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OTTO PRUTSCHER


Trödler - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 11.03.2020

unter dem Motto „Otto Prutscher - Allgestalter der Wiener Moderne“ präsentiert das MAK Wien in der Schausammlung Gegenwartskunst noch bis zum 17. Mai das Werk von Otto Prutscher (1880-1949). Siebzig Jahre nach seinem tod und über zwanzig Jahre nach der letzten großen Ausstellung in Wien wird die Arbeit des Künstlers in der Schau neu beleuchtet. Denn trotz seiner großen Schaffenskraft und variablen Vielseitigkeit wurde das Werk des großen Kunstgewerblers und Architekten bis dato nicht entsprechend und ausreichend gewürdigt. eine großzügige Schenkung von 139 entwürfen, Objekten in Silber, Glas und Keramik ...

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Bildquelle: Trödler, Ausgabe 4/2020

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... sowie Möbeln durch die Sammlerin hermi Schedlmayer nahm das MAK zum Anlass für diese Personalie.


Otto Prutscher, Detail des Warmwasserbeckenraums im Dianabad (gemeinsam mit Gebrüder Schwadron und Michael Powolny), Wien, 1913/14


© Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Otto Prutscher, Deckelpokal, Wien, 1927/28, Ausführung: Josef Carl Klinkosch, Silber, vergoldet, getrieben, gehämmert, gegossen


© MAK

Mannigfache Rollen

Die Ausstellung verdeutlicht die mannigfachen Rollen des „Allgestalters der Wiener Moderne“, die Prutscher als Architekt und Designer, Ausstellungsgestalter, Lehrer und Mitglied aller wichtigen Reformkunstbewegungen - von der Secession bis zur Wiener Werkstätte und dem Werkbund - für die Entwicklung der Wiener Moderne spielte. Ausgewählte Beispiele aus seinem komplexen Oeuvre dokumentieren seine jahrzehntelange einflussreiche Rolle als Entwerfer und Berater für die bedeutendsten Kunstgewerbefirmen seiner Zeit. Mit rund 200 Entwürfen, ausgeführten Objekten und Möbeln aus den Sammlungen des MAK und der Familie Schedlmayer sowie von privaten Leihgebern zeigt die Schau nun einen umfassenden Überblick über das Werk des „Allgestalters“.

Otto Prutscher in einem Sessel von Josef Zotti, 1913, Fotografie: Karl ehn


© Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand Otto Prutscher

Villen und häuser

Prutschers Vermächtnis umfasst über 50 Bauwerke - Villen, Wohnhäuser und Portale - sowie rund 50 Ausstellungen, die er künstlerisch und organisatorisch gestaltete oder mitgestaltete. Zu seinem umfassenden Oeuvre gehören zudem an die 170 Einrichtungen: Gezeigt werden der Innenraum der Apotheke „Zum goldenen Adler“ aus dem Jahre 1911 oder Details des Warmwasserbeckenraums im Dianabad, den Prutscher gemeinsam mit den Gebrüdern Schwadron und Michael Powolny in Wien zwischen 1913 und 1914 gestaltete. Die Kamintüren für die Wohnung Jakob Nowak entstanden um 1920.

Otto Prutscher, Vitrine für den „Raum für einen Kunstliebhaber“ in der Wiener Kunstschau 1908


© Otto Prutscher Archiv, Baden/Peter Kainz

Otto Prutscher, Kamintüren für die Wohnung Jakob Nowak, um 1920


© Otto Prutscher Archiv, Baden/Peter Kainz

Möbel

Prutscher schuf über 200 Einzelmöbel und Garnituren. Ein Ausstellungshighlight der Präsentation ist die von ihm entworfene Vitrine für den „Raum für einen Kunstliebhaber“ aus der Wiener Kunstschau 1908, die dem MAK von Hermi Schedlmayer geschenkt wurde. Ein mit Eichenholz geschnitzter Fauteuil aus Buchenholz gebogen, den der Künstler um 1919 entwarf, wurde von den Gebrüdern Thonet ausgeführt und mit einer Polsterung mit Textilbezug versehen.

Werdegang

Der Wiener Jugendstil war die Wiege, in der Otto Prutscher heranwuchs und sich entwickelte. Zehn Jahre jünger als Josef Hoffmann und Adolf Loos, zählte Prutscher zur ersten Generation der Schüler an der Wiener Kunstgewerbeschule, die von der Reform des Unterrichts im Sinne der Reformkunst unter der Direktion Felician von Myrbachs und von jungen Professoren wie Josef Hoffmann und Koloman Moser profitierten.

Materialbeherrschung eignete er sich hingegen in der Kunsttischlerei seines Vaters Johann Prutscher sowie im Zuge einer Maurerlehre und einer Zimmermannspraxis an, die er in den vorlesungsfreien Som- mermonaten absolvierte. Nach der Aufnahme an der Wiener Kunstgewerbeschule 1897 belegte Prutscher dann einen Kurs für ornamentales Zeichnen bei Willibald Schulmeister und studierte später zwei Semester in Josef Hoffmanns Fachschule für Architektur. Anschließend belegte er zwei Semester bei Franz Matsch in der Klasse für Zeichnen und Malen.

