Lesezeit ca. 7 Min.

OFFENER SCHLAGABTAUSCH


Logo von Auto Zeitung
Auto Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 17/2022 vom 03.08.2022

Offene Sportwagen · Vergleichstest

Artikelbild für den Artikel "OFFENER SCHLAGABTAUSCH" aus der Ausgabe 17/2022 von Auto Zeitung. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Zeitung, Ausgabe 17/2022

BMW

Autos gibt es viele, echte automobile Ikonen hingegen nur wenige. Der Mercedes SL gehört definitiv dazu. Vor knapp 70 Jahren als reines Renngerät gestartet, zählt der offene Sportwagen heute zu den wohl berühmtesten und begehrtesten Luxusfahrzeugen überhaupt. Die neueste Generation gibt, anders als ihr direkter Vorgänger, wieder mehr den distinguierten Sportsmann, der mit reichlich Power und querdynamischem Potenzial gesegnet ist und bei weitem nicht nur für die Boulevards dieser Welt geschaffen wurde. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Affalterbacher Sportwagenschmiede AMG bei der Entwicklung den Hut aufgehabt. Und, dies sei an dieser Stelle vorweggenommen, die Ingenieur haben hervorragende Arbeit geleistet. Ob der 585 PS starke V8-Roadster es jedoch mit dem 625 PS starken BMW M8 Competition Cabriolet aufnehmen kann, zeigt am Ende die Punktwertung. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Auto Zeitung. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 17/2022 von Diess ist dann mal weg. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Diess ist dann mal weg
Titelbild der Ausgabe 17/2022 von Hängende Zentrale. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Hängende Zentrale
Titelbild der Ausgabe 17/2022 von Deutsche STARS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Deutsche STARS
Titelbild der Ausgabe 17/2022 von Die Kunst der Karriere. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Kunst der Karriere
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Elektro-Schock
Vorheriger Artikel
Elektro-Schock
Kosten - Frage
Nächster Artikel
Kosten - Frage
Mehr Lesetipps

...

Karosserie

Der neue SL kommt im Vergleich zu seinem recht ausladend wirkenden Vorgänger sehnig, ja fast schon grazil daher. Die Designer haben es geschafft, die durchaus üppigen Abmessungen geschickt zu kaschieren. Immerhin ist der Roadster 4,71 Meter lang und 1,92 Meter breit. Im Interieur genießen die vorn Sitzenden nicht nur ein aufgrund der hervorragenden Sitzposition echtes Roadster-Feeling – und sie freuen sich überdies über gute Platzverhältnisse. Der SL wirkt gerade im direkten Vergleich mit dem M8, der trotz der noch üppigeren Außenlänge innen eher passgenau wie ein Turnschuh geschnitten ist, luftig und bietet bei geschlossenem Verdeck reichlich Kopffreiheit und angemessen viel Bewegungsfreiheit für die Ellenbogen. Über die Fondplätze freut sich indes allenfalls der Nachwuchs, denn anders als im BMW taugen die Notsitze mit ihren steil stehenden Rücklehnen lediglich für Kinder und Jugendliche bis 1,50 Meter Größe. Im M8 halten es hinten hingegen auch nicht allzu hochgeschossene Erwachsene etwas länger aus.

Die Karbon-Keramik-Bremse des BMW ankert unnachgiebig und lässt sich äußerst fein dosieren

Rein gar nichts auszusetzen gibt es beim M8 an der Material- und Verarbeitungsgüte. Nicht nur, dass die Karosserie bocksteif wirkt, auch die verwendeten Materialien im Interieur fassen sich hochwertig an und sind penibel zusammen- gefügt. Kurz gesagt: Der BMW M8 wirkt einfach rundum solide wie eine Burg. Dies trifft auf den Mercedes SL nicht uneingeschränkt zu. Beim Überfahren von Kanten knistert es bei ihm schon mal am oberen Scheibenrahmen und auch unschöne Details wie knarzende Türgriffe im Innenraum sind eines 200.000-Euro-Autos nicht würdig.

Ebenfalls Licht und Schatten gibt es bei der Bedienung. Absolut lobenswert beim SL ist die trotz nahezu unzähliger Funktionen absolut intuitive Menüführung auf dem brillanten und griffgünstig platzierten Zentralmonitor sowie die kinderleichte Anbindung des Handys ans Bordsystem. Weniger gelungen hingegen sind die winzigen Touchflächen am Lenkrad und die fummelige Sitzverstellung über die berührungssensiti- ven Elemente in den Türen, die nicht immer auf Anhieb und dann teils wenig feinfühlig reagieren.

Mercedes

Und auch die Verdeckbetätigung über den virtuellen Slider auf dem Touchscreen, der die gesamte Dauer des Öffnens oder Schließens gehalten werden will, sorgt für Verdruss – zumal das entsprechende Menü erst eine geraume Zeit nach dem Motorstart zur Verfügung steht. Der auch mögliche Doppelklick auf die winzige Fläche in der einteiligen Menüleiste ist nicht unbedingt die bessere oder gar lustvollere Alternative. Eine separate, größere Taste wäre hier wünschenswert. Etwas, das beide Sportler eint, ist die komplexe Sicherheitsausstattung, die jeweils den neuesten Stand widerspiegelt und hier wie da zahlreiche autonome Fahrfunktionen beinhaltet.

