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PASSIVHAUS: GRUNDLAGE FÜR DAS EFFIZIENZHAUS PLUS


Passivhaus Kompendium - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 10.12.2019

Wie Passivhäuser erhöhten Anforderungen in Richtung Autarkie gerecht werden


Die gesellschaftliche Diskussion und das zahe Ringen der Bundesregierung um mehr und effektiveren Klimaschutz verlangt ein Umdenken bei Neubauten. Energieautarke Ein- bis Zweifamilienhauser mussen als Effizienz-Plus-Hauser auf Basis des Passivhausstandards (PHPP) und der zusatzlichen Vernetzung in einem Quartier konzipiert werden. Das ist eine erfolgreiche Strategie zur Abwendung der uber Jahrzehnte schleichend, extrem gefahrlich naher ruckenden Klimakatastrophe.

In der Realitat aber findet der gesamte Neubaubereich tatsachlich in ...

Artikelbild für den Artikel "PASSIVHAUS: GRUNDLAGE FÜR DAS EFFIZIENZHAUS PLUS" aus der Ausgabe 1/2020 von Passivhaus Kompendium. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Passivhaus Kompendium, Ausgabe 1/2020

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In der Realitat aber findet der gesamte Neubaubereich tatsachlich in der offentlichen Rede und in den Medien so gut wie keine Beachtung mehr: Im Hintergrund wird das Gebaudeenergiegesetz 2019 (GEG) erwartet. Doch der bisherige Entwurf sieht leider keine weitergehenden energetischen Anforderungen an Gebaude vor als die, die in der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016 bereits festgeschrieben wurden.
Dabei sind gerade im Neubaubereich deutliche Mengen des CO2 -Ausstoses einzusparen, wenn die Gebaudequalitat zu einem echten Effizienzhaus oder gar Effizienzhaus Plus gesteigert wurde. Eine zu schaffende Grundvoraussetzung fur eine wirkungsvolle Neuentwicklung eines Bauwerks mit der zutreffenden Bezeichnung „Effizienzhaus Plus“ ist die Passivhausbauweise als Standard. Das Passivhaus muss sich dabei denk-offen zeigen und weiterentwickeln, und zwar in den Grundsaulen Gebaudetechnik, Transformation, Energieproduktion, Energiespeicherung, Quartiersbildung, Steuerung und Engpassausgleich.
Als Modell und Referenzprojekt werden in diesem Beitrag die Gebaude in der Ausstellung „Fertighauswelt Wuppertal“ herangezogen, gebaut zum Praxisvergleich von Speicherstrategien und EnergiePlus-Hausern in Wohnsiedlungen.

Ubersichtsplan der „FertighausWelt Wuppertal“


Grafiken: Fraunhofer IRB

Das Effizienzhaus Plus

Was ist nun unter einem Effizienzhaus Plus zu verstehen? Welche Regeln gelten fur dieses Bauwerk? Es gibt inzwischen mehrere Definitionen fur das Effizienzhaus Plus. Beispielsweise muss dieser Haustyp innerhalb eines Jahres bilanziell mehr End- und Primarenergie aus lokal verfugbaren, erneuerbaren Quellen (Photovoltaik) ausweisen, als fur dessen Betrieb benotigt wird. Die Energieuberschusse konnen fur die Elektro-Mobilitat oder die Versorgung von benachbarten Gebauden genutzt werden. Dazu stehen auch aus dem BMUB Planungsempfehlungen und sonstige Handreichungen zur Verfugung. Im Mittelpunkt der Uberlegungen stehen dabei die zu generierenden Energieuberschusse und nicht der Energieverbrauch der Gebaude. An diesem Punkt ist eine entscheidende Lucke in den Definitionen gegeben. Die energetische Qualitat der Gebaudehulle als Grundvoraussetzung fur ein Effizienzhaus Plus ist erkennbar formal noch nicht hinreichend definiert. Bei der Bestimmung der Gebaudequalitat mit Photovoltaik-Anlage sollte als Basis zwingend das Passivhaus (PHPP) gefordert werden, weil bei einem Nahe-Null-Energieverbrauch des Passiv hauses der Stromertrag aus der PV-Anlage deutlich hoher ausfallen wird als bei einem Standardhaus, das nach den Regeln der Energieeinsparverordnung (EnEV) berechnet wurde.
In der Ausstellung FertighausWelt Wuppertal konnte das einzige Passivhaus, ausgestattet mit einer Photovoltaikanlage wie alle anderen Testhauser dort auch, fur die These der groseren Leistungsfahigkeit „EnergiePlus“, den Beweis liefern. Das Fraunhofer Institut fur Bauphysik veroffentlichte 2015/2016 und 2017/2018 die in allen Musterhausern gemessenen Werte in den vier Saulen Energiequelle, Energienutzung, Photovoltaik und kumulierte Endenergie. Das Passivhaus fuhrte die Bestenliste an.

