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ORCHIDEEN


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Obst & Garten - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 01.12.2022
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Orchideen gehören zu den beliebtesten Zimmerpflanzen, gelten aber auch als kompliziert in der Pflege. Dabei gibt es durchaus einige wenig anspruchsvolle Arten und Züchtungen – auch für den Garten.

ALLES ZUM THEMA

1. Orchideen für die Fensterbank

Mit etwas Pflege und dem Wissen um ihre Bedürfnisse sind sie langlebig und bilden jedes Jahr wieder Blüten.

2. Freilandorchideen

Am richtigen Standort bilden Frauenschuhe und Knabenkräuter mit den Jahren dichte Blütenteppiche.

3. So bleiben Orchideen fit

Substrat, Standort und Nährstoffversorgung sollten an den Naturstandort der Wildform angepasst sein.

1. Orchideen für die Fensterbank

VON PFLEGELEICHT BIS ANSPRUCHSVOLL

KATHARINA ADAMS

Orchideen gehören zu den beliebtesten Zimmerpflanzen, was angesichts ihrer prachtvollen Blüten kein Wunder ist. Mit etwas Pflege und dem Wissen um ihre Bedürfnisse sind sie langlebig und bilden jedes Jahr wieder Blüten.

Nicht alle ...

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... Orchideen-Gattungen eignen sich für die Kultur im heimischen Wohnzimmer, weil sie zum Beispiel eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit oder bestimmte Temperaturbereiche benötigen. Einige Gattungen haben sich aber als sehr wohnzimmertauglich herausgestellt und werden daher in großer Zahl vermehrt und angeboten. Ebenso wurden diese Gattungen und ihre Arten züchterisch bearbeitet, sodass es von ihnen eine Fülle Hybriden gibt. Zu den beliebtesten Orchideen für den Indoor-Bereich gehört sicherlich die pflegeleichte Schmetterlings-Orchidee (Phalaenopsis). Ähnlich pflegeleicht mit nahezu gleichen Ansprüchen sind auch die Trauben-Orchideen (Dendrobium). Die am häufigsten kultivierte Art ist mit ihrem kräftigen Stamm, an dem die Blüten sitzen. sieht hingegen der Phalaenopsis recht ähnlich. Schwieriger ist es, die Kahn-Orchideen als Zimmerpflanzen zu halten.

WIE EIN TROPISCHER SCHMETTERLING

Der Name der Schmetterlings-Orchideen (Phalaenopsis) leitet sich ab vom griechischen Wort „phálaina“ für Schmetterling. Schon die Zahl ihrer wild wachsenden Arten ist mit über hundert riesig. Hinzu kommen die unzähligen gezüchteten Sorten, die sicherlich in die Tausende gehen. Jedes Jahr kommen außerdem neue Züchtungen auf den Markt.

In ihrem angestammten Lebensraum, vor allem den Philippinen, aber auch Taiwan, Indonesien oder Neuguinea, wachsen Orchideen als Epiphyten in den Bäumen tropischer Wälder. Anders als bei den in Deutschland heimischen Orchideen handelt es sich also nicht um Erdorchideen mit unterirdischen Wurzeln, sondern um Pflanzen, denen das wenige Substrat in den Astgabeln der Bäume genügt, und deren Wurzeln sichtbar sind. Sie werden daher Luftwurzeln genannt. Damit fangen Phalaenopsis die Feuchtigkeit auf, die sich in der Mulde der Astgabel sammelt. Mit den Wurzeln halten sie sich auch am Stamm fest. Dabei schädigen sie ihren Wirtsbaum aber nicht. In der Natur sind Phalaenopsis streng geschützt. Alle Phalaenopsis, die heute in den Handel kommen, wurden im Labor vermehrt und nicht der Natur entnommen. Phalaenopsis gibt es in fast allen Farben. Manche Sorten besitzen mehrere Farben oder auch interessante Muster. Die Blüten sind gepunktet, getuscht oder getigert, manchmal laufen mehrere Farben ineinander. Die Farben können zum Rand hin heller oder dunkler werden.

