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Panasonic Lumix GX880 (ca. 450 Euro): Edel-DSLM für MFT-Einsteiger


CHIP Foto-Video - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 07.08.2019

Spiegellose Technik muss nicht sündteuer sein: Mit der Panasonic Lumix GX880 landet der Hersteller einen Volltreffer, sowohl beim Preis als auch bei der Leistung.


IN LABOR & PRAXIS GETESTET

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Bildquelle: CHIP Foto-Video, Ausgabe 9/2019

Beim Smartphone längst gang und gäbe, war die interne Korrektur und tiefgreifende Bearbeitung von Bildern direkt in der Systemkamera bislang kein Thema. Die Panasonic Lumix GX880 bricht mit diesem vermeintlichen Tabu und erweitert den Funktionsumfang des Nachfolgemodells der GX800 um eine Reihe cleverer Software-Funktionen. Kann dies und die Flexibilität, die ein Wechselobjektiv-System bietet, Smartphone- Fotografen ...

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... zum Umstieg bewegen? Und bringen die fertigen Aufnahmen auch den nötigen Qualitätsabstand zu Apple, Samsung, Huawei & Co.mit?

Gesunder Geist im schicken Body

Verändert hat sich im Vergleich zur Vorgängerin zunächst scheinbar wenig. Das fängt beim kompakten Micro-Four-Thirds-Sensor an, der nach wie vor mit 16 Megapixeln auflöst, was für einen großformatigen Druck von 40 mal 30 Zentimetern Größe mit knapp 300 dpi ausreicht. Da die meisten Bilder aus der GX880 ohnehin im Netz landen dürften, gibt es hier für DSLM-Einsteiger gewiss keinen Grund zur Beunruhigung. Einen Tiefpassfilter besitzt die Spiegellose nicht. Das verspricht in der Theorie schärfere Aufnahmen; das Risiko, dass in den fertigen Bildern der störende Moiré-Effekt auftritt, steigt allerdings; doch dazu später mehr.

Ausgestattet mit einem mechanischen Schlitzverschluss und einem rein elektronischen Verschluss, liegt die kürzeste Belichtungszeit bei 1/16.000 s – bei Bedarf vollkommen lautlos. Angesichts von ISO 100 am unteren Ende und ISO 25.600 am oberen ist die DSLM für jede Aufnahmesituation – von schneller Action am Tag bis hin zur Langzeitbelichtung in der Nacht – bestens gerüstet. Unterstützt wird der Sensor von einem überarbeiteten Venus-Bildprozessor. Der hat nicht nur Bildrauschen vergleichsweise gut im Griff, sondern verarbeitet die Aufnahmen auch in einem beachtlichen Tempo: Knapp sechs Bilder pro Sekunde ohne Schärfenachführung bis zu einer Serienlänge von über 100 JPEGs beziehungsweise 25 RAWs misst hier unser Labor. Soll der Fokus dem Motiv folgen, stemmt die GX880 noch knapp fünf Bilder pro Sekunde, das ist grundsolide.

Äußerlich sieht die Lumix dem Schwestermodell zum Verwechseln ähnlich. Hinzugekommen ist nur eine Art Griffsteg auf der Gehäusevorderseite. Da ein elektronischer Sucher weiterhin fehlt, erfolgt das Anvisieren von Motiven generell über den 3,0-Zoll-Touchscreen mit einer ausreichend hohen Auflösung von 1,04 Millionen Bildpunkten. Bei Bedarf lässt sich das Display um bis zu 180 Grad nach oben klappen. Die Tasten sind klein, aber gut erreichbar – selbst bei größeren Händen ist die Bedienung nicht fummelig. Die Touch-Benutzeroberfläche ist gut strukturiert und intuitiv nutzbar – wer ein Smartphone kennt, stößt auch bei der GX880 nicht an Grenzen. Unter einer Klappe an der linken Gehäuseseite verbergen sich ein Mini-HDMI- und ein Micro-USB-Port. Und unter der Abdeckung am Kameraboden finden sich der mit 680 mAh knapp bemessene Akku und der Slot für die microSD-Karte.