Effizienzhäuser Plus im Quartier

In der Ausstellung Wuppertal sind die 19 Projekthauser im Quartier oder Dorf durch eine Ringleitung mit einer zentralen Grosbatterie verbunden. Der uber die PV-Anlagen generierte grune Strom wurde erstens in die Eigenversorgung der Hauser gesteuert und Uberschusse wurden zweitens uber die Ringleitung in die zentrale Grosbatterie eingespeist. Wird zusatzliche Energie im Haus benotigt, ist dieser Strom uber den Ring aus der Grosbatterie zu beziehen. Fur den Ausgleich bei Uberforderung der internen Kapazitaten im Quartier oder Dorf soll das offentliche Netz sorgen.
Die Energielieferung aus der Photovoltaikanlage ist naturgemas nicht konstant; eher geringschatzig wird auch die Bezeichnung Flatterstrom gewahlt. Die Sonne scheint nur tagsuber und das auch nicht immer. Im Winter tendiert die Stromausbeute gegen Null.
Gerade aber in dieser Jahreszeit wird die Uberlegenheit des Passivhauses gegenuber anderen Bauweisen markant deutlich, weil der Energieverbrauch im Passivhaus besonders gering ist. Der notwendige Ruckgriff auf Energiequellen auserhalb der Eigenversorgung ist minimal. Das zeigen die Grafiken des Fraunhofer Institutes deutlich.
In der Zukunft konnten regionale, dezentralisierte grune Kleinkraftwerke (Biogas) im Stop-and-Go-Betrieb die Energielucken, die im Quartier entstehen, ausgleichen. Aktuell gibt es in Deutschland etwa 7000 Biogasanlagen. Beschickt werden die Anlagen mit naturlichen Materialien. Wird eine Tonne Substrat, z. B. Grassilage oder Festmist, in der Anlage vergart, entstehen etwa 100 m3 Methan-Gas. Regional konnen damit Kleinkraftwerke betrieben werden, die die Stromlucke im Quartier fullen.

Fazit

Die Wirtschaftlichkeit des Projektes Wuppertal ist noch nicht festgestellt. Aussagen und Berechnungen dazu werden im Abschlussbericht, der noch nicht vorliegt, vom Fraunhofer Institut getroffen. Das „Passivhaus mit Energiebereitstellung“ leistet in diesem Quartier jedenfalls einen erfolgreichen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel. Mit einer Jahresleistung von durchschnittlich 10 000 kWh gruner Energie spart das Gebaude etwa sechs Tonnen CO2 pro Jahr ein – hochgerechnet auf 19 Hauser im Passivhausstandard ergeben sich schon 120 Tonnen CO2 -Einsparung. Mit diesen Ergebnissen ist das Passiv-/Aktivhaus zukunftsweisend.

UTE LEFARTH-KAUFHOLD ist ausgebildete Industriekauffrau Holz. Sie gründete 1974 das Fertighausunternehmen Partner-Haus, dessen Geschäftsführerin sie bis heute ist.


ANNA L. KAUFHOLD M. Sc. arch, studierte Architektur in Oldenburg und Wuppertal mit Master „Ressourcen schonendes Bauen“. www.partner-haus.de