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OMAN MUSANDAM: TAUCHEXPEDITION VOR MUSANDAM: UNBEKANNTE GEWÄSSER


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 90/2018 vom 10.08.2018

Kein Neuland, nirgends. Keine Abenteuer, keine Entdeckungen mehr. Hat das Tauchen durch den perfekt organisierten Tourismus seinen Spirit verloren? Blödsinn, es gibt sie noch:die fremden Welten, die unerwarteten Erlebnisse. TAUCHEN -Autor Linus Geschke ging in Oman auf Abenteuer-Tour.


Artikelbild für den Artikel "OMAN MUSANDAM: TAUCHEXPEDITION VOR MUSANDAM: UNBEKANNTE GEWÄSSER" aus der Ausgabe 90/2018 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Ein Schwarm aus Gewöhnlichen Schnappern ist das Begrüßungskomitee am Riff.


19 Teilnehmer ließen sich auf das Abenteuer „unbekanntes Musandam“ ein (li.).


FOTOS: N. PROBST (1), L. GESCHKE (2)

Die Safari fand auf der „Saman Explorer“ statt (re.).


Musandams Felswände sind karg, aber auch außerordentlich spektakulär.


Keine ...

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... Menschen. Kaum Tiere. Nur hoch aufragende Felswände, die senkrecht ins Meer fallen. Dazu vereinzelte Vögel, die am Himmel kreisen, und eine erschöpfte Taube, die auf dem Safarischiff landet, um sich auf ein Schälchen Wasser zu stürzen. In den Reiseberichten, die die 19-köpfige Gästegruppe zuvor gelesen hat, wird die zu Oman gehörende Halbinsel Musandam aufgrund ihrer fjordähnlichen Einschnitte oft als das Norwegen des Orients bezeichnet, aber das stimmt nicht. Dafür ist es hier zu heiß. Zu einsam. Zu lebensfeindlich.

Touristen gibt es kaum, Taucher noch weniger. Die „Saman Explorer“ ist das erste Tauchsafarischiff überhaupt, dass die Genehmigung erhalten hat, die mit vielen Inseln besetzten Gewässer zwischen dem omanischen Festland und der Straße von Hormus zu durchkreuzen – eine der meist befahrenen Schifffahrtsstraßen überhaupt. Ansonsten gibt es in der Region nur noch eine Handvoll Dhaus, auf denen man ab und zu Taucher findet. Traditionelle Holzboote, die lieber nahe des Festlands operieren.

Jeder Tropfen Öl, der von Tankern aus dem Persischen Golf in den Indischen Ozean transportiert wird, muss sich durch die an der schmalsten Stelle nur 30 Seemeilen breite Straße von Hormus zwängen. Ein ewiger Zankapfel zwischen Oman, Iran und dem Rest der Welt. Zanken möchten die Taucher nicht, sie wollen erkunden. Was sie angezogen hat, ist die Aussicht, ein Gebiet zu betauchen, das noch kein anderer Taucher gesehen hat. Die einen hoffen auf Buckelwalbegegnungen, die anderen auf Orcas, von denen man gerüchteweise gehört hat. Was sie eint, ist die Aussicht auf ein Abenteuer. „Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon in Ägypten war und wie viele Tauchsafaris ich dort gemacht habe“, erzählt die 53-jährige Sonja Tietz, eine Datenschutzberaterin aus Bayern. „Aber diese Gegend ist Neuland.“

Überraschen lassen müssen sich auch die beiden Guides an Bord, der Ägypter Karim und der Däne Tore. Sicher sind sie sich nur, dass es an nahezu jedem Spot Strömung geben wird – so ist das eben, wenn ein Meer durch einen Trichter in ein anderes fließt. Auch Peter Beck, der für den Veranstalter Reisecenter Federsee mit dabei ist, hat keinen Plan, was genau unter Wasser auf die Gäste warten wird. „Das ist halt eine Expeditionstour! Wir haben im Vorfeld alles abgeklärt, was man abklären kann, und sämtliche Genehmigungen eingeholt. Auf den Rest bin ich genauso gespannt wie unsere Kunden.“

Der erste Tauchgang findet unweit des kleinen Städtchens Khasab statt. Schon beim ersten Abstieg bestätigt sich eine unter weitgereisten Tauchern bekannte Weisheit: Die Gewässer des Oman sind nicht gerade für herausragende Sichtweiten bekannt, hier im Norden des Landes sieht das nicht anders aus. Mal reicht der Blick zehn Meter weit, mal fünfzehn. Die Trübung des Wassers liegt an der hohen Biomasse darin – was Taucher ärgert, erfreut die Fische, die dadurch einen reich gedeckten Tisch vorfinden. Das sieht man ihnen auch an: Die gleichen Arten werden hier rund ein Drittel größer als in anderen subtropischen Meeren. Man sieht unter Wasser vielleicht nicht weit, aber man sieht viel. Riesige Fledermausfische, farbenprächtige Kaiserfische, unzählige Nacktschnecken. Überall ist Leben. Die in Rot, Gelb und Orange schimmernden Hartkorallen sehen – natürlich – noch vollkommen unberührt aus. Spektakuläre Begegnungen? Noch nicht. Später vielleicht. An einer der Inseln, die dichter an der Schifffahrtsstraße liegen und das Ziel der Expedition darstellen.

