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PEOPLE BEN HOGAN: DER MANN AUS EIS


GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 23.07.2018

Ben Hogan war einer der besten Golfer aller Zeiten, aber auch der vielleicht stillste und geheimnisvollste. Kein Wunder bei einer Kindheit, die vom Suizid seines Vaters überschattet wurde …


Artikelbild für den Artikel "PEOPLE BEN HOGAN: DER MANN AUS EIS" aus der Ausgabe 80/2018 von GOLF MAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 80/2018

Ben Hogan im Krankenhaus nach seinem schweren Autounfall 1948. Neben der Krankenschwester stehen Hogans Ehefrau Valerie und Schwester Sarah Walters.


Gibt es für Kinder etwas Schlimmeres, als den Selbstmord eines Elternteils miterleben zu müssen? Wohl nicht, weil solch ein Ereignis bei aller aktuellen Tragik und Dramatik auch brutale Langzeitwirkungen hat. Solche Kinder neigen zu Depressionen, Verhaltensauffälligkeiten ...

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... und posttraumatischen Belastungsstörungen. Im Falle der Hogans kam hinzu, dass der Selbstmord des Vaters die Familie in die Armut stürzte. Der junge Ben versuchte sich als Zeitungsverkäufer, um die Familie finanziell zu unterstützen, ehe er sich im Alter von nur elf Jahren auf den elf Kilometer langen Weg zum Glen Garden Country Club machte. Hogan hatte gehört, dass man Geld damit verdienen kann, Golfern die Tasche zu tragen.

An diesem ersten Tag verfiel Hogan dem Golfsport, den er, wenn er selbst spielte, als Ventil nutzen konnte. Seine Schläger wurden zu seinem Hammer, die Übungsschläge zum Amboss; aus all dem schuf er etwas Wunderschönes. Aus dem Kind Ben Hogan wurde, wie man es heute nennen würde, die Marke Hogan.

Ben war kein Naturtalent wie Sam Snead oder Byron Nelson. An die Spitze gelangte er durch Mut und Kaltblütigkeit. Jahrelang kämpfte er gegen einen schlimmen Hook, den er selbst wie „eine Klapperschlange in der Hosentasche“ beschrieb. Hogan gewann bis zu seinem 27. Lebensjahr kein Turnier, und weil seine Karriere durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde, in dem er bei der Luftwaffe diente, musste er erst 34 werden, bevor er mit der PGA Championship sein erstes Major gewinnen konnte.

Drei Jahre später starb Hogan fast bei einem Autounfall, als er mit seinem Wagen frontal in einen Greyhound-Bus raste. Bei dem Unfall wurden seine Beine zertrümmert, und die Ärzte fragten sich, ob Hogan jemals wieder laufen können würde. Konnte er, was er bei der US Open im folgenden Jahr bewies, die er mit sechs Schlägen Vorsprung gewann.

Ein passendes Porträt von Ben Hogan. Für seinen Tour-Kollegen Byron Nelson war Hogan „ein geschlossenes Buch für viele Menschen, vielleicht sogar für sich selbst.“


Ben Hogan bei der Open in Carnoustie 1953. Es war sein erster und einziger Auftritt bei einer Open. Der Amerikaner gewann souverän.


© GOLF DIGEST 07/18. FOTOS: GOLF DIGEST, GETTY IMAGES


„VIELE MÄNNER, DIE ALLES GETAN HABEN, WAS VON IHNEN ERWARTET WURDE, ENDEN BEIM THERAPEUTEN“


1953, vier Jahre nach dem Unfall, triumphierte Hogan beim Masters mit fünf Schlägen und bei der US Open mit sechs Schlägen Vorsprung. Bei seinem einzigen Auftritt bei einer Open in Carnoustie zerlegte er stillschweigend einen der brutalsten und schwersten Linksplätze der Welt; hier lag er am Ende mit vier Schlägen vor dem Rest der Welt.

