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NUR DER ALLRAD EINT SIE


Auto Bild sportscars - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 13.01.2022

WARUM HOLEN WIR UNS DEN NEUEN AUDI RS 3 als Limousine auf den Hof – wo doch hierzulande kaum jemand mehr Stufenheck fährt? Gerade deswegen: weil wir einen ungewöhnlichen Konzeptvergleich vorhaben.

Dem viertürigen RS 3 stellen wir noch einen Hot-Hatch in Form des A 45 S und mit dem M240i ein bayrisches Coupé zur Seite. Schon ist das Testtrio perfekt. Der BMW ist hier die große Unbekannte: Er ist an sich nicht das Topmodell, ein M2 ist ja noch in der Mache. Dieser dürfte aber bei Leistung und Preis deutlich nach oben abdriften. Und ganz pragmatisch gesehen: Es gibt ihn einfach noch nicht. Also behelfen wir uns mit dem, was da ist.

! Der ultimative Konzeptvergleich: Karosserieform, Motor – alle gehen anders heran

Im vorigen Heft hatten wir den M240i mit dem viel schwächeren Porsche Cayman verglichen – dieses Mal geht es gegen die stärkeren Kompaktkonkurrenten Audi RS 3 und Mercedes-AMG ...

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Vom Preis-Leistungs-Verhältnis passen diese drei perfekt zueinander. Der AMG ist der Stärkste, aber auch der Teuerste
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... A 45 S. Hier stimmt der Leistungsabstand im Verhältnis zum Preis. Der Star dieses Vergleichs ist klar der neue RS 3 – und der liegt auch ziemlich genau in der Mitte dieses Trios. 21 PS schwächer als der Mercedes, dafür aber 26 PS stärker als der BMW. Das Kuriose an der Leistungsforschung: Der Stärkste im Dreierbund generiert die Leistung aus den wenigsten Töpfen. Der Brennraum pro Zylinder ist gleich – je ein halber Liter. Mercedes verbaut vier davon, Audi sein charakteristisches Quintett, und BMW zelebriert den Reihensechser. Einzeln aufgeladen sind sie alle, die Literleistung variiert jedoch stark.

Audi hat uns für den Vergleich einen Testwagen ohne die optionale und 1000 Euro teure Sportabgasanlage hingestellt. Akustisch ginge da also noch mehr – wobei wir uns schon jetzt nicht beschweren wollen. Gerade in den Sportmodi klingt es im Fahrgastraum schön kernig. Aber für den noch anstehenden Supertest freuen wir uns natürlich über wirklich volle Hütte – da ist schließlich der Testwagenpreis relativ egal.

Wo wir uns schon mal im Innenraum aufhalten, gehen wir gleich auf die kleinen Schrulligkeiten des RS 3 ein. Da sticht zuerst die neue Performance-Anzeige ins Auge. Zwei parallele Balken als Drehzahlmesser, die jedoch falsch angeordnet sind. Die Leerlaufdrehzahl ist oben im Display, die Maximaldrehzahl unten. Das soll wie eine Landebahn wirken, bei der die Positionslichter auf einen zukommen. Was nun ein Kompaktsportler mit dem Flugwesen zu tun hat, weiß allerdings nur die zuständige Abteilung. In der Fahrpraxis sorgt dieses Gimmick dafür, dass der Fahrer den Blick bei Schaltvorgängen möglichst weit von der Straße nehmen muss, weil der ganz nach unten wandern muss, um den Drehzahlbalken zu verfolgen. Ja, es gibt auch einen Schaltblitz, aber die einfachste Option ist: Gehen Sie ins Menü, und wählen Sie den bekannten Bumerang-Drehzahlmesser.

Der Rest des Interieurs gefällt mit angenehm vielen mechanischen Tasten, die sich – im Gegensatz zu einem großen Touchdisplay – blind bedienen lassen. Durch Ertasten eben. Nicht alles Moderne ist nämlich zwangsläufig eine Verbesserung. Das Lenkrad liegt mit seinem griffigen Lochleder toll in der Hand; dass es unten abgeflacht ist, nutzt bei Drifts eher, als dass es behindert. Wer dennoch auf klassische Formen steht; es gibt aufpreisfrei eine runde Alternative.

„Auf der feuchten Runde behindert den RS 3 seine Keramikbremse. Trocken wird’s wohl besser.“

Guido Naumann, Redakteur

Die Sitze sind okay, aber tendenziell auf Alltag getrimmt. Eine (Halb-)Schalen-Alternative bietet Audi nicht an. Seitenhalt ist vorhanden, viel haben wir auf unserer schnellen Runde nicht vermisst. Allerdings ginge es noch deutlich schneller – doch dazu später mehr.

