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Obstbäume nutzen und pflegen mit Verstand


TASPO BAUMZEITUNG - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 07.12.2018

Das Problem bei Obstbäumen: Nur wenn man weiß, wie und wo man sie richtig anpflanzt, pflegt und die Ernte dann auch nutzt, kann man die Vielfalt erhalten. Dass auch Städte und Kommunen zum Erhalt von Obstbäumen beitragen können, zeigt dieser Beitrag mit einigen Beispielen.


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Der richtige Kronenaufbau und die richtige Sorte ermöglichen eine dauerhafte Nutzung, hier Apfelsorte ‘Discovery‘ direkt essbar vom Baum.


Foto: Hans-Joachim Bannier

Nur noch selten blühen Obstbäume im öffentlichen Raum. Sie verschwinden aus dem Bild der Städte, der Landstraßen und der Kleingärten, und wo noch Streuobstwiesen existieren, ...

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... sind sie oft durch mangelnde Nutzung und Pflege dem Untergang geweiht. Egal, könnte man sagen. Haben wir nicht genug erwerbsmäßige Obstplantagen, die uns mit ihren Früchten versorgen? Ja, auf der einen Seite scheinen Obstbäume im öffentlichen Raum nicht mehr zeitgemäß zu sein. Obst gibt es ja im Supermarkt. Auf der anderen Seite: Man ist durchaus sensibel geworden für den drohenden Verlust. Was für eine ungeheure Obstsorten- und Geschmacksvielfalt haben die alten Sorten zu bieten! Wie schön sehen sie aus. Ganz zu schweigen von den Biotopen, die sie als einzelne Bäume und als gesamte Obstwiese darstellen. Das Problem: Nur wenn man weiß, wie und wo man Obstbäume richtig anpflanzt, wie man sie pflegt und die Ernte dann auch nutzt, kann man diese Vielfalt erhalten.

Was Kommunen für Obstbäume und Obstwiesen tun können

Dass auch Städte und Kommunen ohne weiteres zum Erhalt und Fortbestand von Obstbäumen beitragen können, zeigen ein paar Beispiele. In Bückeburg etwa gibt es einen Kindergarten, dessen Gelände nicht mit teuren Ziergehölzen bepflanzt wurde, sondern es wurden Obstgehölze unter fachkundiger Anleitung regelrecht in Szene gesetzt – mit der ganzen Obst-Palette, angefangen bei Johannisbeersträuchern bis hin zu Apfel-, Kirsch-, Birn- und Walnussbäumen. Ein Paradies für Stadtkinder, die oft gar nicht wissen, wo das Obst eigentlich herkommt, und ein ideales pädagogisches Konzept, bei dem die Kleinen in die Pflege und Ernte einbezogen werden. Vergleichbares ließe sich an vielen Kindergärten, Schulen und auch auf Spielplätzen umsetzen.

Parks – hier ein Beispiel aus der Stadt Zeitz – bieten Platz für Obstbaumwiesen.


Schattenbäume auf Spielplätzen können auch Obstbäume sein.


Natürlich können auch Obstbäume in Vorgärten den öffentlichen Raum lebendig prägen, solange man den Besitzern erlaubt, dass die Äste auch wirklich in diesen Raum hineinragen dürfen.

Parks bieten Platz für Obstbaumwiesen, mit allgemeiner Pflückerlaubnis in der Erntezeit. Obstbaumalleen sind ebenfalls wieder im Kommen und man besinnt sich auf die Tradition, die Ernteerlaubnis für diese Bäume unter den Bürgern zu versteigern. Früher legte man überall an wichtigen Verkehrswegen solche Alleen an, wegen der Armeen, die dann nicht nur im Baumschatten wandern oder im Winter anhand der Baumreihen ihren Weg finden, sondern sich auch unterwegs mit dem reifen Obst verpflegen konnten.

Besonders wohlschmeckendes pflückreifes Obst anpflanzen

An all diesen öffentlichen Orten sollte man unbedingt besonders wohlschmeckende Obstsorten anpflanzen. Die Obstbäume dienen hier ja weniger der Vermarktung der Ernten, sondern der Freude der Bürger. Also ist es nur schön, wenn sie dann auch zugreifen und sich die Früchte schmecken lassen.

Auch Vorgärten ermöglichen mit passenden Obstbäumen eine Versorgung mit Obst.


Professioneller Altbaumschnitt an einem etwa 50-jährigen Apfelbaum (vorher und nachher)


Ein weiteres Beispiel dafür, wie Kommunen sich für die Präsenz von Obstbäumen im öffentlichen Raum engagieren können, bieten die sogenannten „Generationenparks“. Gegen eine gewisse Summe pflanzt man für einzelne Bürger Apfelbäume aller nur denkbaren Sorten, zur Feier der Geburt eines Kindes, zu Hochzeiten oder Geburtstagen. Das ist zugleich eine gute Möglichkeit, auch junge Menschen an ihre Heimatregionen zu binden, sie gewissermaßen zu verwurzeln.

Auch Obstlehrpfade, die durch Obstwiesen führen, tragen zu so einer Verwurzelung speziell von Menschen, die auf den Dörfern leben, bei. Obstlehrpfade eignen sich besonders gut für Orte, die von jeher traditionelle Obstgemeinden waren, und deren Leben vom Obstverkauf geprägt war, wie etwa das Kirschendorf Todenmann in Niedersachsen. Mit solchen Lehrpfaden bewahrt man auf authentische Weise die eigene Dorfgeschichte – reizvoll auch für den Tourismus. Zugleich bietet es sich für die Obstdörfer an, regelmäßig Obstfeste und damit zugleich auch die eigene Heimat zu feiern.

