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Ortrud Grön: Träume sind die Werkstatt des geistigen Lebens


Tattva Viveka - epaper ⋅ Ausgabe 81/2019 vom 01.12.2019

Was uns Träume über unser Leben sagen können


Artikelbild für den Artikel "Ortrud Grön: Träume sind die Werkstatt des geistigen Lebens" aus der Ausgabe 81/2019 von Tattva Viveka. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Tattva Viveka, Ausgabe 81/2019

Wir träumen zwar, aber erst dann, wenn wir die Traumsprache verstehen, begreifen wir, dass wir geträumt werden.


© Pixabay

Wer spricht in unseren Träumen zu uns und wie lässt sich die Sprache der Träume enträtseln und deuten? Diesen Fragen widmet sich die Autorin, eine Traumforscherin, und legt offen, wie eine innere Instanz in uns durch die bisweilen surrealen und provokativen Bilder unserer Träume mit uns kommuniziert und uns einen Weg aufweisen möchte, indem wir einerseits unsere innewohnenden Wünsche ausleben und andererseits ein Leben in Harmonie mit dem ...

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... Leben selbst führen können. Anschaulichkeit und Lebensnähe wird dem Artikel durch die vielen Erzählungen von Träumen und ihren Deutungen eingehaucht, die aufzeigen, dass Träume verlässliche und aufrichtige Ratgeber im Wandel des Lebens sind.

Eine alte Legende erzählt, ein junger Mann hatte einen Traum:

Hinter einer Ladentheke sah er einen Engel.
Hastig fragte er ihn: »Was verkaufen Sie, mein Herr?«
Der Engel gab ihm freundlich zur Antwort: »Alles, was sie wollen.«
Der junge Mann sagte: »Dann hätte ich gerne: eine glückliche Ehe, die bis zu unserem Lebensende glücklich bleibt, gute Freunde, die uns auf dem Lebensweg begleiten, Kinder, die sich gut entwickeln und an denen wir unsere Freude haben, ein Unternehmen, das immer erfolgreich ist, und, und, und…«
Da fiel ihm der Engel ins Wort und sagte: »Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben mich verkehrt verstanden. Wir verkaufen keine Früchte hier, wir verkaufen nur den Samen.«

Diese Legende will uns provozierend begreiflich machen, dass wir von Gott zwar die Samen bekommen – aber der Gärtner, der sie zum Keimen bringt, der die Pflanzen hegt und pflegt – der sollen wir selber sein. Wir sollen unser Wesen als den Garten verstehen, in dem wir aus dem Samen, den Gott uns gibt, Pflanzen wachsen lassen, die blühen und Früchte tragen.
Zu solchem Auftrag empfange ich tief in der Nacht Traumtexte. Ich wache mit solchen Texten auf – oder ich gerate mitten in der Nacht in einen meditativen Zustand und höre die Worte in meinem Inneren. Das verlangt die Bereitschaft, dem Schlaf zu widerstehen und wachsam mitzugehen. So vernahm ich:

Es geht um die Offenbarmachung vom Sinn allen Lebens. Wir alle sind Gottes Kinder, die sich auf den Weg in die Wahrheit begeben können und es aber auch sein lassen dürfen. Sie entscheiden sich jeder für sich allein.
Und alle gehen den Weg, der in die Wahrheit führt, die in jedem Herzen eine Heimat hat.
Jeder Mensch ist im Kern göttliche Liebe.
Daraus aber ergibt sich für die Menschheit die Frage, wer eigentlich lernen will, sich selbst zu erlösen. Da gibt es Menschen, die haben dazu die Kraft und die Liebe, und da gibt es Menschen, die sind einfach nur unterwegs, ohne sich Gedanken um das Leben selbst machen zu wollen.

Um unser Leben aus Nicht-Leben zu befreien, sollen wir zum Freund unseres Lebens werden.


Um unser Leben aus Nicht-Leben zu befreien, sollen wir zum Freund unseres Lebens werden.


In einem meiner Träume hieß es dazu:

Das Herz weiß im Geheimen immer, was es braucht.

Unsere Heimat ist demnach die Liebe, mit der wir das noch verborgene Leben in uns aufspüren. Doch jeder Mensch muss dazu durch seine eigene Türe gehen. Das Leben öffnet jedem Menschen die Räume, dieer mit Leben füllen kann.

Das in allen Mythen und Religionen große Symbol für den Weg, Leben zu begreifen, ist der Baum. Im Paradies windet sich die Schlange um den Baum der Erkenntnis. Was ist mit dem »Baum der Erkenntnis« gemeint?

Ein Baum lebt von Wasser, Luft, Erde und Sonnenlicht. Sehen wir uns diese vier Kräfte in ihrer Gleichnisbedeutung für das Werden des Menschen einmal näher an: Dazu müssen wir den materiellen Inhalt eines Bildes auf die geistige Stufe transformieren.