Überraschung im Messprotokol: Der SL ist auf der Rundstrecke schneller als der M8

Fahrkomfort

Eine Domäne, die sich die Neuauflage des SL trotz der im Vergleich zum Vorgänger deutlich sportlicheren Ausrichtung bewahrt hat, ist die Fähigkeit, geschmeidig und unaufgeregt lange Strecken zu bewältigen. Gerade bei flotterer Fahrt erweist sich der SL als überaus angenehmer Reisebegleiter.

Seine Federung gleicht kurze und lange Wellen gleichermaßen ordentlich aus. Aber auch in der Stadt vermittelt der Benz beim Überfahren von Unebenheiten wie Schlaglöchern nie den Eindruck übertriebener Härte.

Letzteres gilt aufgrund des sensiblen Anfederns auch für den BMW M8. Insgesamt ist der Bayer jedoch merklich straffer abgestimmt als sein Kontrahent und lässt seine Passagiere nie wirklich im Unklaren über die Beschaffenheit des jeweiligen Untergrundes.

Den Vergleichstest bestreitet der knallgelbe Bolide mit eng anliegenden Karbon-Schalensitzen, die nicht nur jede Menge Seitenhalt bereitstellen – sie bieten zudem einen top Langstreckenkomfort und sind deutlich leichter als die Seriensitze. Aber auch der Mercedes tritt keineswegs mit Seriensitzen, sondern vielfach einstellbaren, voll klimatisierten Multikontursitzen an, die auf langer Strecke noch etwas bequemer als die Schalensitze des BMW sind.

Motor / Getriebe

Es bleibt wohl ein Rätsel, warum die Macher des SL den Motor-Startknopf so schüchtern, ja fast schon versteckt hinter dem zentralen Bildschirm platziert haben.

Schließlich passiert etwas Wunderbares, wenn der 4,0 Liter große AMG-V8 beim Druck auf die Taste erwacht: Es stellen sich vor Wonne umgehend sämtliche Körperhaare auf. Respekteinflößend wummernd und mit tiefem Bass gesegnet, weckt schon der bebende Leerlauf die Vorfreude auf den ersten Tritt aufs Gaspedal. Ungeduldig ziehen wir den Getriebehebel auf D und geben der Versuchung nach. Unter wütendem Stampfen schießt der SL aus den Startblöcken, passiert nach nur 3,6 Sekunden die 100-km/h-Marke, ist in 11,5 Sekunden bereits 200 km/h schnell und stürmt, ohne maßgeblich an Druck zu verlieren, weiter, bis sich bei 315 km/h Luftwiderstand und Motorleistung die Waage halten. Was für ein beeindruckendes Erlebnis – trotz der nicht immer treffsicheren und manchmal ruckartig arbeitenden Neun-Stufen-Automatik und dem zuweilen zögerlichen Druckaufbau der beiden Turbos.

Connectivity

Markentypisch und dem hohen Grundpreis angemessen, verfügt das BMW M8 Competition Cabriolet über eine komplexe Infotainment-Ausstattung, die weit über das heute obligatorische DAB-Digitalradio mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung und diversen USB-Steckplätzen hinausgeht. Die Multimedia-Einheit des Münchener Sportlers beinhaltet darüber hinaus eine Vielzahl an Funktionen, wie etwa ein Navigationssystem oder einen Internet-Zugang über ein eingebautes 4G-LTE-Modul. Darüber hinaus erhält der BMW auch System- und Karten-Updates over-the-air – also ohne Werkstatt aufsuchen zu müssen. Darüber hinaus enthält der M8 serienmäßig verschiedene fernsteuerbare Funktionen, die über die entsprechende App vom Smartphone aus betätigt werden. Auch Apple CarPlay sowie Android Auto sind Serie.

Das serienmäßige MBUX-Multimedia-System des neuen Mercedes-AMG SL 63 4Matic+ steht dem System des BMW M8 in nichts nach und beeindruckt ebenfalls mit einer ungeahnten Funktionsfülle wie Online-Routenführung mit Augmented Reality-Hinweisen und 3D-Anzeigen von Sehenswürdigkeiten. Außerdem verfügt der SL über einen Fingerabdruck-Scanner wie bei einem Smartphone. Damit identifiziert der Eigner sich komfortabel und hält persönliche Daten wie Büro- und Zahlungsfunktionen geschützt. Smartphone-Anbindung und kabelloses Laden gehören ebenfalls zum Auslieferungsstandard. Wie bei allen aktuellen Mercedes-Modellen unterstützt die intelligente Sprachsteuerung den Fahrer bei der Bedienung. Für Audio-Liebhaber bietet Mercedes gegen Aufpreis zudem zwei verschiedene Burmester-Soundsysteme an.