Ob die Panasonic Lumix GX880 als Qualitäts- Alternative zum Smartphone bestehen kann, sollten die Labormessungen zeigen. Und tatsächlich: In Sachen Auflösung liefert die DSLM bei viel Umgebungslicht sowie in diffusen Lichtsituationen bis ISO 1.600 eine prima Leistung ab, sei es im Zentrum oder auch in den Ecken. Bei höherer ISO leiden zunächst die Werte am Bildrand, ab ISO 6.400 dann auch im Bildzentrum, und das deutlich. Ausreichend scharfe Aufnahmen gelingen bis einschließlich ISO 3.200, also auch bei Dämmerlicht. Den eingangs erwähnten Moiré- Effekt konnten wir in keiner Aufnahmesituation feststellen. So weit, so gut.

Gründlich auf den Zahn gefühlt

Die Darstellung feiner Details meistert die GX880 bis einschließlich ISO 800 sehr gut bis gut. Zwischen ISO 1.600 und 6.400 reduzieren sich die Messwerte auch hier kontinuierlich. Jenseits von ISO 6.400, also in Aufnahmesituationen mit wenig Umgebungslicht, bricht die Darstellung feiner Details jedoch deutlich ein. Bei wenig Licht bedeutet das sehr matschige, glattgebügelte Bilder. Ein Umstand, der unter anderem auch auf den ab ISO 6.400 stark einsetzenden Weichzeichner zurückzuführen ist. Unterhalb dieser Schwelle hat die GX880 Rauschen noch ganz gut im Griff, jenseits von ISO 6.400 sind Störpixel auch ohne den Einsatz der Bildschirmlupe klar erkennbar.

Negativ aufgefallen ist uns bei sehr kurzen Verschlusszeiten auch ein sogenannter Banding-Effekt: Bei Aufnahmen mit Kunstlicht ist in manchen Fällen eine Streifenbildung im Bild erkennbar. Die Ursache dafür: Künstliche Lichtquellen senden nicht konstant Licht aus, sondern quasi in Impulsen; in Europa mit einer Frequenz von 50 Hertz, also 50-mal pro Sekunde. Beim Fotografieren mit elektronischem Verschluss wird der Sensor nicht komplett, sondern in der Regel zeilenweise ausgelesen. So kann es vorkommen, dass einige Bildbereiche korrekt angezeigt werden, andere aber zu dunkel – und zwar genau dann, wenn das Auslesen des Sensors nicht schnell genug erfolgt. Eine Funktion, um den elektronischen Verschluss komplett zu deaktivieren, findet sich im übersichtlichen Kamera-Menü. Doch wenn sich der Fotograf auf den mechanischen Verschluss beschränkt, reduziert sich die kürzeste Belichtungszeit auf 1/500 Sekunde – ein schmerzhafter Kompromiss.

Eine Kamera, die mitdenkt

Eines schon mal vorneweg: Die zahlreichen Smart-Funktionen benötigen viel Strom, was den ohnehin schon eher knapp bemessenen Akku ordentlich belastet. Nach rund 400 Aufnahmen war beim Fotografieren schon Schluss. Werden kameraintern viele Bilder bearbeitet, verkürzt sich die Laufzeit entsprechend stark. Positiv in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, die GX880 über den Micro-USB-Port auch unterwegs zu laden, beispielsweise mit einer Powerbank.

Doch zurück zu den Bearbeitungsfunktionen, die wir ansonsten nur von Smartphones kennen. So kann der Benutzer etwa per Motiv-Assistent zwischen einem von insgesamt 21 verschiedenen Bildstilen wählen, die von professionellen Fotografen entworfen wurden. Die Kamera passt dann alle Einstellungen bei der Aufnahme automatisch an. Spannend auch die darüber hinausgehenden Tipps seitens der Kamera: Um ein möglichst ähnliches Ergebnis zu erzielen, wird mittels Bildschirmtexten beispielsweise angezeigt, welches Objektiv oder welchen Aufnahme-Modus der Fotograf im jeweiligen Zusammenhang verwenden sollte. Toll für Einsteiger, die dazulernen möchten.

