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PASSIV MIT KUNSTKÖDER: POSE, GUMMI, ZANDER!


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 120/2018 vom 09.11.2018

Unser RaubfischexperteStephan Gockel schaut gern über den Tellerrand und ist immer offen für Neues. Nur deshalb konnte er eine neue Technik entwickeln, die vor allem in der kalten Jahreszeit ordentlich punktet: er bietet einen Gummifisch an einer Posenmontage an.


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Bildquelle: Blinker, Ausgabe 120/2018

Die Montage ist simpel: Stopper, dicke Pose, Gummiperle, noch ein Stopper, Fireball und Gummifisch. Und das System fängt zuverlässig!


Die Schnur der „toten“ Posenrute ist schlaff. Dadurch werden die Bootsbewegungen nicht direkt auf den Köder übertragen.


Die gute alte Pose – mit ihr hat alles angefangen. Also, natürlich damals in Kombination mit ...

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... einer Stippe. Irgendwann bekam ich zu Weihnachten eine „echte“ Angelrute mit Rolle. Dadurch wurde ich meiner Stipprute untreu und platzierte meine Pose vor Seerosenfeldern, bestückt mit einem Tauwurm. Irgendwann wechselte ich das Vorfach auf ein Stahlvorfach und fischte von da an mit einem Köderfisch, natürlich unter der Pose, auf Hecht.

Vom Spinnfischen war zu dieser Zeit noch lange nicht die Rede. Viele Jahre benutzte ich immer die gleiche Montage, wenn auch in unterschiedlichen Ausführungen. Posenangeln war einfach „meins“. Was gab es Schöneres als den Moment, wenn die Pose unterging, nachdem man sie etliche Stunden angestarrt hatte?

Doch dann änderten sich meine Vorlieben. Zuerst kaufte ich einen Spinner, dann einen Wobbler und schließlich meinen ersten Gummifisch. Die Kunstköder verdrängten nach und nach die Pose aus meinem Angelstandart. Zeitweise hatte ich kaum noch Posen in meiner Angelkiste. Kunstköderangeln und eine Pose, das passte für mich einfach nicht zusammen. Ich weiß noch genau, wie ich als Jugendlicher einen anderen Angler mitleidig belächelte, der mir erzählte, dass er noch nie einen Biss auf den Gummifisch hatte. Das war auch kein Wunder, denn ich hatte schon am Wasser beobachtet, wie er den Köder einfach wie einen echten Kö waagerecht hängend unter seine Pose montierte. Heute, mit etwas mehr Erfahrung im Lebensgepäck weiß ich natürlich, dass er gar nicht so weit vom Erfolg entfernt war, wie ich damals noch dachte.

Ein Gummiköder und eine Pose passen sehr wohl zusammen! In manchen Situ ationen benötigt man nur eben noch ein wenig Bewegung. Und in manchen Situationen benötigt man sogar beim Kunstköderangeln eine Pose, damit es so richtig in der Rute rappelt! Schleppfischen, feinstes Barsch- und Forellenfischen, eine tote Rute vom Boot aus … es gibt so viele Möglichkeiten!


„ EIN GUM M I - KÖDER UND EINE POSE PASSEN SEHR WOHL ZUSAMME N! “


Schlanke Posen verdrängen wenig Wasser und spielen deshalb nicht so gut. Außerdem wirken sie dem Selbsthakeffekt beim Biss entgegen.


Bauchige Modelle spielen schon bei wenig Wind gut mit den Wellen. Durch ihre Form hakt sich der Zander selbst.


WIESO EIN GUMMIFISCH?

Kunstköder haben gleich mehrere Vorteile gegenüber echten Fischchen. Zuerst einmal entfällt die Beschaffungsproblematik – versuchen Sie einmal, im Winter Köderfische zu stippen. Und gerade ab dem Spätsommer, wenn die Beute dicht zusammen steht, ist Farbe ein echter Joker! Man ist nicht nur einer von vielen und fällt im dichten Futterfischgewirr wesentlich besser auf. Außerdem kann man mit Kunstködern viel schöner experimentieren und testen, ob und wie die Räuber auf die verschiedenen Farben und Silhouetten reagieren.

POSE ALS TIEFENBEGRENZER

Schauen wir uns eine Posenmontage einmal grundlegend an. Was bezweckt sie? Genau zwei Sachen: Sie dient der Bissanzeige und hält den Köder in einer vorher eingestellten Tiefe. Und diese beiden Eigenschaften können wir uns beim Spinnfischen mit Kunstködern zunutze machen, zum Beispiel beim Schleppen mit großen Swimbaits oder Gummifischen auf Hecht. Die Pose begrenzt die Absinktiefe des Köders. Manchmal bekommt man schon beim Herauslassen Hänger, doch eine Pose wirkt dem entgegen.

Mit einem vorgeschalteten Schwimmer kann man so auch sicher über dem Kraut oder hängerträchtigen Terrain den Köder präsentieren und gleichzeitig prima sehen, wie weit entfernt und vor allem wo gerade der Köder läuft. Selbst bei einem Stopp des Bootes braucht man sich keine Sorgen um den wertvollen Köder machen. Das ist die absolute Kontrolle, die sich sicher früher oder später doppelt auszahlen wird – zum einen im Portemonnaie und zum anderen im Angelerfolg.

