der Einsatzstelle seiner medizinischen Tätigkeit nachgeht. Dieses Crew-Konzept aus mindestens einem Piloten, einem Notarzt und dem Rettungsassistenten ist vergleichsweise teuer – und die Anschaff ungskosten mehrere Millionen Euro teuren Fluggerätes plus die bis zu 60 Euro, die vom Anlassen der Turbinen bis zum Abstellen nach der Landung je Minute fällig werden, kommen noch hinzu.

Es ist also durchaus nachvollziehbar, dass ein Luftrettungsbetreiber den Einsatz eines autonomen, manntragenden Multikopters näher betrachten und prüfen möchte, ob sich hier ein neuer Business-Case ergeben kann.

In der Praxis soll unter anderem getestet werden, ob die automatische Flugsteuerung aus dem Hause Intel vom Abheben bis zur Landung die Zubringerleistung des Notarztes zum Einsatzort vollständig autark übernehmen kann. Dass der Volocopter dies beherrscht, hat der gleichnamige Hersteller in Dubai beim vollautomatischen Abfliegen von vordefinierten Wegpunkten bereits bewiesen. Es gab zwei verschiedene Testgelände, einmal in der Wüste und einmal direkt in der Innenstadt, in denen der Multikopter seine technischen Fähigkeiten zeigen musste. Analog dazu wird es in Deutschland ebenfalls zwei Testgebiete geben, in denen der ADAC die Funktionalität des Volocopters testen möchte: im Bayerischen Ansbach, eine Ortschaft mit etwas über 40.000 Einwohnern, und in Rheinland-Pfalz in Betriebsszenarien mit längeren Flugstrecken.

ERSTER SEIN UND KOSTEN SENKEN

Für Frédéric Bruder, Chef der ADAC Luftrettung, hat die Kooperation mit Volocopter Signalwirkung: „Vor 50 Jahren war der ADAC unter den ersten, die den Hubschrauber im Luftrettungsbetrieb getestet hatten. Für uns ist es daher nur konsequent, die deutsche Luftrettung in ein neues technologisches Zeitalter zu führen.“

Aktuellen Planungen zufolge sollen die Testflüge bereits jetzt im kommenden Frühjahr beginnen. Startpunkt wird jeweils eine Luftrettungsbasis des ADAC sein. Der Fokus der Studie richtet sich unter anderem auf das Handling des Volocopters in der Einsatzpraxis und auch auf die Kosteneffizienz, denn es ist kein Geheimnis, dass die Gesamtkosten eines Rettungshubschraubers mit allem dafür notwendigen Personal, der Wartung und der Technik schon seit Jahren nur eine Richtung kennt: nach oben. Aber selbst wenn der Test mit dem ADAC erfolgreich und vielversprechend verlaufen sollte, haben immer noch die Zulassungsbehörden das letzte Wort. Und wie in der Luftfahrt üblich, muss sich der Hersteller des Volocopters einigen Zertifizierungsauflagen stellen, unter anderem die des zugelassenen Luftfahrtgeräteentwicklers und mindestens auch -herstellers.

Aktuell fliegt der Volocopter, angetrieben von 18 Elektromotoren, noch als Luftsportgerät mit einer vorläufigen Verkehrszulassung des deutschen Ultraleichtflugverbandes (DULV). Ein kommerzieller Flugbetrieb ist damit nicht gestattet. Eine weitere Hürde wäre dann die Zulassung als kommerzielles Fluggerät. Zumindest hier hat die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA schon eine sogenannte Special Condition für Flugtaxis veröffentlicht. Die darin enthaltenen technischen Anforderungen der EASA sind nicht ohne und gehen in manchen Details sogar über die Auflagen für einen Hubschrauber hinaus.

Sollte sich das Konzept vor allem technisch bewähren, stellen sich eine Reihe weiterer Fragen, beispielsweise nach dem medizinischen Equipment. Heutige an Bord von RTH befindliche Ausstattungen sind auf den jeweiligen Platz und die Leistungsfähigkeit des Fluggerätes angepasst. Eine Evolution des Notarzt-Transportmittels muss dann auch mit einer neuen Generation von kompakteren und gewichtsreduzierten medizinischen Geräten einhergehen. Ob es dann in der Zukunft noch einen Rettungsassistenten als HEMS TC an Bord geben wird, muss sich zeigen. Eventuell kommt der Luftrettungs-Multikopter nach RTH und ITH als dritte Option nur mit einem Notarzt besetzt ins Spiel?


» Vor 50 Jahren hat der ADAC den Hubschrauber im Luftrettungsbetrieb getestet. Jetzt möchte mandie deutsche Luftrettung in ein neues technologisches Zeitalter führen «



FOTOS: VOLOCOPTER