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OFFSHORE: Offshore-Wind zieht bis in den Süden


Hansa - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 02.01.2020

24.350 Beschäftigte und 9,8 Mrd. € Umsatz: Die deutsche Offshore-Industrie sorgt in ganz Deutschland für Wertschöpfung. Das sollte sich nach Ansicht des Branchenverbands WAB auch in der politischen Unterstützung niederschlagen


Artikelbild für den Artikel "OFFSHORE: Offshore-Wind zieht bis in den Süden" aus der Ausgabe 1/2020 von Hansa. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Hansa, Ausgabe 1/2020

Heike Winkler ist seit dem 1. November Geschäftsführerin der WAB


© WAB

Die in Bremerhaven ansässige Interessenvertretung hat es sich zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen der Offshore-Industrie im ganzen Land zu schärfen. Dafür wurde eigens die »German Inland Campaign« gestartet, die unter anderem auch nach Baden- Württemberg führt. ...

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Zentrales Element der Argumentation ist eine Studie des Marktforschungsinstituts wind:research. Dieser Erhebung zufolge waren im vergangenen Jahr 771 Marktteilnehmer – inklusive Niederlassungen – im Bereich der Offshore- Windenergie in Deutschland tätig. Davon seien 33% ausschließlich in der Offshore-Windenergie aktiv, die anderen zwei Drittel auch in der Onshore- Windenergie oder »in weiteren Bereichen.

In der Offshore-Windenergie sind 24.350 Beschäftigte in Vollzeit tätig. Sie erwirtschaften etwa 9,8Mrd. € Umsatz. Darin enthalten ist auch Umsatz durch den Export. Marktteilnehmer im Ausland waren hingegen nicht Gegenstand der Untersuchung, die sich auf die Wertschöpfung innerhalb Deutschlands konzentriert.

Die neue WAB-Geschäftsführerin Heike Winkler (siehe nebenstehenden Kasten) sieht die schon seit längerem geäußerten Forderung nach politischen Anpassungen in den Zahlen bestätigt. Die WAB fordert einen Offshore-Wind- Ausbaupfad von 35 GW bis 2035. »Ideal wären ein ambitioniertes Offshore- Wind-Ziel der Bundesregierung für 2050 und eine Roadmap für den Onund Offshore-Wind-Ausbau sowie für den Einsatz von grünem Wasserstoff in der deutschen regenerativen Industrie«, sagt Winkler gegenüber der HANSA.

So könne die Branche einen zentralen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung leisten, denen zufolge bis 2030 erneuerbarer Strom einen Anteil von 65% am Bruttostromverbrauch ausmachen soll und denen zufolge Deutschland bis 2050 weitgehend klimaneutral wirtschaften soll.

»Die Wertschöpfungsstudie zeigt, dass sich die Zulieferkette der Offshore- Windindustrie über das gesamte Bundesgebiet erstreckt. Von den rund 24.500 Beschäftigten der Offshore- Windindustrie arbeitet zwar fast jeder zweite in den fünf Küstenländern, dahinter folgen mit einem Anteil von rund 40% aber schon die drei großen Binnenländer Baden-Württemberg, Nordrhein- Westfalen und Bayern. Und etwa jeder neunte Beschäftigte der Branche lebt in den ostdeutschen Bundesländern und in Berlin«, so die Geschäftsführerin weiter. Während in Baden-Württemberg ein Schwerpunkt au den Bereichen Forschung & Entwicklung und Engineering liegt, sind es in Nordrhein-Westfalen »Komponenten«. Im Norden sind traditionell die Bereichen Transport, Montage, Projektentwicklung und Wartung stark vetreten.

Allerdings hat die gesamte Wind-Branche mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Laut der wind:research-Studie lag die Anzahl der Markteilnehmer noch 2011 bei rund 1.000 Unternehmen. Sollte das aktuelle Ausbauziel nicht angehoben werden, drohe ein weiterer Beschäftigungsrückgang auf 16.000 im Jahr 2035. »Beim Ausbau der Offshore-Windenergie (z.B. in Richtung 65%-Ziel) können nach unserer Prognose bis zu knapp 10.000 weitere Arbeitsplätze entstehen«, schreiben die Experten.

Sektorkopplung planen

Das jüngst verabschiedete Klima-Paket der Bundesregierung leistet nach Ansicht des WAB keinen ausreichenden Beitrag zu Stopp der Klimakrise. Die Sektorkopplung müsse eingeplant werden, etwa die Nutzung von »grünem « Wasserstoff. Die Produktion von Wasserstoff zur Speicherung und für den Transport von Strom aus Windenergie ist den Interessenvertretern ein großes Anliegen. WAB hat im Herbst entsprechend eine Kooperationsvereinbarung mit dem Branchenverband H2BX besiegelt.

