Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 8 Min.

Panta rhei – alles fließt


küche + architektur - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 25.06.2021

Artikelbild für den Artikel "Panta rhei – alles fließt" aus der Ausgabe 3/2021 von küche + architektur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Ist es dem Scharnier oder dem Auszug nicht völlig gleichgültig in welchem Kontext sie angewendet werden? Meiner Meinung nach „ gibt es nicht den Küchen- oder den Wohnzimmer-Beschlag. Es gibt Beschläge, von denen – historisch bedingt – die hochwertigsten in der Küche und im Büro eingesetzt werden. Am Ende des Tages jedoch müssen Beschläge ebenso gut in einer Yacht funktionieren wie in Küchen-, Bad-, Wohn- oder Büromöbeln. Ohne Beschläge wird jedes Möbel zu einem Regal“, stellt Harald Klüh fest.

Seine Art, Bestehendes kritisch zu hinterfragen, kommt sowohl bei Grass als auch bei der Muttergesellschaft, der Würth-Gruppe, gut an. „Das erlaubt mir, in die Zukunft schauen zu dürfen, Zeit und Geld zu investieren, Zukunftsprognosen abzuleiten und diese dann tatsächlich in reale Konzepte umzuwandeln.“

Eine Freiheit, die Harald Klüh durchaus schätzt, dabei vergisst er jedoch nie, getroffene Entscheidungen und ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von küche + architektur. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2021 von Ein unschlagbar flexibles Team: Industrie und Handel. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein unschlagbar flexibles Team: Industrie und Handel
Titelbild der Ausgabe 3/2021 von Nolte Küchen – Markant, innovativ, vertrauenswürdig. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nolte Küchen – Markant, innovativ, vertrauenswürdig
Titelbild der Ausgabe 3/2021 von Schwarz & Grau sind die Top-Seller. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schwarz & Grau sind die Top-Seller
Titelbild der Ausgabe 3/2021 von Drei Design-Ebenen führen zum globalen Kundennutzen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Drei Design-Ebenen führen zum globalen Kundennutzen
Titelbild der Ausgabe 3/2021 von „Mit Sicherheit in die Zukunft“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„Mit Sicherheit in die Zukunft“
Titelbild der Ausgabe 3/2021 von Wenn das Kochfeld mit der Haube …. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wenn das Kochfeld mit der Haube …
Vorheriger Artikel
Für jeden Geschmack …
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel „Zeit für einen frischen Start“
aus dieser Ausgabe

... realisierte Produkte nach einer gewissen Zeitspanne zu hinterfragen. „Es gehört für mich einfach dazu, zu eruieren, ob man richtig gelegen hat oder ob Anpassungen erforderlich sind.“

Dialog ohne Grenzen Seine Innovationstreiber sind dabei seine internationalen Kunden. „Ich habe es täglich mit den besten Möbelherstellern der Welt zu tun. Das sind faszinierende Menschen, mit nicht minder faszinierenden Produkten und Ideen. Der Austausch mit ihnen und die Chance, mit ihnen gemeinsam Konzepte und Produkte zu entwickeln und damit dazu beizutragen, wie sich eine ganze Branche weiterentwickelt, macht einfach einen Riesenspaß. Ob Andrea Molteni, Giorgio Armani, Gabriele Centazzo, Angelo Bonacorsi aus Italien, Produktentwickler und Designer von Häcker Küchen oder Leicht, um nur einige zu nennen, nicht zu vergessen unsere Kunden in UK oder Skandinavien, den USA oder Asien. Wir haben es auf der ganzen Welt mit Menschen zu tun, deren Anspruch es ist, großartige Möbel zu entwickeln und auf den Markt zu bringen“, schwärmt er.

„Als Beschlaghersteller entwickeln und konstruieren wir den Motor für die Möbel und ich habe täglich die Chance, mit den großen Namen der Möbelbranche vergleichbar mit Porsche, Bentley oder Maserati zusammenzuarbeiten.“

Vor seinem Eintritt bei Grass arbeitete der Manager 22 Jahre lang als selbständiger Marken- und Marketingberater für renommierte Unternehmen wie Wella, Procter & Gamble oder Karstadt und auch für Grass, Reinheim. „Als man von Seiten Würth und Grass die Frage in den Raum stellte, ob ich nicht nach Österreich kommen und ausschließlich für Grass arbeiten wolle, war ich erst skeptisch“, gibt der „Allrounder“ offen zu. Und zu guter Letzt überwog der Reiz des Ganzheitlichen. „Es ist etwas ganz anderes, aus einem Unternehmen heraus Markenführung und Markenentwicklung zu leisten, als dies von außen möglich ist. Man kann quasi am offenen Herzen arbeiten und muss sich nicht über andere Kanäle vorarbeiten.“

Seine Entscheidung bereut der dynamische Manager bis heute nicht: „Aus heutiger Sicht hätte ich den Schritt viel früher wagen sollen. Denn eine internationale Marke wie Grass modernisieren und in die Zukunft führen zu können, ist gleichermaßen herausfordernd wie erfüllend“, betont er.

