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Orientalische Disney-Magie »Aladdin« im Stuttgarter Apollo Theater


blickpunkt musical - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 25.05.2019
Artikelbild für den Artikel "Orientalische Disney-Magie »Aladdin« im Stuttgarter Apollo Theater" aus der Ausgabe 3/2019 von blickpunkt musical. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

›Arabische Nächte‹ in der erfundenen Stadt Agrabah verspricht Dschinni (Maximilian Mann, Mitte, mit Ensemble) dem Publikum


Foto: Deen van Meer

Die Karawane zieht weiter: Am 21. März feierte das Disney-Musical »Aladdin« nach seiner deutschsprachigen Erstaufführung in Hamburg (2015) jetzt im Apollo Theater Stuttgart Premiere. Mit 51 Vierzigtonnern ist die sagenhafte Stadt Agrabah mit ihren tanzenden Türmen und Hunderten von Kostümen von Hamburg nach Stuttgart umgezogen.

»Aladdin« ist eine aufwendig gestaltete, farbenfrohe Show mit Akrobatik, orientalischen und balkanesischen Tanzelementen, kombiniert mit ...

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... Modern Dance (›Arabische Nächte‹) und großer Steppnummer à la »42nd Street«, die auch in Stuttgart ein tanzstarkes Ensemble präsentiert. Die Handlung basiert lose auf der Erzählung »Aladin und die Wunderlampe« aus der Märchensammlung »Tausendundeine Nacht« und die Optik folgt dem Disney-Animationsfilm von 1992.

Ein wichtiges Kennzeichen des Musicals ist die Selbstironie, die das Musicalgenre, speziell das Disney-Musical liebevoll »auf die Schippe nimmt«: Da ist Agrabah auch die Stadt der Kuschelballaden, in die man als Fremder kommt und als Musicalfreund geht. Damit entgeht Disney aber auch der Gefahr, dass sein Orientbild kritisch hinterfragt wird, betont Dschinni doch ausdrücklich, dass Agrabah eine »frei erfundene« Stadt ist.

Bestimmt wird das Bühnenbild von Bob Crowley durch die programmierten »tanzenden Türme«, die automatisch wachsen, sich öffnen, Durchgänge freigeben, sodass Darsteller verschwinden können. Schwarze Silhouetten und Arabesken-Ornamentwände, kombiniert mit farbig beleuchteter Operafolie, bilden den Hintergrund des Bühnenbildes. Gegen die farbenprächtigen orientalisch-indischen Kostüme (Jack Galloway), die von Kopf bis Fuß reich bestickt und mit Swarowski-Steinen besetzt sind, heben sich die martialischen Harnische der Palastwache ab, die an die mongolischen Reiter Dschingis Khans denken lassen. Ganz so abwegig ist das nicht, gilt doch Usbekistan als Ursprungsland der Märchensammlung aus »Tausendundeine Nacht«.

»Aladdin« feierte 2014 am Broadway Premiere. Die Liedtexte der deutschen Adaption erstellten Kevin Schroeder und Heiko Wohlgemuth, die Dialoge Ruth Deny. In Letzteren wurden für die Stuttgarter Premiere die größten Änderungen, genauer lokale Anpassungen und Aktualisierungen vorgenommen. Als angebliches »berühmtestes Sternzeichen der Welt«, für das Agrabah berühmt sei, hält Flaschengeist Dschinni (Maximilian Mann), der zugleich zentraler Antrieb und Erzähler der Geschichte ist, den Mercedes-Stern hoch. Der jeweilige Dschinni-Darsteller (Tobias Weis spielt die Rolle alternierend) ist offenbar frei, den Text etwas zu variieren. Auch die schwäbische Mundart und Anspielungen auf den Standort finden sich im Stuttgarter »Aladdin«. Als Aladdin seinen neuen Freund Dschinni überlistet, sodass dieser ihn aus der Höhle befreit, ohne dass der neue Meister der Lampe einen Wunsch opfern muss, da nennt er ihn voll Hochachtung »Käpsele«, was so viel wie »cleveres Kerlchen« meint.

