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Österreich: Steirische Salza: Kinderparadies Steirische Salza


Kanu Sport - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 06.08.2020

Die Salza mit ihrer smaradggrünen Farbe und hervorragenden Wasserqualität, den tiefen Gumpen, munteren Schwällchen und beeindruckenden Schluchten stellt vor allem für Paddeleinsteiger und Fortgeschrittene ein ideales Revier in wunderschöner Gebirgslandschaft dar. Darüber hinaus bietet sie eine Fülle an Übungs- und Spielstellen, wie man sie auf einer derart langen Strecke heute nur noch selten vorfindet.


Artikelbild für den Artikel "Österreich: Steirische Salza: Kinderparadies Steirische Salza" aus der Ausgabe 8/2020 von Kanu Sport. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kanu Sport, Ausgabe 8/2020

Finn, Ben und Ingo haben die Klausschlucht fast hinter sich.


Solches Wetter und Wasser am Einstieg der Klausschlucht sorgt für leuchtende Augen.


Als junger Kajakenthusiast war ich selbst mit meinen Eltern ...

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... hier und habe viele tolle Erinnerungen an meine ersten Paddelerfahrungen. Gleich den ersten Schwall am Campingplatz direkt in Wildalpen zu meistern war eine der großen Herausforderungen. Und das Gelingen – so es denn klappte, was nicht immer der Fall war – erfüllte mich jedes Mal mit großem Stolz. Pfingsten 2019 und nach etwa 30-jähriger Salzapause bin ich mit meinen beiden Jungs Kilian (9) und Tobias (6) samt Freundesrackerbande wieder am Start auf der Strecke ab Wildalpen. Mit Tobias im Prijon 2B vorne sitzend erstarre ich allerdings zur Salzsäule, als wir mitten im oben erwähnten Katarakt unverhofft auf ein ziemlich groß aussehendes Loch zusteuern. Schnell sind alle Optionen eruiert: Anhalten oder Ausweichen ist nicht mehr möglich, und ein Durchkommen schon gleich gar nicht. Panik habe ich aber nicht wegen uns, sondern wegen Kilian, dem all diese Gedanken gelten und der zehn Meter hinter uns im eigenen Boot folgt. Während wir im Zweier ohne Probleme mittig durch den Rücklauf stechen, müssen wir hilflos zusehen wie Kilian in seinem kleinen Kinderkajak von dem Monster verschluckt und chancenlos zerlegt wird. Erst später erfahren wir, dass dieses Ungetüm anscheinend für die Belebung von Raftingwettkämpfen speziell geschaffen wurde. Hätten wir das vorher gewusst wäre Kilian dieser üble Schwumm erspart geblieben. Ein Anhalten und Umtragen oder für sicherere Paddler die Chicken-Line an der Walze vorbei wären überhaupt kein Problem, wenn man sich die Stelle vorher anschaut. Letztendlich resultiert dieser Schwimmer aus meiner Unaufmerksamkeit und ich mache mir große Vorwürfe, nicht besser aufgepasst zu haben. Trotz der wirklich harten Schwimmeinlage steigt Kilian tapfer wieder ins Boot. Die Schwälle „Hexe“ und „Teufelsrutsche“ meistert er bravourös, wie auch den Rest der für Einsteiger bestens geeigneten Wildwasserstrecke bis Fachwerk, wo die Lassing von rechts mündet. Wer an diesem an sich idyllischen Fleckchen Brotzeit machen möchte ist vor allem in der Hochsaison gut beraten, sich auf der unterhalb der Mündung liegenden Kiesbank zu installieren, um nicht dem mittlerweile unangenehm hochfrequenten Raftingbetrieb unmittelbar ausgesetzt zu sein. Direkt nach Wildalpen durchfährt man übrigens das Aquädukt der II. Wiener Hochquellenleitung, welches bereits 1910 in Betrieb genommen wurde und Österreichs Hauptstadt täglich mit ca. 217.000 m³ Trinkwasser versorgt. Der Großteil des Wassers kommt aus der unterhalb der Prescenyklause gelegenen Kläfferquelle, deren Erguss man auf der entsprechenden Etappe auch aus dem Boot heraus bewundern kann. Wer hierzu mehr wissen möchte kann sich im Museum “HochQuellenWasser” in Wildalpen ausführlich und anschaulich weiterbilden. Zum Adrenalinabbau des Vormittags eignet sich ideal die etwa eine Stunde dauernde Bergtour zur hoch über Wildalpen wachenden Wettergemse. Deren sich durch den Wind ständig ändernde Ausrichtung bietet viel Spekulationsraum – klar dass die Kinder diesem Mysterium auf den Grund gehen müssen! Eine nicht ganz banale Bergtour für trittsichere Kinder mit toller Aussicht auf Wildalpen und die Salza, Einstieg ist direkt an der Hauptstraße gegenüber der Zufahrt zum Naturfreundecampingplatz, leider keine Markierung.