Umstieg in den BMW. Sein nahezu vibrationslos laufender, blitzartig ansprechender V8-Biturbo klingt anders, aber kein Deut weniger faszinierend. Der fein komponierte Sound ist hochfrequenter, tönt fast schon wie der eines Rennaggregates. Und dazu dieser nicht enden wollende Schub! Das über zwei Tonnen schwere Cabriolet zoomt, unterstützt durch die herausragende Acht-Stufen-Automatik, in atemberaubenden 3,2 Sekunden auf Tempo 100 – noch schneller als der SL. Bis zur 200- km/h-Marke nimmt der BMW dem Mercedes sogar fast eine Sekunde ab. Werksseitig ist der M8 allerdings bei 250 km/h abgeregelt. Eine Anhebung der Endgeschwindigkeit auf 305 km/h kostet 2450 Euro, beinhaltet dafür aber auch ein Fahrtraining.

Bei aller Begeisterung müssen wir jedoch über den Umgang der beiden Sportler mit dem Kraftstoff reden. Der BMW genehmigt sich auf unserer Testrunde glatte 12 Liter, der SL noch einen Liter mehr.

Und da bei häufiger Abfrage der vollen Leistung die Verbräuche exponentiell ansteigen, taugen die Sportler definitiv nicht als grüne Werbebotschafter für Verbrenner – müssen sie aber angesichts der geringen Absatzzahlen auch nicht!

Fahrdynamik

Die Macher des neuen SL haben nicht zu viel versprochen: Der 1,9 Tonnen schwere Roadster ist trotz der durchaus vorhandenen Komfortmerkmale und der dem leicht tänzelndem Aufbau im Grenzbereich ein waschechter Sportwagen, der auf der Rundstrecke mit großem Eifer zeigt, wozu er imstande ist. Die Vorderräder greifen herzhaft zu und folgen spurtreu der vorgegeben Linie. Dadurch lässt sich der AMG eng am kurveninneren Rand entlangzirkeln und schießt beim Erreichen des Scheitelpunktes mit leicht nach außen drängendem Heck auf die nächste Kurve zu. Die Lenkung? Sie ist hochpräzise, angenehm direkt und stets mit reichlich Rückmeldung gesegnet. Allerdings ist der Wendekreis trotz mitlenkender Hinterräder mit 12,2 Meter nicht sonderlich beeindruckend. Das gleiche gilt für die 8925 teure Karbon-Keramik-Bremsanlage, über die der Testwagen verfügt. Sie liefert mit Bremswegen von knapp über 34 Metern zwar eine solide, aber eben nicht unbedingt überragende Vorstellung ab, zumal die Dosierbarkeit ebenfalls etwas zu wünschen übrig lässt.

Dennoch: Auf der Rundstrecke weist der SL den M8 tatsächlich in die Schranken und kommt 0,7 Sekunden vor ihm über die Ziellinie.

Und das ist durchaus ein Statement, gilt der Bajuware doch auch als Cabriolet als eines der fahrdynamisch veranlagtesten GT-Modelle überhaupt. Für sich genommen bereitet der BMW M8 Competition mit seiner wie festgenagelt stabilen Straßenlage und der bei deaktiviertem Stabilitätsprogramm sanften, spielerisch ins Handling einbaubaren Tendenz zum Übersteuern am Kurvenausgang ungemein viel Fahrfreude.

Doch im direkten Vergleich wirkt der BMW minimal weniger agil, lenkt etwas weniger hungrig ein und will mit mehr Geduld in Kurven hineingeführt werden. Ansonsten schiebt der Zweitonner nämlich spürbar über die Vorderräder. Seine ebenfalls auf alle vier Räder wirkende Lenkung lässt sich gerade um die Mittellage überaus fein dosieren, verlangt im weiteren Verlauf jedoch größere Lenkwinkel und kommuniziert insgesamt nicht ganz so mitteilungsfreudig mit dem Fahrer wie die Lenkung des Mercedes. Dafür brilliert die 9400 Euro teure Karbon-Keramik-Bremse des M8. Sie liefert stets Top-Verzögerungswerte und bietet auch nach zahlreichen Stresstests auf der Rennstrecke über einen kristallklaren Druckpunkt. Besser geht es kaum.

Umwelt / Kosten

Null Punkte für den bewerteten Preis, null Zähler für den Werterhalt: Das BMW M8 Cabriolet und der Mercedes SL 63 Roadster sind aufgrund der horrenden Preise und Unterhaltskosten ausschließlich etwas für mehr als nur gut situierte Enthusiasten. Punkt!

FAZIT

Marcel Kühler

Der neue Mercedes-AMG SL 63 4Matic+ ist ein absolutes Traumauto, das wie kaum ein anderes distinguiertes Dahingleiten und überragende Rennstrecken-Performance in Einklang bringt. Gänsehaut-Sound und brachialer Vorwärtsdrang runden das Gesamtkunstwerk SL ab. Allerdings wünschen wir uns von einem derart teuren Auto eine sorgfältigere Verarbeitung.

Den Test gewinnt das BMW M8 Competition Cabriolet. Der faszinierende bayerische Sportwagen glänzt mit seiner famosen Antriebseinheit und punktet auch mit der praktischeren Karosserie.