Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

Opel P2 Pick-up: INTERNATIONALER LADEMEISTER


Auto Bild klassik - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 18.04.2019

Der Opel P2 Pick-up entstand in einer welt um spannenden Kooperation – und machte in Dänemark einen Bauern glücklich


Artikelbild für den Artikel "Opel P2 Pick-up: INTERNATIONALER LADEMEISTER" aus der Ausgabe 5/2019 von Auto Bild klassik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Lustige Dänen: Als sie den alten Opel sehen, schlagen die Männer im Hafen ein unkonventionelles Fotomotiv vor


FOTO: U. KOLLA-BLIESENER

Jens hat den Opel, den er Ende der 70er-Jahre als Lehrling geschweißt hat, wiedergefunden und komplett restauriert


„Einige Blechteile habe ich auf Märkten und bei Treffen gefunden, doch die meisten musste ich selbst anfertigen.“
Jens Nørgaard Madsen , Automechaniker und Karosseriebauer


Wenn der cremeweiße Opel auf die Frage nach seiner Herkunft antworten ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Auto Bild klassik. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2019 von ZEIT IM BILD: Angstgegner TÜV. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ZEIT IM BILD: Angstgegner TÜV
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von LESERBRIEFE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Oldtimer-Regeln in Europa: UNS GEHT’S JA NOCH GOLD. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Oldtimer-Regeln in Europa: UNS GEHT’S JA NOCH GOLD
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von 60er-Jahre-Cabrios im Vergleich: OFFEN UND EHRLICH. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
60er-Jahre-Cabrios im Vergleich: OFFEN UND EHRLICH
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Manfred Jantke: AUTO-Biografie: PORSCHES COOLSTER MANN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Manfred Jantke: AUTO-Biografie: PORSCHES COOLSTER MANN
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von MEINUNG: War Motorsport nur in den 70ern gut?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MEINUNG: War Motorsport nur in den 70ern gut?
Vorheriger Artikel
Drei Generationen Alpina: ALLGÄUER ZUCHT BULLEN
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Mercedes-Langzeitbesitzer: FIXSTERN
aus dieser Ausgabe

... könnte, würde er sich wohl als „südafrikanischer Kopenhagener mit Rüsselsheimer Wurzeln“ bezeichnen, angeblich mit verwandtschaftlichen Beziehungen nach Uruguay. Die sind aber nicht verbürgt.

Ein Typ von Welt also, dabei eigentlich nicht für die Schönen und Reichen dieser Welt gedacht, sondern für bodenständige Naturen wie Bauern, Händler und Handwerker, wie der Verkaufsprospekt zeigt: „Opel Pick-up – ein praktisches Fahrzeug und eine schöne Reklame für Ihre Firma.“ Und weiter: „Der Opel löst die unterschiedlichsten Transportaufgaben: Werkzeug aller Art, Milchkannen, Fischkisten, Waschmaschinen, Getreide, Zementsäcke, Schweinekisten und Gasflaschen lassen sich mit einem Opel Pick-up einfach transportieren.“

Alles in allem also der richtige Wagen für einen Bauern in Jütland! Er kaufte den Opel 1962 in Thisted. Der Firmenstempel prangt gut leserlich auf dem Umschlag der Werbebroschüre: A.P. Andersen & Co. A/S General Motors Forhandler Thisted Telefon 1600.

Der Bauer nutzte den Opel fleißig, aber offensichtlich nur auf Kurzstrecken und als Nutzfahrzeug. 85000 Kilometer kamen zusammen, ein Aufkleber hinter der rechten B-Säule ist ein Beleg für die Nutzung: T (zulässiges Gesamtgewicht) 1525, L (Zuladung) 575 – in Dänemark damals wie heute Pflicht bei allen Nutzfahrzeugen. So zugelassen sind die Autos von der horrenden Einfuhrabgabe in Höhe von etwa 180 Prozent des Nettopreises befreit.

Weil Korrosionsschutz damals kaum der Rede wert und die jütländische Luft salzhaltig war, hatte der Opel schon bald mit Rost zu kämpfen. Er musste in die Werkstatt. Dort wurde ein Lehrling namens Jens Nørgaard Madsen mit den erforderlichen Schweißarbeiten betraut. Nach deren Abschluss musste er mit dem Pick-up noch zum TÜV. Damals, so lässt Madsen, der noch in Dronninglund lebt, durchblicken, habe ihn der Opel genervt.

Doch einen Lehrabschluss, eine Hochzeit und mehrere Töchter später entwickelte er ein großes Interesse an Klassikern und ließ sich nicht lange bitten, als 1993 ein Freund von zwei Opel erzählte. Der eine war ein Olympia Caravan von 1952, der andere ein zehn Jahre jüngerer alter Bekannter: der Pickup, den Madsen Ende der 70er-Jahre geschweißt hatte.

Er kaufte beide. Der Pick-up war so unglücklich abgestellt gewesen, dass er total verrostet war: „Ich musste fasst alle Blechteile bis hoch zur Gürtellinie austauschen. Einige habe ich auf Märkten und bei Treffen gefunden, doch die meisten musste ich dann doch selbst anfertigen“, sagt er. Zwischendurch gab es einen herben Rückschlag, als sich der Opel mangels tragender Struktur in der Mitte durchbog. Doch der Karosseriebauer bekam das Problem in den Griff. Am Ende der Blechsanierung erhielt der Wagen noch ein paar Chromleisten. Die sind nicht original, der Wagen war schließlich ein Nutzfahrzeug.

Was das mit Südafrika und vielleicht Uruguay zu tun hat, kann Madsen erklären, aber erst später, bei Kaffee und Brötchen.