Detailreich : Bei ISO 200, dem Basiswert der GX880, überzeugen die Aufnahmen in Sachen Schärfe vollkommen. Bei Bedarf ist auch ISO 100 im erweiterten Modus verfügbar.


Panasonic Lumix GX880mit Noctocron 42,5mmf/1,2 |85mm(KB) |f/1,6 |1/400Sek. |ISO200

Nicht mit dem Motiv-Assistenten zu verwechseln sind die 22 zusätzlichen kreativen Aufnahme-Modi. Von Retro über High Key oder Miniatur-Effekt bis hin zu selektiver Farbe lädt die DSLM hier zum Experimentieren ein. Parallel zur bearbeiteten Aufnahme wird auf Wunsch auch das unbearbeitete Original abgespeichert. Die sogenannten Beauty-Funktionen richten sich an Fotografen, die bei Porträt- Aufnahmen nachbessern möchten. Das fängt beim Aufhellen der Zähne an, geht weiter mit dem Entfernen von Hautunreinheiten oder der Verstärkung des Lächelns und reicht bis zu einem fünfstufigen „Verschlankungs-Effekt“. Die GX880 erweist sich dabei als erstaunlich präzise in der Verarbeitung und liefert Ergebnisse, wie sie auch vergleichbare Apps auf dem Smartphone erzielen. Dennoch gilt: Die Retusche- Einstellungen sollten mit Fingerspitzengefühl verwendet werden. Vor allem die stärkeren Stufen lassen das Ergebnis schnell unecht oder verzerrt und somit amateurhaft aussehen. Bessere Ergebnisse liefert die kamerainterne Entwicklung von RAWs, auch wenn die Retusche-Funktionen in diesem Fall nicht verfügbar sind.

Fotografieren mit viel Freiheit

Abseits dieser vermeintlichen Spielereien verfügt die GX880 noch über ein umfangreiches Repertoire an generell praktischen Funktionen. Klappt man das Touchdisplay nach oben, wechselt die Kamera beispielsweise automatisch in den Selfie-Modus. Der Fotograf kann zudem anstatt einer Einzelaufnahme auch die tollen 4K-Photo-Modi wählen. Hier stehen dann entweder 15 Bilder pro Sekunde mit vollem Betrachtungswinkel oder 30 Bilder pro Sekunde mit einem leichten Beschnitt zur Wahl – außerhalb des Selfie- Modus bei Bedarf noch Post-Focus und Focus Stacking. Diese Funktionen erlauben, die Schärfeebene in einem Bild nachträglich festzulegen beziehungsweise aus mehreren Aufnahmen ein Bild mit großer Schärfentiefe zu erstellen.

Apropos Schärfe: Insgesamt 49 wählbare Fokusfelder besitzt das Kontrast-AF-System, das um die DFD-Technologie – eine Art Phasen-Autofokus – erweitert wurde. Unterschiede zu anderen MFT-Kameras sind hier in Bezug auf Tempo oder Genauigkeit nicht festzustellen, der Autofokus arbeitet flott und präzise. Hinzu kommt noch eine Gesichtsund Augen-Erkennung sowie der sogenannte Pinpoint-AF: Dieser funktioniert wie eine Fokus-Lupe beim manuellen Scharfstellen, nur eben im AF-Modus. So lässt sich der AF-Bereich noch präziser scharf stellen.

Videos? Kann die Spiegellose!

