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Organspende rettet Leben


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 20/2022 vom 11.05.2022
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Bildquelle: Frau im Spiegel, Ausgabe 20/2022

SELBST IST DIE FRAU Kati Wilhelm hat sich längst einen Organspendeausweis besorgt

Kati Wilhelm, 45

Hat sich engagiert

„Es ist wichtig, die Entscheidung zu treffen“

Die Olympiasiegerin und ARD-Biathlon-Expertin beteiligte sich 2013 an der Kampagne „Das trägt man heute: den Organspendeausweis“. Bei einem Interview sagte sie: „Ich finde es wichtig, dass man eine Entscheidung trifft.“ Denn ohne den Organspendeausweis müssten ja andere im Ernstfall für sie entscheiden. Dieser schwierige Moment bliebe ihren Lieben erspart. Denn Kati hat den Ausweis längst.

Es ist ein Thema, über das bei uns noch viel zu wenig gesprochen wird. Und doch wären laut Umfragen mehr als 80 Prozent der Deutschen bereit, ihre Organe zu spenden. Tatsächlich einen Organspendeausweis besitzt laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung jedoch nur ein gutes Drittel der Bevölkerung. Dr. Ebru Yildiz, Leiterin des Westdeutschen Zentrums für Organtransplantation, überrascht daskeineswegs. „Wer an einem ...

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... schönen Frühlingstag vor dem Supermarkt nach seiner Spendenbereitschaft gefragt wird, sagt spontan Ja. Diese dann auch zu dokumentieren ist vielen aber zu aufwendig. Es sind auch noch zu viele Fragen in den Köpfen der Menschen.“ Tatsächlich liegt Deutschland in der Organspenderstatistik weit hinter anderen Ländern zurück. Laut Eurotransplant warteten bei uns am 1. Januar 2022 immerhin 8458 Menschen auf ein Spenderorgan. Mit dem seit März 2022 in Kraft getretenen „Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende“ sollen die Deutschen jetzt mit mehr Informationen versorgt werden (siehe Kasten rechts). Es bleibt jedoch dabei, dass wir uns aktiv für oder gegen eine Spende entscheiden müssen.

Zahl der Woche 8458

Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für eine Organspende

Andere Länder, andere Bestimmungen

Bei unseren europäischen Nachbarn ist das ganz anders geregelt: In den meisten Ländern wird man automatisch zum Organspender, wenn man nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. So sind Menschen zum Beispiel in Österreich oder Spanien eher dazu gezwungen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. In Ländern wie Griechenland oder Italien gilt ebenfalls diese Widerspruchsregelung, allerdings können Angehörige im Fall des Todes noch gegen die Organentnahme stimmen. Übrigens: In Sachen Organspende gelten die Regeln des Landes, in dem man sich aufhält, wenn der Ernstfall eintritt. Deshalb sollte man sich auch vor Reisen damit beschäftigen und dokumentieren, ob man für oder gegen die Spende ist.

Besser informieren, Ängste nehmen

Na klar, es beschäftigt sich niemand gern mit dem eigenen Tod. Oder noch schlimmer: Dem Tod naher Angehöriger, für die man dann entscheiden muss, ob ihre Organe gespendet werden oder nicht – es sei denn, sie haben das im Vorfeld selbst geregelt. Doch wer sich gut informiert, kann angstfrei einen Organspendeausweis ausfüllen. Hier beantwortet Dr. Ebru Yildiz vom Westdeutschen Zentrum für Organtransplantation die wichtigsten Fragen.

Wer darf ein Spender werden?

Jede Person ab 16 Jahre kann sich registrieren – und es ist nie zu spät dafür: „Wir beobachten zunehmend, dass die Organspender immer älter werden“, sagt Dr. Yildiz. „Es wurden auch schon über 90-jährigen Verstorbenen Organe entnommen. Das ist keine Frage des Alters, sondern es geht darum, wie der Spender gelebt hat, ob er gute Gene mitbringt.“ Ausschlusskriterien sind aber eine akute Krebserkrankung oder wenn jemand HIV-positiv ist. Bei allen anderen Erkrankungen oder auch Rauchern entscheiden die Ärzte je nach Befund, ob die Organe gespendet werden können.

Wird im Ernstfall wirklich alles für den Spender getan?

„Diese Angst haben viele Menschen, aber ich kann mit Sicherheit sagen: Ja, es wird alles getan!“, betont Dr. Ebru Yildiz. Vielmehr sei die Beurteilung, dass jemand als Organspender infrage kommt, ein Zeichen dafür, dass der Patient oder die Patientin zuvor eine optimale intensivmedizinische Versorgung bekommen hat. „Denn dann ist die Organfunktion gut erhalten.“

Malu Dreyer, 61

Gibt Unterstützung

„Gehört mehr in den Fokus“

Gern wäre die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz selbst vor Ort in Mainz gewesen, um 2021 den Startschuss zum „Corza Medical Organspendelauf“ zu geben. Doch der fand Coronabedingt nur virtuell satt. Sie schickte zur Unterstützung eine Videobotschaft: Der Lauf sei eine gute Möglichkeit, Organtransplantation in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

DAS IST NEU 2022

Mit dem „Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende“ sollen die Deutschen seit 1. März mit mehr Infos versorgt und regelmäßiger zur Spendenbereitschaft befragt werden.

Hausärzte können nun ihre Patienten alle zwei Jahre über die Voraussetzungen und Möglichkeiten einer Organspende beraten.

Ämter sollen Infomaterial und Anträge für Organspendeausweise aushändigen und auf das Organspende-Register hinweisen.