• Die Sonne, um die wir kreisen, fordert uns täglich neu auf, nach Licht und Wärme auch in uns selbst zu suchen. Denn in der Sonne findet ständig ein Harmonisierungsprozess statt, in dem unruhiger Wasserstoff in das befriedete Edelgas Helium verwandelt wird.
• Im ständigen Klärungsprozess des Wassers spiegeln sich die dafür notwendigen Klärungsprozesse der Gefühle, die wir Menschen brauchen, um aus Widersprüchen zwischen Unzufriedenheit und Zufriedenheit herauszufinden.
• Dazu wiederum benötigen wir den Sauerstoff der Luft, damit wir uns gedanklich mit Widersprüchen auseinandersetzen können und neue Ideen aufspüren, wie wir unser Leben gestalten können. Der Luftraum weist auf die dafür zu entwickelnden Befreiungen hin.
• Und die Erde gleicht unserer schöpferischen Kraft, mit der wir unserem Leben die Gestalt geben, die wir uns wünschen.
• Die Pflanzen, die das Sonnenlicht bei der Photosynthese aufnehmen, zeigen im Traum den differenzierten Weg der Bewusstwerdungsvorgänge,
• während die Tiere und ihre besonderen Eigenschaften die Entwicklung der emotionalen Verhaltensweisen im Menschen veranschaulichen.

© Pixabay


Der Mensch übersteigt die Natur durch Liebe.


Dazu hieß es in einem meiner Träume:

Die Natur beschreibt alle Vorgänge in der Seele des Menschen, bis hin zur Bekämpfung der lebensvernichtenden Zustände. Es gibt keinen Vorgang in der Natur, der nicht die Gesetze spiegelt, die der Mensch befolgen muss, wenn er glücklich werden will.

Das hat uns schon die Schlange im Paradies nahegebracht, als sie Eva lockte, vom Baum der Erkenntnis zu essen, um Gut und Böse unterscheiden zu können. Biologisch gesehen ist die Schlange in der Evolution der Brückenkopf zu den Säugetieren und den Vögeln – also zu den Tiergruppen, die den Menschen am nächsten stehen. Die Schlange ist das Gleichnis unseres Lebenstriebes, denn sie hat die Eigenschaften, die unser Trieb nach Lebendigkeit braucht. Schauen wir uns das einmal an:

Schlangen können sich nur in Windungen gegen Widerstände fortbewegen. Auf glatten Flächen kommen sie nicht vorwärts – so wie der Mensch, der ohne Widerstände orientierungslos vor einer unübersehbaren Vielzahl von Möglichkeiten stünde. Schlangen haben eine gespaltene Zunge, mit deren Spitzen sie jeweils zwei verschiedene Duftstoffe von Beutetieren zur gleichen Zeit aufnehmen können. Sie entscheiden mit ihr, welche Beute ihnen wichtiger ist. Das gleicht dem Schicksal des Menschen, denn auch wir müssen ständig Widersprüche in unseren Gefühlen aufspüren und uns für das Gefühl entscheiden, das uns besser schmeckt.

Schlangen verdauen ihre Nahrung besonders gründlich. Das sollten wir auf unserem Weg in die Wahrheit von Leben auch tun, um wie die Schlangen unser ganzes Leben lang zu wachsen und uns dafür immer wieder zu häuten. In Träumen erscheinen Schlangen in Grautönen oder vielen Farben, einen besonderen Hinweis aber geben die schwarzen Schlangen, denn sie gleichen dem Angsttrieb der Kindheit, den wir uns bewusst machen müssen, um ihn besiegen zu können.

Zum Gleichnis der Schlangen – unserem Lebenstrieb – will ich Ihnen ein paar Träume erzählen: Eine Frau, die den Widerständen in ihrem Leben auswich und sich immer wieder ihrem Freiheitswunsch entzog, träumte:

Ich begegnete einer kleinen Schlange – einer Boa Constrictor. Sie lebte. Ich hatte Angst und tat sie in eine Streichholzschachtel. Ich beschloss, ihr nichts zu fressen zu geben, damit sie verhungert und stirbt.

Die kryptisch gefärbte Boa Constrictor ist eine sehr scheue Schlange und tritt am liebsten die Flucht an, wenn sie Gefahr fürchtet. Sie gleicht dem Lebenstrieb der Träumerin und musste sterben, weil die Träumerin wegen zu großer Angst ihrem Trieb nach Freiheit nicht folgen wollte.


Die Natur beschreibt alle Vorgänge in der Seele des Menschen, bis hin zur Bekämpfung der lebensvernichtenden Zustände. Es gibt keinen Vorgang in der Natur, der nicht die Gesetze spiegelt, die der Mensch befolgen muss, wenn er glücklich werden will.


