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OFF ROAD-GELÄNDETEST: TOYOTA LAND CRUISER 2.8 D-4D: Aus Japan wenig Neues


Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 7/2020 vom 09.06.2020

Toyota hat schon lange einen echten Offroader im Angebot. Den haben die meisten allerdings nicht auf dem Schirm und denken zuerst an die üblichen Verdächtigen. Wir haben den Land Cruiser auf Herz und Nieren getestet und waren überrascht, was alles in ihn reinpasst …


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Bildquelle: Off Road, Ausgabe 7/2020

Wer auf der Suche nach einem Offroader ist und sich im Freundes- und Bekanntenkreis umhört, der wird wahrscheinlich Vorschläge à la BMW X5 und VW Tiguan oder – wenn die Ratgeber etwas bewanderter sind – Jeep oder Land Rover bekommen. Oder eben gleich den üblichen Verweis auf die Mercedes GKlasse, natürlich nicht ohne die standardmäßig ...

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Wer auf der Suche nach einem Offroader ist und sich im Freundes- und Bekanntenkreis umhört, der wird wahrscheinlich Vorschläge à la BMW X5 und VW Tiguan oder – wenn die Ratgeber etwas bewanderter sind – Jeep oder Land Rover bekommen. Oder eben gleich den üblichen Verweis auf die Mercedes GKlasse, natürlich nicht ohne die standardmäßig nachgeschobene Bemerkung, der sei aber ja viel zu teuer. Dass auch Toyota was Passables im Portfolio hat, haben die meisten Großstadt-Indianer nicht auf dem Schirm. Dabei ist auch der Land Cruiser eine echte Offroader-Legende. Der Japaner blickt auf eine lange Geländewagen- Tradition zurück, treibt er sich doch schon seit 1951 abseits der Straßen herum; damals noch unter dem Namen BJ, drei Jahre später aber wurde der Kraxler schon in Land Cruiser umge – tauft. Auf den Seiten 36-43 finden Sie eine erste Übersicht über die Anfänge der Baureihe. Ähnlich wie Mercedes seine G-Klasse hat auch Toyota seinen Land Cruiser über die Jahre immer nur leicht überarbeitet und modifiziert. Das robuste Grund-Design des kastigen Wagens wurde, abgesehen von einer umfangreichen Modernisierung Anfang der 2000er-Jahre, durch die Bank beibehalten.

IN EINEM AUTO VOR UNSERER ZEIT

Zu den großen äußeren Änderungen der Neuzeit zählen die kantigere Front, schärfer gezeichnete Scheinwerfer und ein geordneteres Heck. Das muss allerdings auch schon reichen. Ein Land Cruiser darf eben ein Land Cruiser bleiben. Eingefleischten Fans wird das entgegenkommen. Wir erinnern uns schließlich noch gut an den Aufschrei, als Land Rover den neuen Defender präsentiert hat. Der sieht zwar gut aus, hat aber mit dem Vorgänger – auch wenn die Designer beteuern, sie hätten ganz viele Elemente nur etwas neu interpretiert – nicht mehr viel zu tun. Sowas würde Toyota nicht passieren! Auch im Land- Cruiser-Innenraum geht es eher bodenständig als futurelike zu. Und nachdem man auf den großen, bequemen Ledersesseln Platz genommen hat, fühlt man sich in der nächsten Sekunde in eine andere Zeit versetzt. Das liegt nicht nur an der Digital-Uhr im Retro-Japan-Stil und soll vor allem bitte nicht negativ verstanden werden. Sicherlich sind die vielen Tasten und Schalter nicht mehr zeitgemäß. Dennoch findet man sich hier schnell zurecht und fühlt sich wohl. Alles ist dort, wo man es vermutet. Die Materialien im Land Cruiser sind robust, wurden aber sauber verarbeitet und machen einen haltbaren Eindruck. Das Platzangebot für Fahrer und Insassen kann sich sehen lassen. Hier geht es auf allen Sitzen äußerst luftig zu. Der Kofferraum nimmt es mit bis zu 1955 Litern auf. Sind alle Plätze besetzt, passen immerhin noch ordentliche 640 Liter ins Gepäckabteil. Wir haben es sogar geschafft, 30(!) 70-Liter- Säcke – also 2100 Liter – Rindenmulch auf einmal unterzubringen. Das hat auch andere Kunden am Baumarkt-Parkplatz begeistert.

Auch leichtere Verschränkungen meistert der Land Cruiser ohne Murren und Knurren.


Untouched: Der vordere Böschungswinkel beträgt 32 Grad.


Im Heckbereich steht ein Winkel von 25 Grad zur Verfügung.


In der dritthöchsten Ausstattungslinie Executive werden mindestens 63 740 Euro für den Toyota fällig. Dafür kommt der Land Cruiser aber respektabel ausgestattet vorgefahren. Hier gehört zum Beispiel eine Drei- Zonen-Klimaautomatik zum Standard, und damit auch die Gemütlich: Der Toyota Land Cruiser kraxelt nicht nur auf der Straße gelassen über alle Bodenunebenheiten hinweg. Getränke schön kalt bleiben, gibt es unter der großen Mittelarmlehne eine nicht minder große Kühlbox. Frisch halten lassen sich beispielsweise auch die Steaks und Bratwürste für den Grillabend – nach der Rindenmulch- Schlepperei haben wir uns die verdient! Um schnellstmöglich nach Hause zu finden, gibt es ein Acht-Zoll-Navi-Infotainmentsystem mit Touchfunktion. Und für ein angenehmes Klangerlebnis sorgt das JBL Premium Sound-System. An Assistenten gibt es eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Einparkhilfe vorne und hinten, einen Totwinkelwarner, Fernlichtassistenten, eine elektronische Bergabfahrhilfe, ein Torsen- Differenzial an der Hinterachse, eine dynamische Fahrwerkskontrolle (KDSS) und eine elektronische Stabilitätskontrolle. Und selbstverständlich arbeiten in dieser Linie alle Lichter mit LEDTechnologie. Wer all den Schnickschnack aber nicht will: Eine spärlich ausgestattete Einstiegsversion des Fünftürers gibt es bereits ab 44 280 Euro. Noch billiger ist der Land Cruiser mit nur drei Türen.

