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OUTRIDERS


Games Aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 19.02.2020

ACTION Auch Square Enix möchte einen Teil des Loot-Shooter-Kuchens abhaben. Ob ihr Vorhaben tatsächlich Potenzial hat, konnten wir höchstpersönlich in Warschau überprüfen.


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Bildquelle: Games Aktuell, Ausgabe 3/2020

Ob nun die Destiny-, The-Division- oder auch Borderlands-Reihe – sogenannte Loot-Shooter gehören zu den Titeln, die sich aktuell nicht nur wie geschnitten Brot verkaufen, sondern auch unglaublich lange und mit viel Leidenschaft gespielt werden. Kein Wunder also, dass sich jetzt neben Bungie, Massive Entertainment und Gearbox auch die Shooter-Experten von People Can Fly zu Wort melden. Die polnischen Entwickler hinter Bulletstorm ...

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... arbeiten seit nun knapp vier Jahren an Outriders, den eigenen Worten nach ein Spiel, das sie seit der Studiogründung schon immer realisieren wollten. Das vielversprechende Projekt mag auf den ersten Blick eine große Ähnlichkeit mit den bekannten Genre-Größen haben, setzt aber auf ein Special-System mit kurzen Abklingzeiten, das uns zum einen viele taktische Möglichkeiten bietet, aber zugleich den Fokus auf Kämpfe in naher bis mittlerer Distanz legt.

Wir waren bei den Entwicklern in Warschau zu Besuch und konnten vor Ort die ersten drei Stunden von Outriders ausprobieren – sowohl alleine als auch im Koop-Modus mit zwei weiteren Spielern. Da das Spiel laut Publisher Square Enix erst in einem knappen Jahr (Weihnachten 2020) erscheinen soll, haben wir uns beim Event auch nicht darüber gewundert, dass es noch Balancing-Probleme gab und gelegentlich kleinere Grafik-Bugs das Geschehen störten. Insgesamt waren wir vielmehr erstaunt darüber, wie gut Outriders bereits jetzt lange vor seinem Release funktioniert.

Die Devastator-Klasse hat eine Art Erdbeben als Spezialattacke.


Vor der Anomalie wirkt der Planet Enoch wie ein neues Paradies für die Menschheit.


Auf den ersten Blick könnte man die Helden von Outriders leicht mit denen von Destiny verwechseln.


KAPUTTE ERDE

Outriders entführt uns in eine düstere Zukunft, in der die Erde durch Kriege und eine starke Klimaveränderung unbewohnbar geworden ist. Die Menschheit hat als letzte Rettungsaktion zwei große Raumschiffe voller Kolonisten zum Planeten Enoch entsandt. Nach einer Reise von sage und schreibe 80 Jahren erreicht leider nur eines der Schiffe das Ziel. Aus ihrem Cryo-Schlaf geweckt, machen sich die sogenannten Outrider auf, um den paradiesisch wirkenden Himmelskörper voller grüner Wälder und malerischer Seen zu erkunden. Schon nach kurzer Zeit stoßen die Erkundungsexperten auf ein fremdes Signal, dessen Herkunft man sogleich ausfindig machen möchte. Doch auf dem Weg dorthin wirbelt ein Sturm die Truppe auseinander – einige der Outrider werden sogar durch die heftigen Winde in Stücke gerissen – und außerdem versagt auch jegliche Technik.

Nur wenige der Experten schaffen es wieder zurück zur Landekapsel, der Sturm hat sie jedoch auf eine merkwürdige Weise verändert. Unser Alter Ego gehört zu diesen wenigen Überlebenden. Doch uns bleibt keine Zeit, die genauen Auswirkungen der Anomalie zu untersuchen. Stattdessen werden wir zu einem Cryo-Pod gebracht, wo wir auf Hilfe warten sollen. Die Hilfe kommt aber nie, erst 30 Jahre später erwachen wir aus dem Schlaf und müssen feststellen, dass sich der Planet Enoch stark verändert hat. Die einst paradiesische Welt ist zu einer Art Vorhölle nach Dante mutiert, in der sich die überlebenden Kolonisten gegenseitig bekämpfen und sich die einst grünen Landschaften in Wüsten verwandelt haben.

