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OPEN AIR-ERLEBNIS


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

HIFI EXKLUSIV VOLLVERSTÄRKER

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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 8/2021

Ein kurzer Druck auf den rechten Drehknopf auf seinem spiegelblank polierten Chassis, und der MA352AC, größerer von zwei neuen Hybrid-Vollverstärkern des legendären US-Herstellers McIntosh, erwacht zum Leben. Und wie er das tut, ist jedes Mal wie eine kleine Live-Show: Während der ersten knapp 20 Sekunden leuchtet es unter den vier Vorstufenröhren orange– dasselbe passiert bei aktivierter Schutzschaltung –, und das Display meldet im Hintergrund: „Tube Warmup“. Danach springt die Illuminierung auf Grün, und die Prozentanzeige für die Lautstärke läuft flink zum zuletzt gewählten Wert hoch. Die vier Doppeltrioden des Typs 12AT7 respektive 12AX7A – von Kennern als perfekte Vorstufen- beziehungsweise Phasendreherröhre gepriesen – geben im wahrsten Wortsinn die Anheizer wie Antreiber der im leicht zurückgesetzten „Tower of Power“ auf Kühlrippenprofile ...

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... montierten Spezial-Leistungstransistoren, von denen der „Mac“ insgesamt 24 Stück aufbietet – nämlich zwölf pro Kanal.

Vorne prangen die großen blauen Pegelmeter – zusammen mit den schwarzen, in der Schrift grünlich durchleuchteten Glasfronten seit jeher das Erkennungszeichen der von einem weihevollen Nimbus umwehten Marke –, und es erscheint der angewählte von insgesamt sechs Eingängen, darunter einer für einen Plattenspieler mit MM-Abtaster, sowie weitere Infos. Die Inputs lassen sich über das reichhaltige Menü individuell benennen und bei praxisgerechter Bandbreite von zwölf Dezibel im Pegel aufeinander einstellen, was lästige Lautstärkesprünge beim Umschalten vermeiden hilft.

Da McIntosh seit jeher im Röhren- wie Transistorfach zu Hause ist, soll der hybride MA352AC, dessen extrovertiertes Gepräge durch große, beidseitig angebrachte dreidimensionale Logos von Modell und Hersteller unterstrichen wird, das Beste beider Welten in sich vereinen. Warum auch nicht? Schließlich haben wir unlängst während eines Workshops mit zwei gegensätzlichen Vor-/ Endstufen-Kombis der Amerikaner (siehe STEREO 6/20) erst die ultimative klangliche Erfüllung gefunden, als wir den Röhren-Pre C2700AC mit dem Halbleiter-Endverstärker MC462AC zum absolut stimmigen Hybridpärchen für weit über 22.000 Euro das Set verkuppelten. Der Vollverstärker macht das in einem Gerät und – freilich weit weniger aufwendig – sogar ungleich günstiger.

Ein absolut ernsthafter Hybrid-Amp mit großem audiophilem Herzen – aber auch Spaß an Blingbling

STICHWORT

Phasentreiberröhre Sie läuft ohne Verstärkung und steuert die nachfolgende Class B-Endstufe phasenkorrekt an.

EINTRITT FREI

Die flache, vom Amp stets sicher erkannte Systemfernbedienung ermöglicht nicht nur den Zugriff auf die Lautstärke und Eingangswahl, sondern auch auf viele Komfortoptionen des Menüs vom Hörsessel aus.

Equalizer für Soundcheck

Doch Verzicht muss hier niemand üben, da der bärenstarke MA352AC nicht nur Leistung im Überfluss bietet, sondern obendrein umfassenden Komfort. Dabei richtet er sich an den traditionell orientierten Hörer Analogsignale ausgebender Quellgeräte, indem er auf das hochwertige, flexible Digitalmodul „DA1“ verzichtet, das etwa der 400 Euro teurere MA7200AC (Test in STE- REO 11/20) an Bord hat, ein reiner Transistor-Amp mit seinerseits McIntosh-typischem Übertragerkonzept zu den Boxen hin.

