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OPTIK-TEST: WÄRMEBILD VS NACHTSICHT


SAUEN - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 24.04.2019

Die Technik hat den Schleier der Dunkelheit endgültig gelüftet. Doch was soll der moderne Jäger von heute nutzen? Wärmebild - oder Nachtsichttechnik?HUBERT WITT hat in monatelangen Tests die Vor- und Nachteile anhand von vier Geräten herausgearbeitet.


WAS IST WIRKLICH BESSER?

Artikelbild für den Artikel "OPTIK-TEST: WÄRMEBILD VS NACHTSICHT" aus der Ausgabe 10/2019 von SAUEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Auswahl: vier verschiedene Geräte standen für den Test zur Verfügung.


FOTO: HUBERT WITT

LAHOUX LV-81

Preis: ab 3.545,01 Euro | Bezug: www.lahouxoptics.de

Scharf: Dank einer speziellen Beschichtung der Linsen ist das Bild der LV-81 extrem deutlich.


FOTOS: HERSTELLER

NACHTSICHT

Bildlichtverstärker mit Photonis Röhre • Objektiv 80mm ...

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... F/1.55 • Vergrößerung: 1x, Fokus 10m bis unendlich • Betriebstemperatur -40 bis +50° C • Batterie: CR123A ca. 60 -90 Std Einsatz • Parallaxe: 100m • Wasserdicht: IP67, schockfest • Zubehör: 2 Weaver Schienen für Montage von Aufheller etc.

Details: lassen sich mit Nachtsichtgeräten oft besser erkennen als mit Wärmebildtechnik.


Die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest und die steigenden Wildschäden durch Schwarzwild auf Wiesen und in der Feldflur bewegt viele Jäger dazu, über den Einsatz von Nachtzieltechniken in Form von Vorsatzgeräten nachzudenken. Was bedeuten nun verschiedene technische Angaben wie Generation, Objektivdurchmesser oder Röhrenbezeichnung? Soll ich mir Bildlichtverstärker oder Wärmebildtechnik anschaffen? So mancher Jäger steht da vor einem Rätsel! Bereits einige Bundesländer erteilen Ausnahmegenehmigungen zur Nutzung von Vorsatzgeräten bei der Jagd. Die Anschaffung eines dieser Geräte ist eine Investition von mehreren tausend Euro. Viele fragen sich, welches soll ich mir nun kaufen.

Im Test wurden mehrere Geräte mit unterschiedlich verbauter Technik verwendet. Neben zwei Wärme-bildgeräten wurden zwei verschiedene Bildlichtverstärker einem Praxistest unterzogen. Hierbei sollten zunächst die Bedienbarkeit und die Einsatzfähigkeit bei unterschiedlichen Wetterverhältnissen sowie verschiedenen jagdlichen Situationen getestet werden. Danach folgte ein Schießtest. Bereits im Dezember begann die Testphase. Bewusst wurde ohne große Einweisung in die Handhabung begonnen. Nur so konnte die Bedienfreundlichkeit unvoreingenommen beurteilt werden.

Anpassungsfähig: Dank des Adapters wird aus einem Beobachtungs-Gerät ein Vorsatz.


Zoom: Die Okulareinsätze helfen, wenn das Wild einmal weiter weg stehen sollte.


FOTOS: HUBERT WITT

LAHOUX HEMERA

Preis: ab 3.645,01 Euro | Bezug: www.lahouxoptics.de

Für Profis: Die große Brennweite sorgt für ein breites Sichtfeld.


NACHTSICHT

Bildlichtverstärker mit Photonis Röhre • Vergrößerung: 1x, Fokus 10m bis unendlich • Betriebstemperatur -40 bis +50° C • Batterie: CR2 ca. 60 -90 Std Einsatz • Parallaxe: 100m • Wasserdicht: IP67, schockfest • Zubehör: 2 Weaver Schienen für Montage von Aufheller etc.

Bedienung und Handhabung der einzelnen Geräte erfolgte wie gesagt ohne vorherige Einweisung. Alle Geräte ließen sich ohne Probleme in Betrieb nehmen. Einschalttasten sind leicht zugänglich für Rechts- und Linkshänder. Die Einschalttaste bei dem Dedal ist etwas schwergängig und bedarf einens gewissen Druckes. Nach kurzem spielerischen Benutzen der einzelnen Tasten fand man schnell die wichtigsten Funktionen heraus. Besonders angenehm fiel hierbei das Lahoux Hermera auf. Wenig Tasten und einfachste Bedienung zeichnen dieses Modell aus. Mit ein paar Handgriffen wurde ein Rusan Adapter auf die jeweiligen Geräte montiert, welcher in unterschiedlichsten Ausführungen und Außendurchmessern für unterschiedliche Objektivgrößen als Zubehör erhältlich ist. Dieser ermöglicht dann den schnellen Aufsatz auf ein Fernglas oder als Vorsatz für ein Zielfernrohr. Aber auch einen fixen, unkomplizierten Umbau zum Beobachtungsgerät.

