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Oracle-Partner werden Public- Cloud-Betreiber


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Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 45/2022 vom 04.11.2022
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Oracle stößt mit seinem Alloy-Angebot in neue Cloud-Sphären vor. Analysten glauben, dass Oracle damit Boden auf die führenden Hyperscaler AWS, Microsoft und Google gutmachen kann.

Oracle hat auf seiner Kundenkonferenz CloudWorld (18. bis 20. Oktober in Las Vegas), eine neue Cloud-Infrastrukturplattform inklusive eines neuen Bezugsmodells für seine Cloud angekündigt. Mit Oracle Alloy sollen Dienstleister, Systemintegratoren, unabhängige Softwareanbieter und auch Anwenderunternehmen, etwa aus dem Finanzdienstleistungs- oder Telekommunikationsbereich, selbst Cloud-Anbieter werden und ihren Kunden entsprechende Dienste offerieren, hieß es.

Das neue Cloud-Angebot basiert auf der Oracle-Cloud Infrastructure (OCI), die der Anbieter auch als Public-Cloud-Angebot bereitstellt. Oracles Cloud-Stack reicht von der Infrastruktur mit Compute und Storage über Netzwerkdienste bis hin zu Management- und Plattformservices, etwa für Machine Learning. „Alloy bietet unseren Partnern die Möglichkeit, unser geistiges Eigentum im Zusammenhang mit OCI zu übernehmen und eine eigene Public Cloud zu ...

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... betreiben“, sagt Karan Batta, Vice President für das Produktmanagement bei Oracle. Die Partner könnten damit als selbstständige Public-Cloud-Anbieter auftreten.

Darüber hinaus können Alloy-Partner Oracles Cloud-Stack um eigene Anwendungen und Dienste erweitern, um beispielsweise Anforderungen bestimmter Märkte und Branchen zu adressieren. Alloy lässt sich im eigenen Rechenzentrum nutzen, sodass Kunden dort den Betrieb vollständig und unabhängig kontrollieren können. Das wird wichtig, wenn es darum geht, spezifische gesetzliche Regularien zu erfüllen, beispielsweise für Kunden aus dem Public Sector. Oracle bietet aber auch an, Alloy in der Oracle-Cloud zu betreiben – sozusagen als Cloud in der Cloud.

Mehr Unabhängigkeit mit eigener Cloud

Mit Alloy verspricht das Unternehmen seinen Kunden mehr Unabhängigkeit. Sie könnten den Cloud-Betrieb in eigener Verantwortung steuern. Dazu gehörten die Wahl des Standorts ihres Rechenzentrums, das Personal und die Art des Zugriffs auf die Cloud. Auch die Anforderungen an die Ausführung bestimmter Softwareversionen und die Kontrolle darüber, wann diese aktualisiert werden, fällt in die Zuständigkeit des Alloy-Partners oder -Kunden.

Die Art und Weise, wie Partner die Alloy-Cloud vermarkten wollen, steht ihnen ebenfalls frei. Sie können die Cloud-Services unter ihrer eigenen Marke anbieten. Außerdem behalten sie die Kontrolle über Geschäftsbedingungen, Kundenbeziehungen und Kontaktpunkte, versprechen die Oracle-Verantwortlichen. Darüber hinaus könnten die Partner ihre eigenen Preise, Tarife und Rabattpläne festlegen. Und sie könnten individuelle Support-Strukturen und Service-Levels definieren.

Oracle Alloy bietet zudem die Möglichkeit, den eingerichteten Cloud-Stack um Software und Hardware zu erweitern. Oracle offeriert Partnern dafür die gleichen Entwickler-, UX-, DevOps- und Sicherheitstools, die der Hersteller selbst für die Entwicklung seiner nativen OCI-Services verwendet. Den Softwerkern zufolge lassen sich auch bestimmte Hardware-Appliances anderer Hersteller und auch Mainframes in Alloy integrieren.

Oracle wäre allerdings nicht Oracle, wenn der Anbieter nicht auch seine eigenen Lösungen mit ins Spiel brächte. So dient der Anbieter seinen Alloy-Partnern die eingebetteten Finanzmanagement-Funktionen aus dem Cloud-ERP-Angebot Oracle Fusion an. Damit lasse sich der gesamten Kundenlebenszyklus verwalten, einschließlich der Rechnungsstellung und Fakturierung für deren Kunden, wirbt Oracle.

