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OBJEKTIVE Portraitbrennweiten: Helle Lichter mit Gewicht


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 13.07.2018

Interessante Tele-Festbrennweiten für Portraits erleben einen Boom. Wir testen fünf sehr lichtstarke Neuheiten für Vollformat-Spiegelreflexkameras von Canon, Nikon, Samyang und Sigma.


Artikelbild für den Artikel "OBJEKTIVE Portraitbrennweiten: Helle Lichter mit Gewicht" aus der Ausgabe 80/2018 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fotoMAGAZIN, Ausgabe 80/2018

Zu den Top-Motiven vieler Fotografen gehören Portraits, selbstredend nicht nur von Menschen, sondern auch von Tieren. Wenn man von den mit typischem Umfeld inszenierten Bildern absieht, gehört zu einer als angenehm empfundenen Portraitaufnahme dabei das Herausarbeiten der Portraitierten, also die Konzentration auf das Wesentliche. Das gelingt zum einen durch die Positionierung vor einem ruhigen Hintergrund, der den Blick ...

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Zu den Top-Motiven vieler Fotografen gehören Portraits, selbstredend nicht nur von Menschen, sondern auch von Tieren. Wenn man von den mit typischem Umfeld inszenierten Bildern absieht, gehört zu einer als angenehm empfundenen Portraitaufnahme dabei das Herausarbeiten der Portraitierten, also die Konzentration auf das Wesentliche. Das gelingt zum einen durch die Positionierung vor einem ruhigen Hintergrund, der den Blick des Betrachters nicht ablenkt, zum anderen durch eine geringe Schärfentiefe, bei der in der Regel die punktgenaue Schärfe auf den Augen liegt und Vorder- und Hintergründe sanft zu verschwimmen beginnen – und hier kommen die sogenannten Portraitobjektive ins Spiel. Bei ihnen handelt es sich um leichte Telebrennweiten mit Kleinbild-Brennweiten zwischen etwa 85 und 105 mm, manche Fotografen mögen es auch kürzer oder länger. Diese Brennweiten verbunden mit ihren Bildwinkeln sorgen im Bild für gute Proportionen des Gesichts und eine ausreichend plastische Abbildung, ohne die Verflachung des Motivs bei stärkeren Telebrennweiten zu verursachen.
Die Brennweite des Portraitobjektivs und seine typischerweise sehr hohe Lichtstärke von Blende f/1,2, 1,4 oder 1,8 (für die geringe Schärfentiefe) tragen also zu dem gewünschten Bildeffekt bei, den Smartphones heute teilweise mit mehreren Objektiven und Software-seitig mühsam nachzubilden versuchen. Natürlich können Portraitobjektive auch für viele andere Sujets verwendet werden.

Fünf mal f/1,4

Für unser Testfeld haben wir sehr aktuelle Portraitobjektive für das Vollformat ausgesucht, die alle mit der sehr hohen Lichtstärke von f/1,4 aufwarten. Vorne weg das ganz neue und riesige 105er von Sigma, das 1,4/105 mm DG HSM Art. Ebenfalls bereits im Labor zum BAS-Digital-Test: das taufrische Samyang AF 1,4/85 mm EF für Canon-Reflexen zum Dumping-Preis. Seit rund einem halben Jahr ist das Canon EF 1,4/85 mm L IS USM erhältlich, das einzige Vollformatobjektiv dieser Klasse mit eingebautem Bildstabilisator. Zur Abrundung und zum Vergleich fügen wir aus unserem letzten Test von Portraitobjektiven (in fotoMAGAZIN 4/17) die Ergebnisse der kaum viel älteren Nikon AF-S Nikkor 1,4/105 mm E ED und Sigma 1,4/85 mm DG HSM Art hinzu. Beginnen wir mit dem für vier Bajonettanschlüsse verfügbaren Sigma 1,4/105 mm DG HSM Art, das mit 1500 Euro der preislichen Mittelschicht entstammt. Das auffällige, voluminöse Objektiv ist ein Schwergewicht, sowohl was die Waage betrifft (mit 1645 g wiegt es mehr als das Dreifache des Samyang), als auch seine optischen Leistungen. Doch bleiben wir bei der Mechanik. Neben dem imposanten Gewicht fällt sofort die sinnvolle Stativschelle auf, die dem Fotografen eine Menge Last abnehmen kann. Sie kann komplett abgenommen und durch eine Gummiabdeckung ersetzt werden. Praktisch ist das Arca-Swiss-Profil am Fuß. Ungewöhnlich ist auch die großzügig dimensionierte Streulichtblende, die über eine große Klemmschraube befestigt wird und deren vordere Kante gummiert ist. Sie schützt die riesige Frontlinse (Filterdurchmesser 105 mm). Insgesamt ist der Streulichtschutz sehr gut bis ausgezeichnet. Mit seinem Spritzwasserschutz und der typisch hohen Verarbeitungsqualität der Art-Serie setzt das Sigma im Testfeld Maßstäbe. Optisch muss es sich auch nicht verstecken. Dazu sollte vorausgeschickt werden, dass es – besonders für ein 105 mm – eine besondere Herausforderung für die Ingenieure ist, die hohe Lichtstärke von f/1,4 an einem Vollformatsensor in ansprechende optische Qualität umzumünzen. Das ist in Aizu, dem Werk in Japan, sehr gut gelungen. Ungewöhnlicherweise liegt die Auflösung des 105 mm am Vollformatsensor (VF) über alle Blenden und sogar deutlich über der des APS-C-Sensors. Die erwartbare und bei allen Testmodellen feststellbare Offenblendeinschränkung bleibt im normalen Rahmen, von mittlerer bis guter Auflösung im VF bei offener Blende steigert sich das Sigma auf ausgezeichnete Werte bei Blende f/4. Bei APS, wo das 105er immerhin zum attraktiven 1,4/168 mm an Canon wird, klettert die Leistung auf sehr gute Werte.