Umsichtige Planung ist unverzichtbar

Ohne eine umsichtige Planung wird es allerdings kaum möglich sein, Obstbäume auf Dauer wieder in den öffentlichen Raum zu holen. „Je sorgfältiger die Planung, desto langlebiger die Obstwiese“, dies ist ein Lehrsatz, den man nie vergessen darf. Es ist einfach nur traurig zu sehen, wie oft gerade die Städte, Kommunen oder Naturschutzverbände, die sich um die Anpflanzung neuer Obstwiesen bemühen, von Beginn an gravierende und dabei doch so leicht vermeidbare Fehler machen (siehe auch Beitrag in TASPO BAUMZEITUNG 5/2016).

Zunächst: Jede Obstwiese braucht eine „Unternutzung“. Selbst wenn diese Unternutzung nicht in Form einer Beweidung oder eines Feldes besteht, darf man nicht außer Acht lassen, dass die Obstwiese regelmäßig gemäht werden muss, wenn die Bäume nicht unter dem wilden Bewuchs leiden sollen.

Dann: Kaum etwas ist wichtiger für den Bestand einer Obstwiese, als die einzelnen Bäume in genügend großen Abständen zu pflanzen. Dabei spielt auch die Art der Unternutzung eine Rolle: Mähmaschinen etwa sollen ja problemlos zwischen den Bäumen hindurch fahren können. Noch mehr aber fordern die Bäume selbst sehr viel Platz ein, um sich stark und frei entfalten zu können.

Die junge Kirschbaumwiese im Bild ganz rechts wird kaum Bäume mit kräftigen Kronen und gutem Ertrag herausbilden können, so eng stehen die einzelnen Bäume, die sich also im höheren Alter auf jeden Fall mit ihren Kronen in die Quere kommen und gegenseitig schaden werden. Zu geringe Pflanzabstände bedeuten vergebliche Liebesmüh in Hinblick auf nachhaltigen Obstbaumanbau. Sinnvoll ist ein Pflanzabstand von mindestens jeweils zwölf Metern.

Auch die zukünftige Stammhöhe der Obstbäume muss bei der Planung der Wiese einbezogen sein. Die richtet sich nach Art der Unternutzung, muss aber auf jeden Fall mindestens zwei Meter betragen, um eine praktikable Bewirtschaftung zu ermöglichen.

DER AUTOR

Michael Grolm (Dipl.-Ing. agr.) ist Berufsimker und Leiter der Thüringer Obstbaumschnittschule. Zur Zeit schreibt er an seinem Buch „Obstbaumschnitt Schritt für Schritt“ (www.obstbaumschnittschule.de).

Jungbaumschnitt an einem sechsjährigen Apfelbaum vorher (links) und nachher


Fotos Michael Grolm

Viel zu geringe Pflanzabstände (5 mal 6 Meter) bei jungen Kirschbäumen


Und zuletzt: Da, wo Vieh auf einer Obstwiese weidet, ist ein Verbissschutz unverzichtbar. Die nicht ganz geringen Kosten dafür sollten bereits in der Planungsphase bedacht werden.

In fachgerechte Pflege investieren

Wer Obstbäume und Obstwiesen im öffentlichen Raum sehen will muss wissen: Nur eine jahrelange, regelmäßige und vor allem fachgerechte Baumpflege sorgt dafür, dass die Bäume nach zwölf bis fünfzehn Jahren mit gut aufgebauter Krone herangewachsen sind und gute Früchte tragen. Kommunen, die sich für Obstbäume engagieren, kommen um spezielle Schulungen für ihr Personal nicht herum. Es wird sich aber rentieren.

An erster Stelle steht das Wissen um den richtigen Jungbaumschnitt, der jährlich durchgeführt werden muss, soll der Baum nicht seine Kräfte ins vorzeitige Fruchten verschwenden oder tragende Äste ver - lieren. Regelmäßig geschnittene Jungbäume erreichen einen Jahrestrieb von 60 Zentimetern, bei vernachlässigten Bäumen dagegen tut sich manchmal einfach gar nichts.

Ebenfalls von hoher Bedeutung und die beste Unterstützung für den Erziehungsschnitt ist die regelmäßige Pflege der Baumscheibe, die immer sauber gehackt sein muss.

Ganz besondere Aufmerksamkeit erfordern die exotisch wirkenden Mehrsorten-Apfelbäume. Nur Profis sind in der Lage, ihre Schnitttechnik an die jeweils besonderen Bedürfnisse der verschiedenen Sorten anzupassen, die auf so einem Baum vereint wachsen. Doch die Mühe lohnt sich, denn mit einem Mehrsorten-Obstbaum hat man einen einzigartigen Anziehungspunkt geschaffen.

Obstbäume, die zu Prachtexemplaren ihrer Art werden sollen, erfordern jahrelangen Arbeitseinsatz, bis dann beim Altbaum die Schnittabstände verlängert werden können und man endlich ernten kann. Im ersten Moment mag dieser Aufwand immens erscheinen, aber Kommunen werden so oder so Geld in die Begrünung des öffentlichen Raumes investieren. Auch Ziergehölze oder etwa die beliebten geköpften Platanen wollen gehütet und gepflegt sein.

Einer der wichtigsten Grundsätze beim Altbaumschnitt: Der junge Baum sieht, richtig beschnitten, oft aus wie ein „gerupftes Huhn“, dafür steht der Altbaum dann so harmonisch da, als sei er niemals beschnitten worden, sondern ein Wunderwerk der Natur. Um das zu erreichen, muss das kommunale Personal entsprechend geschult werden. Dann kann es die Obstbaumpflege so betreiben, dass die Bäume ein Geschenk auch für die nachfolgenden Generationen darstellen.