Auch sollte die Regierung aus »industriepolitischen Gründen im Sinne einer konstruktiven Akzeptanz eine Gesamtstrategie und eine klare Roadmap « vorlegen, forderte der Verband bereits nach der Einigung der Berliner Koalition.


»Eine ausreichende Produktionsauslastung der deutschen Offshore-Windindustrie […]sichert die Perspektive der Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette und ermöglicht zudem die Realisierung des Exportpotentials auf dem wachsenden Offshore-Wind-Weltmarkt.«”


In den norddeutschen Bundesländern Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg- Vorpommern sahen sich die Regierungen zuletzt genötigt, einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel zu schicken, in dem elf Forderungen aufgestellt werden, die auch Maßnahmen für die Windenergie im Norden enthalten. »Die Windenergieindustrie befindet sich in einer dramatischen Lage. In den vergangenen drei Jahren sind in der gesamten Windenergiebranche in Deutschland bereits über 40.000 Arbeitsplätze abgebaut worden, doppelt so viele, wie es insgesamt Arbeitsplätze in der Braunkohleindustrie gibt. Das führt in Norddeutschland zu regionalen Notlagen, in ganz Deutschland zu gravierenden energie- und industriepolitischen Problemen«, schreiben die Ministerpräsidenten. Gefordert wird in dem Brief unter anderem ein »gesetzlich verbindlicher Zubaupfad für Offshore-Wind von rund 5 GW jährlich « sowie eine Anhebung des Ausbaudeckels für Offshore-Wind auf insgesamt 30 GW bis 2035.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte wird zitiert: »Nur mit einem massiven Ausbau der Offshore- Windenergie lassen sich die Ziele des Pariser Klima-Abkommens erreichen. Das hat die Internationale Energieagentur (IEA) jüngst noch einmal deutlich gemacht. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch gut für die Arbeitsplätze. Denn die Windkraft-Industrie ist auf verlässliche Ausbaupfade angewiesen.«

Fokus auf Koalitionsvertrag

Die Zulieferer seien durch Ihre Innovationen und spezialisierten Dienstleistungen das Fundament der Branche, heißt es jetzt seitens der WAB. Diese meist kleinen und mittelständischen Unternehmen leiden ebenso wie die großen Marktteilnehmer kurzfristig unter einer Lücke im deutschen Offshore-Wind-Ausbau.

»Deshalb muss der im Koalitionsvertrag der deutschen Bundesregierung vorgesehene ›Sonderbeitrag‹ von bis zu 2 GW an Offshore-Windenergie jetzt ausgeschrieben werden«, fordert Winkler. Längerfristig benötige die Branche einen verlässlichen Ausbaupfad von 2 GW pro Jahr.

Eine ausreichende Produktionsauslastung der deutschen Offshore- Windindustrie steigert nach Ansicht der WAB letztlich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte. Das sichere die Perspektive der Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette und ermögliche zudem die Realisierung des Exportpotentials auf dem wachsenden Offshore-Wind- Weltmarkt.

Zu den »Handlungsempfehlungen« für die politischen Entscheidungsträger gehört auch die Änderung der Rahmenbedingungen für die Sektorkopplung, z.B. auch für Speichertechnologien. Sie könne zu Wirtschaftlichkeit und Netzverträglichkeit führen und zur Ausschöpfung von Potenzialen und »damit zur erhöhten und über ganz Deutschland verteilten Wertschöpfung « beitragen. MM

Abstract: Offshore wind pulls south

24,350 employees and 9.8 bn € turnover: The German offshore industry creates value throughout Germany. According to the industry association WAB, this should also be reflected in political support. For HANSA, managing director Heike Winkler calls, among other things, for an offshore wind expansion path from 35 GW by 2035.
Further information: redaktion@hansa-online.de

Winkler folgt auf Wellbrock

Seit dem 1. November ist Heike Winkler Geschäftsführerin der WAB mit Sitz in Bremerhaven. Im Juni hatte sie die Leitung der Geschäftsstelle kommissarisch übernommen, nachdem sich der vorherige Geschäftsführer Andreas Wellbrock zurückgezogen hatte. Zuvor war Winkler langjährige Leiterin der Unternehmenskommunikation und verantwortlich für den Bereich Public Affairs sowie freiberuflich in der Offshore- Windindustrie tätig.