Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

Panasonic Lumix S1H (ca. 4.000 Euro): Video killed the Photo-Star


CHIP Foto-Video - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 02.01.2020

Bereits mit den Modellen S1 und S1R hat Hersteller Panasonic so manchen Kleinbild-Fotografen glücklich gemacht. Nun nimmt die Lumix S1H Anlauf, dies in der Disziplin Video zu wiederholen.


VON SASC HALUDWIG

IN LABOR &PRAXIS GETESTET

Artikelbild für den Artikel "Panasonic Lumix S1H (ca. 4.000 Euro): Video killed the Photo-Star" aus der Ausgabe 2/2020 von CHIP Foto-Video. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: CHIP Foto-Video, Ausgabe 2/2020

Wer auf der Suche nach einer Video- DSLM ist, stolpert früher oder später über die Kameras von Panasonic. Die Micro-Four-Thirds-Modelle der GH-Serie erfreuen sich unter Filmern einer großen und seit langer Zeit ungebrochenen Beliebtheit. Kein Wunder, bieten doch die Geräte der aktuellen Generation noch heute, also mehr als zwei Jahre nach ihrer Vorstellung, noch immer ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von CHIP Foto-Video. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Die besten Fotos der Welt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die besten Fotos der Welt
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von NEWS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von BLITZEN: Ihr Einstieg in die Blitzfotografie. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BLITZEN: Ihr Einstieg in die Blitzfotografie
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von Profi-Tricks für maximale Schärfe. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Profi-Tricks für maximale Schärfe
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von DUELLANT 1: RAW Duell. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DUELLANT 1: RAW Duell
Titelbild der Ausgabe 2/2020 von DVD: Alle Jahre wieder. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DVD: Alle Jahre wieder
Vorheriger Artikel
Fujifilm X-A7 (ca. 710 Euro): Der smarte Einstieg in das X-System
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel FILME: Analoge Bilder digitalisieren
aus dieser Ausgabe

... Video-Features, die wir bei vergleichbaren Konkurrenzmodellen schlicht nicht finden. Egal ob eine feinere Farbunterabtastung oder höhere Datenraten – Video-DSLMs von Panasonic haben in der Vergangenheit stets Pionierarbeit geleistet und Profifunktionen in der Consumer-Klasse etabliert. Und so viel schon vorneweg: Auch die Lumix S1H bleibt diesen Tugenden treu und setzt den künftigen Maßstab in Sachen Videoqualität bei den Kleinbild-DSLMs.

Die Video-Kamera, die Foto kann

Bevor die Lumix S1H in ihrer Paradedisziplin mit Superlativen um sich werfen darf, schweift der Blick auf diejenige Betriebsart, für die das wuchtige Gehäuse zumindest der Form nach geschaffen zu sein scheint: den Foto-Modus.

Herzstück der DSLM ist derselbe auf fünf Achsen stabilisierte 24-MP-Kleinbild-Sensor, den wir in der Lumix S1 finden. Und auch in Hinblick auf die Ausstattung sind die Schwestermodelle weitestgehend identisch. Unterschiede am Gehäuse werden im Wirkungsbereich des rechten Zeigefingers und beim Display auf der Rückseite sichtbar. So sitzt der Hauptschalter nun direkt am Auslöseknopf. Direkt neben dem großen Schulter-Display findet sich nun, sehr prominent platziert, der rote Knopf zum Start der Video-Aufnahme. Dessen angestammter Platz neben dem Sucher bleibt dafür leer.

Ebenso wie die Art der Aufhängung hat Panasonic die Auflösung des großen 3,2-Zoll-Touchscreens leicht verändert: Das Display mit jetzt 2,33 statt 2,1 Millionen Bildpunkten klappt wie schon in der GH-Serie um bis zu 180 Grad nach vorne. Zudem steht der Monitor nun leicht aus dem Gehäuse hervor. Den gewonnenen Platz nehmen links und rechts zwei markante Lüftungsschlitze ein, die eine bessere Kühlung des Bildprozessors gewährleisten sollen. Das dahinter verbaute Lüfterrad ist bei der Aufzeichnung von 6K-Videos deutlich hörbar, was (Profi-)Filmer aber kaum tangiert, da sie den Ton von der Kamera entkoppeln. Und statt des Speicherslots für XQD-Karten finden wir bei der S1H zwei schnelle UHS-II-Schächte unter der Abdeckung auf der rechten Kameraseite.

