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Obsession: Downton Abbey zum Mitmachen


spielbox - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 22.11.2019

Sollten Sie sich jemals gefragt haben, wie es wohl wäre, ein viktorianisches Herrenhaus Ihr Eigen zu nennen, so bietet sich hier die Chance zum Ausprobieren – doch ohne wirklich unter dem Staub, den riesigen unbeheizten Räumen, den undichten Dächern und nicht zuletzt der Geldknappheit leiden zu müssen. Die Anwesen in Obsession bedürfen dringend der Renovierung und neuer Attraktionen. Schließlich gilt es, eine der angesehensten Familien in Derbyshire zu werden, die liebend gern das junge ledige Geschwisterpaar Fairchild aus York shire zu ihren Gästen zählen würde. Denn daraus könnte sich eine höchst ...

Artikelbild für den Artikel "Obsession: Downton Abbey zum Mitmachen" aus der Ausgabe 6/2019 von spielbox. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: spielbox, Ausgabe 6/2019

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... vorteilhafte Verbindung ergeben.

I Willkommen, da spendabel

Unter den Anwesenden könnte sich Lady Alexandra Suffolk befi nden: „Die bezaubernde Tochter der Marquise von Suffolk ist eine versierte Musikerin.“ Sie beehrt Gastgeber ab einer Prestigestufe von 5 mit ihrer Anwesenheit und erwartet, dass ihr eine Kammerzofe zur Verfügung gestellt wird.

Lady Suffolks Erscheinen bringt die ausrichtende Familie um drei Schritte auf der Prestige-Uhr voran und erlaubt ihr, eine Karte vom Stapel der besonders vornehmen Gäste zu ziehen. Am Ende ist es vier Siegpunkte wert, Lady Suffolk zum eigenen Bekanntenkreis zählen zu dürfen, also die Karte im Deck zu haben. Der „weitgereiste Sir Richard Beeston hingegen ist als Musikliebhaber gleichermaßen bekannt für seinen Edelmut wie für seine Gastfreundlichkeit.“ Zwar am Ende nur einen Punkt wert, ist er mit einem Kammerdiener zufrieden und stellt auch an die Prestigestufe seiner Gastgeber keine gesteigerten Ansprüche. Dass er sich mit £200 für die Einladung bedankt, macht ihn zu jedem Anlass höchst willkommen.

Die Örtlichkeiten gehören zu fünf Gruppen wie Sportstätten, prestigeträchtige Gemächer oder Außenanlagen.

Jedes derartige Plättchen nennt neben seinem Nutzen das benötigte Personal für ein dort veranstaltetes Event, die Prestigestufe, ab der es genutzt werden darf, sowie die nötige Anzahl Gäste (u. U. müssen diese der Familie oder einem bestimmten Geschlecht angehören). So kann man ab Prestigestufe 4 drei Herren zu einer entspannten Partie ins Billardzimmer einladen.

Für das Wohlbefi nden muss ein Butler sorgen, und am Ende bleiben £400 in der Kasse. Nach einmaliger Benutzung als Eventlocation werden die Plättchen auf die Rückseite gewendet, wodurch sich die Werte ändern, vor allem meist ihr Siegpunktbeitrag zur Endabrechnung.

In seinem Zug muss sich jeder zuerst um die Einsatzbereitschaft des Personals kümmern, das nach jeder Schicht eine Runde Ruhe braucht. Im Auge zu behalten, wer wann wieder zu Diensten steht, gehört vielleicht nicht zu vornehmsten, so doch aber zu den wichtigen Aufgaben beim Management eines Anwesens.

