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OLYMPIAS DUNKELSTE STUNDEN


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 35/2022 vom 26.08.2022

REPORT

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 35/2022

H eiterund fröhlich sollen die Olympischen Sommerspiele von München 1972 werden. Doch am Morgen des 5. September beginnt eine Tragödie: Acht palästinensische Terroristen verschaffen sich Zugang zum olympischen Dorf und dringen ins Quartier der israelischen Delegation ein. Sie töten den Ringertrainer Moshe Weinberg sowie den Gewichtheber Yossef Romano und nehmen neun Israelis als Geiseln. Ihre Forderung: Die Freilassung von mehr als 200 palästinensischen Gefangenen aus israelischen Gefängnissen und die Freilassung der deutschen RAF-Terroristin Ulrike Meinhof. Sonst werde man alle Geiseln erschießen.

Israel lehnt kategorisch ab. Die deutschen Verantwortlichen aus Polizei und Politik entscheiden sich dafür, die Geiseln am späten Abend zu befreien, ...

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... und gehen zum Schein auf einen Teil der Forderungen ein. Die Palästinenser und die Geiseln werden zum Flughafen Fürstenfeldbruck gebracht, wo eine Lufthansa-Maschine mit dem Ziel Ägypten auf sie wartet. Dort sollen die Verhandlungen weitergeführt werden. Der deutsche Plan sieht vor, die Palästinenser am Flughafen zu überwältigen. Aber die Umsetzung ist dilettantisch, in Fürstenfeldbruck herrscht ein einziges Chaos. Am Ende sind alle Geiseln, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen tot.

Zum 50. Jahrestag zeigt Das Erste die Doku „Tod und Spiele: München ’72“ der Dokufilmer Bence Máté und Lucio Mollica (siehe TV-Tipp). Besonders empfehlenswert ist die großartige 180-minütige und damit doppelt so lange Version, die in der ARD-Mediathek vorab abrufbar ist. In vier beeindruckend umfassenden Episoden mit außergewöhnlichem Archivmaterial rekonstruieren die Filmer die schrecklichen Ereignisse in all ihren Facetten.

Terroristen ohne Reue

„Um dem komplexen Thema gerecht zu werden, haben wir einen multiperspektivischen Ansatz gewählt“, sagt Bence Máté im Gespräch mit uns. „Wir haben also die israelische, deutsche und palästinensische Seite umfassend betrachtet, sind unter anderem nach Nahost gereist und haben unterschiedlichste Gesprächspartner ausgewählt. Es hat mich überrascht, wie sehr die Ereignisse von damals unsere Interviewpartner auch heute noch emotional mitgenommen haben. 80-jährige Menschen haben mit uns über diesen massiven Eingriff in ihr Leben so gesprochen, als wäre er erst gestern passiert.“ Sie trafen sich unter anderem mit israelischen Sportlern, die 1972 in München waren, sowie Angehörigen der Opfer; mit dem deutschen Polizisten Walter Renner sowie dem britischen ITN-Reporter Gerald Seymour. Zu Wort kommen auch die beiden einzigen heute noch lebenden Geiselnehmer von 1972: Mohammed Safady und ein Mann mit dem Decknamen „Samer“. Bei diesem dürfte es sich um Jamal Al-Gashey handeln. Beide wurden noch 1972 aus dem Gefängnis freigepresst, Indizien zufolge mit Unterstützung des deutschen Staates. Seitdem leben sie an unbekannten Orten. Safady spricht hier erstmals vor der Kamera. Es ist schwer zu ertragen, wenn er seine Taten preist und erzählt, dass er auch heute noch bei solchen Aktionen dabei wäre.

Angemessen viel Raum nimmt in der Doku die Aufarbeitung der missglückten Geiselbefreiung ein. So rannten Scharfschützen in bunten Jogginganzügen durchs olympische Dorf und wurden von den Geiselnehmern entdeckt. Am Flughafen Fürstenfeldbruck wurden völlig unerfahrene Polizisten in das dort bereitstehende Flugzeug gebracht. Ihre Aufgabe: die Terroristen erschießen, sobald sie das Flugzeug betreten. Wie genau das gehen sollte, bekamen sie nicht gesagt. Kurz vor dem geplanten Beginn der Aktion verließen sie das Flugzeug. „Die deutsche Polizei hat versagt, weil sie auf eine solche Situation ganz einfach nicht vorbereitet war“, sagt Bence Máté. „Die Polizisten waren für eine Geiselbefreiung nicht ausgebildet, hatten weder die notwendigen Waffen noch das Know-how im Umgang mit solchen Tätern. Israel hatte all dies, aber durfte keine Einheiten nach Deutschland bringen. Ob es dann wirklich besser ausgegangen wäre, kann man natürlich nicht sagen. Aber die Israelis hatten zumindest schon bewiesen, dass sie so etwas können.“

SVEN SAKOWITZ

TV-TIPP

TOD UND SPIELE: MÜNCHEN ’72 DOKU Umfassende Aufarbeitung der Ereignisse MO 5.9. 20.15 Uhr Das Erste

AB 26.8. IN DER ARD-MEDIATHEK

WEITERE TV-TIPPS

DAS GEDENKEN IN FÜRSTENFELDBRUCK LIVE Übertragung der Gedenkfeier MO 5.9. 14.55 Uhr BR

OLYMPIA 72 DOKU „Deutschlands Aufbruch in die Moderne“ DI 6.9. 22.00 Uhr BR