Sigma 1,4/105 mm DG HSM Art
Eine hohe Schärfe und ein angenehmes Bokeh liefert das Sigma, hier mit f/1,4, 1/640 s, ISO 200 an EOS 5DS R.


Samyang AF 1,4/85 mm EF
Bei voller Öffnung wird das Samyang für Canon sehr weich. Foto mit f/1,4, 1/1600 s, ISO 100 an EOS 5DS R.


Eine Schwäche leistet sich das Art-Objektiv bei der Randabdunklung: Zumindest am getesteten Canon-Anschluss zeigt das Sigma keine grundlegende, digitale Korrektur der Vignettierung und so bleibt es dem Fotografen überlassen, in der Nachbearbeitung die bei Offenblende im VF starke Randabdunklung bei Bedarf auszubügeln. Abgeblendet lässt die Randabdunklung und auch ihr etwas unregelmäßiger Verlauf deutlich nach, bei APS ist sie schon bei Offenblende gut. Voll im Griff hat Sigma die Verzeichnung, die absolut erstklassig korrigiert ist. Unter dem Strich steht ein souveränes „Super“.

Samyang mit „Trick“

Sehr gegensätzlich zum Sigma ist das neue Samyang 1,4/85 mm mit Autofokus für Canon EF. Schon äußerlich wirkt es im Vergleich wie ein APS-Objektiv. Im Labor fiel Tester Anders Uschold die kleine Frontlinse auf. Nach Messung und Berechnungen kommt er zu dem Schluss, dass das 1,4/85 mm mit seiner Frontlinse bestenfalls eine maximale, theoretische Blendenöffnung von f/1,5 bietet, „die reale Lichtstärke liegt darunter“, so Uschold. Mechanisch ist das Samyang auf das Nötigste beschränkt. Erwähnenswert sind der für Samyang-Verhältnisse noch neue AF und die Gummilippe am Metallbajonett. Der Fokussierring funktioniert nur mit eingeschalteter Kamera, da er über einen Schrittmotor die Linsen bewegt. Dabei hat er trotz flacher Übersetzung eine spürbare Schrittweite, was feinfühliges manuelles Scharfstellen erschwert.
Optisch besitzt es eine sehr niedrige Auflösung im VF, das Bild ist sehr weich und das Maximum erreicht bei Blende f/4 nur mäßige Werte. Bei APS sind sie dann immerhin gut. Wie üblich ist die Randabdunklung aufgeblendet im VF stark und lässt beim Abblenden nach, bekommt aber eine spontane Charakteristik. Sichtbar ist auch die Verzeichnung im Vollformat. Angesichts der schwachen Auflösung am großen Sensor und der Ungereimtheiten in Sachen Lichtstärke erhält das Samyang 85 mm EF drei Sterne.

Nikon AF-S Nikkor 1,4/105 mm E ED
Der Einsatzbereich der Portraitobjektive ist nicht zwangsläufig auf Personenfotografie beschränkt. Aufnahme mit f/1,4, 1/30 s, -1 EV, ISO 800 an D810.