Markenpartnerschaft gelebt

Grass ist ein Verfechter von Markenpartnerschaft, eine Philosophie die auch Harald Klüh als Global Brand Manager voll und ganz lebt: „Als Bewegungsspezialisten suchen wir prinzipiell den symbiotischen Schulterschluss mit unseren Kunden. Im Verkauf würden wir es natürlich begrüßen, wenn sich die Marke Grass mittelfristig als Gütezeichen für Funktionalität und innere Werte etablieren würde.

In Skandinavien ist das schon gelungen. Dort integrieren einige Hersteller die Marke Grass offensiv in ihre TV-Werbung und schulen dabei gleichzeitig ihre Handelspartner auf unsere Produkte. Um den PoS zusätzlich zu unterstützen, haben wir zudem ein Up-Grade-Konzept entwickelt, das den Verkäufern die Möglichkeit gibt, ihren Kunden die Wahl zwischen einem Standard-Beschlag und – gegen einen gewissen Aufpreis – einer funktionaleren Bewegungs-Lösung zu bieten. Und die Erfahrung zeigt, dass fast 70 Prozent der Kunden das Up-Grade wählen. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, eine emotionale Sensibilisierung der Kunden für die inneren Werte eines Möbels zu wecken.“

„Als Bewegungsspezialisten suchen wir prinzipiell den symbiotischen Schulterschluss mit unseren Kunden. Im Verkauf würden wir es natürlich begrüßen, wenn sich die Marke Grass mittelfristig als Gütezeichen für Funktionalität und innere Werte etablieren würde.“

Harald Klüh

Grass hat eine Seele

Besonders das Zitat von Emidio Corbetta, Valcucine, geht Harald Klüh dabei nicht aus dem Sinn: „Was Grass von all seinen Marktbegleitern unterscheidet, ist, dass Grass eine Seele hat.“

„Mit diesem Satz hat es Emidio Corbetta auf den Punkt gebracht: Er beschreibt die Art und Weise, wie wir an Dinge herangehen und steht für die Leidenschaft, die Passion, mit der die Menschen bei Grass denken und handeln. Ich sehe darin einen der wesentlichen Aspekte, warum sich Möbelhersteller aus vieler Herren Länder bei Grass gut aufgehoben fühlen. Wir sind genauso mit dem Herzen bei der Sache wie sie selbst.“

Gespannt beobachtet der Trendscout die Marktentwicklung der Küchen- und Möbelindustrie: „In allen Märkten gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten, um in der globalen Welt zu überleben“, sinniert er. Ein Kriterium ist die Größe eines Unternehmens oder einer Gruppierung, die Alternative dazu liegt in der Spezialisierung und der Konzentration auf einen regionalen Markt. „Die Expertise, die notwendig ist, um Küchen auch unter wirtschaftlichen Aspekten herzustellen, traut man eher den Unternehmen zu, die jährlich 200.000 Küchen fertigen, als jenen, die vielleicht gerade einmal 20 Küchen im Jahr fertigen! Aus diesem Grund werden Schreinereien und Tischlereien künftig deutlich weniger Küchen fertigen als das heute noch der Fall ist.“, zeigt er sich überzeugt. „Zudem wird die Einflussnahme des Internets, das es ermöglicht, standort- und grenzübergreifend Produkte von überall her zu beziehen, den Markt deutlich verändern“, wirft der Trendscout in den Ring.

DER PREIS IST SEKUNDÄR

Ganz unkritisch steht der Marktkenner der Möbelindustrie jedoch nicht gegenüber: „Grundsätzlich halte ich es für bedenklich, dass viele Hersteller in Deutschland weder Einfluss auf den Preis haben, zu dem ihre Produkte letztendlich verkauft werden, noch darauf, auf welche Weise ihre Produkte vermarktet werden. Die Tatsache, sich hier über Generationen hinweg dem Handel bzw. den Verbänden überlassen zu haben, wird ihnen irgendwann zum Nachteil gereichen“, prognostiziert er in gewohnt provokanter Manier.