DIE MACHT DES MEERES

Der nächste Tauchplatz ist ein kleines Eiland; kaum mehr als ein paar Felsblöcke, die aus dem Wasser ragen. Schon beim Abstieg flattert die Maske am Gesicht. Die Sicht ist wahrlich nicht prickelnd, aber die Fischwelt raubt einem den Atem. Dichte Sardinenschwärme, unzählige Makrelen, Thunfische und Barrakudas, die aufgrund ihrer Größe fast wie eine neue Art aussehen. Man klammert sich an ein paar Zentimetern unbewachsenen Fels fest und lässt das Kino an sich vorüberziehen. Immer neue Arten, immer größere Schwärme. Die Strömung gibt ihr Bestes, um die Taucher zu ermüden, aber noch ein bisschen, noch ein wenig länger will man bleiben. Jede Minute ist ein Kampf gegen die Elemente, für jede Minute des Durchhaltens wird man mit neuen Eindrücken belohnt. Dieser Spot polarisiert bei späteren Diskussionen stärker als die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Merkel – was die einen Gäste an Bord großartig finden, geht für die anderen gar nicht.

Kuschelig: Zwei Große Netzmuränen teilen sich einen Unterschlupf.


Einmal Fisch unter Fischen sein: Die Fledermausfische scheint der Taucher nicht zu stören.


Für Tore Bratland, den dänischen Guide an Bord, ist das alles noch im Rahmen. „Ich habe vorher viele Jahre auf den Malediven gelebt“, sagt er, „und war dort auch Guide auf einem Safariboot. Ein Kanal im Außenatoll bei einlaufender Strömung – da geht’s ganz anders zur Sache! Außerdem, was soll ich machen? Das ist eine Expeditionstour, es gibt nun mal Strömung … ich kann sie ja nicht einfach abschalten.“

Abends dann, wenn die Sonne das Meer küsst und dieses errötet (es ist ja schüchtern), sind alle wieder mit ihrer Umwelt im Einklang. Hier, in einer Landschaft, die so archaisch wirkt, als würde sie seit Millionen von Jahren so aussehen. In einer Bucht, fernab von allem. Keine Geräusche, keine anderen Menschen. Handyempfang? Lächerlicher Gedanke! Nur das Schiff und das Meer und die Sterne darüber. „Und, wie gefällt es euch bis jetzt?“, will Peter Beck von den Gästen wissen. Die lächeln nur. Manchmal ist die Stille so herrlich, dass man sie nicht mit Worten füllen muss.

Am nächsten Tag, beim ersten Tauchgang, bekommt ein Teil der Taucher dann eines der großen Sehnsuchtstiere zu sehen: einen neun Meter langen Walhai, der mit geöffnetem Mund durch das Wasser gleitet und dem kurz darauf ein zweiter folgt. Ruhig, gemächlich, fast schon ein wenig neugierig wirken sie. Die gepunkteten Riesen kommen in Oman recht häufig vor; kein Wunder bei dem reichhaltigen Nahrungsangebot dort. Im internen Ranking aller Unterwasserwesen stehen sie recht weit oben – sind sie da, interessiert sich niemand mehr für den Zebrahai an der Riffwand oder die Gruppe Adlerrochen, die zeitgleich durchs Freiwasser zieht. Walhai? Alle hinterher! Die Fische scheint das nicht zu stören, ganz im Gegenteil. Warum auch? Vielleicht sind die Gäste der „Saman Explorer“ die ersten Taucher, die sie jemals zu Gesicht bekommen haben.

Beim Auftauchen dann die nächste Überraschung: der Lauf eines Maschinengewehrs, montiert auf dem Vordeck eines Polizeibootes. Es sind Gesetzeshüter auf Patrouille, die den Schmuggel zwischen Oman und Iran eindämmen sollen, aber das Tauchsafarischiff momentan augenscheinlich interessanter finden. Vielleicht, weil die Crew ihnen sofort Tee und Softdrinks anbietet. Vielleicht, weil europäische Touristen eine nette Abwechslung im Arbeitsalltag sind. Die omanischen Polizisten sind ebenso freundlich wie aufgeschlossen. Man lacht, man erzählt Witze, man erkundigt sich nach den Familien. Bis zum Ende der Reise werden sie jetzt jeden Tag vorbeikommen. Mal, um etwas zu trinken, mal, um sich zu unterhalten. Die Kontrolle der gültigen Papiere dient nur noch als Vorwand, jeder spürt das, es stört nicht.

