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PANORAMA: AUSGRABUNGEN IN SCHILO: Die Hörner eines Altars – und wie man sie deutet


Welt und Umwelt der Bibel - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 23.01.2020

Einer von drei Steinblöcken eines Hörneraltars, die 2019 in Schilo gefunden wurden, ca. 38 x 20 cm. Solche Hörneraltäre aus der israelitischen Königszeit sind im Heiligen Land nicht unbekannt. Auch in der Gegend um Schilo wurden bereits Hörneraltäre entdeckt.


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Bildquelle: Welt und Umwelt der Bibel, Ausgabe 1/2020

Scott Stripling
auf dem Ausgrabungsgelände.


Quelle: Youtube

Zweifellos ein großer Fund-Erfolg für das Team von Scott Stripling in Schilo 2019: Drei behauene Steine eines israelitischen Hörneraltars konnten ausgegraben werden. Einer war verbaut in einer frührömischen Mauer, die beiden anderen lagen in Schuttschichten. Sie alle seien im Areal eines ...

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... großen eisenzeitlichen Gebäudes (1177–980 vC) gefunden worden, so die Verlautbarung der (ABR), einer amerikanischen Organisation, für die Stripling ausgräbt. Eine Veröffentichung der Ausgräber selbst steht noch aus, doch sind in der Presse bereits zahlreiche Berichte über die Altarhörner zu finden. Grund genug, die wissenschaftlichen, religiösen und politischen Hintergründe dieser Meldung zu beleuchten.

In Schilo sucht ein Team unter Striplings Leitung mit vielen Volontären und neuester Technik nach Beweisen für das biblische Offenbarungszelt und die Bundeslade. Denn laut biblischer Erzählung wurde Schilo unter Josua beim Einzug ins Gelobte Land erobert und ein Heiligtum für Gott und die Lade installiert. 369 Jahre soll sie hier gestanden haben. Sollte all das nicht Spuren bis heute hinterlassen haben?

Um so zu denken, braucht es ein Verständnis der Wahrheit der Schriften, die sich an ihrem archäologischen Beweis misst. Die archäologische Arbeit mit der Bibel in der einen und dem Spaten in der anderen Hand hat vielleicht keinen Einfluss auf die Funde selbst, aber auf ihre Interpretation. Die Bibel wird dabei zum historischen Dokument im modernen Sinne. Scott Stripling, Professor an der Houston Baptist University und am dortigen Bible Seminary sowie laut Times of Israel langjähriger Pastor, macht keinen Hehl daraus, dass er religiös motiviert forscht und dass seine archäologische Mission auch eine religiöse Mission ist: „Ein Gefühl der Ehrfurcht überkam mich, als ich nachdachte, wie Gott uns eine Tür in Schilo geöffnet hat, die einen direkten Einfluss darauf haben wird, wie die Menschen in Zukunft ihre Bibel lesen.“ Im gleichen Sinne äußert sich die ABR-Website: „Diese Funde beweisen, dass die Israeliten dem Herrn in Schilo opferten, wie es in den Schriften geschrieben steht.“ Die gehörnten Steine stammen in dieser Interpretation zweifelsfrei von jenem Altar, der vor dem Offenbarungszelt mit der Bundeslade stand.

Die heutige israelische akademisch-archäologische und historische Forschung hat sich schon lange von der „Bibel-und-Spaten-Archäologie“ abgewendet. Dennoch werden zahlreiche Kampagnen unter religiös-amerikanischer Ägide genehmigt – wenn auch jeweils unter israelischer Oberaufsicht. Spender und Stifter aus dem evangelikalen Milieu ermöglichen den mitunter enormen finanziellen Aufwand für Ausgrabun-gen. Die Gruppe unter Stripling hat 2019 die dritte Ausgrabungssaison absolviert – Ende offen.

Steine über Steine auf Tel Schilo. Die bronze- und eisenzeitlichen Schichten aus der Frühzeit Israels, auf die es Scott Stripling und seinen Sponsoren besonders ankommt, befinden sich unter römischen und byzantinischen Gebäuden.


