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»… PASSGENAU die Werbepausen füllen«


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drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 09.02.2022

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Bildquelle: drums & percussion, Ausgabe 2/2022

Dieser Auszug ist dem Buch »Musik ist King« entnommen (erschienen bei Dabbelju, 192 Seiten, 15 Euro, ISBN: 9783939666493, E-Book, ASIN: B09M7JXFQM, 9,99 Euro). In seinem vierten Buch, einer Audio-Biografie, beschreibt Martell Beigang, wie die Kraft der Musik ihn einmal um die Welt reisen lassen hat, von Australien nach Kasachstan, und wie sie ihn auf die Main-Stage von »Rock am Ring« oder auf die Hochzeit von Pink brachte. Ein Kraftbuch für alle, die Musik lieben, und die an ihrem Traum festhalten, egal was kommt. Dazu gibt es eine Playlist mit Songs aus über 100 Alben, an denen der Autor mitgewirkt hat und Musik, die ihm besonders am Herzen liegt (Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Verlages).

Für das Coverfoto [von »Twenty Flight Rock«] engagierte die Plattenfirma den bekannten Fotografen Jim Rakete aus Berlin. Früher dachte ich immer, dass Rakete ein typischer ...

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... Achtziger-Künstlername wäre, aber er hieß wirklich so, eine Eindeutschung des hugenottischen Raquette. Ich hörte irgendwann davon, als ich Jahre später eine Nichte von ihm in Köln kennenlernte und ihr von ihm erzählte. Da meinte sie, dass ihre Familie tatsächliche Rakete hieß. Jim hatte schon Stars wie Jimi Hendrix und David Bowie vor der Linse und managte in den Achtzigern Nina Hagen und Nena. Wir trafen uns mit ihm in Oberhausen bei einem Autoschrauber, der auf alte amerikanische Schlitten spezialisiert war und uns einen Chevrolet zur Verfügung stellte. Neben dem Albummotiv sollte Jim auch Einzelportraits von uns machen. Er arbeitete nur mit natürlichem Licht und einer analogen Kamera. Bevor er uns fotografierte, plauderte er kurz mit jedem von uns allein, dann drückte er ein paarmal ab, und ich muss sagen, die Fotos waren Spitzenklasse. So schnell und präzise hatte ich noch keinen Fotografen arbeiten sehen. Ich glaube, sein Trick waren die kurzen Plaudereien vorher, die einen sofort in die richtige Stimmung brachten. Wir sahen alle super aus.

Als die Platte veröffentlicht wurde, waren wir dauernd im Fernsehen. Am Anfang bestanden wir noch darauf, immer live zu spielen. Aber als wir das erste Mal hörten, wie grausam das teilweise klang – denn im TV konnten die einfach keinen Ton, nur Bild –, bestanden wir auf Halbplayback. Das hieß, wir sangen wenigstens live, aber auch das klang einfach nicht überzeugend, wie wir bei »Top of the Pops« leider feststellen mussten. An dem Tag, als wir dort waren, holte ich mir übrigens ein Autogramm von Kim Wilde, die ihre Backstage neben unserer hatte. Als Teenager fand ich sie total geil.

Ab da spielten wir nur noch Vollplayback bei »Nur die Liebe zählt« und anderen gruseligen Sendungen. In dieser Zeit trafen wir öfter auf andere Promis. Einmal saß ich bei einem Abendessen neben Michael Holm. Er hatte in den Siebzigern mehrere Hits als Schlagersänger. Dann war er lange weg vom Fenster. Es hieß, er hätte in der Zwischenzeit erfolgreich instrumentale New-Age-Musik mit Panflöte produziert. Als er neben mir saß, war er total nett und aufgeschlossen. Aber irgendwie hatte er einen Geldfimmel und erzählte mir aus heiterem Himmel, dass er für seine Schlagerauftritte, die er jetzt wieder öfter hätte, immer 10.000 Euro bekam. So nach dem Motto: »Für so einen Scheiß kriegt man so viel Geld, und das, obwohl ich doch eigentlich ein ernsthafter Musiker bin...«

Vielleicht gibt es so eine Art Schlagersänger-Komplex. Wir hatten mit dem Swinger Club mal einen Gig beim »Lachenden Weinberg«, einer Sendung, die in Mainz aufgezeichnet wurde. Moderator war Schlagersänger Bernhard Brink. Als wir unsere Instrumente im Studio aufbauten, kam er direkt auf uns zu und meinte, eigentlich sei er ja auch Jazzer. Da dachte ich mir auch: die armen Künstler, die mit etwas Erfolg haben, hinter dem sie nicht stehen (DJ Ötzi nannte sich selbst immer einen Rocker). Leute wie Roy Black trieb das in den Alkoholismus.

