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ONSTAGE: VOCAL-RECORDING: Aufnahme in Eigenregie


Soundcheck - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 15.01.2020

Ganze Alben lassen sich im Computer produzieren. Und die Vocals? SOUNDCHECK zeigt dir in diesem Workshop alles Wichtige für deine Gesangsaufnahme- Session im Alleingang.


Im Profistudio: Vocalcoach, Tontechniker und Produzent sitzen auf der einen Seite der Scheibe des Aufnahmeraums, während auf der anderen Seite Sänger oder Sängerin ihre Performance darbieten. Ausgiebig wird mit viel Know-how und Hardware an den Gesangsspuren gearbeitet.
Für viele ist das jedoch nicht der Alltag. Eigenleistung ist angesagt. Mit dem richtigen Wissen und wenig Equipment ist es aber durchaus möglich, edle Gesangsaufnahmen ...

Artikelbild für den Artikel "ONSTAGE: VOCAL-RECORDING: Aufnahme in Eigenregie" aus der Ausgabe 2/2020 von Soundcheck. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Soundcheck, Ausgabe 2/2020

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... in den eigenen vier Wänden durchzuführen und das auch alleine. Dabei kann die One-Man-Show durchaus Vorteile bringen. Anders als im Mietstudio habt ihr keinen Zeitdruck. Einfach nach einer Woche nochmal einen Versuch machen, weil man noch nicht zufrieden war, kostet euch keinen Cent. Gleiches gilt für die Atmosphäre. Als Sänger öffnet man sich bei seiner Performance. Die vertraute Umgebung macht es leichter, unbeschwert zu agieren. Ihr habt volle Kontrolle über die Zeiten, die Beleuch tung oder Raumtemperatur und könnt die optimalen Bedingungen schaffen. Nehmt euch die Zeit und spielt diesen Vorteil aus.

Fotos: Shutterstick

Großmembraner (links oben) oder auch dynanische Mikros eigenen sich für Gesangsaufnahmen.


Natürlich gibt es auch Nachteile. Anders als bei einer großen Studioproduktion, bei der ihr euch ausschließlich um die Gesangsperformance kümmern müsst, fallen euch viele Aufgaben zu. Ihr seid Techniker, baut alles auf, bedient die DAW. Ihr seid Vocalcoach und bewertet die aufgenommenen Spuren, sucht nach Verbesserungspotenzial, kontrolliert Aussprache, Rhythmik und Intonation. Der Produzent in euch sucht nach der emotionalen Performance. Die Aufgaben eines Assistenten fallen ebenfalls an: Kaffee kochen, Backups anlegen, Spuren benennen. Setzt euch verschiedene Hütte auf, trennt die Aufgaben zeitlich. Es spricht nichts dagegen alle Aufbauarbeiten am Vortag der Recording-Session zu erledigen. Richtet das ausgewählte Mikrofon ein, legt Spuren und Subgruppen an, wählt den Hall aus, macht den Monitormix. Am Aufnahmetag reichen dann kleine Feinjustierungen und ihr könnt frisch und motiviert direkt loslegen, ohne ermüdet und abgelenkt zu sein.
Nimmt man im Alleingang auf, kann es sinnvoll sein, nicht sofort seine eigene Performance zu bewerten. Nehmt mehrere Durchgänge, gerne mal längere Passagen am Stück, auf und geht danach erst in eine Bewertungsphase. Setzt euch bewusst hin, wechselt von der Aufnahmeposition in den Produzentensessel. Zeiteinheiten von 30 bis 45 Minuten haben sich bewährt. Bedenkt aber, dass möglicherweise zwischendurch die Stimme wieder neu aufgewärmt werden muss. Feinere Nachbearbeitung (Intonation), Schnitte oder die finale Auswahl der Takes verschiebt ihr auf einen anderen Termin. Wer genug Material aufgenommen hat, geht mit frischen Ohren und etwas Abstand effizient ans Werk.
Für eine gelungene Vocal-Session sind viele Faktoren wichtig.

der Raum

Der Raumsound ist ein fundamentaler Parameter. Anders als im Tonstudio wird man beim Homerecording selten optimale Bedingungen vorfinden. Probiert deshalb verschiedene Mikrofonpositionen aus. Meidet Ecke und glatte Wände oder Fensterfronten. Hier finden sich zahlreiche Reflexionen. Mit großen Polstermöbeln, Pflanzen und Vorhängen dämpft ihr Hall und unangenehme Flatterechos. Ein geöffneter Kleiderschrank kann als Absorber (schluckt Schall), das unordentlich Bücherregal als Diffusor (zerstreut Echos) dienen. Eierkartons oder dünnen Noppenschaum gilt es zu vermeiden. Im besten Fall sind diese Maßnahmen wirkungslos, meist sorgen sie aber durch die übermäßig Höhendämpfung für einen mumpfigen, topfigen Sound. Dann lieber zu professionellen Akustikmodulen greifen.

