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Pakt gegen Preußen


G Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 20.08.2021

1. KAPITEL ERSTE FUNKEN

Versailles 1756

Artikelbild für den Artikel "Pakt gegen Preußen" aus der Ausgabe 9/2021 von G Geschichte. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: G Geschichte, Ausgabe 9/2021

»Ich muss Ihre unteren Gebiete haben«

Das frivole Flugblatt von 1742 spielt auf Preußens Annexion von Schlesien an

Das Kleid der Dame ist hochgerutscht, die Schenkel bloß, der Busen blank; auf einem Diwan bedrängen sie sechs übergriffige Männer. Einer, als Friedrich II. zu erkennen, greift ihr, Maria Theresia, gar unters Kleid: »Ich muss Ihre unteren Gebiete haben.« Die satirische Radierung (Bild links) mit dem vielsagenden Titel »The Queen of Hungary stript« spielt 1742 wenig subtil auf die Besetzung Schlesiens durch Friedrich II. an. Diese weitet sich zum Österreichischen Erbfolgekrieg aus, in dem mehrere Fürsten Ansprüche auf die Habsburger Erblande erheben. Doch Maria Theresia lernt schnell. Sie wird sich gegen Friedrich Verbündete suchen. Und zwar dort, wo es Friedrich richtig ...

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... wehtut.

Der Preußenkönig gerät auch mit der zweiten mächtigen Frau Europas aneinander: der russischen Zarin Elisabeth I., die er als »infame Hure des Nordens« bezeichnet. Als illegitime Tochter Peters des Großen ist sie durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen und fürchtet zeitlebens einen Anschlag. Die sehr religiöse Zarin sieht umgekehrt Friedrich als »bösen Fürst ohne Gottesfurcht«, der »jede Sache ins Lächerliche dreht und niemals in die Kirche geht«.

Ihre Verwandte Maria Theresia hat Schlesien nicht vergessen und nähert sich der Zarin an. Als Friedrichs Preußen den russischen Interessen an einer Westexpansion zunehmend in die Quere kommt, kann die Habsburgerin die Romanowa gewinnen. Das Band festigt Maria Theresia, als sie Elisabeth 1747 vorschlägt, Taufpatin ihres Sohnes Leopold zu werden.

1755 findet Maria Theresia auch einen Weg zu Ludwig XV. von Frankreich: über Jeanne-Antoinette de Pompadour, des Königs engste Vertraute und Beraterin. Die schöne, wohlhabende Frau ist seit zehn Jahren offiziell die oberste Mätresse und hat ihre Stellung am Versailler Hof geschickt gefestigt. Weil Ludwig selbst bei Audienzen mit hoffremden Diplomaten nicht einmal spricht, umschwärmen diese die Marquise. Erst recht, seit sie ab 1751 auch bei Ludwigs Arbeitsgesprächen mit dem Außenminister anwesend ist.

Als Graf Starhemberg, österreichischer Botschafter am Hof in Versailles, die Marquise als Mittlerin vorschlägt, findet Maria Theresia sie »vorzüglich erwehlet«. Tatsächlich hat die Pompadour etwas mit Maria Theresia und Elisabeth I. gemeinsam: Auch sie hat keine hohe Meinung vom Preußenkönig. Spätestens seitdem er 1752 in seinem »Politischen Testament« schonungslos über Frankreich – und über sie – gelästert hat: »Ein schwacher Fürst redet sich ein, dass er diese Monarchie regiert. Eine Mätresse, die nur auf ihre Bereicherung hinarbeitet, viel Unordnung und viel Räuberei stürzen diesen Staat in einen Abgrund von Schulden.«

Friedrich versucht die Pompadour zu bestechen — vergeblich

Pikant dabei: Friedrich II. interessiert sich für Pompadours Einfluss auf den König und versucht, sie mit Geld und Geschenken für Preußen einzunehmen. Zum Ende des Siebenjährigen Kriegs wird er gar Unterhändler anweisen, sie mit 500 000 Franken für einen Frieden zu bestechen. Die bürgerliche Mätresse, die Friedrich für so korrumpiert hält, wird auf die preußischen Korruptionsversuche nie eingehen.

Ende August 1755 erhält die Pompadour von Graf Starhemberg zwei Briefe. Der erste ist vom österreichischen Staatskanzler an sie persönlich und erklärt, dass der zweite Brief, von Maria Theresia an Ludwig, Dinge von »größter Wichtigkeit« enthalte. Im Mai 1756 unterzeichnen die beiden Mächte den ersten Vertrag von Versailles. Es ist ein Neutralitätsabkommen und ein Defensivbündnis, in dem sie einander im Verteidigungsfall – gegen Preußen – militärische Unterstützung zusichern. Mit der historischen Umkehrung der Allianzen, dem »Renversement des alliances«, endet der seit 1516 bestehende Konflikt zwischen Österreich und Frankreich.

Friedrich hat dafür selbst den letzten Ausschlag gegeben, als er kurz zuvor die preußisch-britische Konvention von Westminster schloss. Mit ihr wollte Georg II., Friedrichs Onkel, das europäische Gleichgewicht wahren und sein Militär für den Kampf um die Kolonien mit Frankreich schonen. In Versailles war man düpiert. Weil sich der Partner Preußen mit dem Erzfeind verband, nimmt man nun das Habsburger Angebot erst recht zügig an.

Als Österreich noch ein Bündnis mit Russland schließt, bleibt Friedrichs Reaktion nicht aus. Er schimpft auf »die drei Erzhuren Europas« und überfällt Sachsen im August 1756 in einem angeblichen Präventivschlag und ohne Kriegserklärung. Es ist der Beginn des Siebenjährigen Kriegs (siehe Beitrag ab Seite 40). Maria Theresia wird seufzen: »Der liebe Gott wird doch schließlich Mitleid mit uns haben und dieses Ungeheuer vernichten.« Aber auch Friedrich kommt in diesem Krieg an seine Grenzen. Eine Anekdote besagt, dass er, von einer Leipziger Wirtin auf seine Abgekämpftheit angesprochen, geantwortet habe: »Wenn man zwei Weiber und die Franzosen am Halse hat, muss man wohl schlimm aussehen.«

LESETIPP

Eva Kathrin Dade: »Madame de Pompadour. Die Mätresse und die Diplomatie«. Böhlau 2010, € 50,–