Auch die Größe der Blüten kann ganz unterschiedlich sein. Von fingernagelklein bis handtellergroß ist alles möglich. Trotz der reichhaltigen Auswahl sind erstaunlicherweise Phalaenopsis mit weißen Blüten am beliebtesten. Manchmal werden auch Pflanzen mit blauen Blüten angeboten. Hierbei handelt es sich allerdings um eingefärbte Exemplare. Tinte im Gießwasser wird über die Wurzeln aufgenommen und bis in die Blütenblätter transportiert. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Was sich durch Züchtung verändert hat, ist nicht nur die Variationsbreite bei Farben und Formen, sondern auch die Blütenfülle. Hatten Phalaenopsis früher oft „nur“ eine einzelne Rispe mit bis zu zwanzig Einzelblüten, sind inzwischen zwei bis vier Rispen fast schon die Regel. Im Gegensatz zu den wilden Arten lassen sie sich problemlos auf jedem Fensterbrett halten und begeistern mit ihrer außerordentlich langen Blütezeit.

PHALAENOPSIS RICHTIG KULTIVIEREN

Phalaenopsis wachsen aus der Mitte heraus in die Höhe. Ihre Wurzeln sind fleischig dick, kaum verzweigt und vergrünen bei Lichtkontakt. An einem kurzen stabilen Stängel sitzen sich zwei bis sechs fleischige oder ledrige Blätter paarig gegenüber. Einige Züchtungen fallen durch marmoriertes Laub auf.

FRAUENSCHUHE FÜRS HAUS

Für die Kultivierung im Haus gibt es ein großes Sortiment an Frauenschuhen (Paphiopedilum), deren Wildarten vor allem aus Indonesien, Indien und den Philippinen stammen. Im Angebot sind wegen ihrer etwas höheren Standorttoleranz vor allem gezüchtete Hybriden. Paphiopedilum gedeihen auch abseits von Fenstern noch gut, dürfen aber gerade im Winter nicht zu dunkel stehen. Zudem verlangen sie hohe Luftfeuchtigkeit.

Schmetterlings-Orchideen sind an ein ganzjährig gleichmäßig warmes Klima ohne jahreszeitliche Schwankungen gewöhnt, was auch den Bedingungen in den Wohnhäusern entspricht. Daher sind sie perfekt für die Zimmerkultur geeignet, wenn man ein paar Punkte beachtet.

Am richtigen Standort mit einer Temperatur von mindestens 18 °C – auch nachts – kann die Phalaenopsis das ganze Jahr lang Blüten ausbilden. Tags-über sind Temperaturen von 20 bis 22 °C ideal. Wegen der hohen Sommertemperaturen in Europa fällt die Hauptblütezeit auf die Monate November bis April. Wenn die Temperaturen im Herbst fallen, bilden sich die neuen Blütenstiele. Meist dauert es dann vier bis fünf Monate, ehe sich die neuen Blüten entfalten.

Die Pflanzen bevorzugen ganzjährig einen hellen Standort mit Morgen- und Abendsonne. Direkte Mittagssonne an einem nach Süden ausgerichteten Platz ist ungeeignet. Optimal ist ein Platz am Fenster in Ostoder Westrichtung. Bei genügend Lichteinfall fühlen sich die Pflanzen aber auch an einem Nordfenster wohl. Achten Sie darauf, dass der Standort möglichst weder Zugluft noch starker Heizungsluft ausgesetzt ist. Gelbe Blüten und Knospenfall sind Anzeichen von zu niedrigen Temperaturen.

TAUCHEN STATT GIESSEN

In tropischen Wäldern herrscht eine hohe relative Luftfeuchtigkeit. Aus diesem Grund ist ein regelmäßiges Besprühen der Blätter empfehlenswert. Beim Gießen hingegen sollten Sie eher zurückhaltend sein. Es sollte nie Wasser im Untersetzer oder Übertopf stehen. Bewährt hat sich regelmäßiges Tauchen der Pflanzen anstatt Gießen. Während die Pflanze in voller Blüte steht, sollte sie nie ganz austrocknen, damit die Blüten nicht frühzeitig abfallen. Die Pflanze verdunstet über die Blüten viel Wasser.