Der sehr klare elektronische Sucher mit einer Auflösung von 5,76 Mio. Pixeln bleibt unverändert – das restliche Gehäuse ebenso. Der auffällig wuchtige Body hat mit insgesamt 1.172 Gramm gegenüber den Schwestern etwas zugelegt. Das Handling für Filmer gestaltet sich dennoch vorbildlich, die DSLM liegt satt und sicher in der Hand. Auch bei den Funktionen sowie der Performance ist die Verlagerung hin zum Thema Video nicht zu übersehen: Die kürzeste Belichtungszeit für Fotos liegt nur noch bei 1/8.000 s und auch die Qualität der Aufnahmen fällt im Vergleich zur Lumix S1 geringer aus. Sowohl bei der Auflösungsmessung als auch bei der Darstellung feiner Details liegt die Lumix S1H durch die Bank rund 10 bis 15 Prozent unter den Leistungswerten des Schwestermodells. Und auch mit der Länge von Bildserien sieht es ähnlich aus: Zwar stemmt die Lumix S1H immer noch flotte neun Bilder pro Sekunde, nach 84 RAWs oder 100 JPEGs ist allerdings Schluss. Für sich genommen sind dies passable Werte, doch die Lumix S1 schießt bei gleicher Geschwindigkeit bis zu 1.000 JPEGs oder 120 Bilder in RAW. Was das Rauschverhalten angeht, liegen beide DSLMs auf Augenhöhe und erreichen somit ein hervorragendes Niveau.

Flexibel: Die neu konzipierte Aufhängung des Touchdisplays ist in der Praxis ein Gewinn. Egal aus welchem Winkel und auch bei direkter Sonneneinstrahlung: Alle Werte wie auch das Vorschaubild sind stets einwandfrei ablesbar


Fotografen: Finger weg!

Um eine Sache klarzustellen: Wenn Sie eine Fotokamera mit Vollformat-Sensor suchen, stellt die Panasonic S1H eigentlich keine Option dar. In diesem Fall sollten Sie den Blick auf das Schwestermodell, die Lumix S1, richten. Sie ist nicht nur stolze 1.500 Euro günstiger, sondern performt auch bei der Foto-Auflösung und der Aufnahme schneller Serien deutlich besser. Selbst das hochauflösende Topmodell der Serie, die Lumix S1R, ist für rund 300 Euro weniger als die S1H zu haben. Kommen wir also zu den Kriterien, die den stolzen Preis der DSLM für viele Nutzer rechtfertigen: der Ausstattung für Filmer und der Video-Performance.


6K-Video liefern im Consumer-Bereich derzeit nur die S1H und die Pocket Cinema Camera 6K von Blackmagic


Die Lumix S1H wirkt wie eine GH5 auf Steroiden. Und das nicht nur wegen ihres bulligen Gehäuses: Videos in 6K-Auflösung – genauer mit 5.952 x 3.968 Pixeln, dazu 24 Bilder pro Sekunde bei 10 Bit Farbtiefe und 4:2:0 Farbunterabtastung – landen mit einer Datenrate von 200 MBit pro Sekunde auf den beiden UHS-II-Speicherkarten. Das sind fantastische Eckdaten! Kommen zusätzlich die flachen Bildprofile V-Log und V-Gamut (bekannt aus der professionellen Vari-Cam des Herstellers) zum Einsatz, verspricht der Hersteller einen Dynamikumfang von bis zu 14 Blendenstufen zwischen den dunkelsten und hellsten Stellen im Bildausschnitt. Wer lieber mit 30 oder 25 fps filmen möchte, kann dies mit einer Maximalauflösung von 5.888 x 3.312 Pixeln tun. Die feinere 4:2:2-Farbunterabtastung mit 10 Bit Farbtiefe steht dagegen nur bei einer C4K-Auflösung, sprich 4.096 x 2.160 Pixeln, dafür aber mit bis zu 400 MBit/s sowie einer reinen Codierung mit Intra-Frames zur Verfügung.

Auch die Ausgabe auf den externen Rekorder, der per Standard-HDMI-Port angeschlossen werden kann, erfolgt maximal in 4K-Auflösung. Freunde spannender Zeitlupen schalten noch einen Gang runter, nutzen Full HD und freuen sich über eine satte Sensor- ausgabe von 180 fps im Modus mit variabler Bildrate. Kurz: Für jeden Filmer wie auch für jede Aufnahmesituation hält die Lumix S1H die passende Kombination aus Farbcodierung, Auflösung, Bildfrequenz und Datenrate bereit. Über jeden Zweifel erhaben ist auch die Videoqualität: Sowohl bei der gemessenen Auflösung als auch bei der Darstellung feiner Details liegt die Lumix S1H zwischen 10 und 20 Prozent über den Werten des bisherigen Spitzenreiters, der Fujifilm X-H1.

Die Video-Ausstattungs-Königin

Jenseits dieser imposanten Werte finden wir noch eine sogenannte „Dual Native ISO“-Architektur. Vereinfacht dargestellt handelt es sich dabei um zwei unabhängige Schaltkreise, welche die Empfindlichkeit des Sensors regeln; ein eher unempfindlicher Schaltkreis für Aufnahmen mit viel Umgebungslicht und ein sensitiveres Pendant für Schwachlicht-Videos. Die Wahl kann manuell oder automatisch erfolgen und reduziert das Rauschen signifikant. Apropos herausragend: Bildstabilisator und Autofokus zählen zum Besten, was wir aktuell in einer Systemkamera finden. Für mehr kreative Freiheit lässt sich dazu noch mit einer kürzesten Verschlusszeit von 1/16.000 s filmen. Timecode überträgt bzw. empfängt die S1H per BNC-Adapter, der dann den Blitzsynchron-Anschluss an der Vorderseite der Kamera belegt. Ein weiteres Highlight für erfahrene Filmer ist die Option, mit anamorphotischen Vorsatzlinsen drehen zu können. Die Kamera korrigiert intern und stellt das fertige Bild auf dem Display verzerrungsfrei dar.