Ein zusätzlicher Okulareinsatz mit zweifacher Vergrößerung -auch optional in vier- oder sechs-fach erhältlich -machte aus diesem Vorsatzgerät schnell ein reines Beobachtungsgerät. So kann man relativ kostengünstig aus einem Gerät zwei verschiedene Einsatzbereiche gewinnen. Auch schleppt man so nicht unnötig mehr Material mit. Mit wenigen Handgriffen wird aus dem Beobachtungsgerät schnell wieder ein Vorsatzgerät (Gesetzgebung beachten, WaffG §2 Anlage 2).

OHNE STROM GEHT NICHTS

Ein kleiner Unterschied zeigte sich in der Verwendung der unterschiedlichen Energiequellen. Positiv fielen hierbei der Dedal Ranger und Lahoux LV-81 auf. Diese verwenden herkömmliche Batterien vom Typ CR 123. Die kleinen Zellen kann man auch als wiederaufladbare Akkus erwerben. Schwieriger ist da schon der Ersatz beim Lahoux Hermera. Die verwendete Batterie vom Typ CR 2 ist nur an wenigen Orten zu erwerben. Besonders gut ist wiederum die Energiequelle vom Lahoux LV 21, hier kann man zwischen zwei CR 123 oder einem Akku 18650 wählen. Die mitgelieferte Batteriebox sorgt für sofortigen Ersatz bei Bedarf.

FOTOS: HUBERT WITT

Monochrom: Die Onyx-Bildröhre des Hemera bildet Schwarz-Weiß ab.


DIE KUGELVERTRÄGLICHKEIT

Der Test der Schussfestigkeit und Wiederkehrgenauigkeit erfolgte im Schießkanal bei absoluter Dunkelheit. Für den Test der Wärmebildtechnik wurden eigens Drähte um die Zielringe gelegt und mit einer Stromquelle erhitzt. Es wurde mit zwei verschiedenen Kalibern getestet: 9,3 x 62 und die gebräuchliche .308 Winchester. Alle Geräte haben sich dabei als absolut schussfest erwiesen. Die Schießergebnisse fielen aber unterschiedlich aus. Die beiden getesteten Bildlichtverstärker Lahoux LV-81 und Lahoux Hermera ergaben keinerlei Trefferabweichungen. Dabei wurde nach jedem Schuss das Vorsatzgerät abgenommen und wieder aufgesetzt.

Bei den Wärmebildkameras Dedal Ranger 382 T2 und Lahoux LV-21 konnten mit einfacher Vergrößerung am Vorsatzgerät keine Abweichungen des Trefferbildes festgestellt werden. Wurde allerdings eine digitale Vergrößerung (zwei - oder vierfach) am Vorsatzgerät eingestellt und diese anschließend beim Schießen verwendet, zeigten sich teilweise erhebliche Abweichungen. Bei Nachfrage beim Hersteller wurde dies auch technisch begründet, da die digitale Vergrößerung nicht zentral erfolgt. Bei den neusten Modellen soll eine automatische Rückstellung der Vergrößerung auf einfach erfolgen, um diese Abweichungen zu vermeiden. Die Festigkeit der Montage erfolgt mittels individueller Einstellung am Rusan Adapter. Auch bei unterschiedlichen Zielfernrohren, sowohl Hersteller als auch der Größe des Objektives, gab es keine Probleme. Alle saßen nach mehreren Schüssen hintereinander immer noch fest auf der Zieloptik.

LAHOUX LV-21

Flexibel: Wenn der Akku einmal leer ist, springt die LV-21 automatisch auf CR123 Batterien um.


FOTOS: HERSTELLER

WÄRMEBILD

Wärmebildvorsatzgerät mit automatischem Fokus • Bildwechselfrequenz 50 Hz, Auflösung 336x256 Pixel • Darstellung: versch. Farben, Linsengröße 35mm • Vergrößerung: 1x-, • Batterie: 2xCR 123 oder 1 Akku 18650 • Einsatzzeit: ca. 8 Std. • Betriebstemperatur -40 bis +50° C • Parallaxe: 100m • Wasserdicht: IP67, schockfest • Zubehör: Batteriebox

Deutlich: lassen sich auf nahe Entfernungen im Wärmebildgerät die Geweihe erkennen.


