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NUR KEINE HEKTIK


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Auto Bild allrad - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 07.04.2022

SUPERTEST

Toyota Land Cruiser 5-T.

ab 47 400 Euro

ER KOSTET IN DER GE- TESTETEN AUSSTAT- TUNG fast 70 000 Euro. 69 810 Euro, um genau zu sein. Ein hübsches Sümmchen Geld, für das es auch andere, mächtig verlockende Angebote auf dem Allradmarkt gibt. Einen mächtig beeindruckenden Audi Q7 beispielsweise. Oder einen mächtig schnellen Porsche Macan. Oder einen mächtig geländetauglichen Jeep Wrangler 4xe. Oder einen mächtig elektrischen Tesla Model Y. Oder gar gleich zwei Stück Subaru XV mit mächtig Ausstattung. Aber es sollte ja unbedingt dieser Toyota Land Cruiser 2.8 D-4D sein.

Warum nur kauft jemand so ein Auto? Schließlich kann man mit solch einem Toyota niemanden beeindrucken – jedenfalls nicht in Deutschland. Schnell ist er auch nicht – schließlich regelt ihn Toyota rigoros bei gemessenen 179 km/h ab; die Tachonadel – ja, hier noch eine wahrhaftige Tachonadel – zeigt dabei knapp über 185. ...

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Gleich greift sie ein, die zusätzliche Hinterachssperre, und bringt Antriebsmoment auch wieder zum linken Hinterrad
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... Mit dem leisen Schub eines Tesla kann der Toyota auch nicht dienen. Vielmehr tuckert sein langhubiger Vierzylinder-Turbodiesel traktorgleich – und kann ganz sicher nicht mit seiner Beschleunigung beeindrucken. Zackig um gewundenes Kurvengeschlängel hetzen kann er auch nicht. Der 1,89 Meter hohe Aufbau neigt sich dann zur Seite, worauf sofort das übervorsichtige ESP genauso rigoros wie zuvor die Autobahntempodrossel das Gas wegnimmt und automatisch auch die Radbremsen aktiviert.

Und trotzdem haben sich allein in Deutschland vergangenes Jahr 853 Menschen einen Land Cruiser gekauft. Sind die alle nicht ganz bei Trost? Keineswegs, denn bei näherer Betrachtung kauft man mit dem Land Cruiser einfach DAS Auto. Ein Auto für alle Fälle. Man braucht keinen Zweitwagen und kein Leihauto. Denn dieser Land Cruiser kann alles, was alle anderen Autos auch können. Aber hier vereinen sich alle Eigenschaften in einem einzigen Auto.

Das glauben Sie nicht? Die Geländetauglichkeit eines Jeep Wrangler bietet auch der Toyota. 215 mm Bodenfreiheit, die begrenzt ist von soliden Schutzplatten; dazu klug gestaltete Karosserieüberhänge, die im Gelände so schnell nicht auf Grund gehen. Und ein wirklich ausgeklügelter Allradantrieb mit echtem Permanentallrad und einem liebevoll abgestimmten Schlupfregelungs-und Differenzialsperrensystem, das selbst im bodenlosen Tiefschnee und auf fiesem Feuchtgras noch das letzte Restchen Traktion aus dem jeweils vorhandenen Reifenprofil zu kitzeln vermag. Einfach immer auf dem Gas bleiben; der Land Cruiser ackert sich immer weiter vorwärts und gibt so schnell nicht auf. Das kann freilich auch ein Mercedes G oder ein Jeep Wrangler. Ersterer ist aber gleich mehrere 10 000 Euro teurer, zweiterer auf der Autobahn eine Plage.

Dort reist es sich nämlich mit dem Land Cruiser vorzüglich. Man sitzt erhaben auf komfortablen Sesseln, genießt die Aussicht aus satten 85 Zentimeter Sitzhöhe über der Fahrbahn. Man kann stundenlang mit Tempo 160 durchfahren, ohne von Motorlärm und Federungsstößen belästigt zu werden. Notfalls eben mit den maximalen 179 km/h – immer am sanften Begrenzer entlang. Dann rumort es aus dem Motorraum aber vernehmlich, und auch die Windgeräusche schwellen bedenklich an.

