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PARTNERSCHAFT: Ein (Alb-) Traumpaar


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 08.05.2019

Wie Alexandra und Alexander Ahndoril Schwedens erfolgreichstes Krimi-Duo wurden


Ein lichtes Wäldchen am Stadtrand von Stockholm. Ein Mann und eine Frau stapfen den ansteigenden Waldweg entlang, vorbei an vereinzelten Spaziergängern mit Hunden. Noch eine Kehre, dann ragt plötzlich ein enormes Bauwerk zwischen den Birken auf: eine offene, von Betonstelen getragene Halle, so hoch wie eine Kathedrale; irgendwo tropft Wasser. „Hier ist es – das ist das Wasserreservoir.“ Alexander Ahndoril dreht sich um und strahlt, seine Frau Alexandra steht dicht neben ihm und blinzelt in die Höhe. „Hier im Wald wurde vor ...

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... Jahren auch mal jemand ermordet“, fügt sie hinzu, „deswegen schien uns das ein guter Schauplatz.“ Man hat sofort Bilder von im Wasser schwimmenden Toten vor Augen. Aber genau das scheint die beiden hier so zu begeistern.

Ein skurriles Paar? Vielleicht. Auch äußerlich ziehen die beiden Blicke auf sich. Er ist groß, blass und hat mit seiner schwarzen Lederjacke, Ohrring und zurückgekämmtem Deckhaar die Attitüde eines Britpop-Sängers aus den 80ern. Sie, klein, zierlich, hübsch, betont ihre Mädchenhaftigkeit mit Kleidern, offenen Locken und glitzerndem Schmuck.
Zusammen sind die beiden das Pseudonym Lars Kepler, im Moment einer der erfolgreichsten Krimi-Autoren Schwedens: Die ersten sechs Bände der Serie um Ermittler Joona Linna und seinen verzweifelten Kampf gegen einen fiesen, nicht tot zu kriegenden Killer haben sich mehr als zehn Millionen Mal verkauft. Kepler-Romane – gerade ist der siebte Band „Lazarus“(Bastei Lübbe, 22 Euro) erschienen – sind nichts für zarte Seelen oder Fans distinguierter Krimi-Unterhaltung à la Highsmith. Hier gibt es Psycho-Folter, expliziten Sex und gleich nach ein paar Seiten eine böse zugerichtete nackte Leiche.

Und das soll man jetzt mit diesem Ehepaar Anfang 50 zusammenbringen, das drei gemeinsame Kinder im Teenageralter hat? Da muss es eine Geschichte dahinter geben. Zu Beginn scheint es, als hätten die beiden sie schon oft erzählt: „Wir schreiben Seite an Seite“, sagt Alexander. An einer Wand ihres Zuhauses entwerfen sie zunächst den Plot eines Buchs auf Zetteln. „Dann nimmt sich jeder eine Schlüsselszene und fängt an.“ Einsatz Alexandra: „Was wir geschrieben haben, schicken wir uns per Mail zum Redigieren hin und her, bis zu 50- mal.“ Schlussfolgerung Alexander: „Am Ende wissen wir nicht mehr, wer was geschrieben hat, wir sind zu Lars Keplers Stimme geworden.“

Ein symbiotisches Paar also, das zusammen spricht und schreibt? Auch wenn sie sich unbeobachtet glauben, ist da ein konstanter Austausch zwischen den beiden. Er schaut sie an, während er mit anderen redet; sie reckt sich später zu seinem Ohr hinauf. Einzeln bekommt man sie kaum zu fassen; zu zweit scheinen sie etwas weniger scheu. Sie haben sich zusammen etwas aufgebaut, das sie trägt. Nicht nur persönlich, sondern auch finanziell: Gerade sind die Filmrechte an ihren Thrillern nach Hollywood verkauft worden, das Ehepaar hat sich ein Penthouse über den Dächern Stockholms gekauft. Wie haben sie sich gefunden?