Das war der Höhepunkt seiner herausragenden Karriere. Aufgrund starker Schmerzen hatte Hogan in dem Jahr nur sechs Turniere spielen können, davon aber fünf gewonnen.

Viele sahen in Ben Hogan das große Vorbild eines Golfers – und Mannes: ordentlich rasiert, sauber gekleidet und brutal ehrlich, bescheiden, hart arbeitend, diszipliniert und stoisch. Ein einsamer Wolf, der sich durch die Elemente kämpft – innerlich wie äußerlich.

Golfer sind stolz auf die Werte, die das Spiel ihnen und anderen vermittelt. Das Spiel hat seine Regeln, einen Stamm und einen Ältestenrat. Durch Vorbilder wie Hogan können Jungs lernen, wie man zum Mann wird; etwas, das vielen Kindern zu Hause verwehrt bleibt, da in den USA eines von drei Kindern ohne Vater aufwachsen muss!

Sie lernen, dass das Spiel schwer ist und Belohnungen nur selten sind. Ein guter Schlag wird manchmal bestraft und ein schlechter Schlag hat nicht immer Konsequenzen. Spiele den Ball, wie er liegt, und wenn niemand gesehen hat, dass du eine Regel gebrochen hast, dann erlege dir selbst eine Strafe auf. Sei zielstrebig und beschwere dich niemals. Hast du ein Problem? Dann löse es. Bei alledem war Ben Hogan für seine Schweigsamkeit und Kälte berühmt und berüchtigt. Er verabscheute Smalltalk und das Sprechen im Allgemeinen. Er hasste Interviews, und junge Autogrammjäger konnte er mit einem eisigen Blick direkt von ihrem Vorhaben abbringen.

Nach seinen drei Major-Siegen 1953 beim Masters, der US Open und der Open in Carnoustie feierte New York den Golfer Ben Hogan mit Hingabe und einem Autokorso.


Als ich klein war, schwebte Hogan über mir wie ein alter Greis, der meine lächerlichen Versuche, erwachsen zu werden, missbilligend beobachtete. Es schien, als habe er alle gemeinen Lehrer in der Schule in seiner Person vereint. Wie die längst verstorbenen Verwandten, die grimmig und missbilligend aus den vergilbten Fotoalben blicken. Ich habe einmal in einer Autobiografie von Jack Nicklaus gelesen, dass er Hogan mochte, weil der so gar nicht überschwänglich war.

Hogan, der aus Überzeugung kinderlos blieb, baute angeblich ein Haus mit nur einem Schlafzimmer, um zu vermeiden, dass Gäste über Nacht bleiben konnten. Im Jahr 2015 erinnerte sich Arnold Palmer in einem Interview einmal an die Abgebrühtheit von Hogan, der ihn nie bei seinem Namen genannt hatte. „Natürlich hat mir das etwas ausgemacht“, so Palmer. „Und ich kann bis heute nicht mit Sicherheit sagen, warum er das getan hat. So weit ich mich erinnere, hat er mich bis zu seinem Tod nie beim Namen genannt.“

Ben Hogans Schwung galt (und gilt) als klassisch und effektiv, wurde in ungezählten Zeitschriften und Büchern…


…analysiert. Die elegante und scheinbar mühelose Bewegung, die in einem fast perfekten Treffmoment kulminierte…,


…bereitete Hogan nach seinem Autounfall große Schmerzen. Die vermeintliche Blöße, das zu zeigen, gab er sich nicht.


„Ben war für viele ein großes Geheimnis. Vielleicht war er das auch für sich selbst“, sagte Byron Nelson einst zu Hogans Biograf James Dodson. „Aus irgendeinem Grund wollte er es so. Er wollte niemanden an sich heranlassen.“

Männlicher Protest

Der österreichische Psychoanalytiker Alfred Adler war der Meinung, dass Männer ihre Angst vor Verletzlichkeit damit kompensieren, dass sie sich in stereotypes Gockel-Gehabe stürzen. Sein Kollege Carl Jung vertrat die Auffassung, dass in diesen Fällen die Anima, die Weiblichkeit, unterdrückt und der Animus, die Männlichkeit, gesucht wird. Um einen gesunden Zustand zu erreichen, müssen nach Ansicht von Carl Jung beide Seiten ausgewogen vertreten sein.