Anschließend wählt man ein Plättchen aus und entscheidet, welche in der Kartenhand noch verfügbaren Gäste eingeladen werden – und auch teilnehmen, denn Absagen wären in so vornehmen Kreisen ungehörig. Dies mag einfach klingen, doch muss einerseits die Prestigestufe der Familie Raum und Gästen genügen und haben andererseits die nötigen Bediensteten bereitzustehen, um die Besucher ihren Erwartungen entsprechend zu umsorgen. Nach Ende der Party werden ggf. Geld- und Prestigezuwächse realisiert sowie neue potenzielle Gäste gezogen. Hier ist anzumerken, dass sich alle eigenen Karten entweder verfügbar auf der Hand oder einstweilen auf dem eigenen Ablagestapel befi nden.

Wer dank freigiebiger Sponsoren über ausreichend fl üssige Mittel verfügt, kann seinen Zug damit beenden, ein zusätzliches Plättchen aus der Auslage zu erwerben.

Sollten die nötigen Voraussetzungen für ein Event fehlen, passt man, was bei Obsession allerdings auch ohne Not sinnvoll sein kann. Denn zum einen bekommt man alle seine Gäste wieder auf die Hand, und das Personal wird dienstbereit. Zum anderen besteht die Wahl, ob man sich etwas Geld als Pachteinnahmen aus der Bank nimmt oder die ausliegenden Plättchen durch frischgezogene aus dem Beutel ersetzt – natürlich, um dann sofort die beste angebotene Örtlichkeit zu erwerben.

Eine Partie Obsession umfasst vier Quartale zu je vier bzw. fünf Runden (Langversion). Da die Quartale mit einer Eheanbahnung statt Partys enden, ist jeder pro Partie 12 bzw. 16 Mal am Zug. Zu Beginn jedes Quartals wird eine sog.

Themenkarte aufgedeckt. Sie legt fest, auf welche Ausstattungs- Charakteristika das Geschwisterpaar Fairchild in der anstehenden Saison besonders achtet – beispielsweise auf Sportanlagen. Die Familie, deren entsprechende Örtlichkeiten am Ende des Quartals die höchste Siegpunktsumme aufweisen, darf eine der beiden Fairchildkarten auf die Hand nehmen und während eines der kommenden Züge bei sich begrüßen.

Die Fairchilds gleichen im Grunde den anderen Gästen, nur sind sie ertragreicher und zugleich anspruchslos, was die Prestigestufe ihrer Gastgeber angeht. Mit welcher Familie Miss Fairchild oder der sehr ehrenwerte Mister Fairchild schließlich ehelich verbunden sein werden, womit ein beträchtlicher Punktertrag einhergeht, entscheidet sich ganz am Schluss, wenn es auf den Wert aller Plättchen ankommt, deren Kategorie zuvor als Themenkarte gezogen worden war.

I Kein Punktesalat

Ordentlich Punkte versprechen auch Zielkarten, die man zu unterschiedlichen Gelegenheiten erhält. Wessen Anwesen am Schluss bestimmte Plättchen aufweist, der kann einen richtigen Reibach machen. Da man meist die Wahl hat, eines von zwei gezogenen Zielen zu behalten, lassen sich je nach Risikoneigung sehr unterschiedlich große Brötchen backen.

Am Ende der letzten Saison wird zusammengerechnet.

Obwohl nicht weniger als sieben Kategorien zu Buche schlagen – darunter neben den Gästekarten auch Vermögen und Personalbestand – stellt sich weniger der Eindruck eines Punktesalates ein, als dass alle Leistungen auch honoriert werden.

I Jonglieren mit Unzulänglichkeiten

Obsession verlangt permanentes Jonglieren mit Unzulänglichkeiten. Mal reicht das Prestige nicht, um einen besonders nützlichen Gast willkommen heißen zu können, mal ist das Personal noch nicht wieder einsatzbereit, mal fehlt Geld, um in Ausstattung zu investieren, welche die Fairchilds gerade jetzt besonders schätzen würden. Aber vielleicht sollte man sich sowieso besser von der Idee verabschieden, die jungen Leute zu beeindrucken und sich besser auf die Zielkarten konzentrieren? Und sollte man, wenn einige Runden ins Land gegangen sind, für die restlichen verfügbaren Gäste eine nur moderat imageträchtige Party veranstalten oder lieber passen, um es danach richtig krachen zu lassen? In jedem Fall empfi ehlt es sich, stets mehrere Eisen im Feuer zu haben, um nötigenfalls umschwenken zu können.