Dieses Register kommt voraussichtlich Ende 2022. Spender registrieren sich online und z. B. Kliniken rufen die Daten im Notfall ab.

Nach wie vor ist der Organspendeausweis auf organspende-info. de bestellbar.

Ivan Klasnić, 42

Hat selbst Spendernieren

„Jeder sollte mitmachen“

Der Ex-Bundesliga-Star sagt klar: „Ich bin dafür, gleich mit der Geburt zum Organspender gemacht zu werden. Das würde viele Menschenleben retten.“ 2007 wurde bei dem Fußballer eine schwere Nierenerkrankung festgestellt. Seitdem unterzog er sich drei Nierentransplantationen. Trotzdem konnte er noch bis 2013 als Fußball-Profi aktiv bleiben.

WAS KANN ALLES VERWENDET WERDEN?

Organe: Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Darm werden über die Deutsche Stiftung Organtransplantation vermittelt. Nieren und Teile der Leber werden in Deutschland auch lebend gespendet. Theoretisch ist auch die Lebendspende eines Teils der Lunge, des Dünndarms und der Bauchspeicheldrüse möglich.

Gewebe: Augenhornhaut, Dünndarm, Knochen, Knorpel, Haut, Herzklappen, Blutgefäße und Pankreas-Inselzellen werden über Gewebebanken vermittelt. Herzklappen oder Hüftknochen können auch als Lebendgewebespende entnommen werden – etwa wenn die Herzklappen eines erkrankten, entnommenen Herzens noch intakt sind.

Bin ich wirklich tot?

Auch diese Frage stellen sich viele Menschen. Das lässt sich ebenfalls mit Ja beantworten, so Dr. Yildiz. Voraussetzung für eine Organspende sei, dass die komplette Hirnfunktion unumkehrbar ausgefallen ist. Dies wird von zwei Fachärzten unabhängig voneinander festgestellt. In einer zweiten Untersuchung überprüfen wieder zwei Fachärzte die Unumkehrbarkeit des Funktionsausfalls. Die Kriterien dafür sind durch das Transplantationsgesetz vorgegeben.

Dürfen mir als Spender alle Organe entnommen werden?

Nein. Auf der Rückseite des Organspendeausweises hat man mehrere Optionen zur Auswahl: „Ja, ich spende alle Organe bzw. Gewebe“, „Ja ich spende alles außer …“, und „Ich spende nur …“

Wie läuft eine Organspende ab?

Nachdem der Wille des verstorbenen Patienten anhand einer Patientenverfügung oder eines Organspendeausweises ermittelt werden konnte oder – falls zu Lebzeiten keine Entscheidung getroffen wurde – die Angehörigen der Organspende zugestimmt haben, wird untersucht, ob der Verstorbene als Spender infrage kommt. Dafür werden zum Beispiel Blutuntersuchungen vorgenommen. Dann informiert die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) die internationale Organvermittlungsstelle Eurotransplant (ET). Die sucht nach einem passenden Empfänger auf der Warteliste. „Die Kriterien dafür: Erfolgsaussicht und Dringlichkeit“, sagt Dr. Ebru Yildiz. Die Organentnahme organisiert die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Nach dem Eingriff wird das Organ gekühlt und schnellstens zum ermittelten Transplantationszentrum gebracht.

Haben Angehörige genug Zeit, sich zu verabschieden?

Der Zeitdruck bei Organspende und Transplantation des Organs klingt nach viel Hektik. Bleibt da überhaupt noch genug Zeit für die Angehörigen, Abschied zu nehmen? Aber ja, beruhigt Dr. Yildiz. „Früher ist man erst nach dem Hirntod auf die Angehörigen der Patienten zugegangen und hat gefragt, ob eine Organspende der Wille gewesen ist. Jetzt versuchen wir, die Angehörigen früher anzusprechen, dann, wenn der Tod absehbar wird.“ Damit sie mehr Zeit haben, sich mit der Idee vertraut zu machen. Aus medizinischer Sicht liegen dann zwischen Hirntod und Entnahme je nach Organ drei bis sechs Stunden. Die Angehörigen bekommen aber immer so viel Zeit, wie sie möchten – und auch die Möglichkeit, sich auch nach der OP nochmals zu verabschieden.

Welche Fortschritte hat die Transplantationsmedizin gemacht?

„Inzwischen schaffen wir es, von einem fremden, also genetisch nicht verwandten Menschen, Material einzubauen, ohne dass es abgestoßen wird“, berichtet Dr. Yildiz. Zu verdanken ist das modernen Medikamenten, sogenannten Immunsuppressiva, die das Immunsystem unterdrücken. Denn dieses erkennt das Spenderorgan als fremd an und versucht es zu bekämpfen – eben genau wie Keime und Krankheitserreger.

Faszinierend ist zudem, dass es heutzutage bei der Lebendspende einer Niere möglich ist, entgegen der eigenen Blutgruppe zu spenden. Dr. Ebru Yildiz erklärt, was das bedeutet: „Wenn mein Partner eine andere Blutgruppe hat, könnte er mir trotzdem seine Niere spenden. Auch da ist die Medizin immunologisch sehr weit fortgeschritten.“

Jürgen Vogel, 54

Rettete seine Schwester

„Keine Sekunde gezögert“

Mit einer Knochenmarkspende half der Schauspieler 1990 seiner Schwester, die lebensgefährlich an Leukämie erkrankt war. Er hätte damals keine Sekunde überlegen müssen, sagte er in einem Interview. Seitdem sei Organspende ein zentraler Punkt in seinem Leben. Schon jahrelang setzt sich Jürgen Vogel immer wieder für den Verein Junge Helden ein, um auf das Thema aufmerksam zu machen.