In Träumen hat die Schlange zuweilen den Kopf eines anderen Tieres, z. B. einen Hundekopf. Um uns frei und kreativ fühlen zu können, brauchen wir die Liebe zu uns selbst. Der Hund, der dem Menschen so wachsam und liebevoll zugetan ist, schildert die Treue, die wir uns selbst schuldig sind, damit unser Leben gedeihen kann. Wenn ein Hund im Traum abgemagert ist, hungert auch die Liebe zu uns selbst. Wenn er verletzt ist, haben wir die Liebe zu uns selbst verletzt. Ist er im Schnee eingesunken, sind unsere Gefühle für uns selbst gefroren. Und greift er uns an, schnappt nach unserer Kehle, spiegelt er die Aggressionen, die wir gegen uns selbst richten, um uns vor Auseinandersetzungen zu schützen.

Als eine Frau nach langer, trauriger Zurückgezogenheit endlich wagte, sich ihren Lebenswünschen wieder zuzuwenden, träumte sie

von einer Schlange mit dem Kopf eines Hundes in einem Blumengesteck.

Solche surrealistischen Bildkompositionen haben ihren besonderen Reiz. Die Träumerin hatte die Kraft gefunden, die Liebe und Treue zu sich selbst wiederzufinden, denn Blumen gleichen in Träumen Wünschen, die in uns aufblühen. Ihnen sollen wir uns zuwenden.

Wünsche sind unser Weg zur Zufriedenheit und die Zufriedenheit ist der Weg zum Glück – hörte ich in einem Traumtext und dazu kam dann noch dieser Hinweis:

»Ich kann nur Glück haben« ist nicht der richtige Weg.
Ich muss ihn gehen als den Weg des Glücks.
Das Glück ist kein Zufall, sondern ein Bewusstsein.
Ich bin der Weg des Glücklich-werden-Wollenden.

Von jeher galt meine Liebe der Erzählung vom Baum der Erkenntnis und dem Lebensbaum in der Schöpfungsgeschichte des Alten Testamentes. Genauso wie der Traum mit sinnlicher Ausdruckskraft den kürzesten Weg findet, uns Konflikte provokativ in Bildern zu verbergen, so verbirgt uns auch die Geschichte von Eva und der Schlange ihren Sinn, damit wir ihn selbst herausfinden sollen.

Eva entscheidet sich trotz des Tabus, ihrem Verlangen nachzugeben und in den Apfel zu beißen. Sie verzichtet auf Sicherheit. Sie folgt der Schlange, dem Trieb nach Leben und dem Wunsch ihres Herzens, Gut und Böse unterscheiden zu wollen. Eva und Adam wussten aber nicht, dass die Menschen noch sehr viele Apfelbäume pflanzen und ernten müssen, bevor sie den Baum der Erkenntnis gegen den Baum des Lebens, der inmitten des Paradieses steht, eintauschen können.

In dem Gedicht von Dorothee Sölle kommt das Wesen des Baumes so innig zum Ausdruck:

Ich dein baum…
Du hast mich geträumt gott wie ich den aufrechten gang übe und niederknien lerne schöner als ich jetzt bin glücklicher als ich mich traue freier als bei uns erlaubt

Hör nicht auf mich zu träumen gott ich will nicht aufhören mich zu erinnern dass ich dein baum bin, gepflanzt an den Wasserbächen des Lebens

In Träumen hörte ich dazu:

Der Mensch übersteigt die Natur durch Liebe.

Es geht um den Weg, sich aus Liebe zum Leben selbst erlösen zu wollen,

denn nur die Liebe zu befreiten Gefühlen löst die Täuschungen von Leben auf.

In einem anderen Traum hörte ich dazu:

Wir sind auf der Erde, um glücklich werden zu lernen.

Dazu hieß es weiter:

Die Zufriedenheit ist der Weg in das Glücklichsein. Zufrieden ist aber nur der Mensch, der sich aus dem Widerspruch der Gefühle befreit und die zufrieden machende Seite gewählt hat. So knüpft ein Mensch seinen Lebensfaden, der ihn zu seiner Identität hinführt.

© Pixabay

Diesen Weg suchen wir mit unseren Gefühlen und Gedanken. Wenn beide sich einig geworden sind, entsteht Leichtigkeit in uns als Zeichen dafür, dass der ersonnene Weg richtig ist.

Denn Gefühle und Gedanken sind Zwillinge, sie haben eine gemeinsame Seele.

Mit ihnen knüpfen wir den Ariadnefaden aus dem Labyrinth der Unzufriedenheiten. Leben will in jedem Menschen eine Heimat finden und dazu müssen wir unsere Ängste überwinden, die in unsere Kinderherzen gesät wurden. Bei den alten Ägyptern fand ich im Totenbuch diesen Text dazu:

Schwalben wecken dich auf, der du schläfst, sie heben dein Haupt empor zum Horizont.
Richte dich auf, damit du über das triumphierst, was dir angetan wurde.