Mit der Interaktion ist es bei Obsession nicht allzu weit her. Manche Plättchen aus der Dienstleistungskategorie erlauben, anderen Familien Personal abzuwerben oder Prestige zu stehlen, und auch mit einigen Gästekarten lässt sich etwas stänkern. Einen ersehnten und wunderbar passenden Schmuck fürs Ansehen vor der Nase weggeschnappt zu bekommen, schmerzt allerdings wirklich.

Spieler, denen das Thema wichtig ist, kommen bei Obsession voll auf ihre Kosten und sind schon nach Kurzem gefangen in einer Welt à laDownton Abbey . Autor Dan Hallagan ist Amerikaner, weshalb sein Spiel – wie er freimütig zugibt – nur durch die Hilfe zweier Briten werden konnte, was es ist. Deren Kenntnis der viktorianischen Gesellschaft und der damaligen Gepfl ogenheiten verleiht Obsession eine außergewöhnliche Authentizität.

Auf den ersten Blick wirkt Obsession kompliziert, doch dieser Eindruck täuscht. Die Anleitung ist – von einigen Unsauberkeiten beim Layout abgesehen – bestens gemacht und sehr verständlich. Begleitet wird sie von einem sehr lesenswerten 28-seitigen reich illustrierten Glossar, das jeden Aspekt ausführlichst erläutert.

Die insgesamt 89 Gästekarten und die 80 Ausstattungsplättchen sorgen für ausreichend Varianz.

Und doch bin ich mehr als gespannt auf die für 2020 angekündigte Erweiterung Upstairs, Downstairs, welche einen intensiveren Blick auf die Bediensteten hinter den Kulissen erlauben wird.

* Ganz großes Kitschkino

Ich hatte die Rezension des Kollegen Humphries schon einige Zeit auf dem Tisch und Obsession im Regal, als ich endlich ans Ausprobieren ging – und mich ärgerte, so lange gewartet zu haben. Aber einige Monate zuvor erschloss sich mir beim Überfl iegen der Anleitung nicht, wo hier der Reiz liegen könnte, zumal nichts auf Entscheidungsnot oder gar Interaktion hinwies. Manchmal ist man eben zu blöd.
Schon im Verlauf der ersten Partie schlug Obsession dann aber alle Beteiligten in seinen Bann; denn die Veranstaltungen zu planen, macht riesig Spaß. Man freut sich über jeden potenziellen Gast, den man vom Stapel ziehen darf, und stellt sich vor, wozu man den neuen Bekannten am besten einladen könnte. Flavourtexte, wie sie sich heutzutage pfl ichtschuldig auf fast allen Karten thematischer Spiele fi nden, interessieren mich nicht die Bohne. Bei Obsession habe ich sie verschlungen und fühlte mich tatsächlich in Jane Austens Romane hineinversetzt. Ein Mitspieler hat sich direkt nach der ersten Partie alle Folgen vonDownton Abbey zum zweiten Mal reingezogen. Obsession kann mit einigen Kuriositäten aufwarten; so ist es das einzige meiner – teils extrem komplizierten – Spiele, das ein Flussdiagramm fürs Passen enthält, und wie im Grunde alles andere ist dies keineswegs unsinnig.
Selbst die Prestigeuhr, auf der man nach jeweils fünf Punkten um eine Stufe steigt, ist gewöhnungsbedürftig, aber nicht beschwerdefähig. Die Anleitung könnte besser sein, aber das Glossar ist klasse. Es enthält sogar ein Tortendiagramm, das prozentual zeigt, aus welchen Quellen sich nach 48 Testpartien die Endresultate speisten.
Spielerisch ist Obsession ganz großes Kino, auch wenn es Kitschkino sein mag.