Dafür bietet das Hybridmodell seinem Hörer in seiner flachen, leicht abgeschrägten Bedienleiste einen Fünf-Band-Equalizer per kleinem Drehregler zur feinfühligen Klangkorrektur an. Da darf man sich fast schon wie ein Rowdie beim Soundcheck der PA vor dem Live-Gig fühlen. Wird die Klangeinstellung nicht benötigt, lässt sich die gesamte Stufe aus dem Signalweg schalten.

GET THE POWER!

Die Performance jedes Verstärkers hängt nicht zuletzt von seiner „Peripherie“ ab. Dazu zählen natürlich auch die Kabel.Deshalb spendiert der hiesige McIntosh- Vertrieb jedem MA352AC das hochwertige Netzkabel Venom-HC (u.) des US-Spezialisten Shunyata Research. Wir verglichen den solo rund 250 Euro (1,75 m) teuren Stromleiter mit der einfachen Beipackstrippe des „Macs“. Und – siehe da! – am aus OFC-Kupfer gefertigten sowie für „Großverbraucher“ wie Amps optimierten Venom-HC tönte dieser weiträumiger, gelassener und ohne die durch das Standardkabel verursachte leichte Verfärbung in den oberen Mitten. Na also, Bingo!

Praktisch sind auch die Durchschleifoption für den Einsatz des MA352AC in AV-Ketten, wobei der interne, mittels hochpräziser Widerstandsbänke realisierte Lautstärkesteller umgangen wird, und der wahlweise im Stereo- oder Doppel- Mono-Modus betreibbare geregelte Vorstufenausgang, was etwa die Beschickung mehrerer Subwoofer vereinfachen kann. Von den zahlreichen weiteren Möglichkeiten, zum Beispiel die Beleuchtung der Röhren sowie des Displays einzeln an- oder auszuknipsen oder die nach EU-Vorgaben vorgesehene Abschaltautomatik zu deaktivieren, soll hier nur am Rande die Rede sein.

Denn natürlich ist viel wichtiger, wie gut der knapp 30 Kilogramm schwere Verstärker, der auf gekonnte McIntosh-Art nicht nur Röhren und Transistoren, sondern obendrein Spaß an Blingbling und ein kompetentes Konzept sowie barocke Zurschaustellung und technische Nüchternheit unter einen Deckel bekommt, seiner wahren Bestimmung gerecht wird. Im Hörraum führte der Hybrid-Amp auf üppig aufgezogener Bühne große wie kleine Spektakel mit beindruckender Natürlichkeit auf.

Und dies vor allem auch mit anspruchsvollsten Live-Aufnahmen, die zeigen sollten, ob der optisch auf Show getrimmte Ami neben der Musik auch die Atmosphäre, das Schwirren in der Luft übertragen kann, das hier unbedingt dazugehört. Und dieses Kunststück hat der MA352AC dank seiner fantastischen Gelöstheit fraglos drauf. So erschien Diana Kralls „Let’s Fall In Love“ aus dem famosen Konzert im Pariser Olympia von LP, wobei der hinsichtlich der Kapazität feinstufig anpassbare Phono-Zweig seine Klasse zeigte, nicht nur atmend, offen und quirlig, sondern vermittelte zudem das sprühende Charisma der Sängerin und Pianistin sowie die subtilen Reaktionen der Besucher, wenn sie mit diesen scherzte.

Von feinsinnig bis brachial

Solche Fähigkeiten zu instinktivem Verständnis für Stimmungen und musikalischem Esprit wird ja speziell Röhrenverstärkern oft zugesprochen. Dieser McIntosh spielt mit so leichtfüßig-flirriger Aura und beschwingter Grazie, als wolle er das (Vor-)Urteil unterstreichen. Behände flog Miss Krall über die Tasten und ließ fühlbar ihren Charme spielen. All dies war dem authentischen, lebendigen Höreindruck natürlich überaus förderlich. Mittels röhrentypischer

