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PARTNERSCHAFT: Starker Rücken, starke Liebe


Donna - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 02.01.2019

Zu Besuch bei Deutschlands erfolgreichen Schmerz-Therapeuten Petra und Roland Liebscher-Bracht


Setzt man sich in Frankfurt ins Auto und fährt eine halbe Stunde Richtung Nordwesten, landet man in Bad Homburg. In Deutschlands heimlicher Hauptstadt materieller Sorglosigkeit, leben Banker, Industrielle, Erben in bester Taunusluft. Keine schlechte Geschäftsidee also, hier, in einer Jugendstilvilla nahe des Kurparks, vom Heilen solventer Selbstoptimierer zu leben, denkt man und betritt das „Liebscher & Bracht Gesundheitszentrum“. Die Praxis zweier Menschen, die allen Schmerzgeplagten geradezu Märchenhaftes ...

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... versprechen. Petra Bracht und Roland Liebscher-Bracht, beide 62, seit 35 Jahren verheiratet, zwei Söhne. Sie ist Ärztin mit Schwerpunkt Ernährungsmedizin, er studierter Wirtschaftsingenieur, Trainer asiatischer Kampfkunst und Schmerzexperte, und diese beiden behaupten, eine Methode entwickelt zu haben, die Knie-, Nacken- und Rückenschmerzen systematisch und auf natürliche Art heilt. Für immer. Ausgerechnet Rückenschmerzen, das Leiden Nummer eins!

Petra Bracht und Roland Liebscher-Bracht, beide 62, in ihrer Bad Homburger Praxis


Die Schulmedizin kenne die wahre Ursache von Rückenschmerzen meist nicht, erklären Liebscher und Bracht auf ihrer Website. Sie dagegen hätten nach 20-jähriger Ursachenforschung zentrale Erkenntnisse gewonnen: „Die meisten Schmerzen entstehen durch zu hohe Zugspannungen der Muskeln und Faszien.“ Jenes feinen Bindegewebsgeflechts also, das Muskelstränge, Organe und Knochen umhüllt und durch einseitige Bewegungsabläufe „verkleben und verfilzen“ könne. Ihre Lösung: gezielte Übungen, Druckpunkt-Behandlungen und Faszien-Rollmassagen, die sich allesamt zu Hause anwenden lassen. Natürlich haben die beiden auch Ratgeber geschrieben, darunter die Megaseller „Die Arthrose-Lüge“(Goldmann) und das gerade erschienene Buch „Deutschland hat Rücken“(Mosaik) . Zudem haben sie ein Gesundheitsimperium mit 60 Mitarbeitern aufgebaut: Über ihren Webshop verkaufen sie selbst entwickelte Produkte; 2000 Physiotherapeuten arbeiten nach ihrer Methode. Außerdem betreiben sie jeweils einen eigenen Youtube-Kanal. Sie gibt Ernährungstipps, zurückhaltend, sachlich, kompetent. Auf seinem von 360 000 Usern abonnierten Kanal kann man sich diverse „Schmerzfrei“-Videos anschauen. Man sieht Roland Liebscher-Bracht, topschlank, ganz in Weiß, ein telegener Mann mit asketischen Zügen.
Petra Bracht sitzt auf der Couch im Nebenraum ihres Sprechzimmers und trinkt grünen Tee. Ihr Mannt läuft umher. Er redet, lacht, umarmt seine Frau: „Ich würde Petra jederzeit wieder heiraten!“ Ab und zu nimmt er einen Schluck aus einer Wasserflasche. Die Flüssigkeitszufuhr haben die Liebscher-Brachts nötig, beide haben heute noch nichts gegessen. Gestern am frühen Abend gab’s Salat und Gemüse mit Tofu, erst heute Abend, 24 Stunden später, essen sie das nächste Mal etwas. Beide sind Fast-Veganer und ziehen seit Jahren eine radikale Form des Intervallfastens durch. „Das ist für uns keine Selbstkasteiung, sondern macht richtig Spaß. Durch das Fasten schlafen wir besser, haben keine Schmerzen und sind voller Energie“, sagt Petra Bracht, die kürzlich sogar ein Buch über das „Intervallfasten“(Gräfe und Unzer) geschrieben hat. Als sei das nicht genug, legen die beiden frühmorgens auch noch ein krasses Sportprogramm hin. Joggen, Crosstrainer, Krafttraining, dazu die Schmerzfrei-Übungen. „Verlange nichts von deinen Schülern, was du nicht selber tust“, zitiert er Konfuzius, und dann setzen sich diese freundlichen, schrecklich konsequenten Menschen nebeneinander und erzählen die Geschichte ihrer Liebe, die auch die Geschichte ihres beruflichen Erfolgs ist.