Was dir angetan wurde? Was meint das? Jeder Mensch erlebt in seiner Kindheit Ängste. Sie nisten sich in ihm ein, und um sich vor ihnen zu schützen, erfindet das Kind Schutzhaltungen, die es in seiner kindlichen Abhängigkeit nötig hat, es aber als Erwachsenen in seiner Freiheit blockieren. Wie sehen solche Schutzhaltungen aus? Ich will einige Beispiele nennen:

• Wenn ein Kind eifersüchtig ist, erfindet es möglicherweise den Ausweg, sich unwichtig zu machen.
• Vielleicht aber wird es aggressiv, um seinem Schmerz nicht ausgesetzt zu sein.
• Wenn ein Kind nicht genügend Anerkennung bekommt, geht es vielleicht in die Leistungssucht.
• Wenn ein Kind dauernd kritisiert wird, entwickelt es vielleicht einen Leben zerstörenden Perfektionismus.
• Wenn ein Kind sich unerwünscht fühlt, geht es vielleicht in die Aufopferung für andere, um dafür geliebt zu werden.
• Wird ein Kind oft beschuldigt, geht es vielleicht in die Opposition und beschuldigt zu seiner Entlastung umso heftiger andere.

Unsere Kindheit hat in ihrer Verletzlichkeit den tiefen Sinn, dass wir als Erwachsene die erlittenen Ängste überwinden sollen, indem wir ganz bewusst die Schutzhaltungen auflösen, die unseren Freiheitswunsch einengen.

Die Träume helfen uns dabei. Sie sindDramatische Dichtungen, zu unserer Schwierigkeit zu reifen. Zu reifen? Was in uns soll reifen? Durch die Überwindung von Ängsten gewinnen wir neue Bewusstwerdungen für die Lebendigkeit von Leben. Darum geht es!

• Vielleicht verhalten wir uns noch scheu und ängstlich wie ein Lamm, das den Schutz in der Herde sucht.
• Vielleicht neigen wir zu Aggressionen wie ein Krokodil, das brüllend mit spitzen Zähnen seine Beute zerfetzt.
• Oder wie eine Antilope, die flüchtet, sobald sie Gefahr fühlt.
• Vielleicht lieben wir es aber schon, wie ein Löwe offen in der Savanne zu leben, ohne Furcht davor, angegriffen zu werden.

Tiere beschreiben in Träumen unser emotionales Verhalten, die unfassbare Vielfalt von Insekten, Meerestieren, Reptilien, Säugetieren und Vögeln aller Art spiegeln mit ihrer jeweiligen Eigenart unser eigenes Verhalten. Ich will ein paar Träume dazu schildern. Im folgenden Traum tritt das Krokodil mit seiner positiven Aggressionskraft auf, denn Krokodile verkörpern nicht nur die destruktive, zerstörerische Aggression, sondern auch die konstruktive Aggression. Sie halten die Flüsse rein und ihre mit Zähnen bewaffneten Mäuler benutzen sie, um in schwierigen Situationen ihren Jungen aus der Eischale zu helfen und sie wie in einem Kinderwagen zum Wasser zu tragen.

Dazu den Traum einer Frau, die für ihren Mann alles tat, was er sich wünschte. Sie erzählt:

Mein Mann steht in der Küche und kocht. Ich sitze am Esstisch, er kommt herein und serviert mir ein Krokodil.
Ich war total schockiert und schob das Essen empört von mir.

Die Empörung erscheint im ersten Augenblick verständlich. Warum servierte er ihr nicht etwas Lustvolleres, wo sie doch alles für ihn tat? Der Traum wollte sie provozieren. Die Personen eines Traumes weisen fast immer mit einer ihrer Eigenschaften auf eine Eigenschaft im Träumer hin, die er entweder auch hat oder die ihm fehlt. So brauchte ich nur zu fragen:

»Ist Ihr Mann in der Lage, Ihnen das, was ihn aggressiv stimmt, zu servieren?«

Sie lächelte und sagte: »Oh ja, das macht er ganz selbstverständlich.«


Keine Zeit gehabt zu haben, um Leben zu können, ist sündiger als anderes.


»Und wie zeigen Sie Ihre Unzufriedenheiten Ihrem Mann?«

»Ich? – Ach nein, ich sage lieber gar nichts.«
Sie fürchtet sich vor Unfrieden. So aber konnte sie den Fluss ihrer Gefühle nicht reinhalten. Sie hatte sich nicht bewusst gemacht, dass uns allen Aggressionen innewohnen und dass es darum geht – wie ein Traum es sagte,

aggressive Gefühle in Liebe zu verwandeln. Das heißt, dem anderen die Wahrheit so zu sagen, dass er sie annehmen kann.

Das aber verlangt, Krokodile schmackhaft zu servieren. Das ist Liebe.

Hinter jedem Rückzug in sich selbst liegt ein verletztes Gefühl aus der Kindheit. Genauso wie hinter jeder Aggression. Es sind die disharmonischen Gefühle, die den Weg in die Wahrheit von Leben öffnen. In den Störungen bringt das Leben zum Ausdruck, dass wir die Widersprüche in uns nicht aufgelöst haben, die uns am Glücklichsein hindern. In einem Traum hieß es dazu:

Nur die Liebe zu befreiten Gefühlen löst die Täuschungen von Leben auf.