Die Zukunft der Menschheit scheint also alles andere als rosig zu sein. Immerhin stehen uns dank der Anomalie Superkräfte zur Verfügung, die uns je nach Klassenauswahl etwa zu einer Art Feuermagier oder zu Zeitmanipulationskünstlern machen. Mit einem Sturmgewehr in der Hand machen wir uns auf den Weg, um nach dem merkwürdigen Signal zu suchen. Schließlich könnte es die letzte Rettung der Menschheit sein.

MEHR ALS NUR EINE KOPIE?

In den ersten Spielminuten fühlten wir uns trotz der andersartigen Story stark an Destiny erinnert. Wir spielen zwar aus der Verfolgerperspektive wie etwa in The Division, doch die trostlose, schmutzige Spielwelt und die Gegner ähneln doch stark denen aus Bungies Erfolgs-Shooter-Reihe. Die Möglichkeit, Deckung zu suchen und von dort aus die fiesen Feinde aufs Korn zu nehmen, erinnert wiederum an Ubisofts Loot-Shooter. Ebenso hat das Inventarmenü eine große Ähnlichkeit mit den anderen Genregrößen und auch das Rollenspielsystem mit seinem recht einfach gestrickten Talentbaum. So machten wir uns ein wenig Sorgen, ob Outriders tatsächlich das Zeug hat, der beinharten Konkurrenz Paroli zu bieten. Doch zum Glück wurden wir eines Besseren belehrt. Dafür brauchte es aber eine Weile, denn die Besonderheit von Outriders steckt in seinen spielbaren Klassen und ihren tatsächlich riesigen Unterschieden.

KLASSENUNTERSCHIEDE

Auf dem Event konnten wir drei der insgesamt vier Archetypen ausprobieren. Am Anfang spielten wir mit einem Devastator. Bei ihm handelt es sich um eine Art Tank-Klasse, die durch eine Spezialfähigkeit temporär eine steinerne Haut anlegen kann. Zudem können sich die Devastator in die Luft teleportieren und von dort in Sekundenschnelle auf eine Gegnergruppe springen. Als Spezialattacke verfügen sie obendrein über die Fähigkeit, die Erde an einer schmalen Spur beben zu lassen und so relativ großen Schaden an den Feinden zu verursachen. Im Laufe des Spiels werden wir auch noch weitere Spezialfähigkeiten freischalten, jedoch konnten wir bereits mit den dreien recht unterschiedlichen Taktiken anwenden. Zum Beispiel gab es die Möglichkeit, bei der ersten Sichtung einer Gegnergruppe zuerst aus der Luft zu ihnen zu springen, dann mit der Spezial attacke zwei oder auch drei Feinde zeitgleich auszuschalten, anschließend die steinerne Haut anzulegen und dann mit mehr Ruhe als sonst die restlichen Gegner zu killen. Eine andere Taktik von uns war es, zuerst auf eine Gegnergruppe zuzurennen, die Spezialattacke auszuführen und dann zu einem alleine stehenden Feind zu springen, ihn zu töten und dann die restlichen Widersacher mit einem Sturmgewehr oder einer Maschinenpistole auszuschalten.

Nach dem Erwachen aus dem Cryo-Schlaf wartet ein veränderter Planet auf unsere Helden.


Wie der Name bereits andeutet, sind Pyromancer wahrhafte Feuerkünstler, die auf Flächenschaden setzen.


Neben ihren Spezialfähigkeiten und Nahkampfattacken verwenden die vier Heldenklassen auch Schusswaffen wie etwa Scharfschützengewehre.


Der Skillbaum ist relativ einfach gestrickt, führt aber zu drei unterschiedlichen Spezialisierungen pro Heldenklasse.


