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Paradies für Große!


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TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 100/2022 vom 13.09.2022

TUAMOTU-ARCHIPEL

Artikelbild für den Artikel "Paradies für Große!" aus der Ausgabe 100/2022 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Nur wenige Atolle werden im Tuamotu-Archipel zum Tauchen angefahren. Auf einigen sind auch Tauchbasen vorhanden. Eines dieser Atolle Ist Fakarava, in Taucherkreisen für seine enormen Haipopulationen bekannt. Es liegt fast 500 Kilometer von Tahiti entfernt. Daraus kann man erahnen, welche Entfernungen in Französisch-Polynesien vorherrschen. Denn Fakarava ist nur eines von 78 Atollen im Tuamotu-Archipel. Man bräuchte wohl Jahre, um sie alle gründlich abzutauchen.

Das Fakarava-Atoll wird von knapp 900 Einheimischen auf einer Landfläche von 16 Quadratkilometern bewohnt. Hingegen zählt die Lagune mit 1153 Quadratkilometern zu den größten im Tuamotu-Archipel. Über zwei schiffbare Passagen gelangt man in die Lagune. Entdeckt wurde Fakarava im Jahr 1820 vom deutsch-baltischen Offizier Fabian Gottlieb von Bellinghausen. Christianisiert wurden die Eingeborenen durch den belgischen ...

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... Jesuitenpater Honoré Laval im Jahr 1849. Die erste Kirche wurde 1850 erbaut. Sie wird immer noch für klerikale Zwecke genutzt. Hauptstadt ist Rotoava im Nordosten der Insel. Zusammen mit sechs Nachbartollen bildet Fakarava ein einzigartiges UNESCO-Biosphärenreservat. Auf Fakarava gibt es weder öffentliche Verkehrsmittel noch Mietautos. Ebenso fehlen Banken und Bankautomaten. Daher empfiehlt sich, am Flughafen in Tahiti vorab Geld in die einheimische Währung umzutauschen. Fakarava bietet wenig Kultur, aber enormes Abenteuerfeeling.

Fakaravas Unterwasserwelt

Die Riffe, meist 15 bis 30 Meter tief, bestehen durchgehend aus Hartkorallen, die alle in einem sehr guten Zustand sind. Weite Korallenflächen machen einen nahezu unberührten Eindruck. Nur im Scheinwerferlicht blitzen dezente Farben auf. Etwas Rot, etwas Gelb, manchmal Grün. Manche Hartkorallen verbünden sich mit konkurrierenden Blumentieren zu surrealen Gebilden, wie man sie sonst nirgendwo findet. So eintönig die Korallenlandschaft auch manchmal erscheint: Beim näheren Hinsehen ist sie ein wunderschönes komplexes Gebilde. Straßen aus weißem Sand ziehen sich an sanft herabfallenden Hängen entlang. Es sind die Routen von Mantas und Adlerrochen. Weichkorallen und Gorgonien fehlen. Ebenso große Becherschwämme. Auch Wracks sind erstaunlicherweise nicht vorhanden. Wir haben jedenfalls keine gesehen. In den Riffen selbst fällt auf, dass diverse Fische, die man in anderen Teilen der Welt zuhauf antrifft, sich hier etwas rar machen. Nur wenige Anemonen, kaum Rotfeuerfische wegen der brachialen Strömungen, sonstige übliche Korallenfische aller Art sind stellenweise nur sporadisch vorhanden. Auch Nacktschnecken sieht man wegen der anwesenden Großfische nur zufällig. Das Auge fixiert sich in Französisch-Polynesien nicht auf den Nahund Makrobereich. Dagegen auf enorm große Schwärme von Buckel-Schnappern, Großaugenbarschen, Makrelen, Soldatenfischen, Lippfischen und Schmetterlingsfischen. Wenn Fische in beträchtlicher Zahl vorhanden sind, dann gleich in solchen Mengen, dass sich der Horizont buchstäblich verdunkelt. Auch Napoleons, sonst in der Südsee nicht so extrem verbreitet, sieht man bei jedem Tauchgang. Und gar nicht mal scheu.