Im Allgemeinen sollte man die Pflanzen tauchen oder gießen, wenn das Substrat im Topf trocken ist und die Wurzeln grün-silbrig werden. Das kann im Sommer bereits vier Tage nach dem letzten Gießen sein, im Winter aber auch zehn Tage. Stellen Sie die Pflanze beim Tauchen, wenn möglich, in ein Becken mit Regenwasser und belassen Sie sie etwa eine halbe Stunde darin, damit sich die Wurzeln mit Wasser vollsaugen können. Nehmen Sie die Orchidee dann heraus, lassen sie abtropfen und stellen Sie sie wieder zurück in den Übertopf. Geben Sie alle zwei bis drei Wochen Orchideendünger in der vom Hersteller angegebenen Konzentration zum Gießwasser.

ANSPRUCHSVOLLE KAHN-ORCHIDEEN

Während man sich bei Schmetterlings-Orchideen auch als absoluter Anfänger über üppige Blütenpracht freuen kann, sind die meisten anderen Zimmerorchideen anspruchsvoller und nehmen Pflegefehler schneller übel. Wer aber schon ein wenig Erfahrung gesammelt hat und über die richtigen Standortbedingungen verfügt, kann es mit einer der „schwierigeren“ Arten versuchen, z.B. der Kahn-Orchidee (Cymbidium). Deren Naturformen stammen aus Nordindien, Burma und Thailand, sind aber auch in Indonesien und Australien verbreitet. Sie werden bereits seit über 2000 Jahren in China kultiviert. Schon Konfuzius beschrieb die Gattung. Im Handel sind vor allem Hybriden, die schon etwas robuster und besser an die Zimmerkultur angepasst sind als die Wildformen. Trotzdem muss man einige grundsätzliche Dinge beachten.

Die kleineren Sorten eignen sich zwar für die Fensterbank, in beheizten Wohnräumen ist die Temperatur aber zu hoch. Tagsüber sollte es nicht wärmer als 16 bis 18 °C werden, nachts liegt die Temperatur idealerweise zwischen 10 bis 14 °C. Im Wintergarten oder im hellen, kühlen Treppenhaus ist der ideale Platz für sie. Im Sommer kann man sie auch draußen auf den Balkon oder die Terrasse stellen. Allerdings dürfen Kahn-Orchideen auch nicht in der prallen Sonne stehen. Ein Wintergarten mit Süd-Ausrichtung, der sich stark aufheizt, ist deshalb keine gute Wahl.

»Bei Phalaenopsis können sich auch absolute Anfänger über üppige Blütenpracht freuen.«

KATHARINA ADAMS

Fühlen sich Kahn-Orchideen wohl, wird man mit prachtvollen Blüten belohnt, die von der Form her an kleine Strelizienblüten erinnern. Sie entwickeln sich in dichten Rispen an kräftigen Stängeln zwischen dem riemenartigen Laub. Damit die Pflanzen im späten Winter oder zeitigen Frühjahr blühen, muss die Nachttemperatur im Herbst unbedingt auf 10 °C oder niedriger abgesenkt werden, denn nur so wird die Produktion von Knospen induziert. Sobald erste Knospen zu sehen sind, darf die Temperatur 14 °C nicht übersteigen.

In den Sommermonaten wird großzügig gegossen, im Herbst am kühlen Standort gar nicht, bis die ersten Blütenrispen sichtbar werden, danach wieder mehr. Zusätzlich wird alle 14 Tage gedüngt.

2. Kostbarkeiten für den Garten

Freilandorchideen

KATHARINA ADAMS

Orchideen wachsen nicht nur in den Tropen. Auch in Mitteleuropa gibt es erstaunlich viele Gattungen, die man auf Wiesen oder in Wäldern findet. Sie sind streng geschützt. In den Garten kommen daher nur Pflanzen aus dem Handel.

Online-Inhalte

Weitere Artporträts und Gärtnereien mit Spezialisierung auf Orchideen finden Sie auf mit dem Webcode 7030 (ins Suchfeld eingeben).

Ihre Blütenpracht ist zwar nicht so spektakul är wie die der tropischen Vertreter, doch sie haben ihren ganz eigenen Reiz. Bei genauem Hinschauen erkennen Sie faszinierende Blütenformen, beispielsweise beim Frauenschuh (Cypripedium), dessen Blütenlippen tatsächlich wie Schuhe, genauer wie Pantoffeln, geformt sind. Die einzelnen Blüten der bekanntesten und am häufigsten vorkommenden Gattung, der Knabenkräuter (Dactylorhiza), sind hingegen weniger auffällig. Dafür sitzen sie sehr zahlreich in dichten Ähren an kräftigen Stängeln. In größeren Gruppen gepflanzt bieten sie einen fantastischen Anblick.

