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„Parkinson. Das geht an die Seele“


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 40/2021 vom 01.10.2021

INTERVIEW

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GROSSER KÄMPFER Frank Elstner bleibt trotz Parkinson ein Optimist

Als Frank Elstner (79), Erfinder von „Wetten, dass ..?“ und Moderator vieler Sendungen, seine Parkinsonerkrankung öffentlich machte, wollte er anderen Betroffenen Mut machen. 2020 gründete er die Parkinson Stiftung gemeinsam mit dem Würzburger Neurologen Prof. Jens Volkmann. Jetzt haben die beiden ein Buch geschrieben: „Dann zitter ich halt“ (s. Buchtipp). Wir haben sie gesprochen.

HÖRZU: Herr Elstner, wie haben Sie gemerkt, dass etwas nicht stimmt?

FRANK ELSTNER: In meiner Talkshow „Menschen der Woche“ ist mir ein leichtes Zittern der rechten Hand aufgefallen. Zuerst habe ich das für Nervosität gehalten. Aber es wurde immer auffälliger, wenn ich meinen Gästen zugeprostet habe. Irgendwann habe ich das Glas in beide Hände genommen.

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... Spezialisten konsultiert?

FRANK ELSTNER: Ich habe zuerst meinen Hausarzt gefragt, ob das Parkinson sein kann. Das hat er verneint. Aber als die Symptome sich nicht besserten, habe ich einen Spezialisten aufgesucht. Der Neurologe hat dann bei mir Parkinson diagnostiziert. Die Krankheit wird von Hausärzten oft erst spät erkannt. Deshalb empfehle ich, bei Anzeichen so früh wie möglich einen Neurologen zu befragen.

" Es begann mit einem Zittern der rechten Hand.“

Frank Elstner, TV-Moderator

Herr Volkmann, woran erkennt der Arzt die Erkrankung?

JENS VOLKMANN: Grund für die Erkrankung ist ein Dopaminmangel. Das führt zu Bewegungsstörungen, Verlangsamungen, Steif heit der Muskeln und des Körpers mit Instabilität. Neurologen diagnostizieren die Parkinsonkrankheit anhand der Bewegungsverlangsamung. Wenn das nicht erkennbar ist, darf man klinisch kein Parkinsonsyndrom diagnostizieren. Das war das Dilemma bei Frank. Außer dem Zittern waren andere charakteristische Symptome nur gering ausgeprägt.

Was ist in Ihnen vorgegangen, als Sie die Diagnose bekamen, Herr Elstner?

FRANK ELSTNER: Das war am 4. April 2016. Ich hatte schon vorher recherchiert und wusste, dass es kein Todesurteil ist. Und Professor Volkmann machte mir Mut, weil er sagte: „Frank, reg dich nicht auf. Du hast nur ein Parkinsönchen.“

Aber für viele Menschen ist Parkinson mit großen Ängsten verbunden.

FRANK ELSTNER: Das Bild der Öffent lichkeit ist geprägt durch die Parkinsonkrankheit von Muhammad Ali und Michael J. Fox. Ich habe Betroffene interviewt und zum Beispiel einen Unternehmer gesprochen, der seit 16 Jahren Parkinson hat und eine Firma mit 3000 Mitarbeitern leitet.

Und wie ist es bei Ihnen?

FRANK ELSTNER: Ich merke wenig Beeinträchtigungen. Vielleicht jogge ich etwas weniger und langsamer. Aber ich mache meine Gymnastik und versuche, Tai-Chi zu lernen, weil das besonders günstige Bewegungen für den Körperablauf sind. Ansonsten arbeite ich wie gewohnt.

JENS VOLKMANN:Besonders am Anfang der Erkrankung können die Symptome in aller Regel sehr gut unter Kontrolle gebracht werden.

Wie sieht die Behandlung aus?

JENS VOLKMANN: Eine Dopaminersatztherapie durch Tabletten kann viele Parkinsonsymptome lindern. Dadurch wird nicht nur die eingeschränkte Beweglichkeit verbessert. Es kann auch die Stimmungslage verbessern und Ängste, die als Folge des Dopaminmangels auftreten, mindern.

Aber dennoch dürfte die Diagnose für die meisten Betroffenen ein Schock sein.

JENS VOLKMANN: In den Gesprächen geht es darum, Ängste abzubauen. Viele Patienten sind verunsichert oder haben Angst vor einer Stigmatisierung von außen. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Betroffene ihr Leben aktiv gestalten. Ebenso wichtig ist es, die Chancen in den Vordergrund zu stellen und nicht etwaige Verlustängste. Es geht darum, das Leben über die Erkrankung zu stellen, nicht umgekehrt.

FRANK ELSTNER: Ich will das Problem nicht verharmlosen. Es geht an die Seele, wenn es zu Situationen kommt, die man nicht mehr leicht beherrscht. Aber man darf das Positive nicht übersehen, und man kann viel dazu beitragen, die Auswirkungen zu verlang samen. Es ist wichtig, regelmäßig Sport zu treiben und das Gedächtnis zu trainieren.

Wie hat sich Parkinson auf Ihr Leben ausgewirkt?

FRANK ELSTNER: Mein Leben hat sich gewaltig verändert in den vergangenen zwei Jahren. Ich esse heute so gut wie kein Fleisch mehr, ich versuche, mich vernünftig zu ernähren und mich genügend an der frischen Luft so bewegen. Ich lebe achtsam, nehme die Stunden viel bewusster wahr und lasse sie nicht einfach vergleiten.

Welche beruflichen Pläne haben Sie für die Zukunft?

FRANK ELSTNER: Nächstes Jahr werde ich 80 Jahre alt, und ich kann mir nicht vorstellen, dass das Publikum danach lechzt, einen 80-Jährigen in UnterhalAber tungssendungen zu sehen. Ich ziehe mich langsam, aber sicher aus der Öffentlichkeit zurück und werde versuchen, mit meinem mir über die Jahrzehnte angehäuften Wissen in der Unterhaltung ein paar Weichen zu stellen und jungen Menschen zu helfen, einen guten Weg zu finden.

INTERVIEW: THOMAS KUNZE