Ingo in der schier endlosen Konglomeratschlucht nahe Palfau.


Erfahrung im Strömungslesen erforderlich

Auf der Folgestrecke nach Fachwerk steigern sich die Schwierigkeiten sofort. Die deutlich anspruchsvolleren Stellen mit Namen wie „Fachwerkwalze“, „Lawinenschwall“ oder „Petrus“ verlangen mehr Erfahrung im Strömungslesen, und wenn nicht gerade sommerliches Niederwasser vorherrscht, geht es ganz schön zügig und teils auch wuchtig dahin. Am Sticklersteg führt eine neue Brücke zur sehenswerten Palfauer Wasserlochklamm, bald darauf beginnt das sogenannte „Paradies“ mit der „Langen Gasse“ als Kernstück, in welchem das gesamte Wasser zwischen Felsriegeln aus Glazialschotter zusammengepresst wird und beeindruckende Kraft und Geschwindigkeit entwickelt. In Erzhalden erreicht man eine weitere gute Möglichkeit für Beginn oder Beendigung einer Fahrt. Ab hier folgt der landschaftlich imposanteste Teil der steirischen Salza. In tiefen und teils recht düsteren klammartigen Konglomeratschluchten schießt das Wasser dahin, ab und an von einer wuchtigen Passage unterbrochen. Auch wenn der „Weiberlauf“ und der „Salzarechen“, die zu Faltbootzeiten gefürchteten schwersten Stellen der Salza, längst im Rückstau des Ennskraftwerks begraben wurden, ist diese unterste Etappe nicht nur landschaftlich überaus lohnend und wird meist am Campingplatz Saggraben oder an der Brücke direkt vor der Enns beendet.

Naturfreunde Camping Wildalpen


Steht der Soca kaum hinterher: der Salzamäander nach Wildalpen


Durch die Klausschlucht

Am nächsten Tag steht die Klausschlucht auf dem Programm. Wildwassertechnisch unspektakulär führt dieser Abschnitt durch den wahrscheinlich wildesten und ursprünglichsten Landschaftsteil der Salza. Weit entfernt von der Straße plätschert diese von einem tiefgrünen Gumpen in den Nächsten, in welchen immer wieder kapitale Forellen, Saiblinge und Äschen in der Tiefe zu erahnen sind. Auf dieser Strecke fühlen sich auch Kinder wohl, die bereits ein bisschen Wildwassererfahrung gesammelt haben. Bei dreißig Grad im Schatten lässt es sich am Fluss sowieso am Besten aushalten und kleine Badeeinlagen vor der wohlverdienten Brotzeit können kaum in einem schöneren Ambiente stattfinden. Ein Teilabschnitt kann übrigens für geländegängige Wanderer auf einem spannenden Wandersteig auch zu Fuß erlebt werden. Bevor die Salza in den Stausee oberhalb der Prescenyklause mündet booten wir bei Weichselboden aus.
Die Klause selbst wurde ursprünglich für den Holztransport errichtet. Anfangs geschah dieser vor allem per Holztrift, also dem Transport einzelner Baumstämme, doch später trat mehr und mehr die Flößerei in den Vordergrund. Auf dem durch die Öffnung der Klause folgenden Wasserschwall wurden pro Floss bis zu 50 Festmeter Holz über die Enns und schließlich die Donau bis nach Ungarn verbracht, eine vor allem auf der Salza lebensgefährliche und äußerst harte Aufgabe, die zu einigen tödlichen Unfällen führte. Nachdem die Straße als Transportweg den Fluss ersetzte und eine steigende Anzahl an Kraftwerken die Flößerei immer unattraktiver machte, wurde die Klause schließlich umgebaut und fungiert heute als Durchlaufkraftwerk. Bei moderaten Wasserständen ist die Strecke ab der Klause ideal für Anfänger geeignet. Kurz nach dem Start fährt man an den von links mündenden Wasserfällen der Kläfferquellen vorbei, die Schwierigkeiten nehmen erst auf den letzten Kilometern vor Wildalpen langsam zu. Abends spenden Lagerfeuer über den ganzen Campingplatz hinweg Wärme gegen die vom Fluss heraufkriechende nasse Kälte. Während die Kinder begeistert zündeln, Rauchzeichen produzieren und vom Besuch im Waldbad träumen, haben die Erwachsenen endlich [ein] Feierabend[bier] und können die Unmengen an Fledermäusen bestaunen, die tagsüber in Arzberg-, Hundskogel-, Großer Schloifhöhle oder einer der weiteren unzähligen Hohlräume der umgebenden Bergwelt residieren und nun dem Tag ein Ende bereiten.