PANTOFFEL MIT GLAMOUR

Der Frauenschuh fühlt sich unter dem lichten Blätterdach locker stehender Gehölze wohl. Dort, wo Buschwindröschen und Leberblümchen den Frühling einläuten, sorgt der Frauenschuh im Sommer zusammen mit niedrigen Farnen und attraktiven Gräsern für frische Farben im Unterholz. Der heimische Gelbe oder Europäische Frauenschuh (Cypripedium calceolus) ist regional auch unter dem Namen Marien-Frauenschuh bekannt und wird dort der Jungfrau Maria geweiht.

Mit seinen großen auffallenden Blüten kommt er der Blütenpracht der tropischen Vertreter schon sehr nahe. Die leuchtend gelbe Lippe wird von braunvioletten, sogenannten Perigonblättern ergänzt. Der Frauenschuh ist, wie alle heimischen Orchideen, streng geschützt und darf auf gar keinen Fall ausgegraben und in den Garten umgesiedelt werden. Wer den heimischen Frauenschuh im Garten kultivieren möchte, findet entsprechende Pflanzen aus züchterischer Vermehrung in Staudengärtnereien oder bei spezialisierten Orchideenzüchtern.

Das nordamerikanische Pendant des Europäischen Frauenschuhs ist der Königin-Frauenschuh (Cypripedium reginae), dessen pantoffelförmige Lippe violettrosa schimmert und von weißen Perigonblättern eingerahmt wird.

Beide Arten wachsen in nicht zu trockenen Laubwäldern, an Waldrändern und auf Wiesen bis in Höhelagen von etwa 600 m. Bevorzugt werden neutrale bis kalkhaltige Böden. Im Garten sollte man ihnen Standorte bieten, die eher kühl und nicht der Mittagssonne ausgesetzt sind. Für heiße, trockene Standorte ist der Frauenschuh nicht geeignet. Gut geeignet sind Nordlagen, z.B. am Haus, wo sie nur in den Morgenund Abendstunden Sonne abbekommen. Ihre Blütezeit liegt im Mai und Juni.

PRÄCHTIGE ZÜCHTUNGEN

Eine Bereicherung für Gartenbesitzer sind die seit etlichen Jahren erhältlichen Cypripedium-Hybriden, die viele neue Farbkombinationen bieten. Zudem sind sie im Vergleich zu den Wildformen robuster, wüchsiger und toleranter, was die Standortbedingungen betrifft. In Deutschland züchtet Michael Weinert aus Dietramszell seit Jahrzehnten erfolgreich Frauenschuhe. Er hat ein großes Sortiment an Hybriden auf den Markt gebracht, die ein großes Farbspektrum abdecken.

Cypripedium calceolus sehr ähnlich ist ‘Hank Small’: Die Blütenfarben sind identisch, die Pflanzen bilden aber größere Bestände. ‘Mother Earth’ besitzt hingegen vanillegelbe Lippen auf besonders langen Stängeln und wirkt dadurch außerordentlich elegant. Violett- und Rosatöne finden sich unter anderem bei ‘Henric’, ‘Harlequin’, ‘Bernd’ oder ‘Gisela’. Es gibt aber auch weiß blühende Sorten und solche mit getupften oder gestreiften Lippen. Alle Hybriden zeichnen sich durch ihren kräftigen Zuwachs aus und können in wenigen Jahren recht große Bestände bilden.

»Frauenschuhe bevorzugen neutrale bis kalkhaltige Böden.«

KATHARINA ADAMS

KNABENKRÄUTER LIEBEN ES FEUCHT

Auch die Knabenkräuter (Dactylorhiza) sind recht pflegeleicht. Sie wachsen problemlos an sonnigen Standorten mit frischem bis leicht feuchtem Boden. Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) beispielsweise bietet einen sehr beeindruckenden Anblick mit seinen kräftigen riemenförmigen, braun gefleckten Blättern. Die Blüten sind rosa- bis purpurrot und besitzen eine ausdrucksvolle Zeichnung. Auf einer ausreichend feuchten Blumenwiese fühlt es sich zwischen Trollblume, Hahnenfuß und Wieseniris wohl. Dort bildet es Jahr für Jahr größere Bestände. Das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) kommt besser mit etwas trockeneren Standorten zurecht. Die zahlreichen, in walzenförmigen Ähren sitzenden Blüten dieser Art sind hellrosa, wodurch ihre wunderschöne dunkelrote Zeichnung besonders auffällt. Beide Arten verlangen einen kalkhaltigen Boden. Pflanzen Sie sie also nicht in Sumpfbeete mit saurem Boden.

