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PANORAMA: AN DEN STADTMAUERN JERUSALEMS: „Das Ende eines Mythos“


Welt und Umwelt der Bibel - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 23.10.2020

Dass nicht nur die „Stadt Davids“ viel bescheidener war, als meist angenommen, sondern auch das Jerusalem des Königs Hiskija, zeigen neue Ausgrabungen.


Artikelbild für den Artikel "PANORAMA: AN DEN STADTMAUERN JERUSALEMS: „Das Ende eines Mythos“" aus der Ausgabe 4/2020 von Welt und Umwelt der Bibel. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Welt und Umwelt der Bibel, Ausgabe 4/2020

Stadtmauern: links die hasmonäische, rechts die byzantinische.


JERUSALEM Vom 1. bis 31. Juli 2020 grub das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) unter Leitung von D. Vieweger auf dem Zionsberg in Jerusalem. Das Projekt berührt dabei auch die biblischen Ereignisse rund um die Stadt. Die Ausgrabungen dieses Jahres sollten den Verlauf der Stadtmauern auf dem Zionsberg klären, insbesondere die seit Langem ...

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JERUSALEM Vom 1. bis 31. Juli 2020 grub das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) unter Leitung von D. Vieweger auf dem Zionsberg in Jerusalem. Das Projekt berührt dabei auch die biblischen Ereignisse rund um die Stadt. Die Ausgrabungen dieses Jahres sollten den Verlauf der Stadtmauern auf dem Zionsberg klären, insbesondere die seit Langem diskutierte eisenzeitliche (alttestamentliche) Stadtmauer des 8. Jh. vC, die meist Hiskija zugesprochen wird.

Zum geschichtlichen Hintergrund

Die Bibel berichtet in 2 Kön 20,20, dass Hiskija den Wassertunnel unter der Davidstadt gebaut und damit das Trinkwasser in die (ummauerte) Stadt gebracht habe. Auch von einer Belagerung Jerusalems durch den assyrischen Großkönig Sanherib wird in 2 Kön 18 und 19 berichtet – was notwendigerweise eine ummauerte Stadt voraussetzt. Diese Belagerung – und damit die Mauer – wird in assyrischen Quellen bestätigt:

„Hiskia von Juda jedoch, der sich nicht unter mein Joch gebeugt hatte – 46 mächtige ummauerte Städte sowie die zahllosen kleinen Städte ihrer Umgebung belagerte und eroberte ich durch das Anlegen von Belagerungsdämmen, Einsatz von Sturmwiddern, Infanteriekampf, Untergrabungen, Breschen und Sturmleitern […] Ihn (Hiskija) selbst schloss ich gleich einem Käfigvogel in Jerusalem, seiner Residenz, ein.“ (Dritter Feldzug Sanheribs nach Borger 1984, 389 (TUAT I/4). Weiterhin wird in den Makkabäerbüchern und bei Flavius Josephus berichtet, dass in der hellenistischen (d. h. ptolemäischen und seleukidischen Ära) in Jerusalem erneut eine Stadtmauer errichtet wurde (3./2. Jh. vC), außerdem werden in der hasmonäischen Zeit verschiedene Baumaßnahmen erwähnt (2/1. Jh. vC). In diesem Jahr wurden am Abbruch zum Hinnomtal Befestigungsanlagen in dem seit 2015 bearbeiteten Areal I freigelegt. Alle Mauern wurden bis zum anstehenden Felsen geschnitten, auf Vorgängerbauwerke untersucht und durch Keramik-, C14- wie OSL-Datierungen (Bestimmung der Zeitspanne seit der letzten Belichtung eines Materials durch Sonnenlicht) chronologisch bestimmt. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2021 erwartet.

A: Byzantinische Stadtmauer mit Tor (links oben) und Turm (unten).


B: Herodianische Stadtmauer mit Tor (links oben) und Turm (unten).


C: Hasmonäische Kasemattenmauer mit Turm (im Bild unten).


D: Hellenistische Stadtmauer.


Drei Tore beherrschen das Areal I

Das jüngste Tor stammt aus der byzantinischen Zeit (vermutlich Mitte 5. Jh. nC; Eudokia). Das mittlere, ein frei stehendes Bogenmonument, wird aufgrund eines Münzfundes datiert (um 135 nC; Hadrian), während das älteste aus der Zeit Herodesʼ d. Gr. (37–4 vC) stammt. Das jüngste Tor war samt eines gewaltigen Turms mit der gut erhaltenen oberen Mauerstruktur verbunden. Nahe des Turmes ist eine spätere Reparaturschicht zu sehen, die vorläufig in die Zeit der sassanidischen Eroberung der Stadt 614 nC datiert wird. Die gleichartig verlaufende herodianische Mauer mit dem berühmten „Essenertor“ (Name von Flavius Josephus) ist mit einigen Steinschichten auf dem südwestlichen Turmeck prominent vertreten und war schon durch Blissʼ und Dickies Erkundungen bekannt (s. Kasten rechts). Die hellenistische Mauer liegt nördlich der eben beschriebenen Stadtmauern und wurde angesichts ihrer Machart und der Keramikfunde in das 3./2. Jh. vC datiert. Sie besteht aus massiven Quadern sowie aus etwas kleineren Steinen, die als Fundament in den abgearbeiteten Felsen gelegt wurden. Die Bauweise der Mauer ist mit der Festungsmauer in Samaria/ Sebaste aus dem 4./3. Jh. vC vergleichbar.