POSE ALS RUHEPOL

Ihren zweiten Vorteil spielt die Pose aus, wenn es ordentlich weht und der Wind und die dazugehörigen Wellen eine ruhige Köderführung beim Zanderangeln vom Boot unmöglich machen. Natürlich, man bekommt am ausgestreckten Arm noch einigermaßß - en Ruhe in die ganze Sache. Eine tote Rute vom Boot aus wird jedoch im Rutenständer den Köder alles andere als tot erscheinen lassen. Selbst niedrige Wellen sorgen dafür, dass die Rutenspitze, als Hebel fungierend, den Köder direkt um ein Vielfaches der Wellenhöhe über Grund startet, um ihn anschließend wieder in die lose Schnur fallen zu lassen. Das reinste Pilken! Aber leider nicht zielführend, denn Zander werden darauf bestimmt nicht reagieren. Abhilfe bringt hier eine Laufpose mit 40 bis 70 Gramm Tragkraft. Je dicker die Pose ist, desto besser ist der Selbsthakeffekt. Darauf gehe ich etwas später noch genauer ein.

Gängige Jigköpfe mit langem Hakenschenkel stehen schräg nach unten ab. Sie sind ungeeignet.


Ein Fireball-Jig steht immer waagerecht über Grund. An ihm spielt der Shad sehr natürlich.


Eine hochrückige Körperform und ein kurzer Schwanzstiel in Kombination mit einem kleinen Tellerschwanz: diese Gummifischform ist ungeeignet für die Posenmontage. Der Shad bewegt sich ohne viel Zug kaum.


SCHWERER FIREBALL

An die Pose kommt als Köder ein Gummifisch am Fireball-Jigkopf. Sonst nichts. Durch das Gewicht des Fireballs läuft die Pose bis hin zum oberen Stopper. Mein Köder läuft immer knapp über Grund. Im Winter fische ich meist in Löchern oder an gleichbleibend tiefen Stellen, deshalb brauche ich den Posenstopper auch nicht ständig verschieben. Das Ganze lasse ich an der toten Rute etwa zwei Meter hinter der Rutenspitze laufen. Die Wellen bewegen den voluminösen Schwimmer. Die Schnur zwischen Pose und Rutenspitze hängt ein wenig durch, dadurch werden die Bewegungen der Rutenspitze nicht auf den Köder übertragen. Saugt ein Zander den Gummi ein, dringt die Hakenspitze durch die voluminöse Pose leicht in sein Maul ein. Entweder erschrickt er sich, flüchtet und hakt sich selbst – oder ich sehe, dass sich die Pose bewegt und schlage selbst an.

Warum ich nicht einfach eine herkömmliche Posenmontage mit Vorfach und Einzelhaken verwende? Ganz einfach, mit einem Vorfach steht bei einer Bootsbewegung durch Drift und Wind der Köder immer etwas seitlich heraus und ich kann nicht genau nachvollziehen, wie weit über Grund mein Köder gerade läuft. Außerdem beeinflusst der Fireball das Köderspiel. Die schwere Bleikugel sitzt direkt am Köder und überträgt die Posenbewegungen direkt. Würde ich, wie bei einer klassischen Posenmontage, die Bebleiung weit oberhalb des Hakens befestigen, „schluckt“ das Gewicht die Bewegungen der Pose und der Köder darunter pendelt einfach nur kurz über Grund.

Der Fireball ist nebenbei bemerkt auch an sich schon mehr als nur ein Jighaken mit kurzem Schenkel. Ein Qualitätsfireball steht absolut waagerecht im Wasser. Bei herkömmlichen Bleiköpfen steht der Haken schon mal schräg nach unten – der Gummifisch auch, das mögen die Zander gar nicht. Außerdem würde ein längerer Hakenschenkel als bei einem Fireball einen Gummiköder nach dem Aufziehen nur in seiner Bewegung einschränken.

Wie ich auf die irre Idee gekommen bin, Pose und Gummifisch zu kombinieren? Ganz einfach: Ich habe mal über den Tellerrand des Raubfischangelns geschaut und gesehen, wie es die Felchenfischer machen. Sie angeln eigentlich nicht anders – bloß, dass sie kleinere Köder, nämlich Nymphen, unter ihrer großen Pose anbieten.

Kapitale Zander kennen das Bewegungsmuster eines gejiggten Shads. Ein über Grund stehender Gummifisch reizt sie aber zum Biss.


Schlanker Körper, weiche Gummimischung und ein langer, dünner Schwanz: diese Köderform ist ideal für die Posenmontage geeignet. Der Gummifisch spielt auch schon bei wenig Wellengang sehr verführerisch und wippt immer auf und ab.


FOTO: S. GOCKEL

FOTOS: S. GOCKEL, F. PIPPARDT

FOTOS: F. PIPPARDT, M. B. KEIL