Beim Fahrwerk neu ist der Torque Splitter an der Hinterachse, mit dem jedes Rad über eine separate Lamellenkupplung einzeln angesteuert werden kann. Bei Bedarf werden bis zu 100 Prozent der an die Hinterachse verteilten Kraft auf das kurvenäußere Rad geleitet. Die Folge: Haftungsabriss, Quertreiberei, Fahrspaß – in exakt dieser Reihenfolge. Das Ganze zu kontrollieren will allerdings erlernt sein. Instinktiv geht die Drifterei mit dem frontantriebsbasierten Allrad nicht gerade von der Hand. Das allerdings eint den RS 3 mit seinem Kontrahenten aus Stuttgart. Dem gegenüber steht der BMW M240i xDrive, Er setzt auf einen heckbetonten Allradantrieb, der bei Bedarf statt der Hinter-die Vorderräder zuschaltet und die Fuhre im Extremfall wieder gerade zieht. Tendenziell schwänzelt der Münchner jedoch lieber mit dem Heck, als ins Untersteuern abzudriften.

Konzeptionell verfährt BMW nach dem Prinzip des 1989er Hollywoodklassikers mit Rick Moranis in der Hauptrolle. Nur dass es hier heißt: „Liebling, ich hab den 4er geschrumpft.“ Unter dem allgemeinverträglicheren Kompaktcoupé-Kleid steckt nämlich im Grunde ein M440i – nur ohne den monströsen Dentagard-Biber-Grill. Das erklärt auch, warum der 2er im Vergleich zum Rest der Truppe geradezu fett geraten ist. 1720 Kilogramm zeigt unsere Messwaage an – exakt 90 mehr als der A 45 S und satte 142 Kilo schwerer als der Audi. Da hilft auch die Gewichtsverteilung nur bedingt, denn der Großteil der Pfunde drückt beim Bayern auf die Vorderachse. Deutlich weniger zwar als beim Rest, aber: Schwerer Reihensechser und Antriebstechnik im Bug tun ihr Übriges …

„Der kommende M2 wird noch mal eine deutliche Schippe drauflegen – auch beim Preis.“

Alexander Bernt, Redakteur

Innen das gleiche Bild: Das Cockpit kennen wir aus dem 4er, das knubbelig gepolsterte Lenkrad liegt gut in der Hand, die an der Rückseite gummierten Schaltpaddel ebenfalls. Lenkübersetzung und -rückmeldung gefallen uns ausgesprochen gut. Die wulstigen Sportsitze dagegen – na ja. Einstellbereich und Einbautiefe sind zwar optimal, an die Polsterung müssen sich der Rücken des Fahrers und vor allem der seitliche Rippenbereich jedoch erst mal gewöhnen.

Beim Mercedes-AMG A 45 S drückt dagegen nur der aufgeladene Vierzylinder, und das nachdrücklich und mit einer Beharrlichkeit, dass wir immer wieder verblüfft sind. Der Zweiliter ist nach wie vor der stärkste Großserien-Vierzylinder, schaufelt eine Literleistung auf die Kette, die sich mit Supersportlern wie dem Maserati MC20 messen kann. Der Allrad arbeitet prinzipiell nicht unähnlich zum Audi, inklusive Driftmodus. Innen begeistern die zupackenden Schalensitze, die aber mit 3891 Euro teuer bezahlt werden wollen, sowie das griffige Lenkrad mit Mikrofaserbezug und 12-Uhr- Marker. Am Exterieur macht das AMG-Aerodynamik-Paket mit Flics und markantem Flügel auf dicke Hose. Dem steht das Fahrverhalten in nichts nach.

Und schon sind wir auf dem Lausitzring, wo uns schwierige Wetterbedingungen die Arbeit erschweren – und das konstant seit drei Wochen. Es ist zwar größtenteils trocken, aber die Strecke will wegen der niedrigen Temperaturen und der Bodenfeuchte einfach nicht abtrocknen. Nur das Messoval ist halbwegs nutzbar, was Kollege Naumann mit einer 3,7 auf 100 im RS 3 eindrucksvoll unter Beweis stellt. Eine Zehntel schneller als die Werksangabe – bei feuchten Bedingungen wohlgemerkt. Der leicht schlüpfrige Asphalt hilft dem Audi. So bringt er seine Kraft effizient auf den Boden. Aber auch die BMWund Mercedes-Zeiten sind unter diesen Bedingungen auf dem Niveau der jeweiligen Werksangabe. Auf Bremsmessungen verzichten wir bewusst. Die wären nicht repräsentativ. Fast wie die Rundenzeit, aber hier interessiert uns doch, wie sich die Konzepte bei Nässe schlagen und vor allem anfühlen. Die Messgeräte sind ohnehin dabei, und alle drei haben Allrad. Also raus auf die Strecke und schauen, was geht!