Fahrverhalten / Traktion

Gemütlich: Der Toyota Land Cruiser kraxelt nicht nur auf der Straße gelassen über alle Bodenunebenheiten hinweg.


Hübsch: In der Executive-Line gibt es schicke 19-Zöller.


Überflüssig: Einen Sportmodus braucht es im Land Cruiser nicht.


Interieur

Robust: Das Cockpit strotzt vor Tasten und Knöpfen – die Verarbeitung macht einen guten Eindruck.


Es gibt sie noch: Im Land Cruiser findet man noch klassische Rundinstrumente.


Praktisch: Unter der Mittelarmlehne verbirgt sich eine große Kühlbox.


FÜR WEN IST ER GEMACHT?

Doch für welchen Käuferkreis ist ein Toyota Land Cruiser denn nun eigentlich das richtige Fahrzeug? Unser Fazit lautet: Wer regelmäßig ins Gelände will, aber auch auf Langstrecken komfortabel reisen möchte, kann mit diesem vielseitigen und robusten Japaner durchaus glücklich werden. Schließlich kommt auch die neueste Auflage der intern J15 genannten Baureihe mit einem permanenten Allradantrieb und selbstsperrendem Torsen- Mitteldifferenzial. Ihr Fahrwerk ist auf maximalen Komfort ausgelegt, Bodenunebenheiten im Asphalt werden sauber weggebügelt und auch im Gelände, seinem natürlichen Umfeld, schaukelt der Land Cruiser gemütlich über Stock und Stein. Zwar gibt es auch einen Sportmodus, in dem die elektronisch gesteuerten Hydraulik-Federn etwas nachgeschärft werden. Den Toyota ambitioniert in die Kurve werfen ist aber trotzdem keine gute Idee: Obwohl die dynamische Fahrwerksregelung KDSS die Seitenneigung reduzieren soll, schwankt der hohe Aufbau in der Biegung noch merklich. Auch dem ebenfalls recht entspannten 2,8-Liter-Diesel-Aggregat macht der Sport-Modus nicht sonderlich Beine: Die optionale Sechsgang-Automatik dreht dann halt die Gänge etwas länger aus, ein Sprintstar wird der Land Cruiser damit aber nicht; vor allem das Dieselnageln ist im Innenraum im Sportmodus deutlicher hörbar. Seine 177 PS und die 450 Newtonmeter schaffen es, obwohl sie schon bei erfreulich niedrigen 1600 Touren anliegen, nicht, das Schwergewicht in weniger als 12,1 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Unsere Messergebnisse liegen sogar noch etwas höher. Maximal läuft der Land Cruiser 175 km/h, was in Anbetracht seiner Masse aber auch völlig ausreichend ist.

Geländetauglichkeit

Kann man machen: Die Trittbretter sehen schick aus, stören im Gelände jedoch.


Offroad fühlt sich der Toyota Land Cruiser pudelwohl.


Griffbereit: Die Mitte der Konsole konzentriert sich voll und ganz auf die Geländeausfahrt.


Diesel: Im Toyota Land Cruiser werkelt ein 2,8-Liter-Selbstzünder mit 177 PS.


TRUMPF IM GELÄNDE

Während der Land Cruiser das flotte Kilometer-Runterreißen lieber anderen überlässt, spielt er bei langsamer Geländefahrt einen weiteren Trumpf aus. Dank des Multi-Terrain-Select- Systems kann der Fahrer einen von vier Geländemodi auswählen, der dann alle Systeme auf die zu meisternde Aufgabe vorbereitet. Besonders kommod geht‘s mit der Crawl Control durchs Offroad – sie übernimmt bergauf, bergab auch das Anfahren und Abbremsen.
Natürlich gibt es im Land Cruiser nach wie vor eine Geländeuntersetzung, und wenn‘s besonders knifflig wird, hilft die separat einzulegende Hinterachssperre weiter.

VERGLEICHSWEISE GÜNSTIG

Wer durch schweres Gelände kraxelt, braucht natürlich nicht auf die versprochenen 7,8 Liter Durchschnittsverbrauch zu hoffen. im Alltag dagegen lagen wir mit den von uns „erfahrenen“ 9,9 Liter je 100 Kilometer gar nicht so weit oberhalb des Normwerts. Für einen Zweieinhalbtonner dieses Ausmaßes geht der Spritverbrauch allemal in Ordnung. Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass man mit dem Land Cruiser gegenüber der G-Klasse – die uns selbsternannte Offroad-Experten ja eigentlich ans Herz gelegt haben – locker vierzig- bis fünfzigtausend Euro gespart hat.

Unser Fazit

Wer bequem und gelassen auch auf der Langstrecke von A nach B möchte und viel Platz will, der wird mit dem Toyota Land Cruiser definitiv glücklich. Komfortabel bügelt der Japaner Bodenunebenheiten weg und kraxelt auch äußerst gelassen über Stock und Stein. Der Einstiegspreis von 63 740 Euro in der Executive-Line mag auf den ersten Blick hoch erscheinen, doch bekommt man hier sehr viel für sein Geld geboten.