Einen unfreiwilligen Blick hinter die Kulissen des schmutzigen Showgeschäftes konnte ich bei einem Fernsehauftritt in Ostdeutschland werfen. Wir sollten mit Dick Brave ein Stück bei der Lego-Show spielen. Die Kulisse war in der Cargolifter-Halle im Umland von Berlin aufgebaut. Die riesige Halle sollte ursprünglich zum Bau von Luftschiffen dienen und wurde nach der Insolvenz der Firma später als das größte europäische Indoor-Schwimmbad genutzt.

Der Regisseur kam zu Sasha und fragte ihn, ob er Lust hätte, kurz vor seiner Performance noch in ein Auto zu steigen, was dann über eine Rampe brettern sollte, sodass es 20 Meter durch die Luft fliegen würde, um später in einem Haufen Packkartons zu landen. Sasha fragte: »Kann dabei etwas passieren?« »Eigentlich nicht, das heißt, wenn der Sprung richtig verläuft und der Wagen den Haufen mit den Kartons nicht verfehlt. Ansonsten könnte es schon ganz schön scheppern.« Er könne sich das ja mal überlegen, ganz ohne Zwang. Wäre doch eine gute Promo. Sasha überlegte und dachte an die Tour, die kurz nach der Sendung losgehen sollte. Er wäre schon ganz schön gehandicapt, wenn er diese mit einer Halskrause spielen müsste. Er entschied sich dagegen. Daraufhin meinte die Produktionsleitung ganz trocken, sie bräuchten uns jetzt nicht mehr für die Sendung, also auch nicht für unseren Musikbeitrag. Wir packten unsere Sachen und fuhren wieder zum Hotel. Als wir gerade unseren Flug umbuchen wollten, ließ die Sendeleitung uns doch noch zu. Sie hatten gehofft, Sasha noch umstimmen zu können. Wow, das waren ja Methoden wie im Mittelalter. Wenn es ums Geld oder Einschaltquoten ging, was dasselbe war, verstanden die Leute einfach keinen Spaß. Diese ganze Phase war ganz schön anstrengend für alle. Wir mussten dauernd und so gut wie exklusiv zur Verfügung stehen und wurden von A nach B geflogen. Alles passierte in Überschallgeschwindigkeit. Die Beziehungen zu unseren Partnerinnen wurden arg auf die Probe gestellt. Für unseren Bassisten Felix war es zeitweise zu viel. Er schrabbte knapp am Burnout vorbei. Bei einer Tour musste er nachmittags an den Tropf, damit er abends spielen konnte. Wahrscheinlich eine Strategie seines Körpers, mal eine garantierte Auszeit zu bekommen.

ES WAR EINE INTERESSANTE ERFAHRUNG, MIT STEFAN RAAB ZU ARBEITEN

Ich erwähnte ja gerade, dass sie beim Fernsehen normalerweise keinen guten Sound schrauben können. Bei »TV Total« hatte es die Crew allerdings wirklich drauf. Wahrscheinlich, weil Stefan Raab selbst so ein großer Musikfan war. Dort spielten wir eine Woche lang und ersetzten die Studioband, die Heavytones, damit die auch mal Urlaub machen konnten. Es war eine interessante Erfahrung, mit Stefan Raab zu arbeiten. Grundsätzlich war er sehr nett und unkompliziert, aber man merkte bei jeder Gelegenheit, dass er sich dauernd beweisen musste. Wenn er etwas sah, musste er immer gleich zeigen, dass er es besser konnte. Das wirkte auf mich ziemlich kindisch, aber wahrscheinlich war genau das seine Erfolgsstrategie. Mit Dick Brave nahmen wir mal einen Titel für ihn auf, der dann auf den Soundtrack für den Film »(T) Raumschiff Surprise« kam. Wir waren bei ihm im Studio und hatten aufgebaut. Als klar war, wie der Song funktionierte und wir ihn einmal durchgespielt hatten, drückte Stefan auf Aufnahme. Und nach einem Take war das Lied im Kasten. Da bemerkte ich, dass Stefan dann doch mal kurz still wurde. Er hatte scheinbar nur vor einer Sache Respekt, nämlich, wenn Menschen musikalisch etwas draufhatten. Damit, und wahrscheinlich nur damit, konnte man ihn kurzzeitig ruhigstellen. Als ich ihn später mal traf, um ihm das Video von Citronic vorzuspielen, empfing er mich tatsächlich, und ich dachte schon: Wow, meine Kontakte sind endlich mal zu etwas nütze. Aber es stellte sich heraus, dass er mir bei dieser Gelegenheit nur den Mix des Songs, den er mit uns aufgenommen hatte, vorspielen wollte, damit ich ihn darin bestätigte, dass sein Mix tausendmal besser klang als unser Album. Ich wusste gar nicht, was ich dazu sagen sollte und meinte nur: »Klingt super.« Ein anderes Mal, als wir ihn im TV-Studio trafen, meinte er: »Ich hab’ euch letztens bei Rock am Ring gesehen. Übrigens, der Hubschrauber, den ihr beim Spielen von der Bühne doch sicher bemerkt habt, das war ich, denn ich mache gerade meinen Hubschrauberführerschein...«

AUTORENINFO

Martell Beigang, Jahrgang 1967, schrieb Indie-Rockgeschichte mit der Band m. walking on the water und erreichte als Drummer mit Dick Brave & The Backbeats Doppelplatin-Status. Seit seiner Jugend singt er eigene Songs, aktuell bei SCHANK. Sein popliterarisches Buchdebüt »unverarschbar« avancierte schnell zum Szenehit. Inzwischen sind zwei weitere Romane erschienen. Martell Beigang lebt in Köln.