Auch für Knabenkräuter gilt: Entnehmen Sie niemals Pflanzen aus der Natur, denn sie stehen unter strengem Naturschutz. Mit kräftigen und gesunden Exemplaren aus gärtnerischer Vermehrung haben Sie dauerhaft Freude an Ihren heimischen Schätzen. Inzwischen wurden auch besonders robuste Hybriden gezüchtet.

Heimische Raritäten

ZUM THEMA

DEZEMBER 2022

In spezialisierten Gärtnereien finden Sie ein breites Sortiment an Gartenorchideen; vor allem der heimischen Gattungen Orchis beziehungsweise Dactylorhiza (beide unter dem deutschen Namen Knabenkraut geführt), Epipactis (Stendelwurz) und Ragwurz (Ophrys; Bild rechts).

3. So bleiben Orchideen gesund

PFLANZEN UND PFLEGEN

KATHARINA ADAMS

Substrat, Standort, Nährstoffversorgung: Damit Orchideen auf Dauer gesund, kräftig und blühfreudig bleiben, sollten Sie Ihnen Bedingungen schaffen, die denen an den Wildstandorten möglichst nahe kommen.

Die züchterisch bearbeiteten Hybriden sind im allg emeinen weniger heikel und kommen auch mit weniger so perfekten Bedingungen zurecht als die Wildformen. Trotzdem lohnt sich eine gute Bodenvorbereitung vor der Pflanzung von Freiland-Orchideen, aber auch die Auswahl des richtigen Substrates für Zimmer-Orchideen.

FRAUENSCHUHE IM GARTEN PFLANZEN

Michael Weinert, Staudengärtner und Frauenschuh-Experte aus Dietramszell, gibt wichtige Tipps für das richtige Pflanzen und die anschließende Pflege von Frauenschuhen. Es gibt einige Besonderheiten zu beachten, denn die Freiland-Orchideen haben ein etwas anderes Wachstumsverhalten als die meisten anderen Stauden:

• Der Spross der Pflanze wächst nicht das ganze Jahr über, sondern ist nach dem Austrieb fertig ausgebildet. Die Pflege im laufenden Jahr entscheidet dann, wie groß der Trieb im nächsten Jahr wird und ob er blüht.

• Im Sommer bildet die Pflanze die Sprossknospe für das Folgejahr sowie neue Wurzeln. In dieser Phase sind gute Wachstumsbedingungen besonders wichtig.

• Der beste Pflanztermin ist Herbst. Graben Sie eine 10 cm tiefe und ebenso breite Mulde, sodass Sie die Wurzeln der Pflanze flach darin ausbreiten können. Die Triebknospe zeigt nach oben und soll sich 2 bis 3 cm unter der Erdoberfläche befinden.

• Dichte und schwere Böden mit Gefahr von Staunässe lockert man vorher mit gebrochenem Blähton oder gebrochener Lava (Mischung ca. 1:1).

• Bei sehr leichten, sandigen Böden, die schnell austrocknen, kann die Wasserspeicherung durch Einmischen von Seramis oder Perlit erhöht werden.

• Im ersten Winter kann eine Abdeckung mit Nadelreisig hilfreich sein, ansonsten sind Frauenschuhe aber hierzulande völlig winterhart.

• Bei späten Frösten oder Schneefall im Frühling, wenn sich schon der erste Austrieb gebildet hat, schützen Sie die Pflanzen mit umgedrehten Eimern oder einem Vlies.