Auf der Suche nach der alttestamentlichen Stadtmauer des 8. Jh. vC folgte das DEI den Arbeiten von Bargil Pixner, eines Mönchs der Dormitio-Abtei, aus den 70er/80er-Jahren. Als Pixner auf eine Mauer stieß, in deren Verfüllung er verstreut Scherben aus der Eisenzeit II fand, glaubte er sich am Ziel: Er identifizierte die Mauer als Bau aus dem 8. Jh. vC und begründete damit den Mythos der Hiskijanischen Stadtmauer auf dem Zionsberg.

Eine Mauer Hiskijas am Zion?

Nun zeigten die Grabungen des DEI allerdings, dass 90 % der Scherben bis ins Fundament der Mauer späteren Datums sind. Das DEI datiert diese Mauer darum vorläufig ins 2./1. Jh. vC und somit in die hasmonäische Zeit (s. Bild S. 62 oben).

Zur hasmonäischen Mauer gehörte der unmittelbar angrenzende Turm (Bild C oben). Eisenzeitliche Mauerreste konnten nicht aufgefunden werden. Dies stimmt mit allen Befunden der Grabungen der Israelischen Antikenbehörde (IAA) auf dem Zionsberg überein.

Was bedeutet das? Die alttestamentliche Stadt des 8. Jh. vC unter dem König Hiskija war ummauert. Sie war größer als die heutige Davidstadt, die bereits im 18. Jh. vC angelegt (Kanaanäer) und im 10. Jh. vC vermutlich von David erobert wurde. Die Stadt des 8. Jh. vC, die König Sanherib belagerte, muss die assyrischen Flüchtlinge aus dem israelischen Norden mit eingeschlossen haben. In den bisherigen Rekonstruktionen wurde die Stadt des 8. Jh. unter Einschluss des gesamten Zionsberges recht weitläufig rekonstruiert („Maximaltheorie“). Von dieser Idee muss man nun Abstand nehmen und sich mit kleineren Lösungen anfreunden und diese in der Folge auch archäologisch nachweisen. Das wird einige Zeit dauern. Die Uhren sind wieder auf ‚null‘ gestellt!

Wie groß war Jerusalem?
An den topografischen Verhältnissen ausgerichtete Lösungsmöglichkeiten.

Das Projekt

Die drei Grabungsareale von 2015–2020. Ein weiteres soll 2021 eröffnet werden, um den Verlauf der Mauern auch hier zu untersuchen.


Das Grabungsprojekt des DEI wurde 2015 begonnen und umfasst bisher drei Areale. Das Areal I liegt im Bereich des anglikanischpreußischen Friedhofs südlich der heutigen Stadtmauern und stellt das flächenmäßig größte Ausgrabungsgebiet dar. Es wurde 2015 gereinigt und von 2016 bis 2020 archäologisch untersucht. Hier handelt es sich um ein Wohngebiet gut situierter, keineswegs aber reicher Stadtbürger. Es fehlen eisenzeitliche/alttestamentliche Häuser, obwohl eisenzeitliche Scherben aufgefunden wurden. Die Arbeiten stehen unter Leitung von Dieter Vieweger und wurden maßgeblich durch die Arealleiter/innen Friederike Schöpf, Katja Soennecken, Michael Würz, Katharina Palmberger sowie Jennifer Zimni vorangetrieben.

Byzantinische Gussform (Kreuz) und sassanidischer Silberdenar (Chosrau II), gefunden in der Nähe des herodianischen Turms.

FORSCHUNGSGESCHICHTE UND ERGEBNISSE WOHNBEREICH AREAL I

Die dreifache Toranlage auf dem Zionsberg wurde bereits von Frederick Bliss und Archibald Dickie im 19. Jahrhundert untersucht – sie identifizierten auch das „Essenertor“. Weitere Ausgrabungen folgten unter Bargil Pixner, Doron Chen und Shlomo Margalit in den 1970er- und 1980er-Jahren. Ihre Forschungen waren von einem religiösen Interesse am frühen Christentum und den Essenern veranlasst, ebenso ihre Deutungen. Die Tore, die Stadtmauern sowie der Turm wurden 2015 durch das DEI wieder sichtbar gemacht.


© BAI/DEI