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Ohne Plan zum Ziel Buntes Treiben


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Garden Style - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 08.09.2022
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Endlich zuhause Als Martin und Jane Woods 2003 mit ihren Kindern hier einzogen, war der Blick auf das Haus noch etwas freier. Das änderte Martin.

GARDENStyle – Porträt

Spricht man mit dem Gartendesigner Martin Woods über sein privates Grundstück, gibt der sich bescheiden. Es klingt fast so, als würde er den Pflanzen nur hier und da auf die Sprünge helfen und den vielen sich selbst aussäenden Arten beim Erobern seiner Grünfläche zusehen. „Viele Pflanzen haben ein Eigenleben und tun oft unerwartete Dinge“, so der Gartenbesitzer. Doch so leicht war esamEnde dann doch nicht, das ursprünglich 25mal 13 Meter große Areal hinter seinem Hausinder britischen Grafschaft Hertfordshire zuerweitern und zu dem kunterbunten, dicht bewachsenen Dschungel zu machen, den er heute, von der ebenfalls neuen Terrasse aus, Tag für Tag mit seiner Frau Jane bewundern kann.

Eine Faszination für die Kraft der Natur, und wie diese direkt vor der heimischen Haustür sichtbar wird, hatte er schon immer.Doch bevor irgendwelche Beete in voller Blüte stehen konnten, mussten ...

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... erst einmal die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Bei dem Elternhaus des Briten gab es nur den für so viele englische Anwesen typischen, schmalen Rasenstreifen direkt hinter dem Haus. Hier schaute er seiner Mutter beim Anbauen von Gemüse über die Schultern.In seiner ersten eigenen Wohnung war nur Platz für ein paar Topfpflanzen und einen grünen Himmel aus Blumenampeln. Richtig los ging es mit dem Gärtnern,als Martin Woods in sein erstes Haus zog.Die Grünflächewar recht klein, dasGartenwissen der Nachbarin dafür um so größer.„Ichhatte diese tolle Nachbarin Lorraine.Sie war es, die mich indie große Welt der Gartengestaltung eingeführt hat und sie hat mir auch unzählige Pflanzen geschenkt.“ Die Verquickung von Gartenarchitektur und dem natürlichen Spiel unzähliger Pflanzen repräsentiert bis heute seinen Stil beim Anlegen von Außenbereichen, sei es für sich oder für seine Kunden.

Spalier stehen

Noch lässt sich die Treppe leicht nehmen, doch Achtung: die Pflanzenpracht steht schon in dritter Reihe.

Als Martin Woods imJahr 2003 mit seiner Frau Jane und ihren zwei damals noch kleinen Kindern in das Haus in Hertfordshire zog, arbeitete er noch als Grafikdesigner. Beim Projekt „Heimischer Garten“ half ihm sein grafisches Know-How inSachen Farbgebung und Gestaltung. Einmal angefangen, wurde seine Gartenleidenschaft wachgekitzelt. „Die dreidimensionale Gestaltung eröffnet ganz neue Möglichkeiten“, stellte er damals fest. „Ichhabe schnell entdeckt, wie spanned es ist, architektonisches Landschaftsdesign mit der Natur zu kombinieren.“

Bei sich zuhause machte er beides.Zunächst ging es an den Flächenanbau und die grobe Ordnung. „Der Garten sah bei der Übernahme recht müde, jasogar etwas traurig aus“, erinnert sich der Gestalter.Es gab keine Sitzgelegenheiten, überall wucherten Sträucher, Farne und Unkraut. „Mein Mann kam anfangs in jeder Mittagspause hier her und hat mit einem Schraubenschlüssel Unkraut aus dem Boden geholt“, erinnert sich seine Frau. Mit weit schwererem Gerät kam ihnen ihr Schwager zu Hilfe.Als Bauingenieur hatte der Bruder von Martin Woods die Möglichkeit einhundert Tonnen Erde und Stein zu verschieben, Platz für eine Terrasse zu schaffen, Stützmauern zu bauen und beim Anlegen eines Teiches zu helfen. Sobald die Terrasse angelegt war, wurden Hochbeete zu beiden Seiten der breiten Betonstufen gebaut und die geschwungenen Grenzen am oberen Teil des Grundstücks begradigt. „Das passte einfach viel besser zum von mir angestrebten zeitgenössischen Ambiente“, so der Gartenarchitekt. „Als all das erledigt war, gab es keinen Masterplan mehr.“

Große Freiheit

Bei einigen Pflanzen wie der Stechpalme hat Martin Woods das Kommando abgegeben, sie wächst wo sie will.

Heute ist der dicht bepflanzte und zusätzlich mit Topfpflanzen bestückte Garten des Briten der beste Beweis dafür, dass es nicht zwangsläufig einen ausgeklügelten Plan braucht, um sich am Ende ein buntes Paradies vor der Haustür zu schaffen. Viel wichtiger ist der Mut, Dinge auszuprobieren und das Scheitern zu ertragen. Glück hatte das Paar mit dem Boden. „Der sandige Lehmboden wurde von den Vorbesitzern durch Kompost stark verbessert“, so Martin Woods.