Häufig ist die Kindheit durch die Erziehung zu Perfektionismus und Fleiß geprägt. Dann treten oft Ameisen als Schauspieler auf. Ameisen arbeiten am Fließband und führen kein individuelles Leben. Eine Frau, deren Mutter einem Putzzwang unterlag und das auch von ihrem Kind verlangte, träumte:

Ich bin in einem kleinen Zimmer mit meiner Mutter zusammen, um das Zimmer aufzuräumen. Plötzlich setzt sich ein weißer Faden in Bewegung und ich sehe, es ist eine Ameise, die ihn transportiert. Ich jage das Gespann und trete die Ameise tot. Zu meinem Erstaunen ist nun der Faden ein hellgrünes Krokodil von circa 40 cm Länge, das sich befreit aufrichtet, auf den hinteren Schenkeln steht, die Vorderbeine seitlich ausstreckt und einen ganz glücklichen und befreiten Gesichtsausdruck hat.
Ich sage zu meiner Mutter: »So etwas habe ich noch nie gesehen.«


Glücklich ist der Mensch, der sich erfüllen kann, was sein Herz sich wünscht. Das Glück ist die Liebe, die Liebe aber ist das Schöpferische.


Sie hatte diesen Traum, nachdem sie zuvor ihren freudlosen Perfektionismus zornig abreagiert und einen glücklichen Tag in den Bergen verbracht hatte. Der Traum weist sie auf die Mutter hin, durch die sie zur Perfektion verpflichtet wurde. Die Ameisen sind, wie gesagt, das Gleichnis für die Arbeit am Fließband, sind ständig kollektiven Bedürfnissen verpflichtet und können keine eigenen Wege gehen. Als die Träumerin diese Haltung in sich überwand, wurde sie das kleine glückliche Krokodil, das die Welt vor Freude umarmen wollte.

Ist es nicht köstlich, welche Bilder der Traum erfindet, um dem Menschen Mut zu machen, seinen Lebenswünschen nachzugehen? Wes Geistes sind wohl unsere Träume, die so logisch in Bilderfolgen unsere Nöte beschreiben?
Auch ich musste lernen, mein übertriebenes Pflichtgefühl zu reduzieren. Als ich es endlich wagte, neben dem Aufbau der Klinik meine Forschungsarbeit zu intensivieren, träumte ich:

Ein Weg wird von einem Ameisenbär vorgebahnt.

Ein Ameisenbär aber verschlingt Tausende von Ameisen. So schenkte auch mir der Traum die Gewissheit, dass ich auf dem richtigen Weg war. Ich konnte den ständigen Zeitdruck, unter dem ich bis dahin stand, endlich auflockern, der mir zuvor manch ironischen Traum serviert hatte – wie z. B. den folgenden:

Die Zeit wird von Leben bestimmt. Keine Zeit gehabt zu haben, um Leben zu können, ist sündiger als anderes. Meine Leiche ist meine Vorstellung, dass ich keine Zeit habe, um zu leben. Ich bin immer auf der Suche nach Pflichten. Die Pflichten sind mein Heuschreckenschwarm. Die Zeit ist eine Hure, wenn aus ihr Zeitdruck wird. Sie lässt sich ein, ohne Leben bewahren zu wollen.

Und als ich an einem Fest, zu dem ich eingeladen hatte, nicht teilnahm, um wieder einmal perfektionistisch hinter den Kulissen alles zu regeln, träumte ich:

Ich sitze als Geist auf einer Weinflasche, falte die Hände und warte ab.

Wer provozierte mich nur so ironisch? Ich mich selbst? Das heißt, meine Neuronen – wie Neurologen so gerne behaupten? Dieser Gedanke ist absurd, denn Träume antworten messerscharf auf unsere Verletzungen von Leben. Die Bilder geben uns Hinweise auf das Problem, den darin enthaltenen Zwiespalt und schließlich Lösungshinweise. Könnte es nicht doch eine spirituelle Ebene geben, die uns für die Freude am Leben gewinnen will?

Ein anderes Mal stellte mir der Traum die Frage:

Was ist ein Saurierclub – und gab dann selbst die Antwort: Die mit viel Gewicht fliegen können.

Langsam begriff ich, dass es darum geht, die Leichtigkeit des Seins zu finden und nur wenn ich sie für mich selbst finden würde, kann ich sie auch in anderen unterstützen. Sehen wir uns jetzt dazu den Traum eines Mannes an, der versuchte, seine Idealvorstellung einer Gemeinschaft zu verwirklichen. Er wünschte sich nichts mehr, als dass diese Gemeinschaft in Frieden miteinander lebt, denn er hatte als Kind unter dem Pessimismus seines Vaters sehr zu leiden und sich darum mit seiner Mutter identifiziert, die die negativen Stimmungen durch übertriebenen Optimismus verscheuchen wollte. Mit dem gleichen Optimismus versuchte er nun auch, jeden aufkommenden Unfrieden in seinem Umfeld zu überspielen.


