Lesezeit ca. 2 Min.
arrow_back

Offene Wunden


Logo von tip Berlin TV & Streams
tip Berlin TV & Streams - epaper ⋅ Ausgabe 18/2022 vom 31.08.2022
Artikelbild für den Artikel "Offene Wunden" aus der Ausgabe 18/2022 von tip Berlin TV & Streams. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Lagebesprechung: Mossad-Agent Oren (Yousef Sweis, Foto, li.) bleibt besser undercover

Was in Deutschland verdrängt und vergessen wurde, ist für die Angehörigen der 1972 beim Olympia-Attentat getöteten israelischen Sportler immer noch eine offene Wunde. Zeitungsberichte in der vergangenen Woche ließen es als zweifelhaft erscheinen, ob die Angehörigen an der Gedenkfeier in München teilnehmen werden. Es geht um mangelnde Wiedergutmachung und um jahrzehntelang verschlossene Akten. Dass die historische Aufarbeitung der Geschehnisse immer noch im Argen liegt, zeigt neben der in der ARD gezeigten Dokumentation auch die von Sky produzierte. In „1972 – Münchens schwarzer September“ von Christian Stiefenhofer kommen zum Teil dieselben Augenzeugen zu Wort. Vieles bleibt hier in 93 Minuten verständlicherweise knapper als in der 180-minütigen Langfassung der ARD-Dokumentation (die glücklicherweise nicht nur in der Mediathek verfügbar ist, wie zunächst angekündigt, sondern auch in den Dritten Programmen ausgestrahlt wird). Auch wenn in der Sky-Doku einige namhafte Historiker, darunter Wolfgang Kraushaar, zu Wort kommen, kommentieren sie doch eher Details, nicht aber das große Ganze. Glaubten die Terroristen tatsächlich, Israel würde Gefangene freilassen im Austausch gegen die Geiseln? Muss man nicht der damaligen israelischen Premierministerin Golda Meir zustimmen, die dies als Freibrief für weitere Erpressungen ansah?

Im Gegensatz zu der ARD-Doku arbeitet diese auch mit nachgestellten Szenen. Die sind weit weniger eindringlich als die Äußerungen der Zeitzeugen – mit einer Ausnahme: die Unerfahrenheit der jungen Münchner Polizisten, die zum Flugplatz Fürstenfeldbruck geschickt wurden, wo das Geiseldrama blutig endete, macht das Versagen der Polizeiführung und der Politiker deutlich. 49 Jahre später reist einer der Polizisten von damals nach Israel für einen Dialog mit der Witwe eines der getöteten Sportler. Die gibt ihm Recht: Der Einsatz dieser unerfahrenen Männer hätte noch mehr Opfer gefordert.

Ungleiches Ermittlerduo Die Befürchtung, dass sich so ein Anschlag wiederholen könnte, liefert den Ausgangspunkt für den der israelischen Autorin Michal Aviram geschriebenen und von Philipp Kadelbach inszenierten Thriller „Munich Games“: Vier Tage vor einem Freundschaftsspiel zwischen einer deutschen und einer israelischen Fußballmannschaft gibt es An- Foto: Amusement Park Film / Sky Studios zeichen für einen Terroranschlag. Aus den bekannten Versatzstücken eines ungleichen Ermittlerduos (er ein Agent des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, eigentlich Computerspezialist, sie eine deutsche LKA-Beamtin mit libanesischen Wurzeln, die zudem eine Affäre mit ihrer Quelle bei den in München lebenden Palästinensern hat) und wiederstreitender Einschätzungen der Behörden (wobei der Verfassungsschutz wieder einmal sein eigenes Spiel spielt, bei dem es offensichtlich um mehr geht als darum, einen dubiosen Undercoveragenten zu schützen) entwickelt der Film seine Spannung. Privates und Öffentliches geraten in Konflikt, etwa wenn ein israelischer Sportfunktionärs sich durch dubiose Finanzgeschäfte erpressbar macht. Daraus bastelt der Film eine Geschichte, die über sechs Folgen lang die Spannung hält.

FRANK ARNOLD

1972 – Münchens Schwarzer September Sky und WOW ab 2.9., 93 Min, R: Christian Stiefenhofer und Mohamad Abou Falah; mit Ankie Spitze, Guido Schlosser, Jamal al Gaschey u.a. ●●●●◦

Munich Games Sky One, WOW und Sky Q ab 4.9., 6 Episoden à 45 Min; R: Philipp Kadelbach; D: Seyneb Saleh, Yousef Sweid, Sebastian Rudolph; Dov Glickman u.a. ●●●●◦

Tod und Spiele ARD Mediathek bis 25.8.23, erweitert auf 4 Episoden à 45 Min ●●●●◦◦

München 72 – Das Attentat ZDF Mediathek ab 28.8., 90 Min; R: Dror Zahawi; D: Bernadette Heerwagen, Heino Ferch u.a. ●●◦◦◦

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 18/2022 von Der stets das Gute will .... Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Der stets das Gute will ...
Titelbild der Ausgabe 18/2022 von Mord am Lausit zer Ostsee. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mord am Lausit zer Ostsee
Titelbild der Ausgabe 18/2022 von Kino in der Kiste. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kino in der Kiste
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Der stets das Gute will ...
Nächster Artikel
Der stets das Gute will ...
Mehr Lesetipps