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Patientenverfügung Was Sie wissen sollten


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 42/2021 vom 15.10.2021

RATGEBER

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 42/2021

UNTERSTÜTZUNG Es ist wichtig, sich bei der Patientenverfügung ärztlich beraten zu lassen

Es ist eine Situation, von der jeder hofft, dass sie niemals eintritt. Und doch kann es jeden treffen, in jedem Alter. Nach einem Unfall zum Beispiel oder, wie in dem TV-Drama „Bring mich nach Hause“ (siehe Kasten Seite 27), nach einem unglücklichen Sturz: Plötzlich liegt ein Mensch im Koma. Ein schwerer Schicksalsschlag, auch für die Angehörigen. Vor allem, wenn sie zudem über Leben oder Tod entscheiden müssen.

Während Ärzte grundsätzlich verpf lichtet sind, das Leben von Patienten zu erhalten, müssen Familien weitreichende Fragen klären: Sollen lebenserhaltende Maßnahmen beendet oder verlängert werden? Und wer entscheidet überhaupt, ob das Dasein des Betroffenen noch lebenswert ist? Die meisten fühlen sich damit heillos überfordert. Weil theoretisch jeder in diese Lage kommen kann, raten viele Mediziner und ...

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... Juristen, so früh wie möglich eine Patientenverfügung zu erstellen. Ziel dieser Vorsorgemaßnahme, die seit 2009 rechtlich geregelt ist: selbstbestimmt über das eigene Leben zu entscheiden und Angehörige nicht in Gewissensnöte zu bringen.

Ein häufig verdrängtes Thema

„Eine gut vorformulierte Patientenverfügung schützt vor künstlicher Leidensverlängerung am Lebensende und bewirkt ein humanes, palliativ begleitetes Sterbendürfen“, sagt der Rechtsexperte Wolfgang Putz. Das Schriftstück schafft Rechtssicherheit für Angehörige und Ärzte. Trotz solcher Appelle hat nicht mal jeder zweite Deutsche eine Patientenverfügung. Woran liegt das? Viele Menschen verdrängen die Problematik. „Wir haben große Angst, uns damit im Alltag zu befassen“, sagt Britta Stöckle, die das Drehbuch des Fernsehfilms schrieb. „Der ganze Komplex ist in vielerlei Hinsicht immer noch tabuisiert.“

Aber selbst dann, wenn eine Patientenverfügung vorliegt, sichert das nicht immer den vom Patienten gewünschten Verlauf, weil die Dokumente häufig unbrauchbar sind. Laut Experten sind rund 45 Prozent der Verfügungen unvollständig oder ungenau ausgefüllt und daher nicht bindend. Oft sind sie so uneindeutig formuliert, dass sich Ärzte rechtlich nicht in riskante Fälle verstricken wollen. Immer wieder sind Gerichte mit dem Thema beschäftigt. Deswegen gilt: Die Patientenverfügung muss fachkundig formuliert sein, ganz genau beschreiben, in welchem Fall sie wirksam ist, und konkret benennen, für welche ärztlichen Maßnahmen der Wille des Patienten gelten soll.

Jurist Wolfgang Putz rät daher davon ab, dass Laien den Text ihrer Verfügung selbst formulieren. Stattdessen sollte man auf vorformulierte Formulare zurückgreifen. Aber Achtung: Im Internet kursieren viele unbrauchbare Vorlagen. Putz, der Drehbuchautorin Stöckle beraten hat, empfiehlt die Broschüre „Vorsorge für Unfall, Krankheit, Alter“, erhältlich im Buchhandel, außerdem die Broschüren der Justizministerien von Bund und Ländern sowie der Verbraucherzentralen.

Die Bedenken der Kritiker

Entgegen einer weitverbreiteten Ansicht muss eine Patientenverfügung nicht von einem Notar beglaubigt werden. Ebenfalls nicht vorgeschrieben, aber oft sinnvoll: sich von einem Arzt beim Ausfüllen beraten zu lassen. Auch die jeweilige Vertrauensperson sollte miteinbezogen und darüber informiert werden, wo die Patientenverfügung und vielleicht auch eine Vorsorgevollmacht hinterlegt sind.

Nicht verschwiegen werden soll, dass es auch Kritiker gibt. Ihr Argument: Die Verfasser von Patientenverfügungen könnten zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung nicht wissen, wie lebenswert ihr Zustand bei einer späteren Erkrankung wirklich sein werde und somit die Situation vorab nicht richtig einschätzen. Der Psychologe und Neurobiologe Niels Birbaumer etwa meint: „Wie kann sich ein gesunder 50-Jähriger vorstellen, wie das Leben mit Locked-in oder Alzheimer ist? Vielleicht fühlt er sich dann noch wohl, kann das Formular aber nicht mehr ändern.“ Grundsätzlich gilt: Eine Patientenverfügung ist jederzeit korrigierbar – vorausgesetzt, man ist dazu gesundheitlich noch in der Lage.

THOMAS KUNZE

Weitere Infos unter www.bundesgesundheitsministerium.de/patientenverfuegung.html

Der TV-Film zum Thema

Drama über den Streit zwischen Angehörigen einer Komapatientin

Bei einem Sturz wird das Hirn von Martina (Hedi Kriegeskotte) verletzt, sie liegt im Koma. Sollen die lebens erhaltenden Maßnahmen verlängert werden? Martina hat keine Patientenverfügung, darum müssen ihre erwachsenen Töchter diese schwere Entscheidung treffen. Doch Ulrike (Silke Bodenbender) und Sandra (Anneke Kim Sarnau) sind sich nicht einig. Für die gläubige Ulrike wäre es Mord, die Geräte abzuschalten. Sandra dagegen möchte ein humanes Sterben ermög lichen, das die Qualen der Mutter beendet. Das Drama ist von wahren Fällen inspiriert, die vor dem Bundesgerichtshof verhandelt wurden. Silke Bodenbender berichtet, sie sei durch den Film sehr nachdenklich geworden: „Mit jedem Jahr, das man älter wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit, aus einem län geren Koma wieder zu erwachen“, sagt die Schauspielerin. „Deshalb werde ich sicher bald eine Patientenverfügung machen. Ich finde es sinnvoll, die Verantwortung für sich und seinen Körper über den Tod hinaus zu über nehmen. Auch um den Hinterbliebenen damit sehr viel Leid zu ersparen.“