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Oben an der Basis


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 08.09.2021

– Frau des Monats –

Wer bestimmt bei politischen Fragen? Geht es nach Claudine Nierth, 54, sollte das nicht nur das Parlament dürfen, sondern auch Bürgerräte – also Vertretungen, in denen wichtige soziale Gruppen gemäß ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung zusammenkommen. Als Vorstandssprecherin des Vereins Mehr Demokratie setzt sich die Künstlerin für solche Bürgerräte und Volksbegehren in Deutschland ein. 2018 erhielt sie dafür das Bundesverdienstkreuz.

Frau Nierth, wie begeistert man Menschen für eine Sache?

Sie brauchen einen, der leidenschaftlich daran glaubt. Der Zweite, der folgt, ist aber genauso wichtig. Einmal wollte ich in Hamburg auf der Straße 30 000 Unterschriften sammeln. Eine Freundin kam vorbei und sagte: „Claudine, ich glaub, du spinnst – ich helf dir jetzt sofort.“ Das gibt Kraft.

Sie sind früh auf Demos gegangen, haben Greenpeace und Amnesty unterstützt. Warum zuletzt Mehr Demokratie?

Weil ich nicht nur Bittstellerin sein, Briefe schreiben und Aufrufe unterzeichnen wollte. Wir brauchen Instrumente, mit denen wir als Bürger gezielt Einfluss nehmen können auf politische Prozesse. Und das stärkste Instrument ist die direkte Demokratie. Unser Verein stellt deshalb den Schlüssel bereit, mit dem NGOs den Weg für ihre Anliegen öffnen können.

Zum Beispiel?

Ohne das Instrument des Volksbegehrens hätte es weder das Artenschutzbegehren in Bayern noch die Initiative für bessere Tierhaltung in Brandenburg gegeben. Mehr Demokratie hat Gesetzgebungsvorgänge und fast 400 Volksinitiativen begleitet, 49 davon haben wir selbst auf den Weg gebracht.

Theoretisch kann man mit diesem Instrument aber auch Anliegen durchsetzen, die sich gegen die Demokratie richten. Rechtspopulisten und die AfD haben zwölfmal versucht, Volksbegehren für ihre Zwecke zu nutzen – und sind zwölfmal gescheitert. Entweder haben sie die Unterschriften nicht zusammengekriegt, oder ihre Begehren waren nicht mit der Verfassung vereinbar.

  Also kein Frustpotenzial?

Doch, schon. Wir wissen ja alle, es müssen grundlegende Veränderungen her. Aber wenn man die fordert, kriegen die Leute einen Riesenschreck und glauben, das sei unrealistisch. Dabei können wir die Dinge gar nicht groß genug denken, um im Kleinen einen Schritt voranzukommen.

Mit „Die Demokratie braucht uns!“ (Goldmann, 18 Euro, ab 13.9.) veröffentlichen Sie ein Buch zum Thema. Wieso gerade jetzt?

Weil ich an der zunehmenden Spaltung unserer Gesellschaft leide. Freund/Feind, Mann/Frau, rechts/links – man schaut viel auf das Trennende. Wir müssen Andersdenkende zusammenbringen. Ich habe es oft genug erlebt: Man kann die unterschiedlichsten Menschen an einen Tisch setzen, und sie werden etwas Gemeinsames zustande bringen.

TEXT Tanja Rest

Artikelbild für den Artikel "Oben an der Basis" aus der Ausgabe 10/2021 von Donna. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Optimistisch in die Zukunft zu schauen gibt Claudine Nierth Kraft für ihre politische Arbeit

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