Kunstgewerbeschule

Der Unterricht beim secessionistischen Architekten Hoffmann und beim vormodernen Maler Matsch hinterließ Spuren: Prutschers Entwürfe und ausgeführte Werke weisen einerseits eine hohe zeichnerische Qualität auf, andererseits orientieren sie sich an den jeweils aktuellen Tendenzen der Architektur. Von 1903 bis 1907 war Prutscher Assistent an der k. k. graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, ab 1908 Lehrer am k. k. Lehrmittel Bureau in Wien.

MAK-Ausstellungsansicht, 2019, Otto Prutscher. Allgestalter der Wiener Moderne, MAK-Schausammlung Gegenwartskunst


© MAK/Georg Mayer

Perlglasvase nach entwurf von Otto Prutscher, 1908, Ausführung: Joh. Loetz Witwe, Klostermühle (Klášterský Mlýn, CZ),


© Otto Prutscher Archiv, Baden/Peter Kainz

Otto Prutscher, Fauteuil, Wien, um 1919, Ausführung: Gebrüder thonet, eichenholz, geschnitzt; Buchenholz, gebogen; Polsterung mit textilbezug


© MAK/Georg Mayer

Otto Prutscher, Kaffeeservice Nr. 1321 für die Firma Klinkosch, um 1915


© Otto Prutscher Archiv, Baden/Peter Kainz

Otto Prutscher, Joh. Loetz Witwe, Serie II und III, Ausstellung der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens, Oktober 1929


© Archivio Famiglia Otto Prutscher, Mailand

Wiener Werkstätte

Ab 1907 wurde er für die Wiener Werkstätte aktiv. Sein Lehrer Josef Hoffmann schlug ihn 1909 erfolgreich als Professor an der k. k. Kunstgewerbeschule vor: Dort leitete er bis zu seiner Zwangspensionierung aufgrund der jüdischen Herkunft seiner Ehefrau im Jahr 1939 den offenen Entwurfszeichensaal für Gewerbetreibende. Prutschers Entwürfe wurden von mehr als 200 Unternehmen umgesetzt, allen voran von der Wiener Werkstätte und wichtigen Herstellerbetrieben wie Backhausen, Augarten, Meyr’s Neffe, Schappel, Melzer & Neuhardt, Deutsche Werkstätten in Dresden oder Klinkosch. Sein Kaffeeservice Nr. 1321 für die Firma Klinkosch entstand um 1915.

Künstlerischer Berater

Für Thonet, Loetz Witwe und Wienerberger war er künstlerischer Berater. Eine Perlglasvase nach seinem Entwurf von 1908 entstand bei Joh. Loetz Witwe Klostermühle in Klášterský Mlýn (CZ). Gezeigt werden in der Schau auch Objekte aus der Serie II und III für Loetz Witwe, die die Genossenschaft der bildenden Künstler im Oktober 1929 ausgestellt hatte. Andere Entwürfe - auch für Objekte im Besitz des MAK - werden erstmals gezeigt und konnten bei Recherchen im Zuge der Ausstellungsvorbereitungen im Familienarchiv Otto Prutschers, das im Besitz seiner Enkelin Beba Restelli steht, in Mailand identifiziert werden.

Grafischer Bestand

Die MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung verfügt zudem über rund 1.200 Grafiken - Zeichnungen, Pläne, Entwürfe und Fotografien - von Otto Prutscher und damit den größten grafischen Bestand seiner Werke in einer öffentlichen Sammlung. Die ersten 18 Blätter gelangten 1955 im Zuge der Übergabe des Archivs der Wiener Werkstätte in die MAK-Sammlung. Der erste umfangreiche Teilnachlass von Otto Prutscher wurde dem MAK 1979/1980 dank der Initiative seiner in Italien lebenden Töchter Helly de Kuyser Prutscher und Ilse Restelli-Prutscher als Donation überlassen. Im Jahre 2018 vervollständigte die jüngste Schenkung durch Hermi Schedlmayer den Otto-Prutscher-Bestand im MAK.

Katalog und Ausstellung

Im Rahmen des EU-Projekts „ART NOUVEAU - Sustainable protection and promotion of Art Nouveau heritage in the Danube Region“ konnte das MAK den gesamten Bestand an Zeichnungen und Entwürfen von Prutscher bearbeiten und digitalisieren. Die Ergebnisse dieses Projekts sind in die begleitende Publikation „Otto Prutscher. Allgestalter der Wiener Moderne“ (MAK Studies 26) eingeflossen; herausgegeben von Christoph Thun-Hohenstein und Rainald Franz, mit Beiträgen von Silvia Colombari, Claas Duit, Rainald Franz, Aline Müller, Kathrin Pokorny-Nagel, Beba Restelli, Elisabeth Schmuttermeier und Christoph Thun-Hohenstein. Deutsch/Englisch, 160 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen, Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart 2019, erhältlich im MAK Design Shop, € 29.

Otto Prutscher, Allgestalter der Wiener Moderne, bis 17. Mai im MAK Wien.

Otto Prutscher, Vase II 5469 mit Blumensäule, Joh. Loetz Witwe für Bakalowits


© Otto Prutscher Archiv, Baden/Peter Kainz

Fotos: wie angegeben