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ORNITHOLOGIE: DER PAPAGEI DES KLEINEN MANNES


Terra Mater - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 10.10.2019

Er ist hübsch, robust und musikalisch: Wohl deshalb hat der Wellensittich früh seine Freiheit an den Menschen verloren. In seiner Heimat Australien überlebt die Wildform dieses Vogels erstaunlicherweise selbst dort, wo der Kontinent am trockensten ist.


Artikelbild für den Artikel "ORNITHOLOGIE: DER PAPAGEI DES KLEINEN MANNES" aus der Ausgabe 6/2019 von Terra Mater. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Terra Mater, Ausgabe 6/2019

MAN SIEHT, WAS MAN HÖRT

Ein Wellensittich-Schwarm mit tausenden Einzelvogeln ist ein Erlebnis – optisch und akustisch. Selbst im Flug halten die Tiere selten ihren Schnabel, und ihr Geschwatz mischt sich mit dem knatternden Flugelschlag zur weithin horbaren Klangkulisse.

BRÜTEN UND FÜTTERN

Wellensittich-Weibchen legen zur Fortpflanzungszeit – immer dann, wenn ...

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... das Nahrungs angebot hoch ist – ihre Eier in einer Baumhohle. Die Ver sorgung übernehmen die Mannchen: Sie liefern vorgekauten Nahrungsbrei.

Wellensittiche sind liebevolle und gewissenhafte Eltern: Das ist wichtig, denn der blinde, nackte Nachwuchs braucht ein, zwei Monate, um sich eigenständig versorgen zu können. Und die Familie kann durchaus zahlreich sein: Sechs bis acht Jungvögel pro Gelege sind keine Seltenheit.

WO WASSER, DORT WELLENSITTICHE

Im Inneren Australiens, ihrer Heimat, folgen Wellensittiche dem Regen und der Vegetation. Sind die Verhaltnisse gunstig, sprich die Graslandschaften uppig, konnen die Schwarme mehrere tausend Tiere umfassen.

PARTNER FÜRS LEBEN

Wellensittiche sind durchweg – und damit bis zu zehn Jahre lang – monogam. In Zoos, wie etwa dem Wiener Tiergarten Schonbrunn, wurde jedoch auch schon beobachtet, dass die Liebe erkalten kann und die Tiere sich „umpartnern“.

DER KLEINE ZERSTÖRER

Studienobjekt, Haustier, Alleinunterhalter: Der Wellensittich ist ein Vogel mit vielen Qualitaten.

DER AUSTRALISCHE NAME FÜR DEN WELLENSITTICH – BUDGIE – LEITET SICH AB VON BETCHERRYGAH: So riefen Aborigines vom Stamm der Kamilaroi den Vogel und meinten „gutes Essen“. Man darf jetzt an das eine denken; wahrscheinlicher ist aber, dass Australiens Ureinwohner den Instinkt des Papageis bezeichneten, selbst in trockenster Steppe Wasser zu wittern und damit Nahrung, die auch Menschen das Uberleben sichert.

Wellensittiche besiedeln seit funf Millionen Jahren nomadisch fast den gesamtenaustralischen Kontinent . Sie fehlen nur in den ostlichen Kustengebieten, in Nord- und Sudwestaustralien und Tasmanien. Auf ihren Zugen folgen sie in ihrer Heimat stets dem Wasser und damit auch der Vegetation. Aus zweierlei Grunden: Die Vogel mussen taglich trinken – und sie ernahren sich fast ausschlieslich von Grassamen, dazu kommen seltener Nusse und Fruchte. Wellensittiche sind in ihren Futtervorlieben ziemlich flexibel: Was sie an Gras finden, wird verzehrt. Zum Leidwesen der Farmer gehen sie ruppig zur Sache: Pflanzen werden von den kleinen Zerstorern oft gewissenhaft entrindet, die Schaden, etwa auch an Weizenkulturen, sind betrachtlich.

Nach dem Fressen folgen soziale Aktivitaten; mit ein Grund, weshalb der Wellensittich nach Hund und Katze zum weltweit beliebtestenHaustier wurde: Unter Schwatzen und Kirren pflegt man sich auf possierliche Weise gegenseitig das Federkleid, nett anzuschauen für den Betrachter.