Ein Thrill ist die gewaltige Population von Riff- und Grauhaien, weltweit einmalig in dieser Art und Größe. In etwa 30 Meter Tiefe ziehen die Raubfische in solcher Zahl an einem vorbei, dass man das Zählen vergisst. 30, 50 oder auch mal 100 und mehr Haie patrouillieren an den Riffkanten und in den Kanälen an einem vorbei. Sie stören sich weder an der Anzahl der Taucher noch an deren Luftblasen. Hinlegen, schauen, filmen und fotografieren. In den Passa-gen haben sich Putzerstationen für die Haie etabliert. Dann stehen die Räuber mit offenem Maul in der Strömung. Gigantisch! Manchmal schleichen sich auch Hochseehaie zwischen die graue Masse. Alles läuft friedlich ab. Man fragt sich unwillkürlich, wovon diese vielen Räuber leben. Aber die Frage ist schnell beantwortet. Von den prallen Fischschwärmen, aus denen sie in der Nacht ihre Beute herausholen. Nacht für Nacht, und es werden anscheinend nicht weniger.

TAUCHEN VON DER AQUATIKI III

Tauchen auf Safaribooten läuft nach anderen Regeln ab als auf einer Tauchbasis. Meist ist der Komfort größer, es geht entspannter zu, die Wege sind kurz, Absprachen und Wünsche individueller. Man kennt seine Mitstreiter. So auch hier. Man muss sich buchstäblich nur noch ums Tauchen selbst kümmern. Die Ausrüstung wird von den Guides montiert. Nitrox 32 ist Pflicht, die Computer werden demzufolge auf Nitrox 30 eingestellt. Entsprechend gesetzlicher Vorgaben besteht ein Tiefenlimit von 30 Meter, das aber kurzzeitig – sofern es wegen toller Motive erforderlich sein sollte – auch mal auf 35 Meter ausdehnt werden kann. Am Heck des Safariboots befindet sich eine Plattform, die sich absenken lässt. Auf diese Weise wird man wie ein König zu Wasser gelassen und auch wieder hochgeholt. So sind auch Handhabung und Tragen von 15-Liter-Flaschen trotz lädierter Bandscheiben kein unlösbares Problem. An Tauchplätzen, wo das Zodiac-Schlauchboot nicht erforderlich ist, wird vom Katamaran getaucht. Das Beiboot besitzt kompakte Maße, bietet aber Platz für etwa sechs Taucher inklusive Steuermann. Eine kleine Leiter am Heck erleichtert den Einstieg. Wer befürchtet, die Schaukelei des kleinen Zodiac nicht ohne Übelkeit zu überstehen, sollte sich mit dem medizinischen Reise-Kaugummi »Superpep« eindecken. Dessen Wirkung gegen Seekrankheit hält vier bis sechs Stunden an. Er kann kurz vor dem Einstieg gekaut werden. Getaucht wird zweimal pro Tag. Ein dritter Tauchgang ist kaum möglich, weil man wegen der starken Strömungen den Tidenkalender im Auge behalten muss. Seit geraumer Zeit werden wegen der vielen Haie auch keine Nachttauchgänge mehr durchgeführt. Anscheinend kam es mal zu einem Zwischenfall, als die Haie im Fressrausch waren.

Sicherheit geht vor. Jeder Taucher bekommt ein elektronisches Notsignal, mit dem er Hilfe herbeirufen kann, wenn ihn die Strömung ins Niemandsland gezogen hat. Denn wer hier verschollen geht, hat in dieser Wasserwüste ohne Notruf nur geringe Chancen, dass man ihn findet oder er das Glück haben sollte, auf einer Insel zu landen. Letzteres ist möglicherweise nicht mal Glück, denn nicht alle Eilande sind bewohnt, weil Süßwasser fehlt. Grundsätzlich gilt: Immer in Sichtweite des Tauchguides und beim Buddy bleiben. Eine Boje ist Pflicht. Getaucht wird immer in zwei Gruppen mit maximal fünf Tauchern. Eine solch überschaubare Gruppe kann man auch in starker Strömung kontrollieren. Die Briefings sind ausführlich. Es wird umsichtig mit hohem Sicherheitsstandard getaucht. Trotzdem können sich UW-Fotografen und -Filmer ohne Gängelei frei bewegen und ihrem Hobby frönen. Generell wird im Freiwasser ab- und wieder aufgetaucht. Adapter zur Regler-Montage sind nicht erforderlich.