Akustikmodule

Da man beim Homerecording den Raum nicht dauerhaft verändern möchte, bieten sich mobile Akustikmodule an. Die aus drei Elementen bestehende Vicoustic Flexi Wall (UVP 457, - Euro) wandelt ein Wohnzimmer oder einen Büroraum in ein Studio um. Nach der Session kann schnell alles wieder bis zur nächsten Aktion weggeräumt werden.

Die Absorber von Vicoustic sind einfach platziert und helfen bei der Raumklang-Optimierung.


Mit den richtigen „Tools” gelingt die Aufnahme auch in heimischen Wänden


das Mikrofon

Meistens nimmt man für Vocal-Recordings ein Großmembranmikrofon. Klassiker wie das Neumann U87 oder das Telefunken C-12 sind legendär. Geht es günstiger? Ja klar. Wichtiger als die Ausstattung (schaltbare Richtcharakeristiken, Filter, …) sollte für den Einstieg der Sound sein. Eine Nierencharakteristik reicht und selbst günstige Modelle (um € 300, -) bieten schon manch tollen Klang.

Für Vocal-Aufnahmen sind Großmembran- Mikros meist die erste Wahl.


Das Mikrofon formt eure Gesangsaufnahme ähnlich deutlich wie der Raum. Diese beiden Faktoren interagieren miteinander stark. Der Abstand des/ der Sängers/in zum Mikrofon hat entscheidenden Einfluss.
Weite Abstände sorgen für einen natürlichen Sound, weniger störende S-Laute, Pops und Atemgeräusche. Für Jazz und Klassik gerne genommen, vorausgesetzt euer Aufnahmeraum erlaubt so eine Positionierung. Störgeräusche und unangenehmer Raumklang werden bei weiten Abständen nämlich schnell wahrnehmbar.
Für Rock-Pop-Dance will man einen In-the-Face- Vocalsound. Hierzu geht man näher ans Mikrofon ran und erhält als Zugabe ein direktes, klares Signal. Der auftretende Nahbesprechungseffekt macht Stimmen voluminöser. Zischende S-Laute gilt es dann mit dem De-esser abzufangen. Dies sollte man aber besser erst in der Nachbearbeitung tun. Stellt man dieses Tool falsch ein, klaut er euch Höhen und verständliche Konsonanten, in der Nachbearbeitung meist irreparabel. Mit einem Trittschallfilter (manchmal mit „low-cut“ bezeichnet) entfernt man tieffrequente Störgeräusche. Bei der weiblichen Stimme absolut problemlos. Nimmt man tiefe Männerstimmen auf, überprüft das der Low-Cut keine Signalanteile im Grundtonbereich beschneidet. Singt man aber nicht gerade wie Barry White sollte das kein Problem sein.

Hochwertiger Channelstrip: das SPL Electronics Channel One


Das Zubehör

Manchmal entscheiden die kleinen Dinge über den Erfolg. Ein Popfilter verhindert störende Explosivlaute („p“, „t“….). Sowohl „S“ wie „P“-Laute lassen sich nicht nur mit Popschutz und De-esser begrenzen. Verschiebt das Mikrofon um wenige Zentimeter. Dabei können diese störenden Anteile zurücktreten ohne das sich der Gesamtklang massiv ändert.
Ein stabiles Stativ macht Sinn. Tut euch selbst den Gefallen und nehmt nicht ein Exemplar für knapp 15 Euro. Die Schrauben halten nicht, ständig sackt das Mikrofon ab. In jedes Homestudio gehört ein Profistativ. Gegengewichte und Räder erleichtern die Positionierung.
Die Hi-End-Verkablung eines ganzen Tonstudios kann schnell einen fünfstelligen Betrag verschlingen. Ein professionelles XLR-Kabel ist auch nicht der erste Teil der Signalkette, in den man investieren sollte. Trotzdem macht es Sinn bei Kabeln auf Qualität und mechanische Langlebigkeit zu achten.

Rückseite des SPLChannelstrips mit Anschlüssen.