Fazit - Wiederholung gewünscht

Neben den faszinierenden Kajaketappen haben wir eine derartige Vielzahl an Freizeitaktivitäten wie in und um Wildalpen selten gesehen. Die Kinder erzählen noch ein Jahr später mit glänzenden Augen von den vielen Erlebnissen und lassen uns Erwachsenen kaum eine Wahl als baldmöglichst wiederzukommen!

Das Rätsel der Gämse ist gelüftet.


In der sommerlichen Hitze dampft das kühle Wasser nach Fachwerk.

Infos

Salza
Klausschlucht vom Brunngraben bis Weichselboden: WW I-II-, auch für Anfänger geeignet, Fluss ist aber weit weg von der Straße.
Prescenyklause bis Wildalpen: WW I-II+, auch für Anfänger geeignet, langsame Zunahme der Schwierigkeiten. Wildalpen bis Fachwerk: bis WW II+, gut für fortgeschrittene Einsteiger, Achtung vor der sehr unangenehmen Walze am unteren Camping in Wildalpen!
Fachwerk bis Erzhalden: WW II-III, je nach Wasserstand deutlich anspruchsvoller als die oberen Strecken. Erzhalden bis Palfau: WW III, tiefe Konglomeratschluchten und schnelle Strömung.
Weitere Flüsse in der Umgebung Lassing
Auf der unteren Etappe geht es meist etwas hektischer zu als auf der Salza, bei gut Wasser ein nicht zu unterschätzender heißer Ritt mit ein paar wuchtigen Katarakten, der Oberlauf ist vor allem wegen der Landschaft auch Einsteigern zu empfehlen; Achtung vor Bäumen.
Hinterwildalpenbach
Endlose Aneinanderreihung kleiner Stufen (ca. 70 Stück und bis fast 3 Meter hoch), Achtung vor Bäumen. Wer hier nicht boofen lernt wird es nie lernen.
Rotmoosbach
Oberlauf muss erwandert werden, teils klammige Strecken, Holzverklausungen möglich; untere Klamm mit rückläufiger Ausgangsstufe, vor der Fahrt unbedingt besichtigen, Reststrecke bis Mündung in die Salza mit lohnenden Stellen beim richtigen Wasserstand.
Erlauf
Die Standardstrecke sind wir einmal gepaddelt und haben es als nicht sehr lohnend in Erinnerung. Die Tormäuer Schlucht soll angeblich ebenfalls nicht lohnend sein, hier fließt quasi nie Wasser.
Ötscherbach
Das Naturjuwel Niederösterreichs, herrliches Wildwasser in märchenhaft schöner Landschaft; muss mit dem Bootswagen erwandert werden. Nur in der Schneeschmelze oder nach ergiebigen Regenfällen ausreichender Wasserstand.
Enns
Von den vielen befahrbaren Abschnitten stechen vor allem der extrem schwere Gesäuseeingang und die Kummerbrückenstrecke heraus, welche ihre Hauptschwierigkeiten auf den ersten 500 Metern bietet. Achtung vor Siphonen!
Steyr
Nette Abwechslung wenn man mal von der Salza genug hat und einen kleineren Bach sucht, Hartgesottene wagen sich an den Stromboding-Wasserfall am Einstieg (eher bei wenig Wasser anzutesten).
Weitere Möglichkeiten bieten die oberste Salza, Walster, Aschbach, Mendlingbach, Rotbach, Steinbach und Hundsaugraben.
Andere Aktivitäten
Unzählige Wanderungen und Bergtouren, Palfauer Wasserlochklamm, Mountainbiketouren, Waldsauna und Waldbad im Hinterwildalpental (unbedingt Rücksicht auf Badegäste nehmen!), Museum Hochquellenwasser Wildalpen, Höhlenexkursionen, Gleitschirmfliegen und vieles mehr. Achtung: Entlang der Salza sind die meisten Parkplätze inzwischen kostenpflichtig und werden flächendeckend regelmäßig kontrolliert.