Die Panasonic Lumix S1H im Labor und in der Praxis

Bildrauschen: In puncto Rauschverhalten liegen Lumix S1 und Lumix S1H gleichauf: Bis ISO 1.600 sind keinerlei Störpixel in den Aufnahmen beider Kameras zu sehen. Bei Empfindlichkeiten jenseits dieser Marke ist ein feines Rauschen zwar erkennbar, eine wirklich störende Auswirkung auf die Bildergebnisse bleibt aber aus – hervorragend. Selbst bei sehr hohen ISO-Werten bleiben noch ausreichend viele Details im Bild erhalten.

Auflösung und Details: Dank der höheren 6K-Auflösung der Lumix S1H liegen auch die Messwerte für die tatsächlich dargestellte Auflösung und die Detailzeichnung über den Werten des Schwestermodells. Werden Videos in der Post-Produktion also beispielsweise auf 4K herunterskaliert, ist deutlich mehr Schärfe erkennbar. Setzt man die Messwerte von S1 und S1H in Relation zu ihrer höchsten Video-Auflösung, ergibt sich ein leichter Vorteil für den Filmprofi S1H.

Die Panasonic Lumix S1H im Detail

Bereits beim Gehäuse wird deutlich, dass die S1H bedingungslos auf Video getrimmt wurde – durchweg mit Erfolg

Die Entwickler haben sich entschieden, zwei SD-Speicherbänke in der Lumix S1H zu verbauen statt eines XQD- und eines SD-Karten-Slots.


Ein Standard-HDMIsowie ein USB-CPort erlauben den Anschluss vielfältiger Rekorder an die S1H ohne den Umweg über lästige Adapter-Lösungen.


Das Schulterdisplay zeigt sämtliche Video-Einstellungen gut ablesbar an. Zusätzlich steht eine Beleuchtung für das Display und die Tasten auf der Rückseite zur Verfügung.


Zugreifen oder abwarten?

Lohnt sich der Schritt zu 6K-Video und somit hin zur Lumix S1H schon heute? Hier gehen die Meinungen auseinander. Fakt ist: Mehr Video-Auflösung ist im Consumer-Bereich derzeit nicht verfügbar. Damit verbundene Vorteile in der Nachbearbeitung – Stichwort Cropping – sind nicht von der Hand zu weisen; von der herausragenden Qualität der Videos an sich ganz zu schweigen. Wer dringend mehr braucht als 4K-Video, überlegt also nicht lange. Andererseits kann man beschließen, die Zwischengröße mit 5.976 x 3.968 Pixeln zu überspringen und sich auf den nächsthöheren 8K-Standard vorzubereiten. Prognosen gehen davon aus, dass entsprechende Aufnahmegeräte bereits Ende 2020 oder Anfang 2021 für Endverbraucher verfügbar sein könnten. Ein Zeitraum, der mit einer 4K-Kamera wohl noch überbrückt werden kann.

+ Sensationelle Videobildqualität, Ausstattung, Bildstabilisator, Autofokus

-Foto-Performance nur durchschnittlich, lauter Lüfter, wuchtiges Gehäuse


„Die neue Referenz für DSLM-Filmer“


SASCHA LUDWIG, REDAKTEUR


Die Lumix S1H schließt die Lücke zwischen den klassischen Video- DSLM und leistungsfähigeren Profikameras. Und das zu einem günstigen Preis, denn: Vergleichbare Systeme von Canon oder Sony sind meist erst für fünfstellige Beträge zu haben; allein Blackmagic darf da derzeit als Ausnahme gelten. Die S1H jedenfalls passt sich nicht nur fast im Vorbeigehen jeder Situation zuverlässig an, sondern liefert durch die Bank sensationelle Ergebnisse. Nur nicht beim Fotografieren, doch dafür ist sie schließlich auch nicht gemacht.

MORITZ WANKE,


2. MEINUNG

„Wie ein Ferrari im Stadtverkehr“
Mir die Lumix S1H in die Hand zu drücken, ist wie das Angebot einer Stadtfahrt in einem Ferrari 488 – dezent sinnbefreit. Die unzähligen Videofunktionen nutze ich nicht mal ansatzweise. Dafür 4.000 Euro berappen und eine DSLM in Mittelformatkamera-Größe nutzen? Besser nicht. Als Foto-Aficionado und Gelegenheitsfilmer bleibe ich daher lieber bei der gerade mal halb so schweren und teuren Lumix S1.