Als ob die Zeit stehen geblieben wäre: der Opel vor einer verblichenen Fischhandlung


Mit einer theoretischen Höchstgeschwindigkeit von 128 km/h ist der Olympia für dänische Landstraßen zu schnell


Idylle auf jütländischer Landstraße. Die fast immer wehende steife Brise bringt die Bäume in Form


FOTOS: U. KOLLA-BLIESENER (4), AUTO BILD SYNDICATION

OPEL OLYMPIA REKORD P2 PICK-UP

Motor vorne längs eingebauter ReiheMotor vorne längs eingebauter Reihenvierzylinder mit seitlich angeordneter Nockenwelle, zwei Ventile pro ZylinderHubraum 1448 cm3Leistung 37 kW (50 PS) bei 3900/minmax. Drehmoment 106 Nm bei 2100/minBeschleunigung 0–100 km/h 24 sHöchstgeschw. 128 km/hAntrieb Dreiganggetriebe mit Lenkradschaltung, HinterradantriebL/B/H 4515/ 1632/1485 mmVerbr. 10 l N/100 kmGewicht 950 kgNeupreis k.A.

Der Pick-up ist ein vielseitiger Transporter. Das Bonnie-Moped wurde in den 70er-Jahren in Dänemark gebaut


Der 1,5-Liter-Motor ist fast unverwüstlich. Das rote Schild weist auf das Lackfabrikat Sadoterm hin


Das Fabrikschild belegt die dänische Herkunft „Maks. Totalvægt“ steht für zulässiges Gesamtgewicht


Denn zuvor muss kurz vom Motor die Rede sein, der fest war, obwohl die Maschine als äußerst robust gilt. Madsen tauschte Kolbenringe und Lager, lackierte den Block neu und baute alles wieder zusammen. Seitdem läuft der Motor ohne Probleme.

Die meisten Teile am Pick-up – mit Ausnahme des Blechs – sind mit denen der „europäischen“ P2 identisch. Kleine Unterschiede: „Bremskraftverstärker und Radkappen stammen vom älteren P1. Vermutlich waren im Werk noch ein paar Teile übrig“, sagt Jens. Nicht mehr zu bekommen sind die dreiteiligen Rückleuchten, die beim Pick-up von außen verschraubt werden. Madsen hat das große Glück gehabt, dass sie bei seinem Opel noch intakt waren.

„Insgesamt“, erzählt er, „habe ich rund 2000 Arbeitsstunden gebraucht, um den Opel wieder in seinen Originalzustand zu versetzen. Der Aufwand hat sich aber gelohnt. Als ich ihn beim Bilsyn, dem dänischen TÜV vorgeführt habe, konnte ich mit einem Prüfbericht nach Hause fahren, der keinen einzigen Mangel aufwies.“

Im kleinen Hafen von Asaa vor dem leicht verblichenen Fiskehuset, das einmal eine Fischhandlung war, drängt sich die Beschreibung aus dem Prospekt auf. Da war von Fischkisten als Ladung die Rede. Doch ein paar Dänen haben eine andere Idee: Gestenreich lotsen sie den Opel auf dem Kai zu einem Kran, der gerade eine Motorjacht aus dem Wasser hievt. Breites Grinsen, feixender Blick. Die Ladefläche des Opel ist wohl etwas klein geraten. Madsen wirkt erleichtert.

Zu Hause vor seiner Garage zeigt er später, wie zeitgenössische Ladung aussehen kann! Wir heben ein in den frühen 70er-Jahren in Dänemark gebautes Moped der Marke Bonnie auf die Ladefläche und bemerken wohlwollend die geringe Ladehöhe von nur 67 Zentimetern. Für solche Aufgaben ist der Opel erkennbar gemacht.

Und was war jetzt mit Südafrika? Jens lädt uns zu Kaffee und Brötchen ein, um uns endlich in die Geschichte des seltenen Pick-ups einzuweihen. Ein Umbau ist das Auto nämlich nicht, und entgegen hartnäckigen Gerüchten stammt es auch nicht aus Uruguay. Seine Wurzeln liegen in Südafrika, wo das Modell ab 1960 im GM-Montagewerk in Port Elizabeth gefertigt wurde. Dort entstanden nicht nur komplette Fahrzeuge, sondern auch Bausätze, und so kam das Auto nach Dänemark!

Um das Interesse auf dem skandinavischen Markt zu testen, wurden zunächst fünf Stück nach Kopenhagen verschifft. Dort betrieb die Opel-Mutter General Motors ein Montagewerk. Weitere Bausätze folgten, die montiert und dann nach Dänemark, Norwegen und Schweden ausgeliefert wurden. Genaue Stückzahlen sind unbekannt, ebenso die Anzahl der insgesamt gebauten Autos und der noch existierenden Exemplare.

Madsen hat jedenfalls von zwei weiteren fahrbereiten Autos gehört, und das allein in Dänemark. Beim richtigen Angebot würde er seinen sogar verkaufen. Geschweißt ist ja alles.
Richard Holtz

FOTOS: U. KOLLA-BLIESENER (4), AUTO BILD SYNDICATION

OPEL AUS DÄNEMARK

1923 ERRICHTET General Motors International A/S das erste GM-Automobilwerk außerhalb der USA. Dort werden Autos aus angelieferten Bausätzen montiert, die für Skandinavien und das Baltikum bestimmt sind. Standort ist zunächst der Kopenhagener Südhafen. Im Januar 1924 verlässt ein Chevrolet als erstes Auto die Fabrik. 1930 wird ein größeres Werk im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro in Betrieb genommen und fertigt bis 1974 über 550000 Autos der GM-Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, Pontiac, Oldsmobile, Buick, Cadillac, Bedford und GMC.