FOTOS: HERSTELLER

WETTERVERHÄLTNISSE

Alle Geräte wurden bei unterschiedlichen Jagdarten wie Ansitz und Pirsch als auch bei den unterschiedlichsten Wetterverhältnissen wie einer klaren Sternennacht, Regen und Schnee in der Praxis getestet. Bei Nebel gab es wiederum einige interessante Ergebnisse.

Bei leichtem Mond brachten alle Typen, ob Bildlichtverstärker oder Wärmebild, sehr gute Ergebnisse. Wobei hier besonders die Detailschärfe bei den Bildlichtverstärkern überzeugte. Selbst kleine Hindernisse, wie Äste oder Gras, konnten erkannt werden. Natürlich lässt sich damit auch gut ansprechen.

In der Reichweite hatten aber die Wärmebildgeräte ganz klar die Nase vorn. Bis zu 500 Meter konnten hier die Zielobjekte klar erkannt werden -dank der Infrarotstrahlen treten Lebewesen deutlich sichtbar hervor. Bei der Verwendung als Vorsatzgerät empfiehlt sich aber ein Zielfernrohr mit Parallaxeausgleich. Ab einer Vergrößerung von fünf- bis sechs-fach lassen sich ohne Parallaxeausgleich Bild und Fadenkreuz nicht gleichzeitig scharf stellen.

Eine besondere Stärke der Wärmebildtechnik stellte sich bei schlechtem Wetter, wie Regen oder Schneefall, ein. Bei den Bildlichtverstärkern wurden hier erhebliche Beeinträchtigungen durch Lichtreflektionen der Regentropfen und Schneeflocken deutlich sichtbar, während bei den Wärmebildkameras lediglich eine geringe Reichweitenverkürzung und eine leichte Trübung festgestellt werden konnte. Ebenso zeigte sich bei absoluter Dunkelheit ein klarer Vorteil für die Wärmebildkameras ab. Bei den Bildlichtverstärkern musste mit Hilfe von sogenannten Aufhellern eine künstliche Lichtquelle geschaffen werden.

Damit konnte man dann allerdings auch bei sehr dunklen Lichtverhältnissen gute bis sehr gute Ergebnisse bis circa 250 Meter erreichen. Leider lassen diese Aufheller natürlich auch jeden Regentropfen reflektieren. Was aber auch ein Vorteil war, denn jedes Hindernis, jedes Ästchen wurde dadurch erst sichtbar. Denn in der Praxis könnte das Streifen eines Hindernisses zu Fehlschüssen führen.

DEDAL RANGER 382 T2

Preis: 5,500,– Euro | Bezug: www.akah.de

Einsetzbar: ist das Dedal auch bei größeren Entfernungen dank der achtfachen Vergrößerung.


Beachtlich: Jeweils fünf Schuss mit den beiden Wärmebildgeräten zeigen ein klasse Trefferbild.


FOTO: HUBERT WITT

Hell: leuchtet im Wärmebildgerät das Haupt im Vergleich zum Rest des Wildkörpers.


FAZIT

Bei kalten Temperaturverhältnissen lag ein großer Vorteil bei der Wärmebildtechnik. Schnell konnte auch bei großer Entfernung jede Wärmequelle ausgemacht werden. Die Bildlichtverstärker überzeugten durch ihre Detailgenauigkeit. Für mich gibt es jedoch keinen klaren Sieger.

So ist bei den Bildlichtverstärkern positiv das Ansprechen im Detail, absolut keine Veränderung des Trefferbildes, angenehmer für das Auge und gutes Erkennen von Hindernissen im Schussfeld festzuhalten. Negativ waren Lichtreflektionen, starke Beeinträchtigung durch Regen, Schnee und Nebel, sowie die geringere Reichweite beim Beobachten.

Bei den Wärmebildkameras konnte besonders das sehr schnelle Finden aller Art von Tieren überzeugen. Positiv war natürlich auch der geringe Einfluss von schlechtem Wetter. Auch braucht man hier keinen zusätzlichen Aufheller. Lediglich die kürzere Reichweite konnte festgestellt werden. Leider hat auch diese Art der Technik ihre Schattenseiten. Besonders das schlechte Erkennen von Hindernissen zum Zielobjekt, weniger Details im Fernbereich und nicht zuletzt die Gefahr eines Fehlschusses bei falscher Einstellung der Vergrößerung. Wichtig finde ich jedoch, dass sich jeder selbst seine Gedanken macht: Für was möchte ich welche Technik einsetzen? Achten sie auf Qualität. Oft werden Geräte mit verunreinigten Bildröhren angeboten! Sparen sie sich dieses Geld, sie werden sonst zweimal kaufen.

Gespannt bin ich auf die kommenden Tage mit wärmeren Temperaturen. Sind es noch dieselben Vor- und Nachteile? Wir werden es sehen. Im Herbst gibt es das Ergebnis.