Sie wurden einander vorgestellt, weil sie den gleichen Vornamen tragen: Alexandra, 53, und Alexander, 52


Er ist der Junge aus einfachen Verhältnissen, den es nach Futter für den Kopf dürstete, der malte und schließlich anfing, einen Roman auf der Schreibmaschine zu tippen. Sie ist als Tochter eines Schweden und einer Portugiesin an der südschwedischen Küste aufgewachsen, war die Einzige mit dunklen Haaren in der Schule – und einer Großmutter, die weder lesen noch schreiben konnte. Er schrieb Theaterstücke und ein Buch über die Nationallegende Ingmar Bergman; sie ging in Stockholm zur Schauspielschule und hoffte, berühmt zu werden. Zwei Aufsteiger also, mit dem unbedingten Willen, sich aus ihren jeweiligen Backgrounds herauszuarbeiten. Und dann der Moment, als Freunde sie in ihren Zwanzigern abends beim Ausgehen einander vorstellten, zunächst als Witz: „Alex? Darf ich dir Alex vorstellen?“ „Sie war“, sagt er, „die schönste Frau, die ich jemals gesehen habe.“ Und sie? „Ich fand es toll, einen Schriftsteller zu treffen, jemanden, der die Stücke schreibt, die ich spiele.“ Sie müssen es ineinander gleich erkannt haben: Da ist jemand, der so tickt wie ich. Und zu zweit können wir mehr erreichen. Ein Liebes- und gleichzeitig ein Geschäftsmodell.


Paartherapie brauchen sie nicht: Sie reden ständig über Bücher


Alexander nahm bei der Heirat Alexandras Namen an – vielleicht, weil Ahndoril vornehmer klingt als sein in Schweden sehr häufiger Geburtsname Gustafsson. Als die Kinder kamen, fing Alexandra, mittlerweile mit einem Doktor in portugiesischer Literaturwissenschaft, ebenfalls an zu schreiben. Und „weil wir alles zusammen tun – wir sind ungern ohne einander“ –, machten sie sich gemeinsam an Kinderbücher. „Das war aber nichts“, fasst Alexander zusammen. „Wir brauchten einen dritten Schriftsteller, um unsere Egos außen vor zu lassen“, sagt Alexandra, sie grinsen sich an. Eben Lars Kepler.
Und warum schreibt der nun ausgerechnet Thriller? Zum einen ist da die Tradition, die idealisierte Schwedenidylle zumindest auf dem Papier zu unterwandern. „Es sind aber auch eigene Ängste, die man da bearbeitet“, sagt Alexander und zieht leicht die Schultern hoch. „Außerdem bewegen sich Krimis immer von Chaos zu Ordnung. Das ist so befriedigend.“ Und wenn sie sich mal streiten? Das kommt natürlich vor. „Aber unsere Art, zusammen zu schreiben, ist gut für unsere Ehe, weil wir ständig miteinander reden.“

Man stellt sich die Ahndorils also vor, wie sie gemeinsam Abendessen kochen und dabei über das fachgerechte Zerlegen von Leichen sprechen. Wie das wohl für die drei Töchter – mittlerweile 13, 17 und 18 Jahre alt – ist? „Unsere Älteste liest unsere Bücher nicht“, erzählt Alexandra. „Sie möchte nicht mit der halben Welt über die Krimis ihrer Eltern reden. Aber die Mittlere ist unsere erste Leserin.“ Trotz der vielen Gewalt? „Ihr sind die Sexszenen viel unangenehmer.“ Die Jüngste dürfe erst ab 15.

In letzter Zeit sind Alexander und Alexandra aber weniger zu Hause. Weil die Kinder mit ihren Freunden so oft das Haus belagern, ziehen sie sich immer häufiger zum Arbeiten in ihr Penthouse zurück. Eigentlich wollten sie es als Wertanlage vermieten – aber es ist so schön still und aufgeräumt dort ohne die Teenager.

Manchmal haben eben Bestsellerautoren dieselben Probleme wie andere Eltern auch.

Schreibende Paare

Die Konkurrenz: Die Schweden Cilla und Rolf Börjlind nennen auf ihren Thrillern beide Namen. Der neueste heißt „Wundbrand“ (btb)


Iny Klocke und Elmar Wohlrath schreiben als Iny Lorentz zusammen All-time-Bestseller wie die historische „Wanderhure“-Reihe (Knaur)


Nina George ist zusammen mit Ehemann Jo Kramer der Autor Jean Bagnol. Ihre Spezialität: Provence-Krimis („Commissaire Mazan und die Spur des Korsen“, Knaur)


Wolfram Hänel und Ulrike Gerold verfassen Bücher unterschiedlichster Genres. „Allee unserer Träume“ (Ullstein) z. B. spielt im Berlin der Nachkriegsjahre


FOTO: LEONARDO CENDAMO/GETTY IMAGES

FOTOS: THRON ULLBERG (1), HELMUT HENKENSIEFKEN/FINEPIC (1)