Hell freezes over

Die Offenheit ist indes neu. So vermied es Oracle-Gründer und Technikchef Larry Ellison in diesem Jahr, in seiner Keynote auf der CloudWorld über die Konkurrenz herzuziehen, wie er es in der Vergangenheit gern getan hat – die AWS-Verantwortlichen wissen ein Lied davon zu singen. Stattdessen schlug Ellison in Las Vegas ganz andere Töne an. Anwenderunternehmen hätten meist mit mehreren Anbietern und Anwendungen zu tun, wenn sie Infrastruktur in der Cloud kaufen, sagte er. „Diese Tatsache verändert das Verhalten der Technologieanbieter.“

Oracle steigt ins Lakehouse-Rennen ein

Oracle hat auf der CloudWorld in Las Vegas mit MySQL HeatWave Lakehouse einen neuen Datenbankdienst vorgestellt und steigt damit ins Geschäft mit Data Lakehouses ein. Das Konzept erfreut sich auf Seiten der Anwender zunehmender Beliebtheit. Ein Lakehouse kombiniert die Vorteile eines Data Warehouse – wie zum Beispiel strukturiertes Datenmanagement einschließlich des Supports für Tabellenformate, Metadatenmanagement und die Verarbeitung transaktionaler Daten – mit den niedrigen Kosten und Agilitätsvorteilen eines Data Lake.

„Bis 2024 werden mehr als drei Viertel der Unternehmen, die bereits einen Data Lake eingeführt haben, in Data-Lakehouse-Technologien investieren“, prognostiziert Matt Aslett, Research Vice President bei Ventana Research. Gerade in der Cloud hätten sich die Datenseen zu einem wichtigen Bestandteil der Analytics-Architekturen vieler Anwenderunternehmen entwickelt. Als Cloud-Objektspeicher biete das Lake-Konzept eine relativ kostengünstige Möglichkeit, große Datenmengen aus verschiedenen Unternehmensanwendungen und Workloads zu aggregieren. Dies gelte gerade für semistrukturierte und unstrukturierte Daten, die sich nicht für die Ablage und Verarbeitung in einem klassischen Data Warehouse eigneten, erklärt Aslett.

Oracle hat seine für den Cloud-Betrieb optimierte Datenbank MySQL HeatWave Ende 2020 herausgebracht. Hier würden Transaktionsverarbeitung, Analytics und Machine Learning in einer MySQL-Datenbank zusammengeführt, um Analysen nahezu in Echtzeit zu ermöglichen, verspricht der Hersteller.

Nicht nur Oracle-Daten auswertbar

Mit dem Lakehouse erweitert Oracle nun seine HeatWave-Datenbankarchitektur. MySQL HeatWave Lakehouse sei auf Geschwindigkeit und Effizienz ausgelegt, heißt es in einer Mitteilung. Damit ließen sich Hunderte von Terabyte an Daten im Objektspeicher in einer Vielzahl von Dateiformaten, einschließlich CSV und Parquet, sowie in Backups in Amazons Aurora und Redshift verarbeiten. Das heißt, dass Unternehmen MySQL HeatWave auch dann nutzen könnten, wenn ihre Daten nicht in einer MySQL-Datenbank gespeichert sind. Die CW berichtete über die neue Offenheit von Oracle.

Durch die Möglichkeit, Analysen und maschinelles Lernen innerhalb der Datenbank auszuführen, werde MySQL HeatWave Lakehouse außerdem einfach zu bedienen sein und gleichzeitig einen Leistungsvorteil sowohl beim Laden von Daten als auch beim Ausführen von Abfragen bieten, stellt der Hersteller seinen Kunden in Aussicht. Edward Screven, Chief Corporate Architect bei Oracle, spricht von einem integrierten Dienst für die Transaktionsverarbeitung, Analytik in Data Warehouses und Data Lakes sowie maschinellem Lernen ohne ETL (Extract, Transform, Load). Daten in Dateien und Objekten ließen sich direkt abfragen und mit analytischen Abfragen verarbeiten. „Das bedeutet, dass MySQL-Anwender keine ETL-Phase durchlaufen müssen, um die Daten zu nutzen, die sie haben“, so Screven.

