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Panik-Käufe statt Traum-Transfers


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 33/2019 vom 14.08.2019

Panik-

Der FC Bayern setzte alles auf die Karte Sané – und verzockte sich. Es war nicht der einzige Transfer-Fehler


Artikelbild für den Artikel "Panik-Käufe statt Traum-Transfers" aus der Ausgabe 33/2019 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 33/2019

NOTLÖSUNG Ivan Perisic kommt von Inter Mailand. Erst als Alternativen fehlten, wurde Bayern beim Kroaten aktiv


GEFORDERT Sportdirektor Hasan Salihamidzic (42) steht unter Transfer-Druck und muss jetzt liefern


Wie sicher sich der FC Bayern bei seinem angepeilten Königstransfer war, zeigt ein Termin, den der Klub bereits in seinem Kalender notiert hatte. Wenn alles glattgelaufen wäre, hätte Leroy Sané (23) am vergangenen Freitag den zincheck in München bestreiten können. Statt als neuer ...

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... Superstar des FC Bayern und Rekordeinkauf der BundesligaGeschichte präsentiert zu werden, muss der deutsche Nationalspieler nun aber als Profi von Manchester City unter das Messer. Die KreuzbandOP setzt nicht nur Sané bis Frühjahr außer Gefecht. Die unglückliche Verletzung des Flügelspielers, der das Erbe von Franck Ribéry (36) und Arjen Robben (35) antreten sollte, legt auch die Fehler bei der Transferplanung des Rekordmeisters offen.

Über ein Jahr hatte der FC Bayern Zeit, sich eine Strategie für den Umbruch zurechtzulegen. Ein prallgefülltes Festgeldkonto steht zur Verfügung, da extra im vergangenen Sommer auf große Einkäufe verzichtet wurde.

Nach den DefensivSpielern Lucas Hernández (23) und Benjamin Pavard (23), bei deren Verpflflichtungen Ausstiegsklauseln halfen, steckt Bayern aber seit Monaten im Transferstau. Für die Offensive hat der Klub bisher nur JannFiete Arp (19) vom HSV verpflflichtet. Jetzt läuft vor dem BundesligaStart an diesem Freitag die Zeit davon. Die Münchner hatten alles auf die Karte Sané gesetzt – und sich am Ende verpokert. Ob der Flügelspieler dennoch kommen soll, wird gerade anhand von drei Szenarien diskutiert.

WUNSCHSPIELER Leroy Sané sollte das Robbery-Erbe antreten. Der City-Profi fällt bis Frühjahr 2020 verletzt aus


Bis zum 2. September können die Klub-Bosse noch ein Angebot abgeben, um Sané aufgrund der Verletzung günstiger als für die kolportierten 145 Millionen Euro, die City angeblich als Ablöse forderte, sofort zu bekommen. Auch ein Winter-Transfer ist eine Option, für den die Münchner bei der Reha mit Sané im engen Austausch bleiben wollen würden. Allerdings fällt der Profi bis Februar aus, weshalb ein neuer Transfer-Angriff im kommenden Sommer sportlich am meisten Sinn macht. Allerdings: Der FC Bayern begibt sich dann in die Gefahr, dass Sané trotz seiner positiven Signale für einen Wechsel nach München seinen Vertrag bei Manchester City (aktuelle Laufzeit bis 2021) am Ende doch zu besseren Bezügen verlängert.


Es gibt weiter Interesse an Sané. Drei Szenarien werden aktuell diskutiert.


Genau dieser Fehler war Sportdirektor Hasan Salihamidzic (42) bei Callum Hudson-Odoi (18) schon einmal passiert. Intern soll der Sportdirektor seine Entdeckung des FC Chelsea als nächsten 100-Millionen-Euro-Spieler gerühmt haben. Mit dem Management von Hudson-Odoi war sich Bayern über Wechsel-Modalitäten einig – und genau deshalb machte der FC Chelsea Salihamidzic einen Strich durch die Rechnung. Die Klub-Direktorin Marina Granovskaia war über das Vorgehen so verärgert, dass sie jegliche Gespräche mit Salihamidzic ablehnte. Stattdessen bearbeitete Chelsea seinen Spieler, legte ihm neue Angebote vor. Für Hudson-Odoi war das Bayern-Interesse bares Geld wert: Der Jungprofi soll einen höher dotierten Vertrag unterschreiben. Bei Chelsea, nicht bei Bayern.

Niko Kovac (47) wunderte sich bereits in seinem Urlaub, dass er nur spärlich über die Transfer-Aktivitäten seines Klubs informiert wurde. Dabei hatte der Trainer keine großen persönlichen Ansprüche gestellt. Statt ein, zwei Superstars wollte er drei, vier Spieler, die seinen Kader auch in der Breite verstärken. Die Einkäufe, die Kovac anregte, waren finanziell überschaubar.

Seinen Ex-Spieler bei Eintracht Frankfurt, Ante Rebic (25), hatten die Bayern-Bosse ihm aber schon in der Vorsaison nicht gekauft. Bei Luka Jovic (21), den der Trainer Salihamidzic mehrmals ans Herz gelegt hatte, musste Kovac zuschauen, wie ihm Real Madrid das Stürmer-Talent wegschnappte. Kovac hatte noch zwei weitere Namen auf der Liste: Mario Mandzukic (33) und Ivan Perisic (30). Bei beiden Vorschlägen bekam er die Antwort: zu alt.