Info: www.martellbeigang.de

Immer einer mehr wie du!

Aber eigentlich wollte ich ja von »TV Total« erzählen. Mal in so einer Fernsehsendung zu arbeiten, machte echt Spaß. Für mich als Drummer war das richtig spannend, wir spielten nämlich ganz viele Jingles oder verkürzte Arrangements unserer Songs, wenn die Gäste reinkamen. Wenn wir dran waren, bekam ich immer über meine In-Ears einen Countdown runtergezählt und musste dann zeitgerecht die Band einzählen, damit wir passgenau die Werbepausen füllten.

Dann wurden wir auch noch eingeladen, an der ersten »Wok-WM« in Winterberg teilzunehmen. Für alle, die davon noch nie etwas gehört haben: Stefan Raab hatte sich mal wieder einen echt bekloppten Scheiß überlegt: Prominente und B-Sternchen wurden auf einen Wok, also eine asiatische Bratpfanne, gesetzt und fuhren im Eiskanal in Winterberg, auf dem sonst nur Bobs zugelassen waren, ein Rennen. Als Band starteten wir im Vierer-Wok.

Da wir fünf in der Band waren, ging ich davon aus, dass ich nicht mit dabei sein würde, denn als wir mal ein Konzert in Freiburg hatten, besuchten die anderen vier am Off-Tag den Freizeitpark Rust und fuhren freiwillig Achterbahn.

WIR SORGTEN FÜR EINEN SEHR SURREALEN MOMENT DEUTSCHER TV-GESCHICHTE

Aber so eine Wok-Fahrt in einer realen Bobbahn schien dann doch ein anderer Schnack zu sein. Wir mussten losen. Mein Los wurde gezogen, und ich begriff es von da ab als Challenge. Am Tag der Sendung machten wir eine Probefahrt. Unser Fahrzeug bestand aus zwei Holzplatten, die jeweils zwei Wok-Pfannen zusammenhielten und die durch zwei Metallringe verbunden waren. Ich setzte mich extra an die dritte Stelle, um mit meinen langen Beinen unser zweiteiliges Fahrzeug zu stabilisieren. Zudem versuchten wir, alle möglichst flach im Wok zu liegen und uns in die Kurve zu legen, damit wir auf Spur blieben. Bremsen durfte nur einer, nämlich Dick, der vorne saß.

Unsere Testfahrt war die schnellste von allen, deswegen verzichteten wir auf einen zweiten Testlauf. Als Schutzanzüge hatten wir so eine Art American-Football-Ausrüstung an. Unpraktischerweise mussten wir diese während der Sendung zweimal an- und ausziehen, da wir zweimal den Eiskanal runtersausten, um dann ganz schnell nach oben zu hasten, um kurz darauf in unserem Rock-’n’-Roll- Outfit einen Song zu performen. Beim eigentlichen Wettbewerb waren wir dann so schnell, dass wir über den Bremshügel hinwegschossen, an dem uns Sonya Kraus eigentlich interviewen sollte, uns aber nicht vorfand, weil wir direkt wieder nach oben zur Bühne sprinteten.

Wir, als verschollene Band, sorgten für einen ziemlich surrealen Moment der deutschen Fernsehgeschichte. Die ganze Wokfahrt war übrigens nicht ungefährlich. An dem Abend kugelte sich jemand die Schulter aus und ein anderer brach sich seinen Daumen, von zahlreichen Schramm en im Gesicht mal ganz abgesehen. Ich fragte mich damals, was der Abend wohl an Versicherung gekostet hatte, und war froh, dass wir die anschließende Tour mit heilen Knochen und allen Fingern absolvieren konnten.

Am Ende waren wir tatsächlich die schnellsten, ließen Scooter und den Viva-Wok hinter uns und wurden Wok-Weltmeister. Stefan Raab war übrigens gar nicht happy, dass er in seiner eigenen Sendung ausnahmsweise mal nicht gewonnen hatte, sodass er ein halbes Jahr später bereits die nächste »Wok-WM« ansetzte, aber unseren Titel konnte er uns ja nicht mehr nehmen. Weltmeister bleibt man sein Leben lang.

Text: Martell Beigang