„Beim Verbraucher“, so Harald Klüh, „spielen Themen wie Bezugsquelle oder Preis meines Erachtens oft sogar eine eher untergeordnete Rolle. Ein Beispiel dafür bildet die wachsende Bereitschaft der Verbraucher, auch hochwertige Produkte über das Internet zu kaufen. Zudem wird das Blockchain-Internet, das gerade im Entstehen ist und als nächste Internet-Generation zu verstehen ist, einiges verändern. Ähnlich wie Paypal – allerdings wesentlich größer – kann die Blockchain als eine sichere Online-Bezahlplattform zum Ein- und Verkauf im Online-Handel genutzt werden und den Kauf einer Ware oder einer Leistung zu 100 Prozent absichern, so dass die Hemmschwelle der Konsumenten, online auch in sehr „teure“ Produkte in Verbindung mit einem zuverlässigen Service zu investieren, automatisch sinken wird“, da ist sich der Trendscout absolut sicher. „Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass die Konsumenten für eine gewisse individuelle Note und einen echten Mehrwert wie eine verkürzte Lieferzeit und einen perfekten Montageservice – der ein ideales Zubrot für das Schreinerhandwerk sein könnte – sogar bereit wären, etwas tiefer in die Tasche zu greifen.“

Mit Plattformkonzepten zu einer gröSSeren Individualisierung Der Wunsch der Menschen nach Individualität, so Harald Klüh, werde von vielen produzierenden Unternehmen jedoch vollkommen falsch verstanden. „Individualisierung bedeutet nicht, eine Küche in 20 verschiedenen Korpusfarben und in 3000 RAL-Farbtönen bestellen zu können“, betont er. „Es sind vielmehr nur kleine Anpassungswünsche, die vorgenommen werden müssen. Der größte Fehler der Industrie ist es, zu versuchen, mit dem Standardgeschäft reich zu werden. Würde man sich Individualisierung sauber bezahlen lassen, könnte man mit zehn individualisierten Küchen ebenso viel verdienen wie mit 100 standardisierten“, wirft Harald Klüh provokativ in den Raum.

Für die Beschlagindustrie ist das Thema Individualisierung jedoch noch mit völlig anderen Anforderungen verbunden. „Früher lag der Ansatz eines Beschlagherstellers darin, ein Produkt zu fertigen und das in großen Mengen zu verkaufen. Heute brauchen wir Produkte, die wir quasi für jeden Hersteller anders aufbereiten können. Das gelingt mit Plattformkonzepten, die eine herstellerspezifische Individualisierung möglich machen, ohne dabei die Wirtschaftlichkeit der Produkte zu vernachlässigen.

Die eigentliche Weltneuheit bei unserem Vionaro V8 Slim Drawer System ist nicht der 8 Millimeter-Schubkasten an sich“, betont er, „den gab es bei Poggenpohl oder bei Bulthaup bereits – sondern die Tatsache, dass es gelungen ist, einen extrem schmalen, nahezu 100 % recycelbaren Vollmetall-Schubkasten wirtschaftlich zu industrialisieren. Heute können wir das System aufgrund unserer Plattformstrategie auf der Preisebene eines doppelwandigen Systems anbieten und es herstellerspezifisch individualisieren. Auf diese Weise findet es wesentlich breiteren Absatz.“

Auch in puncto Klappen-Beschläge gehört Grass zu den ersten Unternehmen, die versuchten, hohe Leistungskraft und Minimalismus miteinander zu kombinieren. „Mit unserem Klappenbeschlag „Kinvaro T-Slim“ geben wir Designern und Möbelherstellern die Möglichkeit, den Möbelbau nachhaltig zu verändern, da der Beschlag aufgrund seiner filigranen Beschaffenheit vollkommen in den Hintergrund tritt und sich ästhetisch in das Möbel integriert.“ Der Beschlag verfügt über eine Tragkraft von bis zu 13,5 Kilogramm und zeigt sich optimal für Schranklösungen geeignet, bei denen der Oberschrank nicht nur funktional, sondern auch visuell in zwei Ebenen unterteilt ist:

„Im unteren Bereich des Oberschranks verstaut man Dinge des täglichen Gebrauchs, während im oberen Bereich Produkte untergebracht sind, die man weniger oft bis überhaupt nicht benötigt. Bis dato wurde der Zugriff auf beide Flächen oft durch eine einzelne Tür oder Klappe ermöglicht“, erläutert der Marktkenner und ergänzt: „Ikea war einer der Ersten, der diese beiden Etagen mit zwei Türen oder Klappen zugänglich gemacht hat. Mit der Entwicklung des Kinvaro haben wir exakt diese Idee vorhergesehen. Einige unserer italienischen und auch skandinavischen Kunden und haben den T-Slim mittlerweile im Einsatz. Grundsätzlich gilt jedoch: gut Ding will Weile haben.“ Was das Unternehmen jedoch nicht daran hindert, weiter an einer Kinvaro-Familie zu entwickeln, deren Mitglieder auch höhere Kräfte mobilisieren können.

„Es gilt, Bestehendes ebenso zu hinterfragen wie Neues!“ … fordert Harald Klüh und fragt: „Weshalb können Oberschränke eigentlich nicht anders konstruiert werden als Unterschränke? Warum müssen beide in der gleichen Materialstärke von z.B. 19 mm hergestellt werden? Warum kann man im Oberschrankbereich, der völlig andere statische Voraussetzungen erfüllt, keine dünneren, bzw. leichteren Materialien einsetzen?“ Denkanstöße dieser Art machen die Zusammenarbeit mit internationalen Herstellern erst interessant: „Vor allem die Italiener greifen solche Ideen gerne auf“, freut er sich und lobt deren Experimentierfreudigkeit.

Prinzipiell gilt jedoch: Bei allen Neuentwicklungen müssen Sinnhaftigkeit und Mehrnutzen gewährleistet sein, was nach Meinung des Trendscouts auf das Thema Smart Home für Bewegungstechnik im Möbel noch nicht zutrifft. „Ich glaube, dass das Thema Nachhaltigkeit für die nächste Dekade deutlich wichtiger sein wird als das Thema Smart Home. Smarte Komponenten machen nur dann Sinn, wenn sie einen größeren Nutzen und mehr Komfort für den Anwender bieten. Kann dies nicht gewährleistet werden, bleiben smarte Features Spielereien. Und für diese ist niemand bereit, mehr Geld zu zahlen. Wirklich smarte Lösungen, die den Alltag erleichtern können, wird es meines Erachtens nur dann geben, wenn man sich auf herstellerund produktbereichübergreifende Standards einigt und gemeinsam an Konzepten arbeitet.“

Den Blick in die Zukunft, da ist der ambitionierte Netzwerker sicher, sollte man generell nie verlieren – auch wenn die Möbel- und hier insbesondere die Küchenmöbelhersteller pandemiebedingt mehr als ausgelastet und entsprechend beschäftigt sind.

„Gerade jetzt, in einer Zeit des Umbruchs, sollte man sich die Zeit nehmen, um weiterführende, nutzenbringende Konzepte und vor allem nachhaltige Entwicklungen voranzutreiben. Heute verschmelzen viele unterschiedliche kulturelle Einflüsse zu einem internationalen Designmix, der sich in der Architektur wie auch in der Innenarchitektur widerspiegelt. Design, Ästhetik und Funktion wandeln sich mit dem Zeitgeist.

Das gilt nicht nur für die Funktionstechnik, sondern auch für eingesetzte Materialien, Farben und Oberflächen. Wir arbeiten gemeinsam mit Pulverlackherstellern an neuen Oberflächenstrukturen, deren Umsetzung sehr nachhaltig aufgestellt wurde“, erlaubt uns Harald Klüh einen Blick in die nähere Zukunft. „Überschüssige Farbe, die lösemittelfrei ist, wird aufgefangen und wieder zugeführt. Wenn alle Test- und Prüfverfahren abgeschlossen sind, werden sich auch die Möbelhersteller ein Bild von den neuen Oberflächenstrukturen machen können.“ Überhaupt entwickelt das Grass-Team bereits hinter den Kulissen kräftig weiter. Immerhin ist nichts beständiger als der Wandel, so dass jeder für sich immer weiter daran arbeiten sollte, dass alles im Fluss bleibt. Von den bevorstehenden Hausmessen der Küchenmöbelindustrie im Herbst dieses Jahres erwartet der Trendscout übrigens eine deutliche Diversifizierung der angebotenen Neuheiten.

www.grass.eu