Es sei eine gute Idee, alle wichtigen Clouds miteinander zu verbinden, sodass die Kunden die Wahl hätten, merkte Ellison an. „Die Mauern fallen“, sagte der Unternehmensgründer, „es sollte ein Internet der Clouds geben. Die Clouds sollten miteinander verbunden sein, und Kunden sollten zwischen mehreren Clouds wählen und diese anpassen können.“ Als Beispiele für die neue Offenheit nannte der Manager die Zusammenarbeit von Oracle mit Microsoft und die eigene MySQL-HeatWave-Datenbank, die jetzt in AWS, Azure und der Oracle-Cloud läuft.

Oracle hatte zuletzt sein Cloud-Angebot sukzessive erweitert. 2020 wurde die Oracle-Cloud Infrastructure Dedicated Region vorgestellt. Damit sollten Kunden die Oracle-Cloud im eigenen Rechenzentrum betreiben können. Erst im Juni 2022 hatte der Anbieter seine Preise und damit die Einstiegshürden für dieses Angebot gesenkt. Der Unterschied zu Alloy: Die Dedicated Regions laufen zwar in den Data Center der Kunden, um den Betrieb der Cloud kümmert sich allerdings weiterhin Oracle. Das ist bei Alloy anders: Hier erhalten die Kunden den vorintegrierten Stack von Oracle an die Hand und sind auch selbst für den Betrieb verantwortlich.

„Heute gehen wir noch einen Schritt weiter, indem wir unseren Partnern die Möglichkeit geben, Cloud-Anbieter zu werden, damit sie neue Services schneller entwickeln und spezifische Markt- und Regulierungsanforderungen erfüllen können“, so Clay Magouyrk, Executive Vice President für den Bereich OCI. Als Cloud-Anbieter hätten Partner mehr Kontrolle über das Angebot für ihre Zielkunden oder -branchen, einschließlich des Standorts der Workloads und der Art und Weise, wie ihre Cloud betrieben wird.

Kunden fragen nach Branchen-Clouds

„Oracle Alloy könnte für Endkunden interessant sein, die ihre Cloud-Umgebungen in der Nähe haben möchten, sei es aus Gründen der Leistung, der wachsenden Datensouveränität oder einfach, um auf vertraute Beziehungen zu bestehenden Dienstanbietern zu setzen“, sagte Chris Kanaracus, Research Director bei IDC. Außerdem würden immer stärker branchenspezifische Cloud-Services nachgefragt. Die Cloud entwickele sich zunehmend zu einer Infrastruktur, die nicht an einen bestimmten Standort gebunden sei, sondern sich eher als ein konsistentes Betriebsmodell für die IT präsentiere. „Oracle Alloy spiegelt diese Trends wider.“

Aus Sicht von Gartner-Analyst Sid Nag hat Oracle zuletzt gegenüber den drei Hyperscalern AWS, Microsoft Azure und Google Cloud aufgeholt. Hinsichtlich des Stacks und der dazugehörigen Features müsse sich Oracle nicht mehr vor der Konkurrenz verstecken. Im Gegenteil. Mit dem Alloy-Angebot habe Oracle sogar die Nase vorn. Nag spricht sogar von einem Gamechanger. Ein vergleichbares Angebot finde sich nicht in den Cloud-Angeboten der Wettbewerber.

Aber es gibt auch Haken, schränkt Nag ein. Alloy könne nicht von jedem x-beliebigen Unternehmen aufgesetzt werden. Die Komplexität erfordere IT-Infrastrukturerfahrung. Es bleibe abzuwarten, wie viele Partner sich darauf einließen. Alloy sei definitiv nichts für kleine Dienstleister und Managed Service Provider (MSPs). Oracle will Alloy ab sofort anbieten, allerdings vorerst in einem begrenzten Umfang – wohl auch, um Erfahrungen zu sammeln und zu lernen, wie das Angebot angenommen wird. Ab Anfang 2023 soll Alloy dann in vollem Umfang allgemein verfügbar sein.