TEST-GERÄTE

Plattenspieler: Transrotor Rondino nero/800S

Tonabnehmer: Clearaudio Charisma V2, Ortofon 2M Black LVB 250

Musik-Server: Aurender N10

Medien-Spieler/DAC: T+A MP3100HV

Vollverstärker: Audionet SAM 20 SE, Rotel X3/X5

Lautsprecher: B&W 800 D3, Dynaudio Confidence 50

Kabel: HMS Gran Finale Jubilee (NF/LS), Boaacoustic Black.sonic-25 (LS)

MA7200AC

Der Verstärker bildet in diesem Preissegment McIntoshs volltransistoriertes Pendant zum hybriden MA352AC und steuert die Boxen mittels Übertrager an. Er bringt das DA1-Digitalmodul mit und bietet neben Phono-MM auch -MC. Mit 8900 Euro ist er unwesentlich teurer und auch klanglich eine Alternative.

FULL SERVICE

Das per Mikroprozessor gesteuerte Menü erlaubt unter anderem die Veränderung der Stereo-Balance, die Abschaltung der Klangregelung, die Umschaltung zu Mono, den Pegelabgleich der Eingänge oder die Anpassung der Display-Helligkeit sowie auch deren Abschaltung. Eine zusätzliche Menüebene bietet neben anderem eine Durchschleifoption und die Beschaltung des geregelten Vorstufenausgangs an.

Einflüsse geschieht dies aber nicht: Das FFT-Verzerrungsspektrum (siehe Messwerte) ist blitzsauber!

Sang das Publikum in den Glasgower Barrowlands den Refrain von Deacon Blues „Loaded“ lautstark mit – gerne auch gänzlich ohne Band-Begleitung –, übermittelte der so weiträumig wie aufgefächert abbildende MA352AC die emotionale Bewegung unter den Leuten in einer so ansteckenden Art, dass man leicht mitwiegte.

Dieser Amp liebt und pflegt seine feinsinnige Ader, mittels derer er Cembali prickelnd perlen und Streicher anmutig schwärmen lässt. Doch er kann auch anders und etwa mit knorrig-ehernem Griff auf die malträtierten Woofer diese in der sie nach kurzem Intro jäh überrollenden Basslawine von Rachelle Farrells „Sister“ – im Zuge eines Montreux-Festivals umwerfend eingefangen – unbeirrbar in der Spur halten.

Pegelfestigkeit ist das Markenzeichen manches Macs. Und für Live-Nummern wenn nicht notwendig so doch wünschenswert. Doch wegen des gepflegten Powerplays, das dieser Verstärker bei Bedarf veranstalten kann, kaufen wohl nur die wenigsten einen MA352AC. Dessen trotz aller Reife und audiophiler Gediegenheit stets frische, anregend inspirierende Performance bahnt sich bei jeder Lautstärke den Weg ins Gemüt des Hörers – sozusagen als fortwährend anmachendes „Open Air“-Erlebnis. ■

McIntosh MA352AC

Preis: um 8500 €

Maße: 45 x25 x45 cm (BxHxT)

Garantie: 5 Jahre

Kontakt: Audio Components

Tel.: +49 40 401130380

www.audio-components.de

Das effektvolle Äußere dieses Hybrid-Amps wird durch ein professionelles technisches Konzept und das selbst anspruchsvollste Hörer sofort einnehmende, weil plastische, raumgreifende sowie in jeglichem Belang bestens organisierte Klangbild begleitet. Der MA352AC macht seinem großen Namen Ehre.

Messergebnisse

Labor-Kommentar

Sehr hohe Dauer- wie Impulsleistungen, niedrige Verzerrungen und Top- Störabstände – gerade auch über Phono. Die Röhren bleiben messtechnisch „unauffällig“. Effektive Kanaltrennung, üppige Bandbreite.

Ausstattung

Fünf im Pegel aufeinander abstimmbare Hochpegeleingänge (2 x XLR, 3x Cinch), feinstufige Kapazitätsanpassung für Phono-MM, geregelter Pre-Out in Stereo oder Doppelmono, fünfbandige Klangregelung, Leistungsanzeige, umfangreiches Menü für vielfältige Steuerfunktionen, Kopfhörerausgang, Fernbedienung