Aus Grün wurde bunt
Wer die Homepage der World Budgerigar Organisation besucht, wird staunen, wie viele unterschiedlich gefarbte Wellensittiche und welchen Formenreichtum beim Gefieder es gibt. Trotzdem: Alle Zuchtungen im Lauf der letzten 150 Jahre gehen auf die grune Wildform zuruck.


Wellenzeichnung
Ihren deutschen Namen erhielten die Tiere wegen der wellenformigen Zeichnung ihrer Federn. Mannchen und Weibchen sind ubrigens gleich gefarbt, Jungtiere ahneln den Altvogeln.


Wachshaut
Ab dem Alter von zwei bis drei Monaten ist das Geschlecht der Wellensittiche sehr einfach an der Wachshaut erkennbar: blaulich dunkel bei den Mannchen, beige bei den Weibchen.


Zwei plus zwei Krallen
Zwei Zehen vorn, zwei Zehen hinten: Diese Anordnung ist typisch für Papageienvogel. Wie ihre groseren Artgenossen sind Wellensittiche daher geschickte Kletterer.


Fliegen und flüchten
Wellensittiche sind gute Flieger und konnen damit raüberischen Feinden, etwa Falken, gut entkommen. Langere Distanzen legen sie in Etappen von maximal 100 Tageskilometern zuruck: Das ist der taglich notwendigen Wasser- und Nahrungsaufnahme geschuldet.


Anpassungsfahig sind die Tiere auch in ihrer Familienplanung: Sind die Bedingungen gunstig, pflanzen sie sich – fast ausschlieslich mit demselben Lebenspartner – fort; wenn nicht, werden die Pausen zwischen den Brutphasen eben verlangert. Und beim Streit um den besten Nistplatz kann der sonst hochst soziale und friedfertige Vogel durchaus aggressiv werden – mit blutigen Folgen für den Unterlegenen.

Als bekanntester und meistverbreiteter Papagei Australiens kam der Wellensittich vor rund200 Jahren nach Europa – in seiner grunen Wildform und als dekoratives Haustier, das dank seiner Zahigkeit die Kafighaltung ertrug. Zudem lies sich der Wellensittich in endlosen Farbvarianten zuchten und war, wie alle Papageien, ein gelehrig gesprachiger Hausgenosse. (1995 akzeptierte dasGuinness Book of World Records den US-Wellensittich Puck, der bewiesenermasen 1.728 Worte sprach.)

Seine Robustheit macht denMelopsittacus undulatus auch zum Studienobjekt. Thema: Warum konnen sich die Tiere so gut an das Leben in Trockengebieten adaptieren? Wissenschaftler der Curtin Uni versity in Perth scheinen der Antwort nahegekommen zu sein: Wellensittiche konnen wohl auf spezielle Art jene Wassermenge regulieren, die über ihre Haut verdunstet. Eine Erklarung: Diese Vogel verandern Korpertemperatur, Blutzirkulation und Fett gehalt in der Haut und damit auch die Menge des über die Haut abgegebenen Schweises. Moglicherweise verandern sie auch die Temperatur der ausgeatmeten Luft und kontrollieren damit, wie viel Restwasser noch in der Luft enthalten ist, und bestimmen so ihren Wasserverbrauch.

Der Wellensittich wird ubrigens nicht nur imGuinnessbuch vermerkt. 2016 fand er Eingang in dasOxford English Dictionary – und zwar im Zusammenhang mit Mannerbadehosen: Knapp geschnittene Exemplare werden in Australien spottischbudgie smugg lers genannt.

Das Terra Mater Magazin bedankt sich herzlich bei Alexander Tichy, dem im Wiener Tiergarten Schönbrunn zuständigen Wellensittich-Spezia listen, für die fachliche Unterstützung.


FOTO: NATURE PICTURE LIBRARY/P.WEGNER

FOTO: NATURE PICTURE LIBRARY/ROLAND SEITRE

FOTOS: NATURE PICTURE LIBRARY/STEVEN DAVID MILLER/DAVE WATTS

FOTO: NATURE PICTURE LIBRARY/ROLAND SEITRE

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FOTOS: NATURE PICTURE LIBRARY/ROLAND SEITRE/STEPHEN DALTON