Ivan Perisic ist noch immer 30 Jahre alt – und gilt nun als großer Hoffnungsträger des FC Bayern für die neue Saison. Der kroatische Vize-Weltmeister, der von Inter Mailand für eine Leihgebühr von fünf Millionen Euro ausgeliehen wird, hatte bis zuletzt auf ein Engagement beim FC Bayern gehofft. Obwohl der Rekordmeister zunächst den KovacWunsch nicht erfüllen wollte und den Flügelspieler bereits bei einem Scouting 2013 als zu schlecht eingestuft hatte, saß sein Berater Frano Jurcevic beim Audi Cup in München auf der Tribüne. Damals hatte Salihamidzic ein Treffen abgelehnt. Vielleicht holten sich die Bayern auch deshalb für diesen eigentlich einfachen Transfer noch Hilfe hinzu.

Nach SPORT BILDInfo soll beim PerisicDeal Giovanni Branchini als Vermittler mitgemischt haben. Branchini ist ein alter Vertrauter des Klubs, der Bayern schon öfter bei Transfers behilflich war. Bereits beim 80MillionenTransfer von Lucas

Hernández (23) war der Italiener beteiligt, obwohl der Weltmeister bei Atlético Madrid eine festgelegte Ausstiegsklausel hatte. Bei Sané soll es erneut Branchini gewesen sein, der zwischen City und Bayern Gespräche führte. Jeder Einsatz des externen Beraters kostet den Klub zusätzliche TransferGebühren. Ein Luxus, den sich nicht jeder BundesligaKlub leisten kann. Oder muss. Salihamidzic, als Sportdirektor für Transfers zuständig, muss derzeit auf seinen SocialMediaAccounts einiges aushalten. Auf Instagram machen die BayernFans unter dem Hashtag „#brazzoout“ ihrem Unmut über die Einkaufspolitik des Klubs Luft. Die Anhänger hatten von Sané, Dybala oder sogar Neymar geträumt und bekamen bisher Arp und Perisic für die Offensive. Der hatte in der Bundesliga einst für Wolfsburg und Dortmund gespielt, ohne dass ihn Bayern abwerben wollte.

Fehlender Fleiß kann Salihamidzic nicht vorgeworfen werden. Der Sportdirektor führte unzählige Gespräche mit Spielerberatern. Beim Ablauf des Vorgehens zeichnet sich dabei am Ende immer ein ähnliches Bild ab: Dem Management wurde erst ein Interesse des FC Bayern an ihrem Spieler signalisiert und um Geduld gebeten. Danach hörten die Berater aber wenig bis nichts mehr. So war es auch im Fall Hakim Ziyech (26).

Bereits rund um die ChampionsLeagueDuelle im Achtelfinale von Amsterdam und Real Madrid soll Salihamidzic den AjaxProfi getroffen haben. Mit am Tisch: ZiyechBerater Mustapha Nakhli und BayernScout Marco Neppe. In den folgenden Monaten warteten die Agenten vergeblich, Salihamidzic meldete sich auf Anrufe nur sporadisch zurück. Ziyech trat daher in Gespräche über eine Vertragsverlängerung mit Ajax ein. Als vergangenen Donnerstag bestätigt wurde, dass Sané operiert werden muss, wurde Salihamidzic noch ein letztes Mal signalisiert: Ziyech wird bei Ajax einen neuen Vertrag unterschreiben, falls sich Bayern nicht mehr melde. Für 30 bis 35 Millionen wäre er zu haben gewesen. Nach 24 Stunden ohne Rückmeldung verlängerte Ziyech seinen Kontrakt bis 2022.


Bei Ziyech wartete das Management bis zum Schluss auf ein Signal.


Vergeblich auf einen BayernAnruf wartete in den letzten Wochen auch KarlHeinz Förster.

Seinem Klienten Timo Werner (23) wurde ebenfalls ein Bayern Interesse signalisiert, Gespräche wurden geführt. Seitdem passierte aber bis zum PokalAuftakt bei Energie Cottbus wenig.

So war es auch bei Steven Bergwijn (21), der inzwischen über eine Vertragsverlängerung bei seinem Klub PSV Eindho ven ver handelt.

Dani Olmo (21) wiederum nutzt das Bayern-Inte- resse, um mit Ar beitgeber Dinamo Zagreb über einen besseren Vertrag zu pokern.

Mit den Beratern von Marc Roca (22) flog Salihamidzic extra für ein Geheimtreffen nach Paris. Danach war dem FC Bayern aber die bei Espanyol Barcelona vertraglich festgelegte und bekannte Ausstiegsklausel von 40 Millionen Euro plötzlich zu hoch.

Intern wird registriert, dass sowohl Vorstandschef KarlHeinz Rummenigge (63) als auch Präsident Uli Hoeneß (67) wieder mehr Einfluss auf das Transfergeschäft nehmen. Doch auch dann ist es nicht einfach. Bei der Idee, Ousmane Dembélé (22) als SanéAlternative vom FC Barcelona zu holen, waren sich die Bosse uneins. In Zukunft wird bei solchen Fragen ein neuer Vorstand mitsprechen.

Im zweiten Stock des FC Bayern laufen gerade die Planungen, welches Büro Oliver Kahn (50) in der Chefetage der Münchner bezieht. Im Januar kommt der ExKapitän als Vorstand in den Klub zurück und damit als Vorgesetzter von Salihamidzic. Der zukünftige Boss ist gerade dabei, sich über die Arbeit im Klub ein Bild zu machen und sie zu bewerten. Das gilt auch für den Sportdirektor.

Mitarbeit: Sven Westerschulze

Von diesen Stars kam bisher keiner (von links): Ousmane Dembélé (FC Barcelona), Hakim Ziyech (Ajax Amsterdam) und Callum Hudson-Odoi (FC Chelsea)


FOTOS: Getty Images (2), Picture Alliance

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