Zusammen sind sie eine Marke, aber dabei immer noch ein symbiotisches Liebespaar


Rückenschmerzen sind in unserer Gesellschaft der Schreibtischarbeit das Problem Nummer eins


Unter Medizinern ist die Liebs cher-Br acht-Methode umstritten. Der Erfolg spricht für sich


Ein Paar, das sich perfekt ergänzt: Sie ist der ruhende Pol, er der Satellit, der um sie kreist


Eine Praxis, 60 Mitarbeiter und Ratgeber, die alle Megaseller wurden


Vor 35 Jahren trafen sie sich morgens um halb fünf in einer Frankfurter Disco. „Kennen wir uns nicht?“ Rolands eher lahmer Spruch brachte alles ins Rollen. „Es musste sein, da war etwas Unabänderliches, das mich zu ihr hinzog.“ „Ich fand ihn unheimlich schön mit seinen langen schwarzen Locken“, erinnert sie sich lächelnd. Drei Monate später heirateten sie. Petra war gerade mit dem Medizin-Studium fertig, Roland unterrichtete die anspruchsvolle Kampfkunst Wing Tsun. „Viele Kursteilnehmer litten an Schmerzen. Mir fiel auf, dass diese durch das Training abnahmen oder ganz verschwanden – selbst wenn das nach herkömmEine licher medizinischer Auffassung unmöglich schien.“ Er war elektrisiert, zog Petra mit. Sie trugen ihre Erkenntnisse zusammen. „Schließlich hatte ich 72 Punkte an den Knochen definiert, an denen man Schmerzen durch manuellen Druck regelrecht abstellen kann“, erzählt er. „Außerdem entwickelte ich 27 Körperübungen, mit denen sich die Patienten schmerzfrei halten können.“ Vorausgesetzt, man nimmt sich 15 Minuten am Tag Zeit. Petras ernährungsmedizinische Erkenntnisse ergänzten sein Programm, und 2007 stand die Liebscher-und-Bracht-Schmerztherapie.

Herkömmliche Mediziner und Physiotherapeuten misstrauen ihren Erfolgen, erzählt Roland. Angeblich, weil der wissenschaftliche Beweis fehle. Vielleicht aber auch, weil sie um ihre Pfründe fürchten. Bester Beweis, dass die Therapie zuverlässig wirke, seien nicht nur die 15 000 Patienten, die er behandelt habe, sondern auch seine Mutter: „Sie ist 91, macht die Übungen täglich und ist schmerzfrei.“ Roland springt auf, zeigt die Übungen. Er brennt, ist durchdrungen von seiner Vision, seine Frau hört ihm lächelnd zu. Und während sie da so eng beieinandersitzen, wirken sie kein bisschen wie kühl kalkulierende Wunderheiler, sondern wie zwei sehr nette Menschen, die fest an das glauben, was sie tun. „Wir ergänzen uns. Jeder gleicht die Defizite des anderen aus und fördert seine Stärken.“ Sie ist ganz klar der ruhende Pol, um den er satellitengleich kreist. Bei ihr lädt er sich auf, um sein extrovertiertes Überflieger-Leben durchzuhalten. Sie zieht Kraft aus seiner Zuwendung. Und kann gut damit umgehen, dass auf den gemeinsamen Büchern nur mit seinem Gesicht geworben wird. Er wirkt, als würde er am liebsten auf der Stelle weitere zehn Bücher schreiben und jedem Menschen bis ins hohe Alter ein schmerzfreies Leben ermöglichen. Aber nur mit ihr. Und dann strahlen sich beide an – und man hat das Gefühl, dass sie noch eine Menge zusammen bewegen werden.


Fotos: Marc Krause

FOTOS: MARC KRAUSE/SCHIERKE ARTISTS; HAARE & MAKE-UP: YAGMUR KARANOHUT