Dafür muss man sich dabei auch keine Gedanken machen, wenn die Fahrt mal in nicht so gepflegte Gegenden führt. Denn Dieselzapfsäulen gibt es überall auf der Welt. Und der 87-Liter-Tank ist nach 800 Kilometer Fahrt innerhalb von zwei Minuten wieder voll für die nächsten 800 Kilometer.

Zudem ficht es den Land Cruiser nicht an, ob dabei ein Haufen Leute mitfahren will. Bis zu sieben Personen kann er transportieren. Selbst in der dritten Sitzreihe für 1790 Euro hält man es eine Weile aus. Sperriges Gepäck transportiert der Land Cruiser in seinem bis zu 1934 Liter großen Laderaum, notfalls auf dem Dach (80 kg) oder in einem Anhänger. Da scheut der stoische Japaner nichts. Bis zu 3,5 Tonnen darf der Trailer wiegen. Glatte drei Tonnen gibt Toyota schon mal ab Werk frei. Wer noch weitere 500 Kilogramm draufpacken will, erhält beim Vertragshändler eine Freigabe für eine Eintragung der vollen 3,5 Tonnen, offiziell begrenzt auf acht Prozent Steigung. Über die lacht der Land Cruiser allerdings nur – wir haben es getestet.

Dieser Land Cruiser ersetzt also einen ernsthaften Geländewagen für entlegene Gebiete, einen kompakten Transporter, einen komfortablen Reisewagen, einen Kleinbus für bis zu sieben Personen und eine Zugmaschine für bis zu 3,5 Tonnen schwere Anhänger. Das Ganze auf den noch parkierbaren Abmessungen eines Audi A6. Und eben für jene eingangs erwähnten 69 810 Euro.

Gut, es geht auch billiger, denn der viertürige Land Cruiser mit langem Radstand steht bereits für 47 400 Euro in der Toyota-Preisliste. Und er ist dabei nicht einmal ärmlich ausgestattet: sieben Airbags, Tempomat, Klimaanlage, Fensterheber, schlüsselloser Zugang, 17-Zoll-Aluräder und hintere Parkhilfe sind schon dabei. Und doch kostet das Testwagen-Paket namens Executive noch einmal satte 18 830 Euro extra. Das ist der Nachteil der konsequenten Paketpreis-Politik von Toyota: Man bekommt zwar viel für sein Geld, aber womöglich wollte man eigentlich gar nicht alles, was in den teuren Paketen enthalten ist: Ledersitze mit Beheizung und Belüftung, elegante 19-Zoll-Räder, beleuchtete Trittbretter, Kühlfach in der Mittelkonsole. Will man das alles wirklich?

Dafür gibt’s aber auch Dinge, die man bei anderen Autos anderer Marken nicht für Geld und gute Worte bekommt. Nicht nur die schon genannten Metallschutzplatten unter den Aggregaten, sondern auch weitere, beruhigende Zutaten, die seit einigen Jahren wohl aus der Mode gekommen sind. Oder wann haben Sie das letzte Mal einen Neuwagen mit einem vollwertigen Ersatzrad ausgeliefert bekommen? Aufpreisfrei! Kein dürres Notrad mit lächerlicher 80-km/h-Begrenzung und erst recht kein peinliches Pannenset mit asthmatisch keuchendem 12-Volt-Luftpümpchen und garantiert hilfloser Dichtpaste. Oder eine serienmäßige Geländeuntersetzung, die sowohl das Antriebsmoment als auch die Motorbremswirkung steigert – hier um das Zweieinhalbfache und aufpreisfrei dabei. So eine Geländeuntersetzung wirkt auf den Fahrer sehr beruhigend für den Fall, dass man mal in Treibsand oder Tiefschnee feststeckt. Oder einen mächtigen Anhänger zentimetergenau rangieren muss. Oder einen Havaristen aus seiner misslichen Lage herausziehen will. So gewinnt man mit einem Land Cruiser stets neue Freunde und freundliche Nachbarn dazu. Die kennen jetzt jemanden, der für alle automobilen Transportfragen eine passende Lösung hat. Das kann auf Dauer freilich Fluch und Segen sein – zugegeben.