Für kräftiges Wachstum sind regelmäßige Gaben von jedem üblichen Gartendünger zum Streuen im Frühjahr wichtig, am besten Dünger mit Langzeitwirkung. Geben Sie die gleiche Menge wie bei anderen Stauden auch, nicht weniger. Nach der Blüte ist der Nährstoffbedarf gering, im Austrieb dagegen hoch. Die Blattfarbe ist dabei ein guter Indikator und sollte immer grasgrün sein. Helles Laub bedeutet Nährstoffmangel oder zu viel Sonne. Kompostgaben sind nicht empfehlenswert. Verwenden Sie keinen Orchideendünger – er liefert den Frauenschuhen zu wenige Nährstoffe. Der Boden sollte nie ganz austrocknen, daher ist in trockenen Sommern sanftes Überbrausen empfehlenswert.

Im Herbst werden die Sprosse braun. Zu diesem Zeitpunkt werden sie schräg aus dem Boden gezogen oder abgeschnitten. Alle paar Jahre sollten Cypripedium-Horste geteilt werden, damit sie vital und gesund bleiben. Frauenschuhe lassen sich gut mit kleinen Farnen und Schattengräsern vergesellschaften. Achten Sie aber darauf, dass Sie keine starkwüchsigen Arten verwenden, denn die Orchideen werden nicht gern von anderen Pflanzen bedrängt.

SO GEDEIHEN EPIPHYTEN AUCH IM TOPF

Anders als Orchideen, die am Boden in der Erde wachsen, benötigen die Wuzeln der Epiphyten Luft. Die Wildformen der klassischen Zimmerorchideen Phalaenopsis und Dendrobium klammern sich damit in der Natur am Baum fest und nehmen die Nährstoffe aus dem Regen und herabrieselndem, verrottendem Pflanzenmaterial auf. In übliche Blumenerde gepflanzt, faulen ihre Wurzeln recht schnell und die Pflanzen sterben ab.

Aus diesem Grund gibt es spezielle Orchideensubstrate, die aus sehr grobem Material bestehen und immer genügend Luft an die Wurzeln lassen. Ihre Hauptbestandteile sind Rinde und Torf, wobei Torf inzwischen häufig durch Kokosfasern ersetzt wird. Für eine optimale Belüftung werden noch Perlite, Lava oder Kork beigemischt.

In der Regel werden die Pflanzen in lichtdurchlässigen Töpfen herangezogen und verkauft, was auch sinnvoll ist, weil die Wurzeln auch am Naturstandort einem zumindest diffusen Licht ausgesetzt sind. Daher sollte auch der Übertopf vom Durchmesser so groß gewählt werden, dass noch ein Daumen zwischen Innenund Übertopf passt. Sehr gut gedeihen Epiphyten in halbtransparenten Übertöpfen, die mehr Licht an die Wurzeln lassen. Es gibt dekorative Modelle aus Glas und Kunststoff.

Ungefähr alle zwei bis drei Jahre sollten die Pflanzen umgetopft und in ein frisches Substrat gesetzt werden.

»Frauenschuhe bilden im Sommer die Sprossknospe für das Folgejahr.«

KATHARINA ADAMS

Das alte Substrat gehört komplett entfernt. Gehen Sie dabei aber vorsichtig vor, denn die Wurzeln brechen leicht, wenn man sie unsanft behandelt. Bei der Gelegenheit entfernen Sie gleich beschädigte, angefaulte und eingetrocknete Wurzeln. Anschließend pflanzen Sie die Orchidee in frisches Substrat. Verwenden Sie die gleiche Topfgröße wie vorher, gerne aber einen höheren Topf, falls die Pflanze sich vorherin einem „normal“ hohen befand. Achten Siedarauf, dass sich das Substrat überall gleichmäßig verteilt.

Nach dem Umtopfen oder Pflanzen wird die Orchidee inden ersten Wochen nicht angegossen oder getaucht, sondernlediglich ausgiebig besprüht. Das regelmäßige Besprühen tut den Pflanzen generell gut, denn eser-höhtdie Luftfeuchtigkeit, die in unserenen Wohn-zimmernsonst eher niedrig ist. Für die Nährstoffversorgung gibt es spezielle Orchideendünger,r, diezumTeilmit Mikroorganismen angereichert sind. DiemeistenDünger sind Flüssigdünger und werden ambestenbei jedem zweiten Gießen oder Tauchen nach Herstellerangabendem Gießwasser beigemischt.