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ODER: Kita TAGESMUTTER?


Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 06.03.2019

Wo sind kleine Kinder besser aufgehoben? Kommt darauf an


Artikelbild für den Artikel "ODER: Kita TAGESMUTTER?" aus der Ausgabe 4/2019 von Leben & erziehen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 4/2019

Lina ist 14 Monate alt und übt gerade erste Schritte. Dreimal pro Woche geht ihre Mama zur Arbeit, in dieser Zeit bringt Nicole die Tochter jeweils für ein paar Stunden zur Tagesmutter. Dort macht die Kleine ihr Vormittagsnickerchen, erforscht das Spielzeug, krabbelt den älteren Kindern hinterher oder beobachtet einfach nur. Zwischendurch sucht sie immer wieder Zuwendung – und bekommt sie: auf dem Arm ihrer Tagesmutter Simone. „Lina braucht noch sehr viel Aufmerksamkeit. Ohne feste Bezugsperson ginge es nicht.“ Bei Simone hatte die Familie von ...

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... Anfang an ein gutes Gefühl. „In einer Kita würde unsere Tochter vermutlich untergehen“, meint Nicole.

Die Tagesmutter ist gut für sehr junge Kinder

Diese Sorge teilen viele Eltern. Doch ist die Tagesmutter in jedem Fall die bessere Alternative? „Für ganz junge Kinder ist die Tagespflege meist eine gute, vielleicht sogar die bessere Wahl“, sagt Dr. Jörg Maywald, Soziologe und Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, weil eine Tagesmutter in der Regel höchstens fünf Kinder gleichzeitig betreut. „In kleinen Gruppen geht es ruhiger zu, sehr junge oder sensible Kinder fühlen sich hier oft wohler“, so Maywald. In öffentlichen Kitas variiert der Betreuungsschlüssel je nach Bundesland zwischen vier und acht Kindern pro Erzieherin. Zwei Fachkräfte betreuen dann schon mal 14 oder mehr Kleinkinder gleichzeitig. Größere Gruppen haben aber auch Vorteile, findet Maywald: „Kindern stehen dort mehr Spielpartner zur Auswahl. Kommt ein Junge zu einer Tagesmutter, die sonst nur Mädchen betreut, fehlt ihm auf Dauer vielleicht der Sparringspartner“, so der Experte.
Die Gruppengröße war für Maren, Mama von Gabriel (18 Monate), weniger ausschlaggebend. Sie entschied sich für die Kita, weil sie eher ihren pädagogischen Vorstellungen entsprach: „Mirist wichtig, dass meine Kinder ihrem Alter entsprechend gefördert werden – und zwar durch ausgebildete Erzieherinnen“, sagt die zweifache Mutter. Tagesmütter und -väter brauchen für ihre Arbeit nämlich keinen pädagogischen Berufsabschluss. „Viele haben trotzdem mindestens eine Tageselternqualifizierung von 160 Stunden hinter sich“, sagt Maywald. „Ein schriftliches pädagogisches Konzept gehört inzwischen auch in der Tagespf lege zum guten Standard“, erklärt der Betreuungsexperte – und rät Eltern, einfach danach zu fragen.
Rechtzeitig klären sollte man auch, was passiert, wenn die Tagesmutter krank wird. „Rechtlich gesehen muss auch in der Tagespflege im Krankheitsfall für Ersatz gesorgt sein. Es sieht nur in der Realität oft ganz anders aus“, weiß Maywald. Die Kinder müssen dann meist zu Hause bleiben – und die Eltern auch. Nicht so in der Kita, wo es mehr Personal und eine feste Ersatz-Regelung gibt. „Der Laden wird da nicht einfach dichtgemacht, nur weil eine Erzieherin erkältet ist“, sagt Maren. Dass mehr Personal auch wechselnde Bezugspersonen für ihr Kind bedeutet, sieht sie gelassen: „Gabriel hat zwar eine Lieblingserzieherin, kommt aber mit allen gut zurecht. Er hängt nicht, wie andere Kinder, an einer einzigen Betreuerin.“ Auch der Übertritt in den Kindergarten dürfte Gabriel später leichterfallen; er kann in der Einrichtung bleiben, geht nur in eine andere Gruppe. Der Wechsel von der Tagesmutter in den Kindergarten bedeutet dagegen fast immer eine erneute Eingewöhnung.

Auf die Räumlichkeiten kommt es an

Auch die Räume können ein Entscheidungskriterium sein: Bieten sie genug Platz zum Spielen? Rückzugsmöglichkeiten, einen eigenen, abgeschlossenen Schlafraum, kindgerechte Toiletten und Waschbecken? Die meisten Tagesmütter betreuen die Kinder in der eigenen Wohnung, nicht immer gehört ein Garten dazu. „In unserer Kita gehen sie täglich bei fast jedem Wetter mit den Kindern nach draußen. Im Garten gibt es einen großen Sandkasten, einen Kletterhügel und ein Spiel-Häuschen. Wenn wir es am Nachmittag mal nicht nach draußen schaffen, weiß ich zumindest, dass sich Gabriel schon in der Kita an der frischen Luft ausgetobt hat“, erzählt Maren zufrieden.

In Kitas gelten klare Strukturen

Gartenzeit, Essenszeit, Schlafenszeit: Wegen der klaren Strukturen sind Kitas oft weniger flexibel. So kann der Nachwuchs in der Kernzeit von 9 bis 14 Uhr in aller Regel nicht abgeholt werden. Auch eine tageweise Buchung ist oft nicht möglich, was für Mütter wie Nicole, die nur an drei Tagen pro Woche arbeitet, praktisch wäre. Nicole weiß die Flexibilität ihrer Tagesmutter deshalb sehr zu schätzen: „Mal hole ich Lina vor dem Essen ab, mal nach dem Mittagsschläfchen. Ich gebe Simone einfach morgens Bescheid oder ich rufe von der Arbeit aus an. Manchmal springt Simone sogar am Wochenende als Babysitterin für uns ein.“
Nicole und Maren sind mit ihrer Entscheidung zufrieden. Alle beide. Denn ob Tagespflege oder Kita die bessere Lösung ist, kann nur jede Familie für sich beantworten. „Eltern müssen die eigenen Ansprüche und die Bedürfnisse des Kindes individuell abwägen“, sagt Maywald und rät: „Am besten mehrere Betreuungsangebote ansehen, vergleichen, genau nachfragen – und am Ende aufs Bauchgefühl hören.“

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Unser Experte

Dr. Jörg Maywald ist Soziologe und Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind sowie Professor an der Fachhochschule in Potsdam. Er hat u. a. das Buch verfasst „Kindeswohl in der Kita“ (Herder; 20 Euro)


FOTOS: BETTINA KELLER, STOCKSY