In puncto Bewegtbild ist die Panasonic GX880 bestens aufgestellt: UHD-Videos mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde und einer Datenrate von 100 MBit/s genügen definitiv auch gehobenen Ansprüchen. Video in Full HD und mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde erlauben wiederum Zeitlupensequenzen mit halber Geschwindigkeit. Die Länge der einzelnen Clips ist dabei auf 30 Minuten beschränkt. Filmt man länger, bricht die Aufnahme jedoch keineswegs ab, das Video wird lediglich auf eine weitere Datei aufgeteilt. Je ein Aufnahmemodus für Zeitraffer und Stop- Motion-Animationen runden das sehr gute Video-Angebot der Lumix ab.

Allerdings vermissen wir einen 3,5-mm- Klinkenstecker zum Anschluss eines externen Mikros. Für kommende Generationen wäre hier eine Adapter-Lösung für den USBPort spannend – eine Funktionalität, mit der die GX880 zum Kampfpreis von unter 300 Euro ohne Objektiv und 450 Euro mit dem kompakten 12–32-mm-Kit-Objektiv sicherlich die Gunst der Video-Blogger errungen hätte. Die Herzen von Livestyle-Fotografinnen und Fotografie-Einsteigern erobert die DSLM ja ohnehin schon im Sturm.


Clever softwareseitig weiterentwickelt entlang bewährter MFT-Stärken. SASCHA LUDWIG, REDAKTEUR


Fertig für Facebook, Instagram & Co.

Die internen Bearbeitungsfunktionen der Lumix GX880 sind vielfältig und machen die nachträgliche Korrektur am Computer beinahe überflüssig.

Für die Feinanpassung von Porträt- Aufnahmen hat die Panasonic Lumix GX880 gleich mehrere Bearbeitungskategorien parat: Unter die „ästhetischen Korrekturen“ fallen Einstellungen, um die Haut zu glätten, Glanz zu entfernen, Zähne aufzuhellen, Falten zu straffen und auch die Augen zu betonen. Jede Einstellung verfügt dabei über fünf Intensitätsstufen – von leicht bis sehr stark.

Nachträglich anpassen lässt sich auch das Make-up: Dabei ist es möglich, die Farben komplett zu verändern – von der Grundierung über die Lippenfarbe und das Wangenrouge bis hin zum Lidschatten. Zuletzt findet sich sogar eine Option, die das Lächeln verstärkt. Allerdings erzeugt sie ein sehr unnatürlich wirkendes Ergebnis, das einem nahelegt, auf diese Art „Tuning“ zu verzichten.

Deutlich bessere Ergebnisse liefert die interne RAW-Verarbeitung: Hier finden sich alle wichtigen Einstellmöglichkeiten, die fortgeschrittene Fotografen aus Bildbearbeitungsprogrammen kennen: angefangen bei der Korrektur für Lichter, Schatten und Weißabgleich bis hin zu den verschiedenen Bildstilen, einer Rauschminderung oder auch einem nachträglichen Schärfen der Aufnahme.

Die Panasonic Lumix GX880 im Labor und in der Praxis

Auflösung & Details : Von 2.069 theoretisch möglichen Linienpaaren pro Bildhöhe bildet die GX880 bei niedrigster ISO gute 1.770 Linienpaare ab. Selbst bei ISO 1.600 bewegen wir uns immer noch jenseits der Marke von 1.700 Linienpaaren, eine tolle Leistung. Und selbst bis ISO 6.400 liegen die Werte noch um 1.650 Linienpaare. Erstaunlich, wie konstant hier die Messwerte ausfallen. Ähnlich bei den Details: Bis ISO 800 bleiben die Werte konstant bei 1.550 Linienpaaren, Zwischen ISO 1.600 und 6.400 liegt die GX880 durchgehend bei knapp über 1.400 Linienpaaren – Hut ab!

Rauschverhalten : Bis einschließlich ISO 1.600 gibt es an den Aufnahmen aus der GX880 nichts auszusetzen, Störpixel sind nur unter der Lupe zu erkennen. Bei Schwachlicht und ISO 6.400 ist Rauschen schon deutlicher zu erkennen, jenseits dieser Marke sollten Sie nur im Notfall fotografieren.