Die Kanäle im Atoll, auch Pässe genannt, generieren im Wechsel von Ebbe und Flut enorme Strömungen, die einen wie horizontale Fahrstühle davonbefördern. Oft so stark, dass Fotografieren zur zirzensischen Darbietung mutiert. Festhalten ist nicht mehr möglich. Wer sich nicht im Strömungsschatten ein Plätzchen ergattern kann, wird mitgerissen wie ein Blatt Papier im Orkan. Man schießt dahin wie Münchhausen auf der Kanonenkugel. Aber es gibt ja noch den Riffhaken. Haste gedacht. Der Zug ist so stark, dass entweder die Koralle hilfesuchend nachgibt, der D-Ring am Jacket die Lust verliert, oder die Riffhakenschnur sich ergibt und reißt, was noch ein Glück ist. Wenn nämlich alles hält, was schon mal vorkommen kann, dann muss man die Schnur kappen. Sich gegen die Strömung an den Haken heranziehen, um ihn zu lösen, ist so aussichtslos wie ein Käfigkampf gegen den Kickbox-Weltmeister.

FRANZÖSISCH-POLYNESIEN IM FAKTENCHECK

Das französische Überseegebiet liegt im Südpazifik, hat eine Ausdehnung von über 2000 Kilometern und umfasst mehr als 100 Inseln. Das Gebiet wird in die fünf Archipele Austral, Gambier, Tuamotu, Marquesas und die Gesellschaftsinseln (Society-Archipel) unterteilt. Hauptstadt von Französisch-Polynesien ist Papeete auf der bevölkerungsreichsten Insel Tahiti. Am dortigen International Airport Raiatea landet man nach über 22 bis 26 Stunden, je nach Abflugsort. Die Gesamt-Bevölkerungszahl beträgt etwa 300.000 Einwohner.

Drei Viertel davon leben auf den Gesellschaftsinseln, die zusammen mit den Marquesas das eigentliche polynesischen Kernland bilden. Über 80 Prozent der Einwohner gehören der protestantischen und römisch-katholischen Kirche an. Höchster Berg ist der auf Tahiti liegende 2242 Meter hohe, erloschene Vulkan Mont Orohena. Der Gipfel ist eisfrei, sollte aber nur mit Bergführer erwandert werden. Der Aufstieg dauert mindestens sieben Stunden. Weil Schutzhütten fehlen, ist die Gipfelwanderung nur wirklich trainierten Urlaubern angeraten.

Am 6. April 1768 landete der französische Kapitän, Konteradmiral, Entdecker, Forscher, Mathematiker und Schriftsteller Louis Antoine de Bougainville auf Tahiti und nahm für Frankreich die 14 Gesellschaftsinseln, darunter die Sehnsuchtsinseln Tahiti, Moorea und Bora Bora, in Besitz. Er war der erste Franzose, dem eine Weltumsegelung gelang. Nach ihm ist die Drillingsblume Bougainvillea benannt.

Offizielle Landes- und Behördensprache ist Französisch. Die Einheimischen sprechen zum Teil noch Inseldialekte wie Tahitianisch. Englisch wird fast überall verstanden. Obwohl Französisch-Polynesien zu Frankreich gehört, ist es nicht Teil der EU. Der Euro ist deshalb nicht die Landeswährung. Diese heißt CFP-Franc und ist mit einem festen Wechselkurs zum Euro verknüpft. Staatsoberhaupt und Regierungschef ist der Französische Präsident Emmanuel Macron. Polynesiens Staatsoberhaupt ist Edouard Fritch. Französisch-Polynesien hat eine eigene Flagge, ein eigenes Wappen sowie eine eigene parlamentarische Verfassung.