Aladdin wird verkörpert von Philipp Büttner, der den naiv, klugen Dieb mit sozialer Ader und Ambi-tionen zu Höherem (›Stolz auf deinen Sohn‹) bereits in Hamburg gespielt hat. Anfangs noch etwas unsicher im Schauspiel wirkend, beweist Büttner spätestens ab dem 2. Akt, dass er in der Rolle in den letzten Jahren gewachsen ist und der Figur, auch im Zusammenspiel mit der Stuttgarter Jasmin, Nienke Latten, liebenswert »Aladdin« ist eine aufwendig gestaltete, farbenfrohe Show mit Akrobatik, orientalischen und balkanesischen Tanzelementen, kombiniert mit Modern Dance (›Arabische Nächte‹) und großer Steppnummer à la »42nd Street«, die auch in Stuttgart ein tanzstarkes Ensemble präsentiert. Die Handlung basiert lose auf der Erzählung »Aladin und die Wunderlampe« aus der Märchensammlung »Tausendundeine Nacht« und die Optik folgt dem Disney-Animationsfilm von 1992.

Ein wichtiges Kennzeichen des Musicals ist die Selbstironie, die das Musicalgenre, speziell das Disney-Musical liebevoll »auf die Schippe nimmt«: Da ist Agrabah auch die Stadt der Kuschelballaden, in die man als Fremder kommt und als Musicalfreund geht. Damit entgeht Disney aber auch der Gefahr, dass sein Orientbild kritisch hinterfragt wird, betont Dschinni doch ausdrücklich, dass Agrabah eine »frei erfundene« Stadt ist.

Bestimmt wird das Bühnenbild von Bob Crowley durch die programmierten »tanzenden Türme«, die automatisch wachsen, sich öffnen, Durchgänge freigeben, sodass Darsteller verschwinden können. Schwarze Silhouetten und Arabesken-Ornamentwände, kombiniert mit farbig beleuchteter Operafolie, bilden den Hintergrund des Bühnenbildes. Gegen die farbenprächtigen orientalisch-indischen Kostüme (Jack Galloway), die von Kopf bis Fuß reich bestickt und mit Swarowski-Steinen besetzt sind, heben sich die martialischen Harnische der Palastwache ab, die an die mongolischen Reiter Dschingis Khans denken lassen. Ganz so abwegig ist das nicht, gilt doch Usbekistan als Ursprungsland der Märchensammlung aus »Tausendundeine Nacht«.

»Aladdin« feierte 2014 am Broadway Premiere. Die Liedtexte der deutschen Adaption erstellten Kevin Schroeder und Heiko Wohlgemuth, die Dialoge Ruth Deny. In Letzteren wurden für die Stuttgarter Premiere die größten Änderungen, genauer lokale Anpassungen und Aktualisierungen vorgenommen. Als angebliches »berühmtestes Sternzeichen der Welt«, für das Agrabah berühmt sei, hält Flaschengeist Dschinni (Maximilian Mann), der zugleich zentraler Antrieb und Erzähler der Geschichte ist, den Mercedes-Stern hoch. Der jeweilige Dschinni-Darsteller (Tobias Weis spielt die Rolle alternierend) ist offenbar frei, den Text etwas zu variieren. Auch die schwäbische Mundart und Anspielungen auf den Standort finden sich im Stuttgarter »Aladdin«. Als Aladdin seinen neuen Freund Dschinni überlistet, sodass dieser ihn aus der Höhle befreit, ohne dass der neue Meister der Lampe einen Wunsch opfern muss, da nennt er ihn voll Hochachtung »Käpsele«, was so viel wie »cleveres Kerlchen« meint.

Aladdin wird verkörpert von Philipp Büttner, der den naiv, klugen Dieb mit sozialer Ader und Ambi-tionen zu Höherem (›Stolz auf deinen Sohn‹) bereits in Hamburg gespielt hat. Anfangs noch etwas unsicher im Schauspiel wirkend, beweist Büttner spätestens ab dem 2. Akt, dass er in der Rolle in den letzten Jahren gewachsen ist und der Figur, auch im Zusammenspiel mit der Stuttgarter Jasmin, Nienke Latten, liebenswert