Überhaupt sind es solche Begegnungen, die den Tauchern das Gefühl geben, auf dieser Tour Teil von etwas ganz Besonderem zu sein. Jeder Tag bringt etwas Neues, keiner kann sagen, was einen beim nächsten Tauchgang erwartet.

Purpurrote Katzenschwanzkorallen sorgen für ein sattes Farbspektakel.


Eine Echte Karettschildkröte nimmt einige Lederkorallen in Augenschein.


DIE MACHT DES MILITÄRS

Das nächste Ziel der Reise sind die Sewda-Inseln, direkt an der Straße von Hormus gelegen. Bis hierhin reicht die Genehmigung der omanischen Regierung, dahinter fangen die internationalen Gewässer an. Zwei Tage will die „Saman Explorer“ hier verbringen, sechs bis acht Tauchgänge sollen absolviert werden. Es wird bei einem einzigen bleiben.

Bei diesem reicht der Blick unter Wasser gut zwanzig Meter, ungewöhnlich weit für die Region. Die heute nur sanfte Strömung zieht die Taucher in einem langsamen Drift am Riffhang entlang. Leopardenhaie tauchen auf, die Kontur eines Mantas zeichnet sich unter der Wasseroberfläche gegen das Sonnenlicht ab. Alles blüht in Neptuns Garten, wo Muränen und Langusten nahezu jede Felsspalte besetzt haben. Von der sauerstoffarmen „Todeszone“, die Forscher vor kurzem im Golf von Oman entdeckt haben, ist hier nichts zu spüren. Eine Stunde dauert der Tauchgang, und als die Gäste sich an Bord anschließend darüber unterhalten, fällt oft das Wort Paradies – so unberührt ist dieses Riff, so wunderschön, so fischreich.

Aber jedes Paradies braucht einen Sündenfall, und dieser kommt kurz darauf in Form eines Schnellbootes, besetzt mit omanischen Militärs. Von ihnen werden die drei Sewda-Inseln kurzerhand zum Sperrgebiet erklärt, irgendeine militärische Aktion. Keine weitere Diskussion möglich, ansonsten könne man gern das Schiff beschlagnahmen und den Kapitän in Haft nehmen, der es daraufhin eilig hat, wieder in Richtung Festland zu fahren. Trotz gültiger Genehmigungen. Trotz des Einwandes des Reiseveranstalters.

Ist eine Expedition gescheitert, wenn das endgültige Ziel nicht richtig erkundet wurde? Oder ist auf einer solchen Tour der Weg das Ziel? Philosophen mögen eine solche Frage beantworten können, Peter Beck kann es nicht. „Ich weiß nicht, ob wir diese Tour nächstes Jahr wieder anbieten werden. Vielleicht ja, vielleicht nein. Ganz sicher wird es aber andere Expeditionstouren mit uns geben. Im Oman oder anderswo.“

Bei den Tourgästen währt die Trauer über das verpasste Ziel nur kurz – schließlich kann sich jeder Gast damit trösten, als Erster einen Spot betaucht zu haben, den so schnell niemand mehr betauchen wird. „Everything is bigger in Oman“, so hatte es Tore bei Tourbeginn versprochen, und er hat recht behalten – vor allem, was das Abenteuer betrifft.

REISE-FACTS

ANREISE

Die einfachste Verbindung ist ein Direktflug von Deutschland nach Dubai mit Emirates. Von dort aus geht es in einem Transferbus in knapp drei Stunden nach Khasab. Zur Einreise ist ein gültiger Reisepass und ein Visum erforderlich (online erhältlich; Infos dazu hat der Veranstalter).

SCHIFF

Die „Saman Explorer“ ist ein frisch überholtes Safarischiff der gehobenen Mittelklasse. Elf bequeme und große Kabinen, jeweils mit Klimaanlage, Ventilator und eigenem Bad mit Dusche. Das Essen ist vorzüglich, die Crew aufmerksam. Info: www.extradivers-worldwide.com

TAUCHEN

Tauchgänge nahe der Straße von Hormus sind aufgrund der Strömungsverhältnisse nichts für Anfänger. Die Sichtweiten liegen zwischen zehn und zwanzig Metern, die Wassertemperaturen je nach Jahreszeit zwischen 22 und 28 Grad. Kaum einer der fischreichen Spots geht tiefer als 30 Meter. Walhaie und Mantas sind häufig zu sehen.

VERANSTALTER

Oman-Safaris kosten ab rund 1800 Euro. Info: Reisecenter Federsee, www.rcf-tauchreisen.de


ALLE FOTOS: N. PROBST (2)