TAUCHBASEN & SAFARIBOOTE

Zwar ist Französisch Polynesien am besten mit einer der Aquatiki-Katamarane zu erkunden, aber zwei Ausnahmen drängen sich dazwischen. Es sind die Tauchbasen Six Passengers in Rangiroa und Fluid Tahiti auf Tahiti. Six Passengers ist eine sehr große, bestens getaktete und stramm organisierte Tauchbasis, die nichts dem Zufall überlässt. Das fängt beim pünktlichen Transfer vom Hotel zur Basis an und wird dort mit einem ausführlichen Briefing weitergeführt. Fotografen können den Wunsch äußern in kleinen Gruppen zu tauchen. Wer mit Kreuzproblemen konfrontiert ist, wird auf einem Zodiac mit einer hochwertigen Leiter samt echten Trittstufen einquartiert. Wellcome für Fotografen und Filmer. Delfinfotografie? Kein Problem, das wird organisiert. Haie darf man auch mal in über 40 m Tiefe ablichten, wenn einem danach ist. Das Tauchequipment wird vom Personal montiert. Angenehm: Auf der Basis kann man zwischen den Tauchgängen in einem kleinen Restaurant essen und trinken.

Von gänzlich anderer Art ist die Basis Fluid Tahiti. Hochmodern und spezialisiert auf die Sichtung von Buckelwalen. Hier kann man unter anderem auch sehr gut tauchen, aber im Mittelpunkt steht das Beobachten der großen Meeressäuger. Mit einem hypermodernen Festkörperboot wird man zu den begehrten Schnorchelplätzen gebracht. Nicht immer gelingt die Sichtung der Buckelwale auf Anhieb. Aber die Crew scheut keine Mühe einen oder mehrere dieser Giganten in stundenlanger Suche ausfindig zu machen. Clever wird abgewartet, bis andere Schnorchelgruppen oder Walewatcher den Heimweg antreten, dann hat man freie Bahn. Unvergessliche Aufnahmen danken es einem. Auf dem Boot wird zur Mittagszeit schmackhaftes Essen und Trinken aufgefahren. Beachtenswert: Die Schnorchelgruppen sind überschaubar, um nicht zu sagen sympathisch klein.

Neben der Aquatiki III fährt auch der Katamaran Aquatiki II in Französisch-Polynesien. Das Boot ist etwas kleiner und auch preiswerter als die Aquatiki III. Auch muss man die Aquatiki II nicht komplett chartern, wenn man in See stechen will. Ansonsten herrschen ähnliche Bedingungen hinsichtlich Unterkunft, Verpflegung und Tauchen vor. Das Beiboot ist ebenfalls ein Zodiac-Schlauchboot.

Fotos: Yann Hubert/Shutterstock (1), (1); Veranstalter (2), Getty Images (1)

Vor Fakarava hat der französische Meeresbiologe und Abenteuerfotograf Laurent Ballesta einen Platz am Südpass des Atolls entdeckt, wo sich in den Monaten Juni und Juli Tausende Zackenbarsche zum Laichen einfinden. Seine Bilder und Filmaufnahmen dieser »Grouper Mystery« haben Geschichte geschrieben. Mittlerweile können auch Amateurtaucher dieses Spektakel besuchen. Man muss aber zur richtigen Zeit vor Ort sein. Das ist nicht einfach, denn man muss den Tag und die Stunde erwischen, wo der Laich abgegeben wird, und die Haie anschließend Jagd auf die Barsche machen. Fragen Sie den Reiseveranstalter!