Mit Bildstabilisator

Ein knappes „Super“ sichert sich dagegen das Canon EF 1,4/85 mm L IS USM. Mit seinem Bildstabilisator schafft es auch bei kniffligen Lichtsituationen noch unverwackelte Bilder aufzunehmen, wenn andere Objektive scheitern. Insgesamt ist es hauptsächlich aus Kunststoff sehr gut gefertigt, ohne einen besonders soliden Eindruck zu hinterlassen. Zur ordentlichen Ausstattung zählen auch der Spritzwasserschutz und eine Entfernungsskala.
Seine Auflösung erreicht nicht die Höhen manch anderer Mitbewerber, doch sie beginnt im VF bereits mit mittleren bis guten Werten und steigert sich nach drei Blendenstufen auf ausgezeichnet. An einem APS-Sensor verhält sie sich nahezu identisch. Gleichmäßig verläuft die starke Randabdunklung im VF bei Offenblende, abgeblendet ist sie gering, allerdings leicht spontan im Verlauf. Ordentlich Punkte sammelt das Canon auch mit seiner nur leichten Verzeichnung im VF, die bei APS praktisch auskorrigiert ist. Als das erste 1,4/105 mm für Vollformat gilt das Nikon AF-S Nikkor E ED, das im ersten Test in fM 4/17 nur knapp das Super-Siegel verfehlte. Es kämpft wie alle Testkandidaten bei offener Blende mit Schwierigkeiten und weicher Wiedergabe, steigert sich aber mit jeder Blendenstufe auf ausgezeichnete Werte ab Blende f/4. Seine Randabdunklung ist bei beiden Formaten ähnlich, im VF kann sich beim Abblenden eine Überkompensation in Form eines helleren Rings nahe der Bildecken zeigen. Die Verzeichnung ist sehr gut. Trotz des mit Abstand höchsten Preises im Quintett sind Ausstattung und Fertigung sehr gut bis ausgezeichnet, aber nicht überragend. Neben AF, Spritzwasserschutz und Entfernungsskala gibt es eine Kunststofffassung.
Ebenfalls von Kunststoff dominiert wird die Fassung des überragenden Sigma 1,4/85 mm DG HSM Art. Sie ist ausgezeichnet gefertigt und bietet neben einem vernehmlichen Ultraschallmotor eine sehr bequeme manuelle Fokussierung. Seine Auflösung startet bereits mit guten Werten bei offener Blende, die ab f/2,8 im VF ausgezeichnet werden – bei APS sogar schon eine Blendenstufe früher. Sehr gut ist die Randabdunklung korrigiert, die bei beiden Sensorformaten und Offenblende „nur“ sichtbar ist und im VF beim Abblenden kameraseitig leicht überkorrigiert wird. So erzielt das Sigma eine beeindruckende Prozentzahl von 98 in der optischen Prüfung: Fünf Sterne sind der verdiente Lohn.

Canon EF 1,4/85 mm L IS USM
Fast gute Werte erreicht das Portraitobjektiv mit Bildstabilisator bei offener Blende, hier mit f/1,4, 1/8000 s, -1 EV, ISO 100 an EOS 5DS R.


FAZIT

Beim 105 mm DG HSM Art hat Sigma konsequent auf optische und mechanische Leistung hingewirkt, was sich in einem Brocken von Objektiv niederschlägt. Ein Erfolg bei den Verbrauchern, die vermutlich eher auf Leichtig- und Handlichkeit Wert legen, wäre dem Objektiv zu wünschen. Das ausgezeichnete 1,4/85 mm aus dem gleichen Hause trifft den Geschmack der breiten Kundschaft vermutlich eher und bietet die mit Abstand beste optische Leistung.
Canon- und Nikon-Fotografen sind mit den hauseigenen Objektiven nicht schlecht bedient, müssen allerdings mehr oder minder deutlich tiefer in die Tasche greifen. Das Samyang 85 mm ist leistungsmäßig so weit von ihnen entfernt, dass selbst der geringe Preis keine Empfehlung rechtfertigt.

So haben wir getestet

Der Objektivtest unterliegt festen Kriterien. So lesen Sie die Testprotokolle

Der BAS-Digital-Test liefert umfassende Leistungswerte des Objektivs bei verschiedenen Anwendungen und Formaten. Die Ergebnisse sind ein Mittelwert, berechnet mit den aktuell meistverwendeten Digitalkameras.

GESAMTWIRKUNGSGRAD

Die Auflösung zeigt die Gesamtleistung über dem Bildfeld von der Bildmitte zum Rand bei den ersten fünf Blendenstufen des Objektivs, angegeben als prozentualer Wirkungsgrad. Gesamtwerte über 75 % sind sehr gut, ab 85 % ist ein Objektiv hervorragend. Steigt die Auflösung auf Werte über 95 %, so beinhalten die Bilder oft künstliche Strukturen, die störend verfälschen. Der Blendenbereich mit hoher und zuverlässiger Leistung bestimmt, wie flexibel das Objektiv einsetzbar ist. Sehr wichtig ist ein niedriger Abfall bei offenen Blenden, um Lichtstärke und geringe Schärfentiefe nutzen zu können. Ab Blende 11 bis 16 reduziert physikalische Beugung zwangsläufig die Auflösung. Je mehr Blendenwerte gleichmäßig hohe Leistung zeigen, um so variabler ist das Objektiv einsetzbar.

RANDABDUNKLUNG

Die Randabdunklung messen wir bei Offenblende und um zwei Stufen abgeblendet. Wichtig sind ein möglichst geringer und gleichmäßiger Lichtverlust von der Bildmitte zum Rand, ein plötzlicher Abfall ist deutlich sichtbarer und störend. Weitwinkelobjektive zeigen oft stärkere Vignettierung bei Offenblende und abgeblendet.

VERZEICHNUNG

Kurze Brennweiten zeigen meist tonnenförmige Verzeichnung bis -3 %. Unter +/-0,7 % ist die Verzeichnung kaum merklich, bis +/-1,2 % sichtbar und darüber deutlich bis stark.

LEISTUNGSPROFIL

Hier werden die Endnoten in den beiden Hauptkategorien Optik und Mechanik in Prozent genannt.


FOTOS: © HERSTELLER, fotoMAGAZIN

FOTO: © LARS THEISS

FOTOS: © LARS THEISS