Klar ist, dass so ein automobiles Schweizer Taschenmesser nicht leicht sein kann. Die vielen Funktionen und die stabile Bauweise erhöhen zwangsläufig das Fahrzeuggewicht. Die dicken Getriebe wiegen, das stabile Heck zur Aufnahme der Anhängerkupplung wiegt, die belastbaren Achsteile und der solide Chassisrahmen wiegen. Alles zusammen 2,5 Tonnen Material samt Tankinhalt. Das ist aber immer noch weniger als zwei Autos, die nur die Hälfte können.

Das Gewicht macht den Land Cruiser naturgemäß träge. Die jüngste Modellpflege zum Modelljahr 2022 brachte eine finale Euro-6-Abgaseinstufung und 27 Extra-PS sowie 50 Extra-Nm. Damit beschleunigt der Land Cruiser messbar flotter. Wirklich flott wirkt er immer noch nicht. Wirklich lahm aber auch nicht. Dazu trägt bei, dass der auch im Bereich der Leerlaufdrehzahl drehmomentstarke Motor und die Wandlerautomatik für eine verblüffend gute Anfahrbeschleunigung sorgen.

Dass die nunmehr vierte Modellpflege seit dem 2009er Start der intern J15 genannten Land-Cruiser-Baureihe sparsamer geworden ist, liegt vor allem an der neuen Abstimmung des Automatikgetriebes. Es blieb zwar beim gleichen Planetengetriebe mit sechs Stufen plus Drehmomentwandler. Aber die Software ist neu. Bis letztes Jahr hat diese Automatik nur denjenigen zufriedengestellt, der partout Automatik fahren wollte. Das Getriebe schaltete aber zu früh zurück und zu spät hoch, nutzte also das Drehmoment des Motors nicht korrekt. Zudem öffnete die spritsparende Wandlerüberbrückungskupplung zu oft und wenig nachvollziehbar. Dadurch stieg vor allem im Innerortsverkehr und in hügeligen oder gar bergigen Gegenden der Dieselverbrauch drastisch an. Mit der neuen Abstimmung ist das nun vorbei. Das Getriebe erkennt man kaum wieder. Endlich wirkt es nicht mehr wie ein Gegner für den Motor, sondern wie ein Kumpel. Motor und Getriebe arbeiten also erstmals in diesem seit 13 Jahren gebauten Land Cruiser wie ein gut eingespieltes Team. Der Lohn: 1,5 Liter/100 km weniger Verbrauch im Innerortsverkehr und auf hügeligen Strecken. Im Testverbrauch macht sich das dagegen nicht bemerkbar, weil der weitgehend in der Ebene gemessen wurde, zudem bei sehr kalter Witterung. Doch gerade dann fühlt man sich so richtig behaglich im Land Cruiser – wie vor einem prasselnden Kaminfeuer. Ein wenig archaisch vielleicht, aber Leib und Seele zuverlässig wärmend.

PLUS-MINUS

+ Sehr gute Geländetauglichkeit

+ Viel Platz im Innen-und Laderaum

+ Gute Übersichtlichkeit

+ Bis zu 3,5 t Anhängelast

+ Große Tankreichweite

- Mäßige Bremswirkung

- Teure Versicherungseinstufung Hohes Leergewicht

- Kurze Wartungsintervalle

- Bereits bei 179 km/h abgeregelt

- Viele Extras nur in großen Paketen

FAZIT

MARTIN BRAUN

Er ist unsportlich, träge und nicht billig. Aber als automobiles Schweizer Taschenmesser ist der Land Cruiser nur schwer zu schlagen. Und die neue Abstimmung von Motor und Getriebe spart Sprit.