Ein junger Kerl ist ein kompletter Animus, frei von allem, was mit der Weiblichkeit in Verbindung gebracht werden könnte. Adler nannte das den „männlichen Protest“. Um als Machthaber ernstgenommen zu werden, muss man kompromisslos, gefühlskalt, rücksichtslos sein und vor nichts zurückschrecken.

Wenn Männer aufeinandertreffen – in Umkleidekabinen, in Bars und oder in Gefängnisfilmen – resultiert das häufig in einem testosteronbelasteten Wettkampf. Meist sind die, die das größte Machogehabe an den Tag legen, am unsichersten.

Hogans männlicher Protest war in Wahrheit ein leiser Hilferuf. Man kann nachvollziehen, warum er in sich gekehrt war und sich von dem Rest der Welt abwendete. Allerdings ist es heute nicht mehr selbstverständlich, warum diese Eigenschaften ein wünschenswerter Teil der Blaupause eines echten Mannes sein sollen. Immerhin sind Männer dreimal so gefährdet wie Frauen, an einer Sucht zu erkranken oder Selbstmord zu begehen.

1953 gewann Ben Hogan die Open in Carnoustie; dort stieg das Major auch in diesem Jahr.


Ben Hogan (rechts, mit der für ihn typischen Mütze) mit Sam Snead vor einem Playoff im Rahmen der Los Angeles Open zu Beginn der 50er-Jahre. Ben Hogan gewann neun Major-Turniere und jedes der vier mindestens einmal, schaffte also den Grand Slam! 1997 starb er im Alter von 64 Jahren in Fort Worth, Texas.


Mit seinem eleganten Schwung gewann Ben Hogan alle Majors mindestens einmal.


Die Platte im Merion Golf Club erinnert an den Schlag mit dem Eisen 1, mit dem Hogan quasi die US Open 1950 gewann.


Golflektionen sind etwas Gutes, aber sie können auch dazu führen, dass Jungs eine langweilige Konformität erlernen, die auf Zurückhaltung, Intoleranz gegenüber Andersartigkeit und Reserviertheit gegenüber Mitmenschen basiert. Golfer sind Einzelkämpfer in Khaki-Hosen.

Wir erzählen unseren Söhnen, sie sollen ihren Mann stehen. Weinen sei keine Option. Jungs wurden (und werden zum Teil immer noch) dazu erzogen, dass sie nichts zu fühlen haben; außer Wut, da das eine männliche Emotion ist. Sie sollen austauschbare Zahnräder in einer emotionslosen Maschinerie werden. So erschaffen wir abgestumpfte, wortkarge Einzelgänger: John Wayne, Charles Bronson, Clint Eastwood… Wir kreieren Väter, die nicht für ihre Familie da sind, weil sie damit beschäftigt sind, in den Sonnenuntergang zu reiten.

Viele Männer, die sich so verhalten haben, wie es von ihnen erwartet wurde, finden sich früher oder später auf dem Sofa eines Therapeuten wieder, weil sie sich wie Zombies fühlen. Auf dem Papier scheint ihr Leben eine Erfolgsgeschichte, doch in der Realität sind sie nur ein Schatten ihrer selbst.

Es war in der Nacht zum Valentinstag, als sich Chester Hogan das Leben nahm. Er schoss sich ins Herz.


© GOLF DIGEST 07/18. FOTOS: GOLF DIGEST, GETTY IMAGES. DEUTSCHE BEARBEITUNG: ANN-KATHRIN NAHL