TERRASSEN-TIPPS

Das Erste, was Martin Woods in seinem neuen Garten plante, war die Terrasse. Hier verrät er, worauf bei der Standortwahl und beim Bau eines Sitzplatzes im heimischen Grün unbedingt gedacht werden sollte:

• Am wichtigsten ist der Zugang. Überlegen Sie, wie man vom Haus auf die Terrasse und wie von der Terrasse in den Garten kommen soll. Falls Stufen nötigen sind, minimieren Sie diese, denn nachts sind das Stolperfallen.

• Überlegen Sie bei der Standortwahl, ob sie auf der Terrasse Schatten wollen oder nicht.

•Verwenden Sie hochwertige und nicht zu viele unterschiedliche Materialien. So sieht der Look der Terrasse am Ende nicht nur gut, sondern auch ruhig und stimmig aus.

• Seien Sie sich darüber bewusst, dass eine Terrasse je nach Material viel Pflege benötigen kann. Dielen sollten jährlich mit einem Reiniger mit Wasserstrahl gesäubert werden, v.a. wenn die Terrasse unter Bäumen ist.

•Die Beleuchtung und die spätere Wasserversorgung müssen sorgfältig geplant werden, bevor das Fundament gegossen wird.

•Behalten Sie immer die Kosten im Blick.

ANGELICA GIGAS

Mit bis zu 1,80 Meter Wuchs ist die Große Engelwurz ein Kandidat für die hinteren Reihen der Wegbepflanzung.

DAHLIE ANDRIES

Die Edeldahlie bringt mit ihren spitz zulaufenden Blütenblättern eine schöne Abwechslung ins Formspiel der Dahlien.

PINK ELEPHANT

Trotz des Schwergewichts im Namen kommt der Wiesenkopf Pink Elephant «Sanguisorba tenuifolia» recht zart daher.

RUSTY FOXGLOVE

Das Wegerichgewächs Rostfarbiger Fingerhut «Digitalis ferruginea» bringt goldigen Schimmer ins Staudenbeet.

Buntes Treiben

Der Garten feiert die Farbenund Formenvielfalt, wo immer es geht. Da schlängelt man sich gerne durch die Pfade.

Was die Bepflanzung angeht, mag er esungezwungen. Statt auf Regeln und Konventionen setzt er auf inspirierende Vorbilder,wie zum Beispiel den niederländischen Landschaftsgärtner Piet Oudolf, der den natürlichen Stil propagierte und viel mit Gräsern arbeitete. Außerdem gefällt ihm die Arbeits- und Vorgehensweise der englischen Garten-Ikone Christopher Lloyd. „Lloyds Ansatz war erfrischend, weil er genau das tat, wasertun wollte, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was anderewohl darüber denken würden“, so Martin Woods über sein Idol. Und über seinen eigenen Garten sagt er heute,ihm gefalle es, dass jetzt alles ein bisschen so wie ineinem Dschungel aussieht.

Das Dschungel-Feeling kommt vor allem durch die dichte Bepflanzung auf. Gräser und Stauden recken und strecken sich dem Himmel entgegen, ganz so, als wollten sie mit den Baumwipfeln der Nachbarschaft konkurrieren. Und überall wonoch ein Plätzchen frei ist, stellt Martin Woods Sukkulenten und Kakteen in allerlei Tontöpfen oder ausrangierter Küchenkeramik wie Teekannen auf.Auch hier kommt wieder sein gestalterisches Design-Gespür zum Tragen: „Ich liebe Vintage-Übertöpfe, mische gerne Materialien und Formen. In Kombination mit der vielfältigen Welt der Blattgrößen und -farben sieht das ganz wunderbar aus.“

Leuchtkraft

Wolfsmilchgewächse, Dahlien und Pelargonien in lila, rosa, rot nebst dunkelvioletten Agaven prägen das Bild.

Es gibt Gemüse

Neben dem Gemüsegarten gibt es ein Gewächshaus, den Kompost und einen Schuppen zum Vorziehen der Pflanzen.

Wird es kälter,wandern diese liebevoll bepflanzten Blumentöpfe in den eigens hierfür gebauten Schuppen, der sich bei den Gemüsebeeten und dem Gewächshaus am hinteren Ende des Gartens befindet. In diesem Areal wird überwintert, umgetopft und vorgezogen. „Mein Garten ist zwar prall gefüllt, aber ich gebe kein Vermögen für Pflanzen aus“, erklärt der Mann mit dem Grünen Daumen. Wohin das Auge indiesem Garten heute auch schaut, wirklich jeder Winkel sieht bezaubernd aus. Doch fertig ist der Besitzer nicht. „Ein Garten steht nie still, er verändert sich ständig. Und dieser Garten baut sich jedes Jahr im Laufe der Monate zuetwas Magischem auf,das man gerne mit der Familie und den Freunden teilt.“