Blüten sind in Träumen das Bild für aufblühende Wünsche, die Frucht werden wollen.


Ein langer Sandstrand, weißer Sand wie in der Wüste. Ein Mann ist dabei, mit einem breiten Schieber die Fläche zu glätten. Ich frage ihn, was er da tue. Er antwortet: »In der glatten Fläche sind Spuren. Das stört mich. Irgendwer und irgendwas hat sie aufgerissen und der vom Untergrund aufgerissene Morast verunziert die weiße Fläche. Darum will ich dafür sorgen, dass der weiße Sand wieder die aufgerissenen Löcher bedeckt. Die anderen dort drüben scheint das nicht zu kümmern. Das ärgert mich ein wenig, denn sie hätten mir doch dabei helfen können.« Plötzlich bricht ein riesiges Loch auf, wie bei einem Erdrutsch wird Sand und Geröll nach unten gezogen. Einige Meter tief scheint ein Schlammstrom das abgerutschte aufzunehmen und mit sich fortzureißen.
Der Mann steht überrascht, verwundert, ohne Erklärung für dieses Phänomen vor der Tatsache, dass es für ihn nichts mehr zu glätten gab. Doch eigenartigerweise beachtet er kaum den großen Torbogen, der sich über dieses abschüssige Stück Erde unversehens spannt.

Der Meeresstrand gibt Gefühle wieder, die an Land kommen, das heißt, die bewusst werden wollen. Wir sehen, dass der Träumer – ein Pfarrer – besorgt ist, dass sich chaotische Gefühle, die sich überall als Schlamm andeuten, nicht durchsetzen, und deckt sie zu. Doch die so mühsam nach außen aufrechterhaltene Harmonie wird durch die Gewalt unzufriedener aggressiver Gefühle in der Gemeinschaft zerstört. Schließlich erkennt er, dass er nichts mehr glätten kann. Dass sich im letzten Bild ein Torbogen über das Schlammloch spannt, kann er noch nicht beachten – weil er nicht erfahren genug ist, um bei Meinungsverschiedenheiten durch ein neues Tor gehen zu können. Denn das hieße, Probleme nicht mehr zu verdrängen, sondern sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
Doch die Liebe zum Leben verträgt keine Unklarheiten. Ein Texttraum sagte es mir einmal so:

Du weißt noch nicht, dass Liebe eine Auseinandersetzung ist, bei der jeder den anderen versteht.

Den anderen verstehen zu können, setzt Offenheit voraus. Wenn wir Scheinharmonien zulassen, können wir uns chaotische Gefühle nicht bewusst machen. Die verdrängten Gefühle werden dann zum untergründigen Schlammstrom.

Wer denkt sich solche Bilder aus? Wer schenkt dem einzelnen Menschen so viel Liebe in den Bildern der Welt, um ihm den Weg in die Zufriedenheit zu zeigen? In einem Traum hieß es:

In jedem Menschen gibt es ein göttliches Du.

Spricht Gott im Traum zu uns, damit wir sein Leben begreifen lernen? Ja, wir brauchen den Mut, Leben wirklich lebendig, das heißt beglückend, erfahren zu wollen. Leben soll wahres Leben sein. Und dafür müssen wir uns – so wie die Natur – ständig erneuern.

Dazu erzähle ich den Traum einer Frau, die in Gefahr war, ihre Lebenskraft verkümmern zu lassen, weil sie zu viel für ihre Angehörigen sorgte. Als sie sich auf sich selbst besann, sah sie im Traum

am Himmel eine große wunderschöne, zarte, geöffnete, weiße, vierblättrige Blüte tanzen, die durch ihren Stängel mit einem uralten mächtigen Baum verbunden war.

Blüten sind in Träumen das Bild für aufblühende Wünsche, die Frucht werden wollen. Die Farbe Weiß ist die Farbe des Lichtes, der Klarheit. Diese Blüte bestätigte, wie richtig es für die Träumerin war, sich aus ihrer Opferrolle zu befreien. Der uralte, mächtige Baum ist ein Bild der von der Träumerin schon vor langer Zeit erworbenen Kraft, die ihr dann wieder verfügbar wird, wenn sie ihre Wünsche nicht mehr kränken muss. Darauf weist auch die Vierblättrigkeit der Blüte hin, die sie zu ihrer schöpferischen Kraft hinlenken will, zu der Gestaltwerdung ihrer persönlichen Wünsche.
Und eine andere Frau, die aus Angst vor dem Alleinsein in ihrer Beziehung abhängig blieb, sah im Traum

eine weiße Blüte, auf der ein weißer Kieselstein lag. Dazu hörte sie die

Worte: Das Innerste meines Inneren befragen.