Rangiroa

Es ist das größte Atoll im Tuamotu-Archipel und nach dem Kwajalein-Atoll der Marshall-Inseln das zweitgrößte der Erde. Es besteht aus etwa 240 Inseln, von denen nur die wenigsten bewohnt sind. Der Inlandsflug von Fakarava dauert kaum mehr als eine Stunde. Auf Rangiroa leben weniger als 3000 Menschen. Allerdings ist es ein bei Franzosen beliebtes Urlaubsziel. Dann kann es in der Ferienzeit auf der Tauchbasis »6 Passengers« schon mal etwas eng werden. Es hat aber auch zu Stoßzeiten noch jeder seinen Platz auf einem der riesigen Schlauchboote gefunden. Denn vor Rangiroa taucht man oder fährt womöglich gleich gar nicht erst hin. Wenn man aber schon mal dort ist, sollte der Besuch einer Perlenfarm dazugehören. Kenner edler Tropfen haben hier zudem die Chance, das einzige Weingut in Französisch-Polynesien zu besichtigen.

Weil die Aquatiki III hier nicht operiert, wohnt man im Hotel. Schlauerweise im Maitai, denn das ist preislich erschwinglich, das Essen gut, die Bungalows großzügig gebaut und sehr sauber. Vom Hotel wird man morgens mit einem Shuttle zur Basis gebracht. Das funktioniert reibungs-los. Auch hier gilt die Regel: zwei Tauchgänge pro Tag. Man könnte eventuell auch einen dritten machen. Was aber angesichts dessen, dass man hier mit Luft taucht, nicht empfehlenswert ist. Attraktion sind wildlebende Delfine, die immer die Nähe der Tauchgruppen suchen. Es wird erzählt, dass ein ehemals domestizierter Delfin aus einem früheren Delfinarium entkommen oder ausgewildert worden ist und nun zusammen mit seinen Artgenossen immer mal wieder die Nähe der Taucher sucht. Die Bullen sind gewaltige Tiere, bis zu drei Meter und 300 Kilogramm, die sich vor den Haien, die sich zu Hunderten in der Lagune tummeln, nicht fürchten müssen.

Auch in Rangiroa ist es nichts mit Makro. Man springt vom Boot ins Freiwasser und ist sofort von einem Barrakuda-Schwarm eingekesselt. Alle Individuen gleich groß und in solcher Zahl vorhanden, dass man fast kein Wasser mehr sieht. Kaum hat man den Schwarm verlassen, kommen die Delfine. Mit solchem Speed, dass der Autofokus ins Straucheln gerät. Zwischen uns durch, um uns herum, und schon ist der Spuk vorbei. Unter uns gleitet ein Hammerhai an der Riffkante vorbei. Am Horizont verdunkelt sich das Wasser. Was ist das denn? Durchatmen geht nicht, denn ein Schwarm Schnapper sorgt für Dämmerlicht. Wir lassen uns fallen. In 40 Meter Tiefe ziehen Haie in dicken Pulks über den Grund. Lange können wir nicht bleiben, denn Deko ist schlecht, weil es die Zeit beim zweiten Tauchgang verkürzt. Also lassen wir uns in einem Kanal von der Strömung treiben und zischen mit Speed an kleinen Grotten vorbei, in denen Riff-Fische querbeet dicht an dicht stehen. Auch hier überall Steinkorallen. Aber man schaut schon gar nicht mehr auf die Unterwasserlandschaft angesichts des wuseligen Großtierlebens. Manche schrecken angeblich nachts schweißgebadet aus dem Schlaf, weil sie nur noch von Haien träumen, die sie umzingelt haben. Ein sicheres Zeichen, dass man endlich auch mental in Französisch-Polynesien angekommen ist.

Die Delfin-Bullen sind gewaltige Tiere, die sich vor den vielen Haien, die sich zu Hunderten in der Lagune tummeln, nicht fürchten müssen.

Tahiti

Die Insel mit der Hauptstadt Papeete gehört zweifelsohne zu den Traumzielen vieler Südsee-Süchtigen. Man erinnert sich an Filme wie »Die Meuterei auf der Bounty«, an die Bilder des Südseemalers Gauguin und glückliche Insulaner. Tauchen auf Tahiti ist sehr gut möglich, wird aber vom Veranstalter nicht explizit promotet. Dafür schnorcheln mit Buckelwalen. Basis hierfür ist Fluid Tahiti, eine Tauch- und Whale Watching-Basis, die sich ausgiebig Mühe gibt, die Tiere zu finden. Mit dem großen, stabilen und schnellen Festkörper-Boot ist man auf der Höhe der Zeit.