Die nächste Klasse, die wir ausprobiert haben, war der Pyromancer. Er ist am ehesten mit einem Feuermagier zu vergleichen, der auf flächendeckende Spezialattacken setzt. Zum einen kann der Pyro eine Flammenmauer auf die Gegner losschicken, die allen Feinden in Sichtweite schadet. Die unserer Meinung nach interessantere Fähigkeit war es aber, Feinde zu tickenden Zeitbomben zu machen. Sobald ein Fiesling stirbt, den wir mit der Thermal- Bomb-Attacke angegriffen haben, explodiert er und reißt so noch weitere Gegner mit in den Tod. Das sieht nicht nur spektakulär blutig aus, sondern ist vor allem gut gegen große Ansammlungen von Feinden. Apropos Gegner: Auf dem Event hatten wir das Gefühl, dass die Feinde zwar nicht unbedingt supersmart agieren, uns mit ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit das Leben aber echt schwermachen. Ob sich die KI bis zum Release noch gravierend ändern wird, können wir aktuell nicht sagen. Als wir die Entwickler auf die eher durchschnittliche Intelligenz der Gegner angesprochen haben, meinten sie, dass man in Outriders auf eine fortgeschrittene KI setzt, die mit den Konkurrenztiteln vergleichbar ist.

Die letzte Stunde auf dem Event haben wir mit dem Trickster gespielt. Er ist wie gemacht für Leute, die lieber auf Nahkampfattacken statt Feuerwaffen setzen. Der Trickster kann zwar wie alle anderen Klassen auch jedes Gewehr im Spiel verwenden, den größten Schaden verursacht er aber mit seinen Fäusten. Damit man gegen bis an die Zähne bewaffnete Gegner eine Chance hat, kann er die Zeit manipulieren. Das ermöglicht ihm zum einen, sich hinter einen Feind zu teleportieren, und zum anderen, eine Sphäre zu erschaffen, in der alle Feinde verlangsamt werden. Zudem verfügt der Trickster über einen Schild, der mit der Anzahl getöteter Feinde stärker wird. Von den drei gespielten Klassen fanden wir den Trickster aktuell noch am stärksten. Seine Nahkampfattacke schaltet mehrere Feinde auf einmal aus und seine Zeitlupenkuppel hält so lange, dass man ohne Probleme mehrere Gegner sogar mit schwachen Gewehren ausknipsen kann.

GUTES GUNPLAY

Neben ihren unterschiedlichen Spezialfähigkeiten haben alle Klassen noch einen weiteren gravierenden Unterschied: Sie heilen sich jeweils auf eine andere Weise. Während der Trickster zum Beispiel seinen Lebensbalken auffüllt, indem er Feinde mit Nahkampfattacken ausschaltet, muss der Pyromancer Gegner mit Feuerangriffen töten. Mit der Heilmechanik wollen die Entwickler uns offensichtlich ein wenig an der Hand nehmen und uns dazu zwingen, unsere Klasse auch so zu spielen, wie sie gedacht ist. Uns hat das auf dem Event kaum gestört, denn wie bereits erwähnt, liegt die größte Stärke von Outriders in den Unterschieden zwischen Pyro, Devastator und Trickster. Was uns aber auch gut gefallen hat, war die Shooter-Mechanik. Man merkt einfach, dass die Entwickler bei People Can Fly wahre Genre- Experten sind, denn das Gunplay funktioniert schon jetzt richtig gut. Eine Shotgun fühlt sich zum Beispiel einfach wuchtig an, eine Maschinenpistole hingegen durch den geringen Rückstoß recht leicht. Das Trefferfeedback ist ebenfalls gelungen; wie schon in anderen Spielen des Studios platzen die Feinde gerne in tausend Stücke und so hatten wir wegen der gewollt übertriebenen Gewaltdarstellung unsere Freude daran, die monströsen Gegner zu killen.

Wie etwa in The Division hocken wir uns hinter eine Deckung und nehmen von dort aus die Gegner aufs Korn.