Weiße Kieselsteine sind Quarze oder quarzähnliche Gesteine, die durch das Rollen in den Flüssen abgerundet worden sind. Das zeigt, dass die Träumerin schon lange mit ihrem Wunsch nach mehr Freiheit in ihren Gefühlen unterwegs ist, und mahnte sie, endlich auf ihre innerste Wahrheit zu hören. Dazu möchte ich Ihnen einen Traumtext vorstellen, der ausspricht, wie wir unsere Lebendigkeit immer wieder erneuern können:

Ich bin die Wünsche, die ich verwirkliche.
Es ist kein Wunsch im Herzen des Menschen, der nicht den Weg weist in das Glück.
Glück ist die Liebe zum Leben Ist das befreite Leben.


Wünsche sind Leben – sie sind der Samen, ich bin der Gärtner. Ich bin der Gärtner meiner Wünsche. Meine Wünsche sind Blüten, die mit ihren Farben und ihrem Duft werben,


Ich bin der Wunsch, den ich verwirkliche.
Wünsche sind Leben – sie sind der Samen, ich bin der Gärtner.
Ich bin der Gärtner meiner Wünsche.
Meine Wünsche sind Blüten, die mit ihren Farben und ihrem Duft werben, von einem anderen wahrgenommen zu werden.

Sehen wir uns dazu den Traum eines Priesters an, der sich in seinem kirchlichen Umfeld unfrei fühlte, weil er keine Chance sah, sich gegen dogmatische Regeln zu wehren, die seine Gefühle und Gedanken verletzten. Er spürte den tiefen Wunsch, das zu ändern, doch unterdrückte diesen. Da half ihm ein Traum, den Mut zu finden, sich aus dem Schweigen zu befreien. Er träumte:

Über seinem Kopf gruppierte sich ein Vogelschwarm. Es waren lauter Schwalben. Der Schwarm fing an, ihn sehr zu bedrängen. Er wirkte so bedrohlich wie bei Hitchcock.
Doch dann kamen lauter junge Schwalben und gingen ihm an die Kehle, klebten dort wie ein Bart um Mund und Kinn und drückten seinen Kopf nach oben.

Dieses Bild mahnte ihn, sich aufzurichten und über seine Gefühle zu sprechen.

Wie kann er das schaffen? Dazu müssen wir uns mit dem Wesen der Schwalbe beschäftigen: Mit ihren langen schmalen Flügeln und dem gabelförmigen Schwanz, der als Steuer dient, ist die Schwalbe einer der schnellsten und gewandtesten Flieger unter den Vögeln. Im pfeilschnellen Flug schießt sie sicher durch Mauerbögen, Torbögen und Stallfenster. Selbst das Trinken und Baden besorgt sie im Flug, wenn sie über den Wasserspiegel dahinstreicht. Ein wunderschönes Gleichnis für die Fähigkeit, Widerstände durch Zielstrebigkeit, Wendigkeit und Energie überwinden zu können. Und dabei die Leichtigkeit zu bewahren.

Um diese Leichtigkeit soll sich der Träumer bemühen, wenn er etwas auf dem Herzen hat. Die Schwalben gehen ihm an die Kehle, weil er aussprechen soll, was ihn bewegt, anstatt Ängsten wie bei Hitchcock zu erliegen. Träume drücken das so aus:

Glücklich ist der Mensch, der sich erfüllen kann, was sein Herz sich wünscht.
Das Glück ist die Liebe, die Liebe aber ist das Schöpferische.

Dazu möchte ich nun zum Abschluss den Traum einer Musiklehrerin erzählen, die die Unzufriedenheit in ihrem Berufsleben auflösen konnte, indem sie das Risiko einer freiberuflichen Existenz auf sich nahm. Sie träumte:

Ich war in einer sehr großen Kirche. Dort hörte ich zur gleichen Zeit das Weihnachtsoratorium von Bach, den Messias von Händel und das Magnifikat von Bach. Um die Kirche herum blühten Osterglocken.
Dann sah ich in einer Schale vor mir lauter Sterne, aus Holz geschnitzt. Ich nahm drei von diesen Sternen. Ich wickelte um einen Stern die Musik des Weihnachtsoratoriums, um einen weiteren die Musik des Messias und um den dritten Stern das Magnifikat.