Im letzten Jahr konnten bereits Scherben von insgesamt 10 großen Gefäßen aus der Frühzeit Israels vorgestellt werden. Auch hier bestimmte die Bibel die Interpretation: An ihnen könne man ablesen, dass Schilo überstürzt verlassen wurde, so wie es die Bibel bei der Eroberung unter Josua beschreibt. Stripling wird in der Times of Israel zitiert, dass „einige sagen, die Bibel sei unzuverlässig. Wir haben festgestellt, dass sie sehr zuverlässig ist!“ 2018 war auch ein kleiner Keramik-Granatapfel mit einem Aufhängungsloch gefunden worden – in der Jerusalem Post erklärt Stripling, das kleine Objekt habe am Saum des Priestergewands eines Priesters in Schilo gehangen, gemäß Ex 28,33ff „An seinem Saum mach Granatäpfel aus violettem und rotem Purpur und aus Karmesin, an seinem Saum ringsum, und dazwischen goldene Glöckchen ringsum“: „Wir müssen die historische Validität der Bibel anerkennen … und jetzt haben wir wirklich Beweise für diese Geschichte.“

Vor 35 Jahren hat in Schilo Israel Finkelstein ausgegraben, der in den vergangenen Jahrzehnten für die rationale, evidenzbasierte wissenschaftliche Archäologie stand. Er hatte hier eine spätbronzezeitliche Ortschaft festgestellt – durchaus einen Kultort, denn ein Repositorium von Knochenresten deutete auf rituelle Opferhandlungen hin. Auch diese Knochen erklärt Stripling heute laut Jerusalem Post mit Lev 7, wo das Ritual des „Schuldopfers“ erklärt wird.

Schilo erscheint in der Bibel als ein archaisch-kultischer Platz der Frühzeit Israels. Kein Wunder, dass die Stätte eine besondere Faszination ausübt, wenn man die biblischen Erzählungen als history versteht und nach dem Boden sucht, auf dem die Füße des Priesters Eli und des großen Samuel standen; den Boden, auf dem die Bundeslade stand – Gottes Wohnung in Schilo, „das Zelt, das er aufgerichtet hatte unter den Menschen“ (Ps 78,60) oder in der Gottesrede Jer 7,12 „meine Stätte in Schilo, wo ich früher meinen Namen wohnen ließ“.

Replik eines Hörneraltars aus Beerscheba.


Nach Josua 19ff verteilten die Stämme Israels vor dem Offenbarungszelt in Schilo das Land. 1 Sam 1ff erzählt die berührende Geschichte von Hanna, Peninna und Elkana, die Jahr für Jahr nach Schilo reisen, um zu opfern. Hier, wo der Priester Eli seinen Dienst tut, schüttet Hanna Gott ihr Herz darüber aus, wie sehr sie sich ein Kind wünscht. Den Sohn, den sie daraufhin bekommt, weiht sie dem Herrn – er bleibt am Heiligtum in Schilo. Es ist der Prophet Samuel, der David zum König salben wird.

Weiterhin treten in den spannenden Erzählungen um Schilo die nichtsnutzigen Söhne des Eli, Hofni und Pinhas, auf, die Opfernden unter Gewaltandrohung das Opferfleisch wegnehmen. Als Kontrast dazu wird der fromme Samuel gezeichnet, den Gott im Traum neben der Bundeslade zum Diener beruft. Doch die Philister erobern die Lade. Sie löst in den Philisterstädten Pest und Elend aus und so geben die Philisterfürsten sie freiwillig wieder zurück. Sie wird dann nach Kirjat Jearim gebracht, wo sie 20 Jahre gestanden haben soll, bis David sie nach Jerusalem holt – und wo übrigens heute Israel Finkelstein Ausgrabungen durchführt (s. S. 5).

Zum Blick auf das archäologische Schilo gehört auch, dass die Stätte in der Westbank liegt. 1978 entstand neben dem bedeutungsreichen Tell eine illegale jüdische Siedlung, in der heute 4000 Menschen leben. Zig Tausend Menschen besuchen Schilo jedes Jahr. Die israelische Politik unter Benjamin Netanjahu hat zuletzt deutliche Weichen gestellt, um die Siedlungsexpansionen zu unterstützen, jedenfalls nicht zu behindern, und einen legalen und beständigen Status für die Siedlungen herbeizuführen – was international weitgehend abgelehnt wird. Die Ausgrabungen in Schilo zeigen also die vielen Ebenen von Archäologie im politischen Raum Israel/Palästinensische Gebiete. Mit einem Fund wie den Altarhörnern die Bibel zu „beweisen“, hat neben einer religiösen auch oft eine politische Dimension, die mit Anspruch auf Land und Eigentumsverhältnisse verknüpft ist.


© Deror Avi, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org; Drahnier, Copyrighted free use, commons.wikimedia.org