Der Audi – so unsere Befürchtung im Vorfeld – könnte vor allem seine Probleme auf der Bremse bekommen, denn die Ingolstädter haben IN-RS 3305 mit der optionalen Keramikbremse auf der Vorderachse ausstaffiert. So was in der Kompaktklasse anbieten zu können ist schon eine Wucht und bei trockenem Geläuf auch bestimmt performant, im Nassen sind die ausdauernden Stopper dagegen gern mal unberechenbar. Und genau so kommt es: Wir müssen an den starken Bremspunkten viel früher Geschwindigkeit rausnehmen als mit den beiden stahlbestückten Kontrahenten. Gut ersichtlich ist das an den geringeren V max -Werten am Ende von Start/ Ziel. Im Grenzbereich gibt sich der Ingolstädter dagegen tendenziell nervös an der Hinterachse, nur wer versucht, zu viel Tempo in die Kurve zu nehmen, erntet böses Untersteuern. Der AMG verhält sich recht ähnlich, bleibt länger stabil, bricht dann aber umso unvermittelter aus. Verbunden mit dem immensen Punch und der hervorragend dosierbaren Bremse ist er jedoch im Nassen um Welten schneller als der Audi. Könnte natürlich auch ein Reifenthema sein: Audi fährt einen rollwiderstandsoptimierten Bridgestone Potenza Sport, die anderen beiden Michelin PS 4S mit Herstellerkennung. Warum man bei einem sportlichen Topmodell Performance zugunsten eines Ökoreifens verschenkt, erschließt sich uns, ganz ehrlich, nicht.

„Dass er konsequent sportlich ist, teilt einem der AMG schon beim Einsteigen über Sitze und Lenkrad mit.“

Alexander Bernt, Redakteur

Nur 2,06 Sekunden hinter dem AMG kommt unser klarer Fahrspaßfavorit ins Ziel: der M240i. Auf nassem Geläuf gefällt er uns am besten. Fein dosierbar und jederzeit nur mit Daumen und Zeigefinger beider Hände spielerisch kontrollierbar tanzt er geradezu über den feuchten Asphalt in der Lausitz. Dass er nicht die Bestzeit aufstellt, liegt nur an der fehlenden Leistung und dem weniger konsequenten Race-Set-up.

In Wertung liegt dennoch aktuell der Audi RS 3 minimal vorn. Aber nur, weil wir keine feuchten Rundenzeiten werten, und auch die Bremskategorie noch außen vor ist. Daher ist dieses Ranking unbedingt als das zu sehen, was es ist: unvollständig!

In einer der nächsten Ausgaben werden wir die beiden fehlenden Kategorien bei optimalen Bedingungen nachreichen – und somit das Vergleichstestergebnis komplettieren.

PLATZIERUNG Punkte maximal 320

1.

AUDI RS 3 LIMOUSINE Seine starke Längsdynamik und die Vernunftkategorien bringen dem RS 3 Punkte. 250 Punkte

2. MERCEDES-AMG A 45 S Sportskanone

mit teils heiklem Handling im Nassen, aber bärenstarkem Vortrieb. 249 Punkte

3. BMW M240i Gerade im Feuchten ist der schwere BMW unschlagbar launig – er ist zudem deutlich günstiger. 243 Punkte

Nicht gewertete Zeitenjagd auf dem feuchten Lausitzring. Erkenntnis: Der BMW liegt in Sachen Fahrspaß vor AMG und Audi! Der M240i begeistert mit viel Grip, hecklastigem und berechenbarem Allrad. Der A 45 holt sich dennoch die Bestzeit über die Power, strauchelt aber genauso vom Unter- ins Übersteuern wie der RS 3. Im Audi arbeitet die optionale Keramikbremse im Nassen viel zu aggressiv und gefühllos.

Fazit

Guido Naumann & Alexander Bernt

Vorerst liegt der Audi RS 3 in Führung, aber die wichtigen Kategorien Rundenzeit und Bremse stehen noch aus. Helfen dem Ingolstädter seine Keramikstopper, oder triumphiert letztlich die konsequente Track­ Aus legung des AMG? Der BMW scheint abgeschlagen.