Träume sind die Werkstatt des geistigen Lebens. Ich fragte die Träumerin deshalb: Wie fühlst du dich zurzeit? Sie lächelte und sagte: »Ich bin glücklich, sehr glücklich.« Der Weg, der sie in dieses Glücksgefühl führte, wurde vom Traum beschrieben:

© Adobe Photostock

Das Weihnachtsoratorium weist auf die Geburt Christi hin und Christus wurde geboren, um die Wahrheit von lebendigem Leben zu schildern. Dazu wird jeder Mensch geboren, dazu sind wir alle unterwegs.
Der Messias zeigt den Leidensweg, den der Mensch auf sich nehmen muss, um sich ein lebensvolles Leben selbst bewusst zu machen. Der Leidensweg der Träumerin wurde durch die Vorschriften ihrer Schulordnung ausgelöst, die ihr die Freiheit nahm, Musik so zu lehren, wie sie es sich aus ihrer Kreativität heraus gewünscht hätte. 30 Jahre lang hielt sie das durch.
Und das Magnifikat von Bach bringt die Auferstehung aus dem Leidensweg. Diese Auferstehung aus dem Leid hatte die Träumerin durch ihr Handeln vollbracht, sich aus der beruflichen Sicherheit zu lösen und das Risiko einer freiberuflichen Existenz einzugehen.


Sterne sind in Träumen der Hinweis, dass sich in jedem Menschen eigene Welten entfalten sollen, die im Verbund mit Welten von anderen Menschen stehen.


Im Traum wickelt sie nun die Musik der drei Werke jeweils um einen aus Holz geschnitzten Stern – welch seltsames Geschehen. Sterne sind in Träumen der Hinweis, dass sich in jedem Menschen eigene Welten entfalten sollen, die im Verbund mit Welten von anderen Menschen stehen. In drei Lebensabschnitten hat sich die Träumerin ihre Welten selbst geschnitzt: Der erste Stern enthält die Musik zur Kindheit – das ist das Weihnachtsoratorium. Der zweite Stern die Musik zur Auseinandersetzung mit der Not aus Unfreiheiten – das ist der Messias. Und der dritte Stern die Musik zu ihrer kreativen Selbstbefreiung – das ist das Magnifikat.

In hörte einmal im Traum:

Die Welt ist das Bilderbuch, in dem die Menschen lesen lernen können, um den Geist Gottes zu suchen.

Dieses Bilderbuch schlagen wir auf, wenn wir einen Traum verstehen wollen. Teilhard de Chardin, der Biologe und Theologe war, drückte das so aus:

Ich glaube, dass die Welt eine Evolution ist. Ich glaube, dass die Welt auf den Geist hinstrebt. Ich glaube, dass sich der Geist im Personalen vollendet.

Träume machen uns bewusst, wie unser Leben gemeint ist. In einem Traum hieß es dazu:

Wir brauchen das Vertrauen, dass es Glück gibt. Der befreiende Gedanke, der mir Lebensgefühle verspricht, die meiner Sehnsucht nach eigener Lebendigkeit entsprechen, ist der Wegweiser in mein Glück.
Es geht um den Wandel, um die Kraft, sich zu wandeln. Die Frucht des Lebens ist süß.

Und dazu den kostbaren Traumtext, den ich in einer Nacht empfangen habe:

Du bist du.
ICH bin ICH, Du kannst es nicht verwechseln, da es mehr nicht gibt.
ICH bin dein Selbst.
ICH bin das Selbst von allen Menschen.
ICH bin das selbst gelebte, geliebte Leben.
ICH bin das ganze All.
ICH bin das Ganze.
ICH bin dein lebendiges Selbst.
ICH bin das, was du sein möchtest, aber noch nicht bist.
ICH weiß, dass ich dir oft wehtue, aber das geht nicht anders.
ICH will dir nicht das Leben schwer, ICH will es dir leichter machen. Du sollst es dadurch lernen.

Die Botschaft setzte sich in einer anderen Nacht fort:

Es ist nicht mehr so schwer, wie es war.
Du bist jetzt nicht mehr so taub und so ängstlich. Aber nur zuhören geht nicht.
ICH fühle mich nicht in dich hinein, um dich zu füllen, sondern um dich anzulocken.
ICH will es dir nicht schwer machen, aber du hast dich noch nicht genug dem Leben geöffnet. Du musst dich mehr öffnen und dich trinken wollen.
ICH bin deine eigene Seele.
ICH bin deine eigene Lust.
ICH bin deine eigene Freude in dir.
ICH bin ICH und du bist du.
ICH bin das Leben.
ICH bin der Tod.
ICH bin dein Gott in dir ICH bin dein Gott – ICH bin ein Gott in dir.
ICH bin Millionen und Billionen Götter.

Zur Autorin

Ortrud Grön, geboren 1925. Gründerin der Herz- und Kreislaufklinik Lauterbacher Mühle am Ostersee (www.lauterbacher-muehle.de) und nach drei jahrzehntelanger Traumforschung Gründerin der Bayerischen Akademie für Gesundheit – Osterseen e. V., die in offenen Seminaren und Ausbildungen die Träume als Gleichnisse für das eigene Verhalten lehrt (www.bayerische-akademie.eu).
Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a. »Traum und Evolution. Naturprozesse als Wegweiser zur geistigen Entwicklung des Menschen«, »Pflück dir den Traum vom Baum der Erkenntnis. Träume im Spiegel von Naturgesetzen « und »Ich habe einen Traum – was hat er zu bedeuten?«

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