Auch das Inventarmenü hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Destiny.


Am Ende einer Mission erwartet uns ein Bossgegner. Beim Event machte der erste große Fiesling zwar nicht allzu viel Schaden, hatte aber viel zu viel Lebensenergie.


Optisch ist Outriders wiederum zwar schon jetzt recht nett, sieht aber nicht wirklich besser als die bereits älteren Konkurrenztitel wie Destiny 2 oder The Division 2. Auf dem Event haben wir auf einem High-End-PC in 4K-Auflösung gespielt und waren trotzdem von der Grafik nicht wirklich überwältigt. Die Umgebungen waren aber schon recht abwechslungsreich und auch die Charaktermodelle und ihre Animationen wirkten aufwendig. Bitte versteht uns nicht falsch, Outriders merkt man auf jeden Fall an, dass es ein Triple-A-Titel ist, aber es sah in der von uns gespielten frühen Version nicht bahnbrechend aus. Da das Spiel auch für die nächste Konsolengeneration, sprich für die PS5 sowie Xbox Series X, angekündigt ist, hatten wir wohl eine etwas zu hohe Erwartungshaltung. Das kann sich natürlich noch in den nächsten Monaten ändern, da man mit Grafikfiltern und anderen Effekten noch viel mehr aus den recht detaillierten Umgebungen herausholen kann.

MACHT EINFACH SPASS

Nach unseren drei ersten Spielstunden mit Outriders gingen wir mit einem guten Gefühl nach Hause. Das Spiel mag vielleicht in Sachen KI und Optik die Konkurrenz nicht übertrumpfen, dafür machte es richtig Laune – vor allem, wenn man mit den unterschiedlichen Spezialfähigkeiten der Klassen umgehen kann und so einen Gegner nach dem anderen platzen lässt. Da es beim Test von Outriders auch darauf ankommen wird, wie das Endgame ausfällt, wollen wir nach einer so kurzen Spielzeit den vielversprechenden Titel nicht mit zu viel Lob überschütten. Die Aussage aber, dass die Entwickler keine Lootboxen oder andere Pay- 2Win-Mechaniken einbauen wollen und ihr Spiel auch nicht als ein Games- as-a-Service-Titel ansehen, klingt mehr als gut. Ein Loot-Shooter, der neben Ausrüstungswerten auf Skill setzt, dürfte eben nicht nur bei uns gut ankommen.

An unterschiedlichen Gegnerarten mangelt es Outriders nicht. Die Pitbulls haben zum Beispiel keine Schusswaffen, dafür aber zwei Äxte.


MEINUNG: Matti Sandqvist

Gab es vor einigen Jahren noch eine richtige Schwemme von Helden-Shootern, sind nun offensichtlich Loot-Shooter bei den Publishern sehr beliebt. Ich finde es persönlich sehr gut, denn mit meinen Freunden spiele ich in letzter Zeit unheimlich viel The Division 2 und freue mich über jeden neuen Titel im Genre. Was ich ebenfalls super finde: Outriders spielt sich dank der unterschiedlichen Heldenklassen und dem Fokus auf Kämpfe in mittlerer und naher Distanz erfrischend anders. Zudem hat das Spiel einen ähnlichen Vorteil wie Destiny gegenüber anderen Konkurrenztiteln: People Can Fly haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie echte Shooter-Experten sind. Für die finale Version wünsche ich mir aber, dass die Entwickler an der Gegner-KI schrauben. Durch die Masse an Feinden fiel ihre eher durchschnittliche Intelligenz zwar nicht ganz so sehr ins Gewicht, aber ein paar Flankenangriffe oder sonstige Überraschungen würden den Kämpfen bestimmt nicht schaden.

Darauf basiert unsere Meinung
Wir waren in Warschau bei den Entwicklern zu Besuch und haben Outriders rund drei Stunden gespielt.

FAZIT

Outriders bringt endlich frischen Wind in das Genre der Loot-Shooter!