Sein Debüt in der Rolle des Dschinni gibt Maximilian Mann, der mit spürbarer Freude über die Bühne wirbelt und seine Pointen als Dschinni an der Medien-premiere bereits gut setzt. Eigens für die Rolle ließ er seine Haarpracht fallen und macht auch ohne Fatsuit als geistreicher, manchmal etwas überdrehter Flaschengeist eine präsente Figur. Das gilt auch für die Cha-Cha-Cha- und Stepp-Schritte in der Jazz-Nummer in der Höhle der Wunder (›So ‘nen Kumpel hattest du noch nie‹). Hier hält er nicht nur eine – trotz Aktualisierungen – veraltete Verkaufsshow ab, sondern präsentiert eine ironische Disney-Hommage mit eingebauten Song-Zitaten (unter anderem aus »Die Schöne und das Biest«, »Pocahontas« oder »Das Dschungelbuch«). Alan Menken und Howard Ashman vereinen in dieser Nummer, die immer wieder ein Highlight ist, Hollywoodsound und Jazz der 1920/30er Jahre.

Eine Fehlbesetzung ist leider Paolo Bianca. Auch wenn der Darsteller optisch in die Figur des bösen Großwesirs Dschafar passt, so fehlt ihm das Charisma, das die Rolle braucht. Leider unterstreicht sein starker Akzent den lächerlich verkleideten Eindruck auch noch. Dabei hätte er der Rolle im Stil eines gefährlichen Mafiosi durchaus einen besonderen Touch verleihen können. Eric Minsk hat die Figur des Jago ebenfalls schon in Hamburg verkörpert und spielt mit traumwandlerisch sicherem Timing – manchmal etwas überdreht, aber immer passend für den Gehilfen des Zauberers – seinen Herrn und Meister Dschafar stellenweise ungewollt an die Wand.

Ein Lichtblick ist dagegen Claus Dam als Sultan, der den gutmütigen Herrscher des Landes gegenüber Hamburg etwas stärker auftreten lässt, sodass die Auseinandersetzungen mit seiner Tochter glaubhafter wirken.

Herrlich ergänzen sich im Zusammenspiel die drei Freunde Aladdins, der verfressene Babkak (Rafaël van der Maarel), der ein wenig an Porthos aus »3 Musketiere« erinnert, der divenhafte, flinke Omar (Robin Cadet) und der etwas mürrische Kraftprotz Kassar (Nicolas Boris Christahl), der gegen Lactose allergisch ist. Insbesondere Nicolas Boris Christahl beeindruckt mit Bühnenpräsenz und Stimmfülle. Großen Spaß machen die Drei auch in der swingenden 1930er-Nummer: ›Wie gut wir uns versteh‘n‹ zusammen mit Dschinni und Aladdin, in der sich alle über die Befreiung des Flaschengeistes freuen. »Ein echter Ohrwurm« ist neben ›Arabische Nacht‹ und ›So‘nen Kumpel hattest Du noch nie‹ – wie Dschinni richtig feststellt – auch ›Prinz Ali‹, bei der wie in einer Hollywoodrevue Auftritte hintereinander folgen. Das verlangt von den Darstellern unzählige Umzüge. Zum Teil werden deshalb drei Kostüme übereinander getragen, damit die Quickchanges schneller gehen. ›In meiner Welt‹ ist eine der besagten »Kuschelballaden« und bildet mehr oder weniger den Hintergrund einer der faszinierendsten Szenen. Wenn der Teppich über den LED-Sternenhimmel schwebt, dann ist das gelungene Disney-Magie.

Abb. unten von oben links:
1. ›So ‘nen Kumpel hattest du noch nie‹ – Dschinni (Maximilian Mann, hinten l.) inszeniert für Aladdin (Philipp Büttner, hinten r.) eine Show vom Feinsten
2. Aladdin (Philipp Büttner) findet die goldene Lampe in der Höhle der Wunder
3. Der Straßendieb (Philipp Büttner) und die verkleidete Prinzessin kommen sich in den Straßen von Agrabah näher
4. Verbotenerweise in den Gemächern von Prinzessin Jasmin (Nienke Latten), versucht der vermeintliche Prinz Ali (Philipp Büttner), sie für sich zu gewinnen
5. ›In meiner Welt‹ – Aladdin (Philipp Büttner) mit Prinzessin Jasmin (Nienke Latten) auf dem fliegenden Teppich voller Disney-Magie


Fotos (5): Deen van Meer