Es gehört allerdings Glück und Ausdauer dazu, die Wale beim Schnorcheln fotografieren zu können, denn die behördlichen Auflagen sind streng. Näher als 50 Meter dürfen sich die Boote den Walen nicht nähern, und die Schnorchler sollen auch nicht näher als fünf Meter heranpaddeln. Soweit zur Theorie. Wer Wale unter Wasser bei mäßiger Sicht und bedecktem Himmel fotografieren will, muss hoffen, dass sich die Tiere freiwillig nähern. Das tun sie manchmal auch. Dann hat man sie auf Armlänge vor sich. Aber unterschätzen Sie Schnorcheln und Fotografieren bei Ein-Meter-Wellengang nicht. Vorteile verspricht ein Schnorchel mit Ventilkappe, so dass man nicht ständig das Rohr ausblasen muss. Buchen Sie diesen Schnorchel-Trip mit. Er lohnt sich. Ebenso wie die Unterkunft und das Essen im Manava Suite Resort. Vor allem das Frühstück ist hier üppig. Auch zwei bis drei Tage relaxen bieten sich hier am eigenen Strand an. 

REISE BUCHEN:

vom 13.-29.10.23, 10 Tage »Aquatiki III«-Safari & 6 Nächte Rangiroa: ab 5969 Euro + Flüge (ca. 2200 Euro Air Tahiti Nui). Landprogramm zubuchbar. www.scuba-native.de

FOTOGRAFIEREN UND FILMEN

Vor unserer Tour gab uns der Reiseveranstalter noch den merkwürdigen Rat, das Makroobjektiv zu Hause zu lassen. Ein eigenartiger Tipp, aber nicht so schräg, wie er sich anhört. In Französisch-Polynesien fotografiert man keine Makromotive, wenn man zum erstem Mal dort ist. Wir haben jedenfalls nicht einen UW-Fotografen gesehen, der sich mit Nah- und Makroaufnahmen herumgeschlagen hat. Der Fokus liegt auf Großfischen, Fischschwärmen und in Rangiroa auch auf den sogenannten Haus-Delfinen. Es ist wirklich so. Wenn fast 100 Haie vorbeiziehen, macht man sich nicht mehr auf die Suche nach Garnelen, Nacktschnecken und winzigen Korallenfischchen. Makro ist eventuell dann wieder interessant, wenn man schon mehrmals dort war. Den wenigsten wird das vergönnt sein.

Die Fotogerätschaft sollte ein starkes Weitwinkel-Zoom und eventuell ein Fisheye beinhalten. Für Solo-Fische und Drachenköpfe dient eventuell ein gemäßigtes Zoom mit prägnanter Naheinstellung. Mit letzterem bannt man dann Haie solo auf den Sensor. Vorsicht mit dem Fisheye! Es ist nicht unbedingt die Wurst auf dem Brot. Die Haie sind immer da, kommen aber nicht wirklich extrem nah heran.Das liegt daran, dass nicht gefüttert wird. Daher wirken sie auf den Fisheye-Bildern ob des riesigen Bildwinkels wie unterernährte Sprotten. Als beste Hai-Objektive haben sich Superweitwinkel-Zooms mit Brennweiten in der Größe 7-14 mm (MFT-Bildsensor), 10-24 mm (APS-C) und 14-24 mm (Vollformat) erwiesen. Geringfügige Abweichungen der Brennweiten sind nicht relevant. Um die Hai-Rudel, Delfine, Rochen und Schwarmfische in akzeptabler Abbildungsgröße festhalten zu können, sind grundsätzlich Zoom-Brennweiten ab 100° aufwärts mit ordentlicher Naheinstellung und zwei bis dreifachem Zoomfaktor vorzuziehen. Wichtig: Sowohl auf der Aquatiki III als auch in den Hotels kommt man mit unseren Steckern zum Laden der Akkus meist klar. Für alle Fälle sollten Sie sich aber mit einem Adapter eindecken.