Das 21430-Stativ von König & Meyer hält auch die schwersten Mikros sicher in Position.

Das geschlossene Kopfhörer-Modell AKG K182


Solange die Raumakustik passt, können auch durchaus private Räume als Aufnahmeorte verwendet werden.


Ein Kopfhörer ist für Vocal-Recording unverzichtbar. Um Übersprechen in das Mikrofon zu vermeiden, gilt es ein geschlossenes Modell auszuwählen. Bevorzugt Kopfhörer mit ausgeprägtem Mittenbereich, dies erleichtert die Intonation. Niemand brauch Sub-Bässe für das Einsingen von Spuren. Der Tragekomfort sollte gut, der Kopfhörer nicht zu schwer sein. Achtet bei der Aufnahme darauf, dass euer Kopfhörerkabel nicht an irgendwelchen Stativen oder an der Kleidung - zum Beispiel an Gürtelschnallen, Schmuck etc. - für Nebengeräusche sorgt.

Mikrofon

Häufig greift man in Studios für Vocals zum Großmembrankondensator Mikrofon. Das Warm Audio WA-251 ist ein solcher Kandidat in der Geschmacksrichtung Röhre. Bei Warm Audio baut man gerne Mikrofone, die einem Klassiker nachempfunden werden. Beim WA- 251 ist der Pate ein Mikrofon aus dem Hause Telefunken. Inklusive Spinne bekommt man für rund 900 Euro, ein Mikrofon mit umschaltbarer Richtcharakteristik (Niere, Kugel, Acht). Von den verbauten Einzelteilen ist es seinem Vorbild nicht ähnlich, klanglich ist die Verwandtschaft aber klar erkennbar. Direkt, ohne übermäßigen Nahbesprechungseffekt. Die Höhen sind präsent, aber nicht hart und schrill. „Offen“ beschreibt es ganz gut.

Relativ günstiger Allrounder für Vocals und Instrumente: das Warm Audio WA-251

Channelstrip

Wenn man im Homerecording zum Channelstrip greift, dann sollte es etwas hochwertiges sein. Der SPL Electronics Channel one MK2 2950 (UVP 1249, - Euro) ist ein alter Hase in diesem Segment. Die Kompressorsektion verfügt nur über einen einzelnen Regler und lässt sich deshalb schnell und unkompliziert bedienen. Ideal für die Aufnahmesituation. Diffizile Eingriffe am Kompressor macht man beim Mix sowieso besser mit Plug-ins. Die De-Esser von SPL gehören zu den Besten. Wenn´s mal schnell gehen soll oder große Mengen aufgenommen werden müssen (zum Beispiel Sprache beim Hörbuch) ein willkommener Helfer. Das Air-Band erlaubt eine musikalische Bearbeitung der Höhen. Der Semiparametrische 2-Band EQ ist für den Mittenbereich zuständig. Noise-Gate und Low-cut-Filter sorgen für ein sauberes Signal. Farbe ins Material und eine Veränderung im Obertonbereich bringt die FET Distortion. Man kann seinem Signal mit dem Channel one also Röhren, - oder Transistorfärbung verleihen.

das zubehör

Der t.bone MS-180 Popkiller kommt mit einem 20 cm langen elastischen Arm und verhindert Probleme mit „P“ und „T“ Lauten. Montiert wird er gemeinsam mit dem Mikrofon an einem standfesten Mikrofonstativ.

Das K&M21430-Stativ hält selbst schwere Mikrofone sicher. Es verfügt über Räder und Gegengewichte sowie einen Auszug auf bis über 2 Meter.

Der Vovox Klangleiter link direct S350 (UVP 118, - Euro) ist ein Mikrofonkabel mit 3,5 Meter Länge. Die XLR-Stecker sind von Neutrik und die doppelte Polymer-Ummantelung signalisieren Langlebigkeit. Es ist symmetrisch, nicht geschirmt aufgebaut. Eine Klangbeeinflussung durch die Schirmung soll dadurch ausgeschlossen werden. Klangunterschiede (Höhen, Impulsverhalten) zu andren Markenkabeln sind wahrnehmbar, im Umfeld eines Homestudio diffizil, aber nicht unwichtig.

Der AKG K182 ist ein Studioklassiker. Der geschlossene Kopfhörer in Over-Ear Ausführung trägt sich angenehm und unterstützt den Künstler auch bei langen Sessions. Sein